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Sonntag, 1. April 2012

Höhenlage der Intelligenz

Die Angehörigen der Führungsschichten und der Bürokratie
waren zu 90 Prozent willige Helfer der Nazidiktatur gewesen;
das wirkte sich aber keineswegs auf ihre Effizienz beim Wiederaufbau aus.
Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab, 2010
(Braucht Deutschland also mehr vom Typus dieser tüchtigen Helfer?)



Erinnern wir uns an die Vorstellung vom "gesteigerten Leben" im Gegensatz zum "Wohlfahrtsgedanken":

“Mögen noch so interessante wirtschaftliche Probleme zur Maßnahme locken, der Nationalsozialismus wird sie nicht aufgreifen, wenn sie nicht einem Volksteil zugute kommen, der sie durch gesteigertes Leben dankt; den Wohlfahrtsgedanken demokratischer Prägung hat unser Staat aufgegeben.”
Ludwig Schmidt-Kehl („Rassen-Schmidt“) in dem Artikel „Der Mensch in der Rhön“ in der Fachzeitschrift „Raumforschung und Raumordnung“, Heidelberg 1/1938, S. 73 ff.; zitiert nach Wikipedia
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/volkischer-nationalismus-und-die-idee.html

Worin bestand nun das von "Rassen-Schmidt" beschworene “gesteigerte Leben” nach der Vorstellung der Nationalsozialisten?

Da haben wir also die “Lebenshöhe eines Volkes”, die nach Hitler an der Kilometerzahl der für den Kraftverkehr geeigneten Straßen bemessen werden kann.
http://guttmensch.blogspot.com/2012/03/fritz-nonnenbruch-und-die-ideologie-von.html
Dann haben wir die “Höhenlage der Intelligenz”, die dem Nazi-Intelligenztheoretiker Reinöhl zufolge,entsprechend den Rassentheorien seiner Zeit,bei der “nordischen Rasse” am höchsten liegt.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/nazi-wissenschaftler.html

Neu gefunden: Reinöhl über den von Sarrazin positiv gewürdigten Darwin-Vetter Galton:…Francis Galton, der ja bekanntlich einer der größten und bedeutendsten Forscher aller Zeiten und Begründer der Eugenik war…“ (Die Vererbung der geistigen Begabung, J.F. Lehmanns Verlag, 3. Auflage, 1943, S. 87)

Es entspricht einer gewissen Logik, dass Henry Ford freudig bewegt den Nazi-Adlerorden entgegen nahm.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/henry-ford-uber-die-juden-ein.html


Der Fordismus stand nicht nur f
ür eine drastische Steigerung der Produktivität, sondern auch für die Erhebung der Produktivität und ihrer ständigen Steigerung zum Menschheitsideal. Wenn aber die Produktivität zum obersten Prinzip wird, wer soll den Nutzen davon haben?Wer soll von dem durch Technologie und Innovation ermöglichten, unvorstellbaren Ausmass an Produktions- und Effizienzsteigerung profitieren?  Wer soll die auf den Markt geworfenen Produkte konsumieren, wer an den erwirtschafteten Gewinnen beteiligt sein? Wie ist die Verteilung der geschaffenen Werte (und Belastungen) zu gestalten und zu legitimieren? Welchen Menschen und Menschengruppen werdenin einer Gesellschaft, in der einerseits Menschen besonders leicht austauschbar sind, andererseits Hochqualifizierte für komplexe Aufgaben gebraucht werden, mehr oder weniger wertvolle Beiträge zur “Lebenshöhe eines Volkes” zugeschrieben; wer gilt als “unnützer Esser” oder Schlimmeres?


In anderen Worten, welche Früchte soll die durch Technologie und Innovation explosionsartig gestiegene Produktivität der Arbeit hervorbringen - und wem sollen sie zustehen? Erfindern, Unternehmern, Managern, Aktionären? Allen, die in besonders produktiven und wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen beschäftigt sind? Allen, die in Ländern leben, in denen besonders produktive und wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen angesiedelt sind? Allen Menschen?

Die Antwort des Nationalsozialismus war verführerisch in ihrer scheinbaren Einfachheit: Rasse. Die Früchte der Produktionssteigerung durch Technologie und Innovation stehen den Menschen zu, die einer “höheren Rasse” angehören. Diese sind im Sinne des Sozialdarwinismus und der Eugenik “fitter” und “intelligenter” und damit eines “gesteigerten Lebens” wert, und, was am wichtigsten ist, sie geben die Gehobenheit ihrer Intelligenz und ihres Charakters über ihre Gene weiter. Der “Wille der Rasse” entspricht dem, was Gläubige als den “Willen Gottes” ansehen bzw. trittan dessen Stelle. Da die "Rasse" der nationalsozialistischen Ideologie zufolge den Sinn und Zweck des technologischen Fortschritts verkörpert, ist zum einen auf die “Reinheit der Rasse” zu achten (also darauf, dass sie sich nicht mit “minderwertigen” Rassen vermischt), zum anderen darauf, dass sich innerhalb der “Rasse” die “höherwertigen” Individuen stärker fortpflanzen als die faulen, minderbegabten oder sonstwie “minderwertigen”.


Die rassenideologische Antwort auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft hatte ihre Wurzeln eben nicht nur in der deutschen Geschichte. In ihr reflektierten sich länderübergreifende Einflüsse der Kolonialgeschichte, des Laisser-Faire-Kapitalismus, des Kommunismus und Anti-Kommunismus. 

In ihr äußerte sich auch die Tatsache, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg eine besonders einladende Spielwiese für soziale Experimente war. Karl Pearson, der getreue Apostel der Eugenik-Religion Francis Galtons, fand in Eugen Fischer, der in Südwestafrika mit seinen “anthropologischen Forschungen” auf den Fußstapfen Galtons gewandelt war, und anderen Anhängern der “Rassenhygiene” eifrige Mitstreiter. Das vor Leistungswillen strotzende, aber im Urteilsvermögen schwache, Scharlatanerie-anfällige Nachkriegs-Deutschland der 1920er und 1930er Jahre bot einen fruchtbaren Boden für die Umsetzung der eugenischen Utopie von Galtons “Kantsaywhere” in einem real existierenden Staat.http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/der-traum-vom-genetisch-korrekten-staat.html

Auffassungen wie die von Klaus Dohnanyi, der meinte, die Lehren, auf die Sarrazin sich bezieht, kämen ja aus England, seien daher nicht Nazi-verdächtig und somit positiv zu sehen, ignorieren wichtige Information (die bis in das Internet-Zeitalter hinein z.T. allerdings auch schwer zugänglich war; dies gilt z.B.für Galtons “Kantsaywhere”-Utopie und für die Einflüsse der internationalen Eugenik-Propaganda in Deutschland).
Für uns Heutige ist wichtig, dass wir ideologischen Ballast, der die Analyse heutiger Probleme und die Entwicklung wirksamer und werte-orientierter Lösungsstrategien beeinträchtigt, als solchen erkennen, und Erfahrungen aus Irrwegen der Geschichte in die Entwicklung von Zukunftsstrategien einbeziehen.


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Abgesehen davon, dass kein Intelligenztest unabhaengig vom Lebens- und Lernumfeld und von Einfluessen auf die Tagesform ist, koennen Intelligenztests lediglich Teilbereiche menschlicher Kompetenz annaeherungsweise erfassen.

Die Angeklagten im Nuernberger Prozess erzielten, mit einer einzigen Ausnahme (Streicher) im Intelligenztest deutlich ueberdurchschnittliche Ergebnisse. Kann man sie nun als besonders intelligent oder leistungsfaehig bezeichnen? - Eben nur in Teilbereichen. In anderen Bereichen der Intelligenz, die mit Urteilsfaehigkeit und mit der Abschaetzung der Folgen eigener Handlungen in einem Gesamtzusammenhang zu tun haben, und die mit den Tests nicht erfasst wurden, haben sie versagt.

Wir wissen heute auch ueber Teilleistungsstoerungen und Teilbegabungen wesentlich mehr, als in den Nachkriegsjahren bekannt war; unser Wissen ueber die Funktionsweise des Gehirns steigt staendig. Aber je mehr wir wissen, desto mehr Einsicht gewinnen wir auch ueber die Grenzen unseres Wissens.



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Ueber die Effizienz einiger der "willigen Helfer" des Nazi-Regimes in Nachkriegs-Deutschland

Norbert Frei (Hrsg.), Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945, Campus Verlag: Frankfurt/ New York 2001. - Buchbesprechung von Susanne Benöhr und Uta Engelmann (von mir leicht gekuerzt und Hervorhebungen mit Fettdruck vorgenommen)
http://www.eforum-zeitgeschichte.at/benoeh02.htm

"Karrieren im Zwielicht" ist das Begleitbuch zu einer fünfteiligen Fernsehdokumentation des Südwestrundfunks. Die Sendung und das Buch berichten von Männern, die zu "Hitlers Eliten" zählten und auch noch nach der "Stunde Null" ihre Chance zu wahren wussten. Ihre zum Teil glänzenden bundesdeutschen Karrieren, die sie trotz bzw. wegen ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit einschlagen konnten, stehen im Mittelpunkt der Betrachtung. … Hitler, Himmler, Göring und Goebbels waren tot, und daher lag es nahe sich als "verführter Mitläufer" zu exkulpieren. Der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder taten ein übriges, und so bot sich nicht wenigen aus der "Elite Hitlers" eine "zweite Chance".
Zu diesem Kreis gehörte zweifellos Reinhard Gehlen. Generalmajor Gehlen war Geheimdienstler, und in dieser Funktion leitete er ab 1942 beim Generalstab des Heeres die Abteilung "Fremde Heere Ost". Nach der Kapitulation offenbarte er sich zügig den Amerikanern, die für den Geheimdienstler schnell eine "bruchlose Weiterverwendung" fanden, und so begann Gehlen bereits 1946 mit dem Aufbau eines Auslandsnachrichtendienstes, besser bekannt unter dem Namen "Organisation Gehlen". Er griff alsbald auf "alte Kontakte" zurück. Diese bestanden unter anderem zur SS, zum SD und zur Gestapo. So wurde beispielsweise der ehemalige SD-Mitarbeiter Dr. Rudolf Oebsger-Röder - der nachweislich zu etlichen "Einsätzen" in Polen, der Sowjetunion und in Ungarn abkommandiert war - nunmehr aufgrund seiner "Erfahrung" angeworben. Am 1. April 1956 avancierte die "Organisation Gehlen" zum Bundesnachrichtendienst, kurz BND.
Dieser unterstand unmittelbar dem Bundeskanzleramt. Dort fungierte Dr. Hans Globke als Adenauers Kanzleramtschef. Dieser hatte maßgeblich die Nürnberger Gesetze von 1935 kommentiert. Als Gehlen schlussendlich 1968 aus dem Amt schied, erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz. Seine Biographie "Der Dienst" legitimierte nicht nur das deutsche Vorgehen im Russlandfeldzug, sondern sie stellte zudem die Kompetenz der Wehrmacht im Umgang mit dem Gegner heraus. Gehlen kolportierte in seinem Werk ein "Wehrmachtsbild", das bis in die neunziger Jahre hinein Bestand haben sollte. Danach sei die Wehrmacht missbraucht worden, aber letztlich "anständig" geblieben. Dass dies nicht der Wahrheit entsprach, hatte bereits 1979 der ehemalige Luftwaffenoffizier und bekannte Journalist Henri Nannen den “Stern”-Lesern drastisch vor Augen geführt: "Wer sich nicht Augen und Ohren zuhielt und das Gehirn abschaltete, dem blieb nicht verborgen, dass hier das perfekteste Verbrechen seinen Weg nahm. Wir hätten es wissen müssen, wenn wir es nur hätten wissen wollen. Wer Soldat im Osten war, dem konnten die Judenerschießungen, die Massengräber und beim Rückzug die ausgebuddelten und verbrannten Leichenberge nicht verborgen bleiben".
Dennoch oder eventuell auch gerade deshalb war es der Russlandfeldzug, der bei dem Neuaufbau der Bundeswehr und damit verbunden der Auswahl des Führungspersonals den Ausschlag geben sollte. So wurde der "Afrika-Korps-Kämpfer" Wolf Graf von Baudissin, der eine kritische und reformorientierte demokratische "Innere Führung" in der Bundeswehr etablieren wollte, aufgrund fehlender höherer Weihen im Russlandfeldzug letztlich "wegbefördert". Speziell die Traditionsfrage erwies sich für die Bundeswehr als heikles Problem. Nachdem der Führungsstab des Heeres 1958 vorschlug, den geplanten 36 Divisionen der Bundeswehr die Tradition von 36 Wehrmachtsdivisionen überzustülpen, wurde unter der Ägide des Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß eine externe Expertenkommission berufen, um einen Leitfaden in Traditionsfragen zu entwerfen. In diesem Zusammenhang erging eine Einladung an die vielleicht zwielichtigste Person überhaupt: Reinhard Höhn. Ihn zeichnete eine besonders große Anpassungsfähigkeit aus. Nachdem er zunächst eine "mustergültige NS-Karriere" verfolgt hatte, in der er u.a. die Leitung des "Berliner Instituts für Staatsforschung" innehatte und zugleich beim SD-Hauptamt tätig war, musste er sich nach dem Kriegsende neu orientieren. Er erschloss sich ein neues Aufgabenfeld, in dem er nicht weniger "erfolgreich" seine Vorstellungen von "Menschenführung" umsetzte. Als Leiter der "Bad Harzburger Akademie für Führungskräfte" propagierte er ein Managementkonzept, das als "Führung im Mitarbeiterverhältnis" und "Harzburger Modell" schnell populär wurde. Dabei ging Höhns Managementkonzept letztlich auf die preußische Militärtradition zurück und nahm Führungselemente der SS auf, wie etwa die "Führerversammlung". Höhn wurde zum "Lehrer für 600.000 Manager", wobei Schlagworte wie "Delegation und Verantwortung" und die "Innere Kündigung" bis heute einen hohen Stellenwert genießen. Als Höhn im Jahre 2000 starb, fanden sich im Nachruf in der "Süddeutschen Zeitung" weder eine kritische Bemerkung zu seiner NS-Vergangenheit noch zum autoritären Charakter des Modells.

Gleichwohl schulte Höhn nicht nur die Wirtschaftselite und die Bundeswehr - seine Aktivitäten erstreckten sich auch auf die Parteien. Dabei reichte das Spektrum seiner Klienten von den Parteien des bürgerlichen Lagers bis hin zu SPD-Funktionären und Gewerkschaftlern. Dass gerade die Parteien gefährdet waren, von "Hitlers Elite" unterwandert zu werden, beweisen das Verbot der "Sozialistischen Reichspartei" (SRP) durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) im Jahre 1952 und die Zerschlagung des "Gauleiter-Kreises". Insbesondere die Zerstörung des "Gauleiter-Kreises" um Dr. Werner Naumann, der in Hitlers Testament zu Goebbels' Nachfolger als Reichspropagandaminister bestimmt worden war, erwies sich im Jahre 1953 als Politikum erster Güte. Zusammen mit anderen ehemals führenden nationalsozialistischen Funktionären war es dieser Gruppe gelungen, Nordrhein-Westfalens FDP zu infiltrieren. Als die Briten im Januar 1953 die Rädelsführer verhafteten, waren diese mit ihrem Unterfangen, die FDP zu einer "nationalen Sammlungsbewegung" aller Kräfte rechts von der Union umzuwandeln, bereits maßgeblich fortgeschritten. De facto offenbarte diese konspirative Verschwörung ein Höchstmaß an personellen Querverbindungen. Während Werner Naumann als Leiter der Gruppe agierte, amtierte der FDP-Landtagsabgeordnete Ernst Achenbach als "spiritus rector". In seinem Essener Büro wiederum war u.a. der frühere SS-Obergruppenführer Professor Franz Alfred Six tätig. Dieser verfügte seinerseits über gute Beziehungen zu Reinhold Gehlen und Reinhard Höhn. So war Six zwischenzeitlich für die "Organisation Gehlen" tätig gewesen und trat in den sechziger Jahren nebenberuflich als Dozent in Reinhard Höhns Akademie auf, wobei er bereits zu diesem Zeitpunkt erfolgreich als Werbeleiter bei Porsche-Diesel tätig war.

Vollends schließt sich der Kreis, wenn man bedenkt, dass Six' enger Vertrauter Host Mahnke letztlich beim "Spiegel" als leitender Redakteur arbeiten konnte. Freilich überrascht dies in der Retrospektive nicht, denn letztlich verfügte ein Mann wie Mahnke, der eng mit Six verbunden war und dieser seinerseits gute Beziehungen zum BND und Gehlen hatte, über detailliertes Geheimdienstwissen, was die Leserschaft des "Spiegel" offenbar besonders zu schätzen wusste.
"Karrieren im Zwielicht" ist ein beunruhigend gutes Buch. Überdeutlich treten die alten Seilschaften zu Tage, die ihr Einflussgebiet auch nach der "Stunde Null" zielsicher zu wahren, wenn nicht zu erweitern wussten.


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Das Kapitel "Nachkriegskarrieren" ist ein sehr weites Feld.

Zu "willigen Helfern der Nazi-Diktatur", die spaeter mit einem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurden, gehoert u.a. der Mediziner und "Rassenhygieniker" Lothar Loeffler, der unter Alfred Rosenberg an der pseudo-wissenschaftlichen Begruendung der Verbindung von Antisemitismus und Antibolschewismus mitgewirkt hatte (s. auch Stichwort "Rosenberg" auf diesem Blog).

Ueber den gleichen Lothar Loeffler (nicht identisch mit dem SPD-Politiker dieses Namens) siehe auch "Eugenische Vernunft: Eingriffe in die reproduktive Kultur durch die Medizin 1900 - 2000" von Maria A. Wolf, 2008

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Der NS-Führungswachswuchs und die junge Bundesrepublik
Beispiel: Werner Best (Auszug aus Wikipedia)


„Nach seiner Ausweisung in die Bundesrepublik fand Best ... in der Kanzlei von Ernst Achenbach, der sich als Rechtsanwalt und Politiker für die Rehabilitierung von NS-Tätern einsetzte, eine Stelle. ...  Ernst Achenbach ... richtete sich persönlich mit verschiedenen Schreiben an seinen FDP-Parteifreund Thomas Dehler, der zu dieser Zeit Bundesjustizminister war ... Dehler reagierte mit einer Anfrage bei der bayrischen Justiz. Diese ... stellte das Verfahren nach einer flüchtigen Vernehmung Bests ein. ...Bests Rolle als akademisch gebildeter nationalsozialistischer Funktionär und SS-Intellektueller mit beträchtlichem Gestaltungsraum blieb über Jahrzehnte hinweg unentdeckt, ehe Ulrich Herbert sie für seine Habilitationsschrift bis 1992 ausführlich untersuchte und 1996 in der erweiterten Fassung der Biographie Best veröffentlichte ... Herberts aufsehenerregende Habilitationsschrift ... wurde zum Anknüpfungspunkt weiterer Studien etwa von Karin Orth, ... Michael Wildt oder Lutz Hachmeister ... Diese Arbeiten konzentrierten sich auf die Lebensläufe, Karrieren und charakteristischen Merkmale, Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser NS-Führungskader der zweiten Reihe, deren wichtiger Beitrag zur Entstehung und zum Ablauf der Besatzungs- und Vernichtungspolitik des Dritten Reiches bis dahin übersehen worden war.Innerhalb der NS-Forschung wurde damit ... eine ... Sichtweise begründet, die das Augenmerk auf die eigenständigen ideologischen Antriebe von NS-Eliten legte, die mit Hitlers Intentionen und den institutionellen Interessen der NS-Polykratie dynamische Querverbindungen eingingen. Nicht die Intention Hitlers, noch der Konkurrenzkampf zwischen den formalen Organisationen und den Interessengruppen des Dritten Reiches allein erklären deswegen die Entstehung und den Ablauf des NS-Vernichtungsprogramms. Sondern vielmehr das tätige und ideologisch motivierte Mitwirken von NS-Kadern (wie Werner Best) innerhalb eines Rahmens von ihnen auf diesen Zweck hin ausgerichteten Institutionen ... muss zur Erklärung herangezogen werden.“


"Hitlers Eliten zählten auch nach 1945 wieder zur deutschen High Society. Heinrich Lübke, CDU, als Mitarbeiter von Rüstungsminister Albert Speer, mitverantwortlich für Millionen Toter,wurde 1959 Bundespräsident. Ernst Wolf Mommsen, Hauptabteilungsleiter beim Mörder-Speer, wurde Vorstand bei Thyssen und Staatssekretär bei Helmut Schmidt, SPD." SZ, 11.3.2005, S. 2
http://www.gavagai.de/tb/HHD02A2.htm
 
 
Kontinuitäten der „Rassenhygiene“
Zu den bekannteren Personen, die für Nachkriegs-Kontinuitäten der Ideologie der Eugenik/ Rassenhygiene stehen, gehören in Deutschland neben vielen anderen Hans F. K. Günther und Otmar Freiherr von Verschuer. Von ihnen und anderen Kontinuitätsträgern war auf diesem Blog schon mehrfach die Rede.
Weniger bekannt ist die Rolle des Nazi-Eugenikers
Hermann Werner Siemens, der als Mitbegründer der Zwillingsforschung mit Francis Galton aller Wahrscheinlichkeit nach (wie auch Ploetz und andere „Rassenhygieniker“ in Deutschland) persönlich oder über Galtons Apostel Karl Pearson in Verbindung stand.  Sein Buch „Grundzüge der Vererbungslehre, Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik” gibt es antiquarisch sowohl in mehreren Vorkriegs-Ausgaben (1930, 1934, 1937) als auch als Nachkriegs-Ausgabe (1952).  Die Ausgaben von 1937 und 1952 habe ich mir zum Vergleich bestellt und werde bei Gelegenheit hier darüber berichten.

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Six 1942: Europa als "der aus der Gestaltungskraft der arischen Rasse geschaffene Lebensraum der europäischen Rassen und Völker"
 
In "Mein Kampf" hatte er [Hitler] noch einen Bund mit Italien und England vorausgesehen, Frankreich sollte seiner Großmachtstellung beraubt werden. Danach würde er sich der Vergrößerung des Lebensraumes im Osten zuwenden. In der Mitte Europas sollte ein Reich aller Deutschen - weit über die Grenzen von 1914 hinaus - enstehen. Dieses Kernland, daß auch die Tschechen mit einbezog, sollte 100 Millionen EW enthalten. Bereits 1924 hatte auch Nonnenbruch von einem großdeutscher Wirtschaftraum mit Österreich, der Tschechoslowakei und Italien geträumt. (Nonnenbruch 1939 [1924]: 98-99) 1928 entwirft Pleyer ein Reich aus Ostalpen, Sudetenraum und Ostmark. Er begründet diese Forderung bereits rassisch: ...Das Recht und die Pflicht, die Mitte des Kontinents politisch zu organisieren leiten wir ab aus dem Tatbestand, daß ganz Mitteleuropa...kulturdeutsch ist...Das deutsche Volk...soll durch die ordnende Zusammenfassung der politischen Kräfte Innereuropas seiner gesamteuropäischen Aufgabe dienen...[Aber] Im neuen Reichswesen muß der beengte deutsche Blutdruck sich nach dem ferneren Nordosten und Südosten Europas fortpflanzen können." (Pleyer 1928: 16) 1934 spricht HitIer von einem stählernen Kern aus Österreich der Tschechoslowakei und Westpolen. Außerdem stellt er verschiedene Bündnisse aus formell alliierten aber natürlich nicht gleichberechtigten Blöcken auf. Diese nennt er den "Ostbund" (Baltikum, Balkanstaaten, Ukraine, Wolgaland und Georgien) den "Westbund" (Holland, Flandern und Nordfrankreich) und den "Nordbund" (Dänemark, Schweden sowie Norwegen). HitIer benützte den Begriff Europa zuerst nur widerwillig, seine Haltung änderte sich erst nachdem er Europa für sich selbst und den Nationalsozialismus blutsmäßig definiert hatte d.h. "erst nachdem er "Europa" zu einem weiteren Synonym für das Germanische Reich deutscher Nation gemacht hatte." (Lipgens 1968: 9). So definiert Six zum Beispiel Europa als "der aus der Gestaltungskraft der arischen Rasse geschaffene Lebensraum der europäischen Rassen und Völker." (Six in Six 1942: 14) Der Nationalsozialismus lehnte die Europapläne Coudenhove-Kalergis strikt ab; Rosenberg bezeichnete seine Pläne als den Versuch ein Franco-Judäa zu errichten (Rosenberg 1934: 9) und betonte, daß der Nationalsozialismus ein Programm für Deutschland, nicht für Europa sei: Unsere Bewegung ist ...darauf bedacht, sich nicht etwa in einen internationalen "nationalsozialistischen Bund" zu verwandeln, der dann etwas wie ein Kirchenkonzil zu entscheiden hätte, was wahrer und was nicht wahrer Nationalsozialismus sei. Das Urteil über eine solche Frage steht nur uns zu. (Rosenberg 1939: 6) Rosenberg sah die künftige Struktur Europas 1934 als Resultat eines Viermächtepaktes bestehend aus den nationalistischen Bewegungen Italiens, Frankreichs, Englands und Deutschlands. (Rosenberg 1934: 8-12) Auch die Staaten der Ostsee (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) und der Donauraum sollten inkludiert werden um ein "organisches Zentraleuropa" zu formen.(Rosenberg 1934: 20-21)
„Osmond“ auf

Kommentare:

  1. Nach Eugen Fischer und Fritz Lenz war "Rasse das ultimative Wertprinzip"; vgl. auch Wikipedia-Eintrag zu Fritz Lenz und Stichwort "Biopolitik" auf diesem Blog (Kommentar zu http://guttmensch.blogspot.com/2011/03/eugenik-sozialdarwinismus-biopolitik.html)
    Magga

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  2. Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.11.2005


    Abrechnung mit dem Nazisystem

    Aus
    Hörbuch zum Nürnberger Prozess
    Rezensiert von Brigitte Neumann

    Brandt: "Der amerikanische Psychologe Kelly hat Intelligenztests unter den in Nürnberg angeklagten Kriegsverbrechern vorgenommen. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, aber der Major meint, schon jetzt feststellen zu können, dass Göhring konkurrenzlos den 1. Platz für sich beanspruchen kann. Das ist eine Überraschung und eine weitere Bestätigung dafür, dass Wahnsinn mit gut entwickelten Geisteskräften verbunden sein kann."

    http://www.deutschlandradiokultur.de/abrechnung-mit-dem-nazisystem.950.de.html?dram:article_id=133478

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  3. Zwillinge während der Untersuchung durch Otmar Freiherr von Verschuer, den von 1942 bis 1945 amtierenden Direktor des KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (Foto von 1930)
    © Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft/eugenicsarchive.org

    http://www.zeitgeschichte-online.de/thema/interessengeleitete-wissenschaftsgeschichte

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  4. Heinrich Malz

    Heinrich Malz (* 26. November 1910 in Chemnitz; † unbekannt) war im nationalsozialistischen Deutschen Reich SS-Obersturmbannführer, Leiter des Referates III A 2 (Rechtsleben) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) und persönlicher Referent von Ernst Kaltenbrunner, dem Chef des RSHA. ...

    Er trat bereits im Dezember 1930 der NSDAP (Mitgliedsnr. 5.817.695) bei. Einen Teil seines Referendariats leistete er im Institut für Staatsforschung in Berlin ab. Dieses wurde von Reinhard Höhn geleitet, der als Hauptamtsleiter im SD-Hauptamt für Kultur, Hochschulen und Wirtschaft tätig war und zu den maßgeblichen geistigen Wegbereitern des NS-Systems gehörte. 1935 promovierte Malz zum Dr. jur. und war seitdem für den SD tätig. In die SS trat er mit der Mitgliedsnr. 272.499 ein. ...

    Im Mai 1940 übernahm er die Leitung des Referats III A 2 (Rechtsleben) des Reichssicherheitshauptamtes. Am 30. Januar 1941 wurde er zum SS-Sturmbannführer befördert und avancierte 1944 als SS-Obersturmbannführer schließlich zum persönlichen Referenten des RSHA-Chefs Kaltenbrunner.

    Nach Kriegsende wurde Malz interniert und 1948 entlassen. Im Nürnberger Büro des von Rechtsanwalt Rudolf Aschenauer 1949 gegründeten „Komitees für kirchliche Gefangenenhilfe“ übernahm Malz die Büroleitung. Auch in der 1951 gegründeten Stillen Hilfe, einem Verein, der publizistisch, juristisch und materiell flüchtige, inhaftierte und verurteilte NS-Täter unterstützte, gehörte er neben Helene Elisabeth Prinzessin von Isenburg, Bischof Theophil Wurm, Wilhelm Spengler unter anderem dem Gründungsvorstand an. Im Deutschen Beamtenbund wurde er zum Geschäftsführer bestellt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Malz

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    1. Wilhelm Spengler

      Wilhelm Spengler (* 19. März 1907 in Bühl am Alpsee; † 1. April 1961 in Oldenburg) war SS-Standartenführer, Leiter der Hauptabteilungen „Presse und Schrifttum“ und „Kulturelles Leben“ des Sicherheitsdienstes, Leiter der Amtsgruppe III C (Kultur) des Reichssicherheitshauptamtes und Lektor des Verlags Gerhard Stalling, Oldenburg, sowie ab 1951 Vorstandsmitglied der „Stillen Hilfe“, einer Hilfsorganisation für als Kriegsverbrecher verurteilte Nationalsozialisten. ...

      1927 wechselte Spengler nach Leipzig und lernte hier über seinen Kommilitonen Ernst Kaußmann einen studentischen Zirkel um Heinz Gräfe kennen, der sich „Schwarze Hand“ nannte. Es handelte sich bei dessen Mitgliedern – neben Gräfe und Kaußmann Erhard Mäding, Friedrich Maetzel und Hans Pieper – um eine Gruppe junger Studenten, die in der wirtschaftlichen Selbsthilfe der Studentenschaft tätig waren und gesellschaftliche sowie politische Themen diskutierten. Gräfe, Mäding und Pieper sollten ebenso wie Spengler später im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) maßgebliche Stellungen einnehmen ...

      Im April 1929 nahm Spengler an einer von Gräfe organisierten 14-tägigen Tagung in Miltenberg teil, auf der u. a. als Referent der Soziologe Hans Freyer (1887–1969) sprach. ... 1930 fand wiederum eine Tagung, diesmal in Wertheim, statt, an der der Soziologe Gunther Ipsen (1899–1984) über das Thema „Kapitalismus und moderne Gesellschaftsordnung“ mit den Studenten diskutierte.

      Spengler veröffentlichte bereits zu dieser Zeit in der Zeitschrift Volk im Werden, herausgegeben von Ernst Krieck, dem führenden Interpreten einer nationalsozialistischen Pädagogik. ...

      Spengler wurde ... u. a. auch am „H-Sonderauftrag“ beteiligt. Hierbei handelte es sich um ein 1935 vom Reichsführer SS Heinrich Himmler initiiertes Forschungsunternehmen, das die wissenschaftliche Untersuchung der Hexenverfolgung zur Aufgabe hatte. ...
      Spengler wirkte hier wesentlich an Aufbau und Organisation der „Hexen-Abteilung“ im SD mit. Ein Mitarbeiter Spenglers, Dr. Rudolf Levin, übernahm nach Kriegsbeginn die Leitung dieser Abteilung. ...

      Spengler war jedoch nicht nur als Germanist am Schreibtisch tätig, sondern gemäß Heydrichs Losung von der „kämpfenden Verwaltung“ im März 1942 auch bei der Partisanenbekämpfung im Nordabschnitt der Ostfront eingesetzt worden. Im Mai 1942 war er drei Wochen bei der „Einsatzgruppe D“ auf der Krim. Seine Funktion bei den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ist noch nicht abschließend geklärt. ...

      Als Lektor im Stalling-Verlag Oldenburg beschäftigt, wurde Spengler von diesem zusammen mit Hans Schneider, der sich nun nach seiner Todeserklärung 1945 und der Heirat mit seiner angeblichen „Witwe“ Schwerte nannte und vormals als SS-Hauptsturmführer 1942 die Abteilung „Germanischer Wissenschaftseinsatz“ des „Ahnenerbes e. V.“ geleitet hatte, mit einem Buchprojekt Gestalter unserer Zeit beauftragt, das 1954/1955 mit den Titeln Denker und Deuter im heutigen Europa und Forscher und Wissenschaftler im heutigen Europa mit insgesamt fünf Bänden erschien. Die Tarnung Spenglers war zu dieser Zeit hervorragend. Es gelang ihm unter anderem, den von den Nationalsozialisten verjagten jüdischen Sauerbruch-Schüler, den Chirurgen Rudolf Nissen, der nach Fluchtstationen in Istanbul und den USA zu dieser Zeit in Basel wirkte, als Autor für das Kapitel „Sauerbruch“ dieses Sammelwerkes zu gewinnen

      https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Spengler

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    2. Gunther Ipsen

      Gunther Karl Julius Ipsen (* 20. März 1899 in Innsbruck; † 29. Januar 1984 in Oberursel) war ein österreichischer Soziologe, Bevölkerungswissenschaftler und Professor für Philosophie. ...

      Er promovierte 1922 bei Felix Krueger und Theodor Litt mit dem Thema Über Gestaltauffassung. Erörterung des Sanderschen Parallelogramms. ...

      Bereits seit seinem Umzug von Innsbruck nach Leipzig im Jahr 1919 zeigte er ein ausgeprägtes interdisziplinäres Interesse, widmete sich zunächst aber hauptsächlich Themengebieten aus der sogenannten Gestaltpsychologie. Sowohl seine Dissertation als auch seine Habilitationsschrift behandeln erkenntnistheoretische Fragestellungen, die er im Rahmen eines ganzheitlichen Modells zu lösen versuchte. Zur Grundlage seines Wissenschaftsverständnisses wurde die Ablehnung des „französischen“ Rationalismus gegenüber einem deutschen, auf Hegel und Wilhelm Heinrich Riehl basierenden, kulturellen und völkischen Idealismus. Besonders stark geprägt wurde er von Felix Krueger, der als bekennender Feind der Weimarer Republik antisemitische Brandreden hielt und die Wissenschaft der Ganzheitspsychologie als Mittel zum geistigen Zusammenhalt der deutschen Nation ansah. ...

      Ipsen wurde ... Mitbegründer der sich um Freyer bildenden Leipziger Schule, zu der auch Arnold Gehlen und Helmut Schelsky gehörten, die beide von Ipsen unterrichtet wurden. Er gehörte zu den Mitbegründern und wissenschaftlichen Hauptinitiatoren der völkischen „Deutschen Soziologie“. Ziel der Arbeiten war eine empirische Begründung historischen „Volkwerdung“, was im Rahmen der sich herausbildenden Ostforschung aber auch als dezidiert politische „Deutschtumsarbeit“ aufgefasst werden muss. Zu diesem Zweck arbeitete er mit der bündischen Deutschen Freischar zusammen und führte in diesem Rahmen Exkursionen mit Unterstützung von Studenten agrarsoziologische Feldstudien im ländlichen Raum durch. Bei diesen Studien zum Volkstum arbeitete er eng mit dem Boberhaus in Löwenberg in Schlesien zusammen, wo er auch als Referent auftrat. Er versuchte zu zeigen, dass sich in der agrarischen Bevölkerung ein Gleichgewicht zwischen Gattungsvorgang und Lebensraum, gefördert durch eine bäuerliche Familienverfassung und eine restriktive Erb- und Heiratsordnung herausgebildet hatte. Konkret vertrat er damit eine vormoderne, antiaufklärerische und NS-affine Bevölkerungstheorie. Urbanisierung und Pluralität lehnte er entschieden ab. Ipsen war Mitbegründer der Europäischen Gesellschaft für ländliche Soziologie. Als Mitarbeiter von Felix Krueger wurde er von 1930 bis 1934 Mitherausgeber der Blätter für deutsche Philosophie, dem Organ der national-konservativen Deutschen Philosophischen Gesellschaft, in der Krueger in dieser Zeit den Vorsitz hatte.

      Ipsen war ein Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie und publizierte beispielsweise 1933 ein Werk Blut und Boden. 1937 behauptete er im Sinne des NS-Regimes, dass der Schutz von Minderheiten eine Erfindung der Juden und eine „Kampfordnung gegen den Lebenswillen des deutschen Volkes sei“. ...

      Ipsen war 1951 bis 1961 Abteilungsleiter an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund in der neu geschaffenen Abteilung „Soziographie und Sozialstatistik“. ...

      Der Nachlass Ipsens wurde von seinem Sohn Detlev Ipsen, Professor für Stadt- und Regionalsoziologie an der Universität Kassel, verwaltet, der 2011 starb.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Gunther_Ipsen

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