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Mittwoch, 11. Mai 2016

"Behindertenfeindlichkeit darf nicht salonfähig werden"

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"Behindertenfeindlichkeit darf nicht salonfähig werden" ...

Julia Probst

Dresden. Sachsens AfD-Vize und Landtagskandidat Thomas Hartung spricht Menschen mit Trisomie 21 die Fähigkeit ab, den Beruf eines Lehrers ausüben zu können. Seine extrem behindertenfeindliche Äußerung auf seiner Facebookseite empört Menschen aus ganz Deutschland: „Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. Er kam im andalusischen Malaga zur Welt mit Down Syndrom. Jetzt will er Lehrer werden. Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird?“

Angehängt war ein Artikel über den Spanier Pablo Pineda vom 21.März 2009. Pablo Pineda ist kein Einzelfall eines Menschen, der mit einem Down Syndrom einen Universitätsabschluss schafft und als Lehrer tätig ist. ...
Vom Gegenwind seines Beitrags befeuert, legte er [Hartung] auf Facebook trotzig noch eine Schippe oben drauf: „Ich stelle fest: ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte.“An dieser Stelle möchte ich Herrn Hartung zum wiederholten Male mitteilen, dass es in Deutschland bereits seit Jahren einen Lehrer mit Trisomie 21 an der Montessori- Schule in Starnberg gibt, welcher Englisch unterrichtet. Tobias Wolf machte seinen High-School-Abschluss in den USA und ist außerdem Autor für das Magazin „Ohrenkuss“ für und mit Menschen mit Trisomie 21. ...

Herr Hartung hat  wie viele andere in der AfD offenbar ein ganz großes Problem mit Menschen mit Behinderungen ...  auch ich hatte im August 2013  in Berlin ein behindertenfeindliches Erlebnis mit der AfD. Ich saß mit meinen gehörlosen Freunden im Garten zur Straße hin und wir unterhielten uns in Gebärdensprache. In dem Moment liefen Flyerverteiler der AfD an uns vorbei und meinten mit abfälligen Blick auf uns: „So was hätten wir früher ja vergast.“   Ein weiteres Problem an dieser Stelle ist die scheinbare, aber nicht totale Distanz der AfD zu der behindertenfeindlichen Haltung des Herrn Hartung, wenn man sich die Pressemitteilung von AfD-Sachsen-Chefin Frauke Petry ansieht. Auf Facebook hat sie ihn nämlich mit den Worten kritisierte:   „Thomas – wann ist endlich Schluss mit dieser Diskussion??? Gib einfach zu, dass Du verbal total danebengehauen hast. Ich dachte, wir hatten das geklärt!!!!!“

Aha. Laut Frauke Petry hat Thomas Hartung verbal danebengehauen, aber inhaltlich lag er richtig?! Die AfD lässt mich mit ihrer Haltung an eine ganz dunkle braune Zeit in Deutschland denken, wo Menschen mit Behinderungen als minderwertig und unproduktiv angesehen wurden.

Das ist nicht mein Deutschland. Mein Deutschland ist vielfältig, bunt und inklusiv.

Ich begrüße es sehr, dass die TU Dresden sich deutlichst von den Äußerungen von Herrn Hartung distanziert hat und die Prüfung der Konsequenzen eingeleitet hat. ... 

Die Realität ist nämlich: Behindertenfeindlichkeit, Rassismus und andere Arten von Diskriminierungen stehen keiner Gesellschaft gut zu Gesicht. Lasst uns die Gesellschaft hin zur Inklusion ändern mit den Worten von Pablo Pineda: »Für mich gibt es zwei Konzepte: Das Konzept der Angst und das Konzept der Liebe. Und wenn wir bis jetzt mit dem Konzept der Angst gelebt haben, wird es Zeit, dieses zu verlassen.« (Pablo Pineda Ferrer) ...

Julia Probst ist Bloggerin und setzt sich seit Jahren für mehr Akzeptanz für Behinderte ein. Für die Ausgabe vom 18.5.2012 war sie DNN-Gastchefredakteurin.
© DNN-Online, 24.06.2014
http://archive.fo/n2NDH




Nach Behinderten-Beleidigung: Uni Dresden wirft AfD-Mann raus
Er hatte einen Lehrer mit Down-Syndrom bei Facebook schwer beleidigt - jetzt darf Thomas Hartung an der TU Dresden nicht länger unterrichten. Zuvor hatte der sächsische AfD-Vize sein Parteiamt niedergelegt.
SPIEGEL ONLINE, 26.06.2014

Erst legte er alle Ämter nieder, jetzt lässt ihn auch die Technische Universität Dresden fallen: Thomas Hartung, ehemals stellvertretender Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen, wird ab sofort nicht mehr an der TU unterrichten, teilt die Uni auf ihrer Webseite mit. Der Lehrauftrag laufe aus, ein neuer werde nicht geschlossen, noch ausstehende Veranstaltungen werden von anderen Dozenten übernommen.
Im Sommersemester hatte er das Seminar "Kopflicht.TV" angeboten, in dem Studenten ein Magazin produzieren. Am Montag hatte die Uni bereits eine Stellungnahme veröffentlicht: "Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung", stand darin. ...
Auf seiner Facebook-Seite hatte er [Hartung] einen alten Artikel über den Spanier Pablo Pineda verlinkt. Der Akademiker Pineda hat Trisomie 21 und arbeitet als Lehrer, zudem spielte er die Hauptrolle in dem Film "Me Too", viele Aspekte der Geschichte sind seinem eigenen Leben entliehen.
Den Artikel kommentierte Hartung mit den Worten: "Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu", berichtet unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dann zitierte er aus dem Artikel: "Er kam mit Down-Syndrom zur Welt, im andalusischen Málaga. Jetzt will er Lehrer werden. Der Erste mit dieser Genmutation." Hartung fragt: "Wo soll das hinführen, wenn er als 'normal' gezeigt wird?"
Nachdem sich Sachsens AfD-Vorsitzende Frauke Petry einschaltete, löschte Hartung alle Beiträge und bat inzwischen auch um Verzeihung. Am Dienstagabend hatte der sächsische AfD-Vorstand auf einer außerordentlichen Sitzung den Fall besprochen. Am Mittwoch teilte die Partei dann mit, Hartung verzichte auch auf eine Kandidatur bei der Landtagswahl in Sachsen. Der "Bild"-Zeitung sagte Petry, Hartung werde einfaches Mitglied der AfD bleiben.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uni-tu-dresden-afd-mann-thomas-hartung-wird-nicht-mehr-lehren-a-977603.html




Es täte ihm unendlich leid - erklärte er nach Angaben seiner Partei

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Menschen mit Down-Syndrom beleidigt : AfD-Vize in Sachsen tritt zurück
Nach seinen beleidigenden Äußerungen gegen Behinderte ist der sächsische AfD-Vizechef Thomas Hartung von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch auf seine Kandidatur für den sächsischen Landtag verzichtet er.
Tagesspiegel 25.06.2014
 
von
Er bat um Verzeihung. "Ich bitte den spanischen Lehrer Pablo Pineda und weiterhin alle direkt und indirekt betroffenen Bürger aufrichtig um Verzeihung für meine Äußerungen über die Fähigkeiten behinderter Menschen. Mir ist inzwischen bewusst geworden, dass ich damit unabsichtlich einen Schaden für die AfD verursacht und wiederholt gegen ihre politischen Grundsätze verstoßen habe. Dies tut mir unendlich leid", erklärte er nach Angaben seiner Partei.

http://www.tagesspiegel.de/politik/menschen-mit-down-syndrom-beleidigt-afd-vize-in-sachsen-tritt-zurueck/10103960.html




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Die Achse der Rechtspopulisten : Wie AfD und Pegida paktieren
28.01.2015
Die AfD versucht seit Wochen, eine enge Allianz mit Pegida zu schmieden. Die CDU in Sachsen steht dabei nicht völlig abseits.
von

Mit im Bund mit Pegida ist auch der frühere stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Thomas Hartung – er war 2014 von diesem Posten zurückgetreten, nachdem er sich abfällig über Menschen mit Trisomie geäußert hatte. Hartung gehört ebenfalls dem Dresdner AfD-Kreisvorstand an und bekennt sich im Internet als „überzeugter Pegida-Gänger“. Mit dem Hinweis „lesenswert, sehr lesenswert“ postete Pegida auf ihrer Facebook-Seite am Mittwoch einen Aufsatz von Hartung, in dem es heißt: „Das Schlagwort ,Willkommenskultur‘ verpflichtet die Deutschen gutzuheißen, im eigenen Land zur Minderheit zu werden.“

http://www.tagesspiegel.de/politik/die-achse-der-rechtspopulisten-wie-afd-und-pegida-paktieren/11295584.html




Schnell zurück aus dem Abkühlbecken:
Thomas Hartung wieder im AfD-Landesvorstand Sachsen, zuständig für Kommunikation/ PR

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AfD-Landesvorstand Sachsen hat sich konstituiert – Petry: „Für die nächsten zwei Jahre gut aufgestellt“
‐ Stellvertreter Sven Simon: Vernetzung der parteinahen Organisationen der AfD, vor allem des Mittelstandsforums, daneben der Christen in der AfD, der Jungen Alternative und ggf. später anzuerkennender Gruppierungen ...

„Wir haben offen, konstruktiv und zügig unseren Geschäftsverteilungsplan angepasst und freuen uns auf die kommenden Herausforderungen der nächsten zwei Jahre, für die wir gut aufgestellt sind“, erklärt Frauke Petry. „Wir halten an unserem Ziel fest, die Machtfrage im Bund so schnell wie möglich zu klären, damit es endlich wieder zur Klärung von Sachfragen in Deutschland kommt. Wir wollen und müssen in Zukunft Regierungsverantwortung übernehmen, um unserem Anspruch gerecht zu werden, den Bürgern eine Alternative zu den Konsensparteien zu bieten.“

Für Rückfragen:
Dr. Thomas Hartung
stellv. Landesvorsitzender AfD Sachsen/Kommunikation
...

http://afd-dd.de/afd-landesvorstand-sachsen-hat-sich-konstituiert-petry-fuer-die-naechsten-zwei-jahre-gut-aufgestellt/
 

Kommentare:

  1. Dass der Kommentar von Hartung nicht in Ordnung ist, versteht sich von selbst. Grundsätzlich finde ich es aber nicht behindertenfeindlich, die Eignung von behinderten Menschen für bestimmte Berufe zu bezweifeln. Dass ein Blinder nicht als Pilot oder Chirurg in Frage kommt, ist kein "Ableismus", sondern eine simple Tatsache. Ich selbst hätte mit meiner extremen Kurzsichtigkeit auch nicht Pilot werden können. Und ebenso kommt ein Mensch mit einer geistigen Behinderung für viele Berufe nicht in Frage.

    Menschen mit Downsyndrom haben normalerweise einen IQ zwischen 50 und 60. Wenn es heißt, dass ein Mensch mit Downsyndrom einen Uni-Abschluss gemacht hat, dann stellt sich die Frage, ob er die gleiche Leistung wie alle anderen erbringen musste. Musste z.B. Pablo Pineda Klausuren über Morphologie, Syntax und Semantik bestehen, wie jeder andere, der eine Sprache studiert? Oder wurde ihm das aufgrund seiner Behinderung erlassen? Wenn letzteres der Fall ist: Wie rechtfertigt man einen solchen Bonus? Menschen mit einem niedrigen, aber im normalen Bereich liegenden IQ können ja auch nicht Lehrer werden, wenn sie die für alle geltenden Anforderungen nicht erfüllen.

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  2. 1933
    In May of that year, Americans learned that students in German universities planned to burn a long list of books deemed "un-German" — and [Helen] Keller's essay "How I Became a Socialist" was on this list. In response, Keller penned a popular letter (the 1933 equivalent of a viral blog post) letting the students know exactly how she felt.

    http://www.msn.com/en-gb/lifestyle/family-relationships/these-were-the-most-popular-baby-names-the-year-you-were-born/ss-BBpALdG?ocid=spartandhp#image=18

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    1. Helen Keller (1880-1968)war eine taubblinde amerikanische Schriftstellerin.

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  3. Special-needs boy set on fire by bullies he thought were friends
    By Alexandra Klausner
    October 6, 2016

    A 10-year-old special-needs boy was on life support after bullies allegedly lured him to a field, doused him with gasoline and lit him on fire on Sunday.
    Kayden Culp of Kerrville, Texas, has burns over 20 percent of his body from his ears to his belly button, and his organs are failing, according to a YouCaring page set up by the boy’s family to cover his health care expenses.
    As of Thursday afternoon, Kayden’s family had raised over six times their $10,000 goal.
    One unidentified child has been charged with arson following the incident and is “responsible for causing the victim’s severe burns,” according to a statement from the local fire marshal.
    He is one of three boys — ages 9, 10 and 11 — who were taken into custody in the grisly attack, reported Fox.
    One alleged attacker “had issues being destructive and disruptive,” Kayden’s aunt Tanya Kasper told the station.
    “His mom even made the comment that she wasn’t able to handle him,” Kasper added.
    The heartbroken family believes the victim — who exhibits autistic tendencies and has trouble speaking and hearing — was intentionally targeted.
    “The other kids are saying that he was going to be riding his bike like he always is, my nephew Kayden is going to be riding his bike, and they said we’re going to grab him and take him inside and burn him,” Kayden’s aunt Kelly Mack told News4 San Antonio.
    “If it wasn’t premeditated, it still is attempted murder,” Mack added.
    The boy’s mother, Tristyn Hatchett, 29, says she thinks her boy’s alleged assailants should be “incarcerated” and charged with murder.
    “He considered these guys his friends, but they would make fun of him and pick on him and tease him,” Hatchett told the Houston Chronicle.
    “He was usually the brunt of that kind of joke, but he kept playing with them,” she added.

    http://nypost.com/2016/10/06/special-needs-boy-set-on-fire-by-bullies-he-thought-were-friends/

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  4. NEW YORK (AP) — In a searing, eloquent essay on living with schizophrenia, Deborah Danner agonized over the deaths of mentally ill people like her at the hands of police.

    Less than five years later, she became part of that toll. A police sergeant, called because Danner was in distress, fatally shot her Tuesday in her Bronx apartment after she went at him with a baseball bat, police said.

    With the mayor saying the sergeant failed to follow his training in handling mentally ill people, Danner's death seems to echo a scenario she dreaded in a 2012 essay.

    "We are all aware of the all too frequent news stories about the mentally ill who come up against law enforcement instead of mental health professionals and end up dead," she wrote.

    http://start.lenovo.com/news/read/category/News/article/the_associated_press-woman_wrote_about_police_killings_before_officer_k-ap

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    1. Although investigators haven't reached conclusions, Democratic Mayor Bill de Blasio branded the shooting "unacceptable" and said the situation didn't appear to merit the use of deadly force, while sergeants' union president Ed Mullins described the shooting as self-defense.

      It wasn't Danner's first interaction with police, who had safely taken her to hospitals during previous psychiatric episodes, de Blasio said.

      Still, memories of lethal encounters between police and people in psychological crisis weighed on her. Her essay alludes to the case of Eleanor Bumpurs, a Bronx woman killed in 1984 after waving a knife at officers during an eviction.

      Danner saw the story as a stark example of insufficient police training. And, perhaps, it held a thread of personal connection: Both women were 66, were black and had histories of mental illness.

      For Danner, that illness was an ever-lurking force of self-doubt, depression, isolation and flashbacks to bad moments, she wrote in her essay, first reported by The New York Times.

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