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Samstag, 25. Februar 2012

Neuerscheinung: Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz

Michael Haller‚ Martin Niggeschmidt (Hrsg.)
Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz
Von Galton zu Sarrazin: Die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik

http://www.von-galton-zu-sarrazin.de/index.htm

"Die von Thilo Sarrazin heraufbeschworenen Untergangsszenarien sind uralt. Schon im vorletzten Jahrhundert waren es angeblich die Falschen, die am meisten Kinder bekamen: Ungebildete, Unterschichten und Volksfremde. Doch die befürchtete Degeneration blieb aus; die offene, moderne Gesellschaft erwies sich als leistungsfähiges Erfolgsmodell.
Worin liegt der Erfolg der Sarrazin-Thesen begründet? Der vorliegende Sammelband diskutiert aus Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen die Behauptung, in modernen Gesellschaften finde eine Gegenauslese zu Gunsten der Dummen statt. Die Autoren weisen dieser inzwischen weit verbreiteten Argumentation zahlreiche Fehler und Missverständnisse nach. Sie zeigen, dass die von Sarrazin angestoßene Debatte um eugenische Ideen kreist und sich zu weiten Teilen auf dubiose Forschungsergebnisse eines internationalen Zitierkartells stützt."

© 2012 Michael Haller & Martin Niggeschmidt


Vorschau auf Google Books:
http://books.google.de/books?id=QqrIG2K3mb4C&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false


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Bei der Gelegenheit auf Google Books neu gefunden:

"Eugenik vor 1933", "Eugenik und Nationalsozialismus", "Rassismus und Eugenik"... 
http://books.google.com/books?id=euyht2VC66wC&source=gbs_similarbooks


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Gute Besprechung von Michael Blume auf
http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/der-deutsch-amerikanische-rassismus-des-thilo-sarrazin/

Der deutsch-amerikanische Rassismus des Thilo Sarrazin
14. Juli 2012

Als der Volkswirt und Senator a.D. Thilo Sarrazin (SPD) 2010 "Deutschland schafft sich ab" veröffentlichte, plante ich eine Blogpostreihe - zumal der Mann auch über Seiten hinweg meine Arbeiten zitiert hatte und ich also "aus erster Hand" seinen Umgang mit Wissenschaft beobachten konnte. Aber ich ließ mich nach einem ersten Post davon überzeugen, dass Sarrazin nur ein "verbitterter Eigenbrötler" und "Rechthaber" sei, dem man doch nicht noch mehr Aufmerksamkeit widmen sollte. Doch nach Lektüre des hervorragenden Sammelbandes "Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz: Von Galton zu Sarrazin" um die Herausgeber Michael Haller und Martin Niggeschmidt musste ich erkennen - ich lag da falsch. Thilo Sarrazin ist kein verirrter Einzelgänger, sondern ein planvoller Rückübersetzer von Sozialdarwinismus und Rassismus nach Deutschland. [...]
Anfang des 20. Jahrhunderts breiteten sich sozialdarwinistisch-rassistische Bewegungen in der westlichen Welt aus. Der Wissenschaftsjournalist Claus Sesin geht dem millionenschweren "Pioneer Fund" nach, der 1937 von dem Textil-Magnaten und Nazi-Sympathisanten Wickliffe Draper gegründet wurde. In ihrer Gründungscharta strebte die Stiftung "Rassenverbesserung, speziell in USA" sowie die "Repatriierung Schwarzer nach Afrika" an - heute sitzen bekannte "Intelligenzforscher" wie Richard Lynn in ihrem Direktorium. Der Fund förderte die Zusammenarbeit deutsch- und englischsprachiger Eugeniker und fördert weiterhin die Erstellung und Verbreitung rassistischer und eugenischer Schriften.
Aus den erheblichen Mitteln des Pioneer Fund wird seit Jahrzehnten wissenschaftliche Reputation erzeugt, indem rassistisch verwertbare Studien, Bücher und "Fachmagazine" wie "Mankind Quarterly" gefördert werden. Zahlreiche Widerlegungen und auch aufgeflogene Fälschungen konnten so kaum etwas daran ändern, dass sich im englischen Sprachraum ein Zitierkartell des pseudo-wissenschaftlichen Rassismus entfalten und mit Büchern wie "The Bell Curve" (1994) auch in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft wieder etablieren konnten. Aus diesen "wissenschaftlichen" US-Quellen bedient sich Thilo Sarrazin, um, gekonnt vermischt mit seriösen Quellen, die Argumentationsmuster wieder nach Deutschland zu bringen. Fast schon bestürzend unkreativ ersetzte er dabei den Lieblingsgegner der US-Rassisten, die Afroamerikaner, durch das derzeitige Lieblingsziel der deutschsprachigen Rassisten, die Muslime.
Zu den heutigen Beiratsmitgliedern von "Monthly Quarterly" gehört nach den Recherchen des Soziologen Andreas Kemper übrigens auch der Biologe Volkmar Weiss. Dessen Buch "Die IQ-Falle" (2000) erschien im Leopold Stocker Verlag, der nach einem Urteil des Landgerichts Graz 2006 als "rassistisch", "rechtsextrem" und "antisemitisch" bezeichnet werden darf. Auf Vorschlag der NPD in die Demografie-Enquetekommission von Sachsen berufen, zählt Volkmar Weiss neben Detlef Rost, Gunnar Heinsohn und Heiner Rindermann zu den deutschen Hauptquellen von Sarrazins These vom biologischen Qualitätsunterschied der Völker und der vermeintlich drohenden Dysgenik. [...]
Wie der Historiker Sander Gilman aufzeigt, kamen schon die Pioneer-Fund-"Forscher" zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf die wirkungsvolle Idee, zur Verschleierung ihres Rassismus neben der vermeintlichen "Minderwertigkeit" schwarzer Menschen auch "höhere IQ-Ergebnisse" asiatischer und jüdischer Minderheiten anzuführen. Was nach Lob klingt, unterstreicht aber damit nur, dass auch diese Gruppen dem Rassisten als möglicherweise verschwörerische Fremde gelten - und ihre innere ethnische, religiöse und weltanschauliche Vielfalt rassistisch bestritten wird. In Sarrazins Worten: "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, das sie von anderen unterscheidet." Heutige Rassisten spielen religiöse und ethnische Minderheiten einerseits gegeneinander aus, isolieren sie aber andererseits auch gesellschaftlich als vermeintlich unaufgebbar Fremde - in den USA, und nun auch wieder in Deutschland. [...]

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Erschienen 2013:

Anti-Sarrazin: Argumente gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Sozialdarwinismus
von Sascha Stanicic

Besprechung z.B. auf
http://diefreiheitsliebe.de/buchrezension/anti-sarrazin-argumente-gegen-rassismus-islamfeindlichkeit-und-sozialdarwinismus

Kommentare:

  1. Michael Haller und Martin Niggeschmidt:

    ... Wer den Ursprung der These sucht, ein Volk werde unausweichlich dümmer, wenn die „weniger Intelligenten“ mehr Kinder bekommen, sollte in dem von Sarrazin zustimmend zitierten Buch „Genie und Vererbung“ von Francis Galton blättern. Es ist bald 150 Jahre alt. Damals schrieb der Begründer der Eugenik, in zivilisierten Gesellschaften sei die Fruchtbarkeit der befähigteren Klassen vermindert, während die „Unbedachtsamen“ und „Nichtehrgeizigen“ am meisten Nachkommenschaft aufzögen: „So verschlechtert sich die Rasse allmählich, wird in jeder folgenden Generation für eine hohe Zivilisation weniger tauglich.“ Man sollte sich klarmachen, wie klein die von Galton beschriebenen „befähigteren Klassen“ (Richter, Literaten, Naturwissenschaftler, Mathematiker) damals waren. In Preußen beispielsweise zählten Mitte des 19. Jahrhunderts gerade mal 0,3 Prozent der Erwerbstätigen zum Bildungsbürgertum. Über zwei Drittel der Bevölkerung gehörten zur Unterschicht. Der weit überwiegende Teil der heutigen Akademiker dürfte also von jenen kinderreichen, unbedachtsamen und nichtehrgeizigen Bevölkerungsteilen abstammen, denen Galton schlechte Erbanlagen zuschrieb. Kaum jemand – auch Sarrazin nicht – kann sicher sein, dass seine Vorfahren von Theoretikern, die sich im 19. Jahrhundert über die Qualität der Bevölkerung Gedanken machten, für wertvoll und fortpflanzenwert erachtet worden wären.

    Michael Haller und Martin Niggeschmidt: Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz: Von Galton zu Sarrazin: Die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik

    http://www.kmr.nu/sekel_del_I.pdf

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  2. Veranstaltungen zur Erbbiologie in Münster und zu Sarrazins Quellen

    November 18, 2011 · Allgemein, Artikel (Bevölkerungsbiologie)

    Mit einer Doppelveranstaltung sollen die Kontinuität des Wirkens von NS-Rassenhygienikern nach 1945 an der Uni-Klinik Münster und die erbbiologischen Wurzeln von Thilo Sarrazins Thesen in “Deutschland schafft sich ab” dargestellt und diskutiert werden.

    Michael Billig: “NS-Eugeniker an der Uni-Klinik Münster nach 1945″

    Am Montag, 12.12.2011 wird um 19:30 Uhr der Journalist Michael Billig über “NS-Eugeniker an der Uni-Klinik Münster nach 1945″ referieren. Zu diesem Thema wird momentan an der Hochschule geforscht und bereits vier Dekane der Klinik nach 1945 wurden vom Institut als Verfechter der NS-Ideologie gekennzeichnet. Michael Billig hatte mit dem Artikel “In die NS-Rassenideologie verstrickt” die Diskussion über Straßenumbenennungen in Münster angestoßen, da es noch immer beispielsweise einen “Jöttenweg” gibt, obwohl Jötten an der Zwangssterilisierung tausender von Hilfsschülern mitgewirkt hatte.

    Andreas Kemper: “Sarrazins erbbiologische Quellen”

    Am darauffolgenden Montag, 19.12.2011 wird ebenfalls um 19 Uhr ein Beitrag über “Sarrazins erbbiologische Quellen” stattfinden. Sarrazins Buch steht nicht nur in einer Tradition von Publikationen, die seit den 1980er Jahren behaupten, dass in Deutschland die Falschen, nämlich die “erblich-dummen” die Kinder kriegen statt der “Erbelite”. Sondern seine “wissenschaftlichen” Quellen werden großenteils gespeist aus dem Magazin “Mankind Quarterly”, welches u.a. vom NS-Rassenhygieniker Otmar Freiherr von Verschuer mitbegründet wurde, der nach 45 Dekan der Uni-Klinik Münster war und mit Hilfe des Atomministeriums das erste Humangenetische Institut aufbaute, womit dieser Beitrag an dem vorangegangenen anschließt.

    https://andreaskemper.wordpress.com/2011/11/18/veranstaltungen-zur-erbbiologie-in-munster-und-zu-sarrazins-quellen/

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  3. Aus

    Der deutsch-amerikanische Rassismus des Thilo Sarrazin
    14. Juli 2012 von Michael Blume in Sozialdarwinismus

    Fazit: Thilo Sarrazin und der Rassismus reloaded

    Viele Menschen - auch in den Wissenschaften - glauben immer noch, dass der Bestsellererfolg von Thilo Sarrazin nur ein seltsames Einzelereignis eines isolierten Querdenkers markiert. Nach der Lektüre des inhaltsreichen und streckenweise geradezu spannenden Sammelbandes habe ich verstanden, dass dem nicht so ist: Thilo Sarrazin argumentiert keineswegs isoliert vom pseudo-wissenschaftlichen Rassismus, sondern reimportierte ihn aus den USA zurück nach Deutschland. Statt sich an ehrliche Ursachenanalysen zu machen, war es für große Teile unserer zunehmend alternden und kinderarmen Gesellschaft einfacher, mit "den Muslimen" wieder eine Minderheit zu benennen, auf die sie die eigenen Ängste projizieren konnte. Auch im 21. Jahrhundert gilt: Jede Generation wird sich neu mit Varianten von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen müssen.

    http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/der-deutsch-amerikanische-rassismus-des-thilo-sarrazin/

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