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Mittwoch, 11. Mai 2016

"Behindertenfeindlichkeit darf nicht salonfähig werden"

Aus

"Behindertenfeindlichkeit darf nicht salonfähig werden" ...

Julia Probst

Dresden. Sachsens AfD-Vize und Landtagskandidat Thomas Hartung spricht Menschen mit Trisomie 21 die Fähigkeit ab, den Beruf eines Lehrers ausüben zu können. Seine extrem behindertenfeindliche Äußerung auf seiner Facebookseite empört Menschen aus ganz Deutschland: „Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. Er kam im andalusischen Malaga zur Welt mit Down Syndrom. Jetzt will er Lehrer werden. Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird?“

Angehängt war ein Artikel über den Spanier Pablo Pineda vom 21.März 2009. Pablo Pineda ist kein Einzelfall eines Menschen, der mit einem Down Syndrom einen Universitätsabschluss schafft und als Lehrer tätig ist. ...
Vom Gegenwind seines Beitrags befeuert, legte er [Hartung] auf Facebook trotzig noch eine Schippe oben drauf: „Ich stelle fest: ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte.“An dieser Stelle möchte ich Herrn Hartung zum wiederholten Male mitteilen, dass es in Deutschland bereits seit Jahren einen Lehrer mit Trisomie 21 an der Montessori- Schule in Starnberg gibt, welcher Englisch unterrichtet. Tobias Wolf machte seinen High-School-Abschluss in den USA und ist außerdem Autor für das Magazin „Ohrenkuss“ für und mit Menschen mit Trisomie 21. ...

Herr Hartung hat  wie viele andere in der AfD offenbar ein ganz großes Problem mit Menschen mit Behinderungen ...  auch ich hatte im August 2013  in Berlin ein behindertenfeindliches Erlebnis mit der AfD. Ich saß mit meinen gehörlosen Freunden im Garten zur Straße hin und wir unterhielten uns in Gebärdensprache. In dem Moment liefen Flyerverteiler der AfD an uns vorbei und meinten mit abfälligen Blick auf uns: „So was hätten wir früher ja vergast.“   Ein weiteres Problem an dieser Stelle ist die scheinbare, aber nicht totale Distanz der AfD zu der behindertenfeindlichen Haltung des Herrn Hartung, wenn man sich die Pressemitteilung von AfD-Sachsen-Chefin Frauke Petry ansieht. Auf Facebook hat sie ihn nämlich mit den Worten kritisierte:   „Thomas – wann ist endlich Schluss mit dieser Diskussion??? Gib einfach zu, dass Du verbal total danebengehauen hast. Ich dachte, wir hatten das geklärt!!!!!“

Aha. Laut Frauke Petry hat Thomas Hartung verbal danebengehauen, aber inhaltlich lag er richtig?! Die AfD lässt mich mit ihrer Haltung an eine ganz dunkle braune Zeit in Deutschland denken, wo Menschen mit Behinderungen als minderwertig und unproduktiv angesehen wurden.

Das ist nicht mein Deutschland. Mein Deutschland ist vielfältig, bunt und inklusiv.

Ich begrüße es sehr, dass die TU Dresden sich deutlichst von den Äußerungen von Herrn Hartung distanziert hat und die Prüfung der Konsequenzen eingeleitet hat. ... 

Die Realität ist nämlich: Behindertenfeindlichkeit, Rassismus und andere Arten von Diskriminierungen stehen keiner Gesellschaft gut zu Gesicht. Lasst uns die Gesellschaft hin zur Inklusion ändern mit den Worten von Pablo Pineda: »Für mich gibt es zwei Konzepte: Das Konzept der Angst und das Konzept der Liebe. Und wenn wir bis jetzt mit dem Konzept der Angst gelebt haben, wird es Zeit, dieses zu verlassen.« (Pablo Pineda Ferrer) ...

Julia Probst ist Bloggerin und setzt sich seit Jahren für mehr Akzeptanz für Behinderte ein. Für die Ausgabe vom 18.5.2012 war sie DNN-Gastchefredakteurin.
© DNN-Online, 24.06.2014
http://archive.fo/n2NDH




Nach Behinderten-Beleidigung: Uni Dresden wirft AfD-Mann raus
Er hatte einen Lehrer mit Down-Syndrom bei Facebook schwer beleidigt - jetzt darf Thomas Hartung an der TU Dresden nicht länger unterrichten. Zuvor hatte der sächsische AfD-Vize sein Parteiamt niedergelegt.
SPIEGEL ONLINE, 26.06.2014

Erst legte er alle Ämter nieder, jetzt lässt ihn auch die Technische Universität Dresden fallen: Thomas Hartung, ehemals stellvertretender Landeschef der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen, wird ab sofort nicht mehr an der TU unterrichten, teilt die Uni auf ihrer Webseite mit. Der Lehrauftrag laufe aus, ein neuer werde nicht geschlossen, noch ausstehende Veranstaltungen werden von anderen Dozenten übernommen.
Im Sommersemester hatte er das Seminar "Kopflicht.TV" angeboten, in dem Studenten ein Magazin produzieren. Am Montag hatte die Uni bereits eine Stellungnahme veröffentlicht: "Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung", stand darin. ...
Auf seiner Facebook-Seite hatte er [Hartung] einen alten Artikel über den Spanier Pablo Pineda verlinkt. Der Akademiker Pineda hat Trisomie 21 und arbeitet als Lehrer, zudem spielte er die Hauptrolle in dem Film "Me Too", viele Aspekte der Geschichte sind seinem eigenen Leben entliehen.
Den Artikel kommentierte Hartung mit den Worten: "Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu", berichtet unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dann zitierte er aus dem Artikel: "Er kam mit Down-Syndrom zur Welt, im andalusischen Málaga. Jetzt will er Lehrer werden. Der Erste mit dieser Genmutation." Hartung fragt: "Wo soll das hinführen, wenn er als 'normal' gezeigt wird?"
Nachdem sich Sachsens AfD-Vorsitzende Frauke Petry einschaltete, löschte Hartung alle Beiträge und bat inzwischen auch um Verzeihung. Am Dienstagabend hatte der sächsische AfD-Vorstand auf einer außerordentlichen Sitzung den Fall besprochen. Am Mittwoch teilte die Partei dann mit, Hartung verzichte auch auf eine Kandidatur bei der Landtagswahl in Sachsen. Der "Bild"-Zeitung sagte Petry, Hartung werde einfaches Mitglied der AfD bleiben.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uni-tu-dresden-afd-mann-thomas-hartung-wird-nicht-mehr-lehren-a-977603.html




Es täte ihm unendlich leid - erklärte er nach Angaben seiner Partei

Aus
Menschen mit Down-Syndrom beleidigt : AfD-Vize in Sachsen tritt zurück
Nach seinen beleidigenden Äußerungen gegen Behinderte ist der sächsische AfD-Vizechef Thomas Hartung von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch auf seine Kandidatur für den sächsischen Landtag verzichtet er.
Tagesspiegel 25.06.2014
 
von
Er bat um Verzeihung. "Ich bitte den spanischen Lehrer Pablo Pineda und weiterhin alle direkt und indirekt betroffenen Bürger aufrichtig um Verzeihung für meine Äußerungen über die Fähigkeiten behinderter Menschen. Mir ist inzwischen bewusst geworden, dass ich damit unabsichtlich einen Schaden für die AfD verursacht und wiederholt gegen ihre politischen Grundsätze verstoßen habe. Dies tut mir unendlich leid", erklärte er nach Angaben seiner Partei.

http://www.tagesspiegel.de/politik/menschen-mit-down-syndrom-beleidigt-afd-vize-in-sachsen-tritt-zurueck/10103960.html




Aus
Die Achse der Rechtspopulisten : Wie AfD und Pegida paktieren
28.01.2015
Die AfD versucht seit Wochen, eine enge Allianz mit Pegida zu schmieden. Die CDU in Sachsen steht dabei nicht völlig abseits.
von

Mit im Bund mit Pegida ist auch der frühere stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Thomas Hartung – er war 2014 von diesem Posten zurückgetreten, nachdem er sich abfällig über Menschen mit Trisomie geäußert hatte. Hartung gehört ebenfalls dem Dresdner AfD-Kreisvorstand an und bekennt sich im Internet als „überzeugter Pegida-Gänger“. Mit dem Hinweis „lesenswert, sehr lesenswert“ postete Pegida auf ihrer Facebook-Seite am Mittwoch einen Aufsatz von Hartung, in dem es heißt: „Das Schlagwort ,Willkommenskultur‘ verpflichtet die Deutschen gutzuheißen, im eigenen Land zur Minderheit zu werden.“

http://www.tagesspiegel.de/politik/die-achse-der-rechtspopulisten-wie-afd-und-pegida-paktieren/11295584.html




Schnell zurück aus dem Abkühlbecken:
Thomas Hartung wieder im AfD-Landesvorstand Sachsen, zuständig für Kommunikation/ PR

Aus
AfD-Landesvorstand Sachsen hat sich konstituiert – Petry: „Für die nächsten zwei Jahre gut aufgestellt“
‐ Stellvertreter Sven Simon: Vernetzung der parteinahen Organisationen der AfD, vor allem des Mittelstandsforums, daneben der Christen in der AfD, der Jungen Alternative und ggf. später anzuerkennender Gruppierungen ...

„Wir haben offen, konstruktiv und zügig unseren Geschäftsverteilungsplan angepasst und freuen uns auf die kommenden Herausforderungen der nächsten zwei Jahre, für die wir gut aufgestellt sind“, erklärt Frauke Petry. „Wir halten an unserem Ziel fest, die Machtfrage im Bund so schnell wie möglich zu klären, damit es endlich wieder zur Klärung von Sachfragen in Deutschland kommt. Wir wollen und müssen in Zukunft Regierungsverantwortung übernehmen, um unserem Anspruch gerecht zu werden, den Bürgern eine Alternative zu den Konsensparteien zu bieten.“

Für Rückfragen:
Dr. Thomas Hartung
stellv. Landesvorsitzender AfD Sachsen/Kommunikation
...

http://afd-dd.de/afd-landesvorstand-sachsen-hat-sich-konstituiert-petry-fuer-die-naechsten-zwei-jahre-gut-aufgestellt/
 

Samstag, 16. Februar 2013

Zwangssterilisationen: Wohltat oder NS-Unrecht? – Ein Punkt, an dem sich die Geister scheiden


Es geschah im November 2010 und ging auf dem Höhepunkt der Sarrazin-Hype in der öffentlichen Wahrnehmung fast unter:

Nach 70 Jahren erkannte erstmals eine bedeutende Fachgesellschaft für Heilberufe ohne Wenn und Aber die in der Zeit des “Dritten Reichs” durchgeführten Zwangssterilisationen als NS-Unrecht an.

„Geistiger Tod“, „Ballastexistenzen“, „lebensunwertes Leben“, all diese Worte gehen nur sehr schwer über die Lippen. Sie erschüttern und verstören zutiefst – und im Wissen um die aktive Beteiligung von Psychiatern an Gleichschaltung, Zwangssterilisierung und Mord erfüllen sie uns mit Scham, Zorn und großer Trauer.

Scham und Trauer auch darüber, dass erst jetzt, 70 Jahre nach den Taten, die Organisation, als deren Präsident ich hier zu Ihnen spreche, beginnt, sich systematisch mit ihrer Vergangenheit und der Geschichte ihrer Vorgängerorganisationen in der Zeit des Nationalsozialismus zu befassen, aufzuarbeiten, und – unabhängig von allen noch zu erhebenden historischen Details – bei den Opfern von Zwangsemigration, Zwangssterilisierung, Zwangsforschung und Ermordung, um Entschuldigung zu bitten.

Im Namen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bitte ich Sie, die Opfer und deren Angehörige, um Verzeihung für das Leid und das Unrecht, das Ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiaterinnen und Psychiatern angetan wurde, und für das viel zu lange Schweigen, Verharmlosen und Verdrängen der deutschen Psychiatrie in der Zeit danach.

Professor Frank Schneider, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
in seiner Rede “Psychiatrie im Nationalsozialismus - Erinnerung und Verantwortung”
Vom Vorstand der DGPPN am 23. November 2010 als Dokument der Gesellschaft einstimmig verabschiedet.

http://www.dgppn.de/dgppn/geschichte/kommission-zur-aufarbeitung-der-geschichte/sonderseite-psychiatrie-im-nationalsozialismus/rede-schneider.html




Ich halte es inzwischen nicht mehr für Unwissen, dass Thilo Sarrazin Gunnar Myrdal, den schwedischen Sozialdemokraten, der Zwangssterilisationen als ein Mittel zur Verbesserung der “Bevölkerungsqualität” propagierte und in Schweden auch durchsetzte, als Vordenker lobte (natürlich ohne die Zwangssterilisationen zu erwähnen).


Damit verschärft sich das Problem, dass am unteren Ende der Begabungs- und Qualifikationspyramide die Nachfrage und am oberen Ende das Angebot zu gering ist. … Es gilt …, die Probleme zu lösen, die die Existenz des Sozialstaats bedrohen. Wie sich Quantität und Qualität dabei auswirken, darauf hat schon ein früher Theoretiker des Sozialstaats wie Gunnar Myrdal hingewiesen …
Der schwedische Soziologe Gunnar Myrdal hat sich am Beispiel seines Heimatlandes bereits in den 1930er Jahren intensiv damit auseinandergesetzt, dass eine entwickelte westliche Gesellschaft in der Summe die Tendenz hat, weniger fruchtbar zu sein, als es für die Nachhaltigkeit ihres Fortbestandes notwendig wäre, und er hat sich auch damit auseinandergesetzt, dass es darüber hinaus nicht gleichgültig ist, wer die Kinder bekommt.
Thilo Sarrazin, DSSA

Sondern ich bin zu der Auffassung gekommen: Thilo Sarrazin muss klar gewesen sein, dass Gunnar Myrdal, mit dessen Erbe sich die schwedischen Sozialdemokraten differenziert und kritisch auseinandersetzen, eben auch für das Kapitel “Zwangssterilisationen” steht. Und er findet dies gut.
Da Sarrazin selbst - in DSSA und einigen Interviews - stolz auf einige, wenn auch stark ausgewählte Aspekte seines familiären Hintergrunds hinweist, sei es gestattet, hier auch die Frage zu stellen, inwieweit Bücher und Ideen aus der Sammlung seines Vaters Hans-Christian Sarrazin (und nicht nur die Goethe-Bücher) seine Vorstellungen von der Welt, wie sie sein sollte, geprägt haben. Als Truppenarzt, Arzt an einem Knappschaftskrankenhaus und langjähriger Gutachter für die Sozialgerichte wird Hans-Christian Sarrazin, ebenso wie sein Rotary-Club-Gefährte Gustav Schulte, der prominente Chefarzt am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen in den 1940er und frühen 1950er Jahren, an der Auseinandersetzung mit der Frage, ob Zwangssterilisationen “Wohltat” oder Unrecht seien, nicht vorbei gekommen sein.

Zwar ließ sich Thilo Sarrazin, wie er bei einer Veranstaltung sagte, Pressemitteilungen, die später in das Buch eingingen, von seinen Sekretärinnen sammeln. Ihm stand nicht – Vorsicht, Satire - wie Guttenberg bei seiner Doktorarbeit der wissenschaftliche Dienst des Bundestags zur Verfügung. Aber es ist unwahrscheinlich, dass er von der Debatte um Zwangssterilisationen, und damit auch von der Rolle Gunnar Myrdals in Schweden, nichts mitbekommen haben sollte.

Dieser Post soll nach und nach ergänzt werden, vor allem mit Querverweisen auf andere Posts und Kommentare in diesem Blog. In der Zwischenzeit verweise ich auf Stichwortsuche und auf die Labels.



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Durch den Runderlass des Reichsinnenministeriums vom 13.03.1934 waren das evangelische Krankenhaus in Castrop-Rauxel zur Durchführung von Zwangssterilisationen bei Männern und das Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen zur Durchführung von Zwangssterilisationen bei Frauen und Männern und mit Runderlass vom 01.07.1936 sogar zur Durchführung der Zwangssterilisation mit Röntgen- und Radiumbestrahlung ermächtigt worden. Im evangelischen Krankenhaus wurden 62 Eingriffe vorgenommen. Im Knappschaftskrankenhaus dürfte es das Vielfache dessen gewesen sein. Leider sind die entsprechenden Akten in beiden Krankenhäusern vernichtet worden. Aufschluss dürften da nur noch die über 3000 Akten aus Verfahren der sog. Erbgesundheitsgerichte in etwa 800 Kisten im Landesarchiv NRW geben.

Aus dem Aufruf “Den Opfern der Euthanasie einen Namen geben”, 19. Januar 2012



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"Die Angehörigen der Führungsschichten und der Bürokratie
waren zu 90 Prozent willige Helfer der Nazidiktatur gewesen;
das wirkte sich aber keineswegs auf ihre Effizienz beim Wiederaufbau aus."
 
Thilo Sarrazin, DSSA


Prof. Dr. med. Gustav Schulte (1888 – 1954)

Verfasser eines 1942 erstmals erschienenen Lehrbuchs der Röntgenologie
Langjähriger Chefarzt am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen,
das in der Nazi-Zeit die Befugnis und den Auftrag hatte, Zwangssterilisationen mit Röntgenstrahlen durchzuführen

1950 zum Ehrenbürger der Stadt Recklinghausen ernannt

Bild: Gefunden auf ebn24 – European Business Network, Beitrag:
“Sie trugen den Namen der Stadt in die Welt - berühmte Persönlichkeiten Recklinghausens”
http://ebn24.com/index.php?id=32089

War er auch einige Zeit Chef von Thilo Sarrazins Vater Hans-Christian Sarrazin?
Das kann man durchaus "kombinieren", mit Sicherheit feststellen lässt sich dies aber mit den zugänglichen Informationen nicht ohne Weiteres.
Und wenn, müsste es für sich allein auch nicht viel heißen - im Zusammenhang mit Thilo Sarrazins eugenischen Thesen wäre aber u.U. der Aspekt "Ideengeschichte" interessant.




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Ehrenmitglied unserer Gesellschaft“


Nachruf
„Am 29. November 1971 verließ uns das Ehrenmitglied unserer Gesellschaft
Professor Dr. med. Friedrich Pietrusky
[…]
Von Bonn aus begründete er die Internationale Akademie für Gerichtliche und Soziale Medizin, er organisierte und leitete deren erste Tagung in Bonn. Im Jahre 1942 folgte Pietrusky einer Berufung nach Heidelberg, hier war die Einrichtung eines Instituts für gerichtliche Medizin sein besonderes Verdienst. Nach seiner Emeritierung zog er nach Pöcking am Starnberger See.
[…] Er war […] viele Jahre hindurch auch Mitherausgeber der Deutschen Zeitschrift für die gesamte gerichtliche Medizin. […] Pietrusky war gewähltes Mitglied der Leopoldina in Halle und Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften.
Er war ein glänzender Lehrer. Drei seiner Mitarbeiter hatten Lehrstühle inne.“
B. Mueller, Heidelberg
Zeitschrift für Rechtsmedizin, April 1972, Volume 70, Issue 2, p I



„Wie ich vom Verlag Heymann höre, ist unser Buch jetzt im Druck. Dieser verzögerte sich, weil man den Abschnitt über die Vernichtung lebensunwerter Wesen, für den ich eintrat, nicht aufnehmen wollte. Hoffentlich erscheint die Auflage noch in diesem Jahr.“
Friedrich Pietrusky
in einem Brief an Mitautor Maximilian de Crinis, 5.10.1942
Zitiert in
Forsbach, Ralf, Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im "Dritten Reich",
Oldenborg, München, 2006 (S. 126)
http://books.google.com/books?id=i74vCJxizH4C&source=gbs_navlinks_s

 

Nachrufverfasser B. Mueller war Prof. Dr. Berthold Mueller, der 1948 den Lehrstuhl für gerichtliche Medizin der Universtät Heidelberg übernommen hatte.
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000003751/6_Kap_05.pdf?hosts=
(S. 299)

Sonntag, 25. Dezember 2011

Lebensborn und Gnadentod: Inge Viermetz und Josef Viermetz - zwei Schicksale im Zeichen eugenischer Ideologie









Lebensborn-Funktionärin Inge Viermetz
vor dem Nürnberger Tribunal
 
Bild gefunden auf
http://wwwnew.towson.edu/nurembergpapers/
exhibit%20main/film%20strip%20panel/Inge%20Viemertz.htm

Geschichtswerkstatt Mühldorf:
Ecksberg im Nationalsozialismus
Den Toten zum Gedenken
Liste der ermordeten Ecksberger Pfleglinge
... 230 Josef Viermetz ...

Gefunden auf
http://www.geschichtswerkstatt.de/namen.html

Francis Galton und sein Jünger Karl Pearson trugen aktiv dazu bei, dass Galtons Eugenik-Lehre in Deutschland - unter der mit Galton abgestimmten Bezeichnung "Rassenhygiene" - so verbreitet wurde, wie sie es sich als Ideal erträumten: wie eine Religion. 1935 meldete Otmar Freiherr von Verschuer die erstmalige Errichtung eines real existierenden Eugenik-Staates - in Deutschland.

Verschuer schrieb in "Der Erbarzt":
„Der Führer ... ist der erste Staatsmann, der die Erkenntnisse der Erbbiologie und Rassenhygiene zu einem bedeutenden Prinzip der Staatsführung gemacht hat.“
http://guttmensch.blogspot.com/2011/03/eugenik-sozialdarwinismus-biopolitik.html

Hier möchte ich auf zwei Lebensschicksale hinweisen, die im Nationalsozialismus von den Auswirkungen der Eugenik-Lehre bestimmt wurden: Von der sogenannten "positiven Eugenik", auch "positive Rassenhygiene" genannt, in dem einem Fall; von der "negativen Eugenik" bzw. "negativen Rassenhygiene" in dem anderen.

Zur Erinnerung: Die Unterscheidung zwischen "positiver" und "negativer" Eugenik bzw. Rassenhygiene geht auf Francis Galton persönlich zurück (siehe auch seine "Kantsaywhere" Utopie). Als "positive Eugenik" bezeichnete er Maßnahmen, mit denen Überleben und Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit vermeintlich höherwertigen Genen begünstigt werden sollten, als "negative Eugenik" Maßnahmen, mit denen Träger vermeintlich minderwertiger Gene von der Fortpflanzung und von der Verursachung als zu hoch angesehener Kosten für die Gemeinschaft abgehalten werden sollten.

Die eine der beiden Betroffenen, von deren Schicksal hier die Rede sein soll, ist Inge Viermetz, geboren 1908 in Aschaffenburg, Todesdatum unbekannt. Inge Viermetz hatte verantwortliche Funktionen in dem von der SS getragenen Verein "Lebensborn e.V.", dessen Ziel es war, die Erhöhung der Geburtenrate "arischer" Kinder zu fördern; sie brachte es im "Lebensborn" bis zur Abteilungsleiterin. Sie war Angeklagte im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess (wegen der Verschleppung "arisch" aussehender polnischer Kinder durch den "Lebensborn"), wurde aber freigesprochen. Die Richter des Militärtribunals waren sogar so entgegen kommend, den 1935 auf Veranlassung von Heinrich Himmler gegründeten Verein als eine “karitative Einrichtung” zu bezeichnen – eine Auffassung, der z.B. der Verein Lebensspuren e.V., eine Interessengemeinschaft ehemaliger “Lebensborn-Kinder” und anderer an der Aufarbeitung des Themas Interessierter, ausdrücklich widerspricht (http://www.lebensspuren-deutschland.eu/?page_id=8).Der SPIEGEL vom 10.04.1948 berichtete noch über den Freispruch (“Inge Viermetz ist wieder bei ihrem Handesvertreter-Gatten und ihren beiden Buben in München”; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44416212.html). - Was danach aus Inge Viermetz geworden ist, weiss nicht einmal Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Viermetz).

Der andere ist Josef Viermetz, Geburtsdatum unbekannt, gestorben 1940. Josef Viermetz lebte vor seinem Tod - wir wissen nicht, wie lange - in der Behindertenanstalt Ecksberg. Er wurde im Rahmen der "Aktion Gnadentod" in einer Gaskammer im benachbarten Harthein ermordet.
http://www.geschichtswerkstatt.de/namen.html
"Behinderte wurden als Volkesschädlinge gesehen; wer nicht in die Zwangssterilisation einwilligte, wurde lebenslang in geschlossenen Anstalten verwahrt. So wurden Behinderte in geschlossenen Anstalten konzentriert, was dann Hitlers tätlichen Zugriff erleichtern sollte. 1939 kam es zu der Aktion Gnadentod: unheilbar Kranken sollte der ,,Gnadentod" erteilt werden. Unter diesen Aspekten begann im Sommer 1940 die planwirtschaftliche Vernichtung Geisteskranker und Geistesschwacher. Die Personen wurden nach vorbereiteten Listen durch beauftragtes Begleitpersonal in ihren Heimen abgeholt, in staatliche Heilanstalten als Zwischenstation gebracht und dann in endaufnehmenden Anstalten ermordet. Insgesamt wurden so von den 288 Ecksberger Pfleglingen 245 nach Harthein verbracht, wo sie allesamt in den Gaskammern ermordet wurden."
http://www.geschichtswerkstatt.de/
Beide tragen den gleichen Familiennamen; es ist ein wenig verbreiteter Name. (Ergänzung.: "In Deutschland gibt es 18 Telefonbucheinträge zum Namen Viermetz und damit ca. 48 Personen mit diesem Namen"; Stand 12.02.2012; http://www.verwandt.de/karten/absolut/viermetz.html ).
Man kann sich fragen, ob es sich um Verwandte gehandelt haben mag, wie nahe sie sich standen, ob etwa Inge Viermetz mit einer Karriere im Lebensborn bezüglich der Internierung und Tötung eines behinderten Angehörigen, vielleicht eines Kindes, "beschwichtigt" wurde. Aber auch unabhängig davon, ob es eine familiäre Beziehung gab, zeigen ihre Schicksale sehr unmittelbar, zu welchen Auswüchsen die Besessenheit mit der "Tauglichkeit" von Menschen für eine als Gen-Gemeinschaft verstandene "Volksgemeinschaft" führte.
  • Wer in der NS-Hierarchie etwas werden wollte, musste in punkto "Rassenhygiene" in der eigenen Familie mit "gutem Beispiel" vorangehen. Auch Hitlers eigene Verwandtschaft blieb vom Eugenik-Wahn nicht verschont.
    "Die Grazer Familie Veit ist/war mit der Familie Hitler verwandt. Unter anderen die Grosscousine Aloisia Veit *18.07.1891 [ÖS] -
    14.12.1940 [Hartheim, ÖS] - ermordet im Auftrag Hs. in der dortigen Gaskammer der Irrenanstalt (Euthanasie)."
    http://www.welt-des-wissens.com/wissen/person_hitler.htm
    Weitere Info mit Internet-Suche "Aloisia Veit"

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"Positive" und "negative" Eugenik/ Rassenhygiene waren ideologisch und in der praktischen Umsetzung während der Nazi-Zeit nahe beieinander; dies spiegelt sich z.B. in der Karriere des Arztes Heinz Thilo.
Lebensborn und Rampendienst: Aus der Biographie des NS-Arztes Heinz Thilo (1911 – 1945)http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/597574
"Thilo ... arbeitete im Wesentlichen von April 1938 bis Ende 1941 als Frauenarzt bei der „Organisation Lebensborn“. ...  Ab dem 9. Oktober 1942 fungierte er als Lagerarzt in KZ Auschwitz-Birkenau und war dort leitender Arzt des Häftlingskrankenbaus. In dieser Funktion verrichtete er häufig Rampendienst und nahm an den Selektionen teil, bei denen er aus den ankommenden Transporten Juden für die Vergasung bestimmte. Ebenso selektierte er Häftlinge aus dem Häftlingskrankenbau für die Gaskammer und nahm zudem an der Liquidierung des „Theresienstädter Familienlagers“ am 8. März 1944 teil, bei der 3.791 Juden vergast wurden. Laut seinem Kollegen Johann Paul Kremer bezeichnete Thilo Auschwitz als „Anus Mundi“ (Arsch der Welt). ...  Im Oktober 1944 erfolgte Thilos Versetzung in das Konzentrationslager Groß-Rosen, wo er ebenfalls als Lagerarzt bis zu dessen Auflösung im Februar 1945 fungierte. Noch vor der Befreiung des Lagers setzte sich Thilo ab und beging am 13. Mai 1945 in Hohenelbe Selbstmord."

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Ergänzung 18.02.2012

Besteht eine Verbindung zwischen Inge Viermetz und dem prominentesten Träger dieses selten vorkommenden Familiennamens, Kurt F. Viermetz, Jahrgang 1939, vormals Bankmanager (u.a. Deutsche Bank AG; J.P. Morgan & Co.; Saudi International Bank Ltd.; Hypo Real Estate Holding AG), Mitglied des Kuratoriums des Vereins Atlantik-Brücke, Ehrenbürger der Stadt Augsburg?
(
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_F._Viermetz ; http://www.wiwo.de/koepfe-der-wirtschaft/kurt-f-viermetz/5286384.html)

Das ist mit einer einfachen Internet-Suche nicht ohne Weiteres feststellbar (im Internet zugängliche Biographien von Kurt Viermetz enthalten, soweit ich sehen konnte, keine Hinweise auf Namen von Eltern, Geschwistern, Onkel, Tanten …). Es geht uns auch nichts an – es sei denn, es gäbe Anhaltspunkte für ideengeschichtliche Kontinuitäten und generationenübergreifende soziale Netzwerke und Mentor-Beziehungen, die mit dem Glauben an die Eugenik-Lehre zu tun haben.

Hier wäre z.B. von Interesse, ob in einigen der transatlantischen (deutsch-amerikanischen) Netzwerken, die stark von untereinander freundschaftlich verbundenen “führungsbegabten Familien” und von Beziehungen zum Bankensektor geprägt werden (wie der Verein “Atlantik-Brücke” oder die “American Academy in Berlin”), noch das eine oder andere Stück eugenischer Ideologie mitgeschleppt wird.
Diese Ideologie wurde in der Vor-Nazi Zeit und bis in die frühere Nazi-Zeit hinein auf beiden Seiten des Atlantiks aggressiv propagiert, und es gab dazu lebhaften Austausch. Da man sich nach dem Krieg zur Erklärung der “deutschen Katastrophe” weitgehend auf Theorien vom preußisch-deutschen Militarismus (Meineke), vom “deutschen Sonderweg” (Winkler) und von einem in der deutschen Gesellschaft besonders tief verankerten Antisemitismus (Goldhagen) stützte, wurden Einflüsse von Eugenik und Rassenideologie in transatlantischen Beziehungen wenig thematisiert.   
Über einige gern übersehene Aspekte der Geschichte transatlantischer Netzwerke siehe z.B.  “The Nazi Connection: Eugenics, American Racism and National Socialism” von Stefan Kühl, Oxford University Press, 1994; hier z.B. Fußnote 9 auf Seite 114, Stichwort “Ross”, zur Verbreitung der Idee vom “Rassenselbstmord” (“race suicide”) durch die “American Academy of Political and Social Science”; http://books.google.com/books?id=UGYfRv3DWuQC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false )

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… Nun fand ich doch noch eine Quelle, die einen Vornamen des Vaters von Kurt Viermetz nennt: August.

“Eigentlich wollte Vater August, dass Sohnemann mal seine Ladenkette übernimmt. Doch Kurt Viermetz ging zur Deutschen Bank.”

Aus dem Artikel "Everybody's Darling", Euro am Sonntag, 31.12.2000

A
ber wie passt das nun mit anderen Darstellungen zusammen, wonach seine Mutter ihn allein aufzog, immer darauf hoffend, dass der Vater, ein kaufmännischer Angestellter, aus dem Krieg zurück kommen würde, und die Familie erst 1985 vom Russischen Roten Kreuz erfuhr, dass er in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war?
“His father was an ambitious industrial clerk; when he refused to join Hitler's Nazi party, he was drafted as a soldier. Viermetz, born in 1939, has few memories of his father. But he shared his mother's hope that in spite of being reported missing, his father would one day return. It was 1985 before the family was informed by the Russian Red Cross that he had died in a prisoner of war camp.
His mother raised her son alone; there was no money for university. Mindful of the career path of his father, who had trained as a clerk with an Augsburg private bank, Viermetz decided to follow in his footsteps. He applied to Deutsche Bank. ”'
Aus dem Artikel "'We Need to Dispel Mistrust' - Nasdaq's European move doesn't impress Deutsche Börse" von Bettina Wieß, The Atlantic Times, Mai 2006
http://www.atlantic-times.com/archive_detail.php?recordID=504 
Unklar bleibt der Grund, warum die Informationen so spärlich und widersprüchlich sind. Inge Viermetz wurde schließlich freigesprochen. Andere ehemalige Nazis kamen in der jungen Bundesrepublik zu Amt und Würden; Albert Speer junior profitierte als Architekt eher von der notorischen Bekanntheit seines Vaters, als dass sie ihm geschadet hätte. Sogar, wenn Inge Viermetz die Mutter von Kurt Viermetz wäre, wäre dies an sich kein Grund zur Geheimniskrämerei.
Anlass zur Geheimniskrämerei könnte aber sein, wenn Kurt Viermetz AUFGRUND einer verwandtschaftlichen Beziehung zu Inge Viermetz, oder im Zusammenhang damit, eine besondere Förderung, etwa durch Erben oder Nachlassverwalter von J.P. Morgan Jr. (s.u.), erfahren hätte. Dies ist angesichts der Verbindungen J.P. Morgans (Jr.) zur American Eugenics Society und zum Pioneer Fund, und dem möglichem Einfluss dieser Institutionen auf das "Lebensborn"-Konzept, nicht ganz undenkbar. 
Auch wenn es hier um Privatangelegenheiten der Familie geht, rechtfertigt doch der Wiedereinzug des Gedankenguts von der "positiven" und "negativen" Eugenik in die öffentliche Debatte ein Interesse an Aspekten auch dieser Familiengeschichte.  
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Ergänzung (Bild)

J.P. Morgan Jr. (Bild: Library of Congress)

J.P. Morgan Jr. (1896-1943) war ein Mitglied
und Sponsor der American Eugenics Society.
Mit Wicliffe Draper, dem Gründer des Pioneer
Fund, hatte er auch Geschäftsbeziehungen.
Der Pioneer Fund hatte die Propagierung
der Eugenik und die Förderung junger Leute
aus Familien, die als eugenisch besonders
hochwertig angesehen wurden, zum Ziel.
(Siehe auch Stichwort “Pioneer Fund” auf
diesem Blog, besonders
http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/
forderung-und-finanzierung-der-eugenik.html
)

Bei der Bank J.P. Morgan machte Kurt
Viermetz Karriere.

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Die Feststellungen des Nuernberger Tribunals zu dem von Heinrich Himmler 1935 gegruendeten “Lebensborn” fielen nicht nur entlastend, sondern geradezu liebevoll aus.
“Das amerikanische Militärgericht, dessen Aufgabe darin bestand, die SS-Organisationen möglichst schwer zu belasten, hielt somit unzweideutig fest, daß der Lebensborn eine karitative Organisation war und sonst nichts.” So heisst es triumphierend in dem Eintrag “Lebensborn” auf der rechtsextremen Version von Wikipedia, Metapedia (http://de.metapedia.org/wiki/Lebensborn).
Metapedia zitiert aus der Urteilsbegruendung:
  „Die Mehrzahl dieser Kinder, die auf irgendeine Weise mit dem Lebensborn in  Berührung gekommen sind, waren volksdeutsche Waisenkinder. Es geht in der Tat aus dem Beweismaterial klar hervor, daß der Lebensborn es zu vermeiden suchte, [ausländische] Kinder in seine Heime aufzunehmen, die noch Verwandte besaßen. Der Lebensborn ging so weit, da, wo die Unterlagen unzureichend waren, ausgedehnte Nachforschungen anzustellen, um die Identität des Kindes zu ermitteln und um herauszufinden, ob es noch Verwandte hatte. Wenn es sich herausstellte, daß noch ein Elternteil des Kindes lebte, dann schritt der Lebensborn nicht zur Adoption wie im Falle von Waisenkindern, sondern gestattete lediglich, daß das Kind in einer deutschen Familie untergebracht wurde, nachdem diese deutsche Familie zuvor einer Überprüfung unterzogen  worden war, die den Zweck hatte, den guten Leumund der Familie sowie ihre Eignung zur Fürsorge und Erziehung des Kindes festzustellen.“ (IMT (Internationales Militärtribunal), Band VII, S. 656, 657)
In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem:
„Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, daß der Verein Lebensborn, der bereits lange vor dem Krieg bestand [Anm. Blogger:  seit 1935 – Nachtijall, ick hoer dir trappsen], eine Wohlfahrtseinrichtung und in erster Linie ein Entbindungsheim war. Von Anfang an galt seine Fürsorge den Müttern, den verheirateten sowohl wie den unverheirateten, sowie den ehelichen und unehelichen Kindern. […]  Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, daß der Lebensborn unter den zahlreichen Organisationen in Deutschland, die sich mit ausländischen nach Deutschland verbrachten Kindern befaßten, die einzige Stelle war, die alles tat, was in ihrer Macht stand, um den Kindern eine angemessene Fürsorge zuteil werden zu lassen und die rechtlichen Interessen der unter seine Obhut gestellten Kinder zu wahren.“
Die Urteilsbegruendung ist von bemerkenswerten Verrenkungen gepraegt. - Natuerlich wurden ausgedehnte Nachforschungen zur Abstammung angestellt. Man wollte nur in solche Kinder investieren, die fuer rassisch hochwertig gehalten wurden. Die Urteilsbegruendung machte daraus die Sorge um die Kinder und ihre Familien. Pflegeeltern wurden danach ausgesucht, dass sie nach NS Vorstellungen rassisch einwandfrei und ideologisch gefestigt waren. Diesen Aspekt laesst die Urteilsbegruendung, die mit einiger Sympathie die Qualitaet der Aufnahme-Familien lobt, voellig aus. Es klingt so, als sei hier der Text eines Gefaelligkeits-Gutachters eins zu eins uebernommen worden.
Wahrscheinlicher als eine allen Nachforschungen standhaltende Untadeligkeit und Hervorragendheit der Organisation Lebensborn ist, dass man eben nicht allzu genau nachforschen wollte – weil es genuegte, zu wissen, dass angesehene Persoenlichkeiten aus Nationen, die die Nuernberger Richter stellten, dem “Lebensborn” in seinen Anfangsjahren unterstuetzend verbunden waren.   
Die Unsichtbarkeit der mit Glanz und Gloria freigesprochenen Frau Viermetz, kurz nachdem sie nach dem Prozess "zu ihrem Handelsvertreter-Gatten und ihren beiden Buben" zurueck gekehrt war, gibt weiterhin Raetsel auf.

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Gefunden mit Stichwortkombination “Fugger Privatbank” “J.P. Morgan” “1935”:

Kein unmittelbarer Hinweis auf Vorkriegs-Geschaeftsbeziehungen zwischen J.P. Morgan und der Fugger Privatbank (wahrscheinlicher Arbeitgeber des vermissten oder auch nicht vermissten Vaters von Kurt Viermetz, der eine Lehre bei einer Augsburger Privatbank gemacht haben soll "trained as a clerk with an Augsburg private Bank"; s.o.); interessanter Link zum Thema Bankengeschichte bis in die Gegenwart hinein


Die historische Fugger Bank galt im NS als Ausdruck deutscher Tüchtigkeit. Dies zeigt sich z.B. darin, dass eine Arbeitsdienst-Abteilung nach dem Gründer Jakob Fugger benannt wurde: Abteilung 2/304 Babenhausen 'Jakob Fugger':

Arbeitsdienst in Schwaben. Ein Bildbericht der Gruppe 304 von Oberfeldmeister Fritz Helmreich. Mit einem Textbeitrag: 'Reichsarbeitsdienst im Kampfe um die Brotfreiheit unseres Volkes' von Feldmeister Theodor Schlecht
Dr.Fritz Helmreich, Oberfeldmeister im Reichsarbeitsdienst / Geleitworte von Gauleiter der NSDAP Gau Schwaben Karl Wahl und Generalarbeitsführer Hans Baumann, Führer Arbeitsgau 30 Bayern-Hochland / Arbeitsdienst RAD
Bookseller: Antiquariat Claus Rietzschel (München, Germany)
Price: US$ 204.14
Book Description: Schwabenland-Verlag Augsburg, 1937. […] aus dem Inhalt: Die Abteilung 1/304 Mering 'Lechfeld 955' / Die Abteilung 2/304 Babenhausen 'Jakob Fugger' / Die Abteilung 3/304 Höchstädt 'Herzog Konrad der Rote' / Die Abteilung 4/304 Bäumenheim 'Hans Burgkmair' / Die Abteilung 5/304 Tannhausen 'Jakob Herbrot'/ Die Abteilung 6/304 Burtenbach 'Schertlin von Burtenbach' / Die Abteilung 7/304 Mindelheim 'Georg von Frundsberg' […]
Gefunden bei Abebooks
http://www.abebooks.com/servlet/SearchResults?bi=0&bsi=240&bx=off&ds=30&kn=Fugger&recentlyadded=all&sortby=17&x=40&y=13&yrh=1939&yrl=1919&prevpage=8

Aber nicht nur deutsche Tüchtigkeit, sondern auch “deutsche Seele” sah man in Jakob Fugger und der Fugger Bank verkörpert; er stand für den Sinn nach Freiheit. - Siehe Stichwort “Fugger” in dieser Buchbeschreibung:

Die dreizehn Bücher der deutschen Seele. Schäfer, Wilhelm
Bookseller: Leonardu (Kalsow, MV, Germany)
Price: US$ 13.79
Book Description: LangenMüller um 1935, München, 1935 […]
Die 1. Auflage erschien 1922 - Eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte und Kultur. Inhaltsauszüge in Kapiteln, Stichworte in Klammern: Das Schuldbuch der Götter (Wodan, Frigga, Freya, Fro, Donar, Loki, Baldur), Das Buch der Könige (Griechen, Römer, Goten, Alemannen, Langobarden, Pipin, Karl der Große), Kirche (Jesus, Augustinus, Widukind), Kaiser, Bürger (Sachsenspiegel, Minne, Ritter, Zunft, Gilde, Hansa, Ordensritter, Meistersinger, Schwank, Volkslied), Freiheit (Meister Eckhart, Hussiten, Schwarze Kunst, Reuchlin, Maximilian, Fugger, Dürer, Holbein, Erasmus, Hutten, Luther, Melanchthon, Zwingli, Kopernikus), Zwietracht (Loyola, Calvin, Geusen, Wallenstein, Lützen, Herzog von Friedland, Gustav Adolf, Bernhard von Weimar, Westfälischer Friede), Fürsten (Türken vor Wien, Rembrandt, Der große Kurfürst, August der Starke, Prinz Eugen, Soldatenkönig, Der alte Fritz/Friedrich der Große, Maria Theresia, Joseph II., Pompadour, Marie Antoinette, Mozart), Propheten (Hans Sachs, Bach, Pietisten, Aufklärung, Gellert, Klopstock, Lessing, Herder, Goethe, Schiller, Hölderlin, Brentano, Novalis, Eichendorff, Jean Paul), Erhebung (Beethoven, Napoleon, Rheinbund, Andreas Hofer, Luise, Kant, Fichte, Pestalozzi, vom Stein, Kleist, Tauroggen, Blücher, Völkerschlacht, Caub), Minister (Burschenschaft, Metternich, Arndt, Jahn, Biedermaier, Baukönig, Redekönig, Auswanderer, Schlesische Weber, Weitling, Der achtzehnte März, Hecker, Paulskirche), Preußen (Denker und Dichter, Hebel, Mörike, Stifter, Hebbel, Grillparzer, Schopenhauer, Liszt, Eisenbahn, Zollverein, Der Dänische Krieg, Der Norddeutsche Bund, Emser Depesche, Krieg 1870/71, Sedan, Versailles), Menschen (Elsaß-Lothringen, Darwin, Trompeter von Säckingen, Wagner, Bayreuth, Bruckner, Nietzsche, Keller, Raabe, Dreibund, Habsburg, Sarajewo, Weltkrieg, Marneschlacht, Hindenburg, Unterseeboot, Ludendorff).
Gefunden bei Abebooks


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Ergänzung 16.7.2015




Rassenwahn und Weltherrschaft - Züchten und Vernichten [Doku, deutsch]
Published on 10 Nov 2012

Die Weltherrschaft der nordischen Rasse war das wichtigste Ziel der NS-Ideologie. Besessen davon, gründete Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, den Verein "Lebensborn". Gedacht als konspiratives Entbindungsheim für rassisch wertvolle ledige Mütter, wuchs der Plan für eine Zuchtanstalt heran.


https://www.youtube.com/watch?v=MBJgAYcNRcU 

Samstag, 3. Dezember 2011

Hate Speech - Hassrede



“Der Rollerfahrer, was der an Steuergelder verschossen hat ...“
Aus einem Kommentar auf PI zu einem Beitrag mit dem Titel
“Auch Schäuble will, dass Sarrazin gefeuert wird”



Wenn im Zusammenhang mit der neuen Eugenik und mit dem sogenannten "Counter-Dschihad" von Meinungsfreiheit die Rede ist, ist oft die Forderung nach Aufhebung von Gesetzen und Regeln gegen "Hassrede" (hate speech) gemeint.


Beispiel: "Wir müssen die “hate speech”-Gesetze loswerden. Europa braucht Redefreiheit mehr denn je zuvor. …“ (Blogger "Fjordman", 2006; https://fjordman.wordpress.com/2006/10/04/losungsvorschlage-ein-vorlaufiger-entwurf/
) ; siehe auch auf diesem Blog "Lesestoff von Fjordman" (http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/weihnachtslekture-vom-fordman.html).

Selbstpromotion von Hassgruppen im Namen der Redefreiheit und des Kampfes gegen die "politische Korrektheit" - vorgemacht hat das z.B. der Ku Klux Klan.
Politische Korrektheit bedroht die Redefreiheit - der KKK rettet sie. Sagt der KKK. Von der Webseite des Ku Klux Klan in den US (http://kukluxklan.bz/):
“Freedom of Speech ... Even today when a Klansman speaks, he is exercising the Constitution, keeping strong and immutable the peoples right to speak and publish their ideas. … When the populace is silenced by fear and political correctness, the Klan steps forward and demands to speak, what could be more relevant?” 

Da der Begriff Hassrede oder "hate speech" in mehreren Textauszügen auf diesem Blog vorkommt, hier eine kurze Erläuterung.


Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hate_Speech
"Der Begriff Hate Speech (engl. Hasssprache, Hassrede) bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen, die zur Ausgrenzung oder Benachteiligung von bestimmten Personen oder Personengruppen, oder sogar zur Gewalt gegen diese, anreizen sollen.
Vor allem in den Vereinigten Staaten wird der Begriff Hate Speech in juristischen, politischen und soziologischen Diskursen verwandt. Im deutschsprachigen Raum fallen Ausdrucksweisen, die zum Hass aufstacheln, unter die Gesetzgebung zur Volksverhetzung (Deutschland) bzw. Verhetzung (Österreich).
Der deutsche Begriff Hassrede stellt eine Form der Hate Speech dar. Zur Hate Speech zählt auch die Benutzung von Ethnophaulismen.
In der juristischen Bewertung gibt es zwischen den Staaten wesentliche Unterschiede. In den Vereinigten Staaten werden freie Meinungsäußerungen geschützt, die nicht tatsächlich einen Aufruf zu Gewalt darstellen. Die Kriterien sind dabei streng ausgelegt: Selbst eine Rede, die Gewalt rechtfertigt oder rassistische Beleidigungen enthält, wird weitgehend geschützt, wenn nicht beweisbar ist, dass es zu „unmittelbarer Gewaltausübung“ kommen wird. Allerdings haben viele private amerikanische Institutionen, insbesondere Universitäten, eigene, strengere Richtlinien gegen "Hate Speech" in ihrem Bereich erlassen.
Vorschriften öffentlicher Universitäten, welche entsprechende Verhaltensweisen verbieten sollten, wurden jedoch durch amerikanische Gerichte immer wieder eingeschränkt.
Eine konsequente Einschränkung dagegen ist die Entwicklung einer spezifischen Regelung für die Leugnung des Holocaust oder anderer Genozide. Unterschiede gibt es insbesondere innerhalb der Europäischen Union, in der Frankreich und Deutschland hohe Hindernisse gegen Hate Speech errichtet haben, während in Großbritannien und Ungarn viele Formen des Hate Speech geschützt sind."


Ethnophaulismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnophaulismus
"Ethnophaulismus, von griech. ἔθνος, ethnos, „Volk“ und φαῦλος, phaulos, „gering; wertlos; böse“ ...ist ein 1944 von Abraham Aron Roback geprägter ... (Begriff), der für die abwertende Bezeichnung für eine Ethnie stehen soll. ...Im Angloamerikanischen existiert der Ausdruck Derogatory Ethnic Label, Abk.: DEL, (deutsch: „herabwürdigende ethnische Bezeichnung“), der den Begriff Herabwürdigung als Fachausdruck der Antidiskriminierung einführt. Der Begriff Ethnophaulism konnte sich im Amerikanischen nicht durchsetzen, statt dessen wird heute der Begriff ethnic slur gebraucht.
Auf die Deutschen (bzw. Deutschsprachigen) bezogen gibt es Ausdrücke wie im Amerikanischen Kraut, im Britischen/Amerikanischen Fritz, im Englischen Hun („Hunnen“) ...

Nach einer Untersuchung Irving L. Allens von 1982 ergäben sich in den Vereinigten Staaten abwertende Namensgebungen vor allem im Zusammenhang mit „Immigration, Siedlungsverhalten, Stadtzuzug, Berufsspezialisierung und innergesellschaftlichen Wanderungen spezifischer Volksgruppen.“ ...
Ethnophaulismen dienten nach Allen dazu, Minderheiten sozial unterzuordnen, ihnen den sozialen Aufstieg zu verweigern und sie von Machtmitteln und Einfluss auszuschließen. Vergangene und gegenwärtige Ungerechtigkeiten sollten mit diesen „Wort-Waffen“ im Sinne eines Weißsein legitimiert werden. Es handele sich dabei um einen ideologischen
Prozess."



Anmerkungen: 

Der Begriff "Kopftuchschlampe" aus der rechtsextremen Szene, als "Kopftuchmädchen" von Thilo Sarrazin gesellschaftsfähig gemacht, wird als Ethnopaulismus für Frauen muslimischer Abstammung gebraucht. - Über diesen Begriff siehe auch auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/kopftuchmadchen-kopftuchschlampe.html

Im deutschsprachigen Raum ist die Verknüpfung des Verständnisses von "Volksverhetzung" mit dem des Antisemitismus so eng, dass Blogs, die Hassrede pflegen, (z.B. "Politically Incorrect", "As der Schwerter") sich gern als pro-israelisch bezeichnen, um dem Vorwurf der Volksverhetzung vorzubeugen.

Einen ähnlichen Kunstgriff verwendet Thilo Sarrazin (der die Ergebnisse fragwürdiger Intelligenztests oder vielmehr -hochrechnungen als Beleg für seine eugenischen Thesen anführt) mit der Behauptung, die Nazis hätten von Intelligenztests nichts wissen wollen, da sie diese für eine jüdische Erfindung hielten. Das Gegenteil ist richtig: Nazi-Wissenschaftler interpretierten z.B. die Ergebnisse von Intelligenztest an amerikanischen Rekruten als Beweis für die Überlegenheit der „nordischen Rasse“, setzten sie auch selbst für die „erbbiologische Bestandsaufnahme“ in deutschen Regionen ein und ließen sich von den amerikanischen Intelligenzforschern Terman und Cox zu der Einrichtung von „Führerschulen“ inspirieren. Dennoch kursiert die auf Sarrazin und seinen Ideengeber Volkmar Weiss zurückgehende Behauptung von der Intelligenztest-Aversion der Nazis munter als Internet-Legende.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/wie-sich-internet-legenden-verbreiten.html
Unerreicht in der Kunst, sich auf angebliche „jüdische Vermächtnisse“ zu berufen, um Fragwürdiges zu übertünchen und unbequemen Fragen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist natürlich der frühere hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der mit dieser Legende die Herkunft „schwarzer Kassen“ zur Parteifinanzierung erklären wollte und damit ein geflügeltes Wort geschaffen hat.
Von diesem Niveau ebenfalls nicht allzu weit entfernt: Henryk M. Broders Selbststilisierung als Vertreter des „Stammes“ (?) der Juden in der Reaktion auf Fragen und Kritik, die eigentlich nur persönliche Äußerungen seinerseits betreffen. Beispiel: Ein Interview mit dem STERN, erschienen in der Online-Ausgabe vom 29. Juli 2011. Frage: „Herr Broder, seit bekannt wurde, dass der Attentäter von Oslo in seinem wirren Manifest auch Sie zitiert hat, werden Sie in vielen Medien attackiert und als "geistiger Brandstifter" bezeichnet. ...“. Antwort: „.... Nachdem ich zu einem Stamm gehörte, der das Christentum, den Marxismus und die Psychoanalyse erfunden hat, bin ich gerne bereit, auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. .“ http://www.stern.de/panorama/broder-und-das-breivik-manifest-man-braucht-einen-suendenbock-1710964.html


Vorausschauend sagte der CDU-Abgeordnete Franz Böhm 1960: "Wir können ... gar nicht wissen, gegen was sich der Haß einer künftigen radikalen Bewegung bei uns richtet. Diese Bewegung wird eventuell sagen: Wir werden unseren Haß gegen irgend etwas richten, das nicht im Paragraphen 130' (dem geplanten Gesetz gegen Volksverhetzung) 'steht... Dann sitzen wir wieder da.' "
Aus: DER SPIEGEL 8/ 1960, "Gotteserkennnis (L)"; siehe auf diesem Blog http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.html


Joel Schalit ueber die Austauschbarkeit der Vorurteile (gegen Juden und gegen Muslime): Germany’s ‘Judaeo-Muslim Threat’ (03.09.2010)
http://observers.france24.com/content/20100903-germany-sarrazin-racism-jews-muslims-observers-opinion-joel-schalit


Kritisches ueber hasserfuellte “Islamkritik” (englisch; aus Zeitgruenden zunaechst ohne Uebersetzung); u.a.:

Warum Reporter Richard Peppiatt beim Daily Star kuendigte
Halal Essensangebote in Schulkantinen:  Keine goesseren Sorgen in Frankreich? - Nicholas Sarkozy und seine Anbiederungen an die “Islamkritiker” der Hass-Fraktion

 
 

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Ergänzung 03.01.2012 
 

Klartext“ als Etikett für Hass-Publikationen:

Dietrich Eckart, Lord Alfred Douglas und ihre antisemitischen Zeitschriften
Auf gut Deutsch“ und „Plain English“


Dietrich Eckart (1868 bis 1923) ist vor allem dadurch bekannt, dass Adolf Hitler ihn als seinen Mentor ansah und dies durch eine Widmung in „Mein Kampf“ dokumentierte. Nach der „Machtergreifung“ 1933 soll Hitler geäußert haben: „Was würde mein guter Freund Dietrich Eckart sagen, wenn er uns jetzt sehen könnte … !“ Die heutige „Waldbühne“ in Berlin-Spandau wurde zu den Olympischen Spielen 1936 als „Dietrich-Eckart-Bühne“ eingeweiht.
Eckart, geboren in Neumarkt in der Nähe von Nürnberg, studierte Medizin in München, brach sein Studium aber 1881 ab und arbeitete fortan als Dichter, Bühnenschriftsteller und Journalist. Von seinem Vater, einem königlichen Notar, hatte Eckart ein ansehnliches Vermögen geerbt, das er aber schnell aufgebraucht hatte. 1899 zog Eckart nach Berlin. Dort wurde er der Schützling des Theater-Direktors Graf Georg von Hülsen-Haeseler. Sein größter Erfolg war eine deutschsprachige Adaptation von Ibsens „Peer Gynt“. Mit der Figur des "Peer Gynt" soll er sich Zeit seines Lebens stark identifiziert haben. Sein Stück „Heinrich der Hohenstaufe“ (über den Staufenkaiser Heinrich VI., dem der König von England dem Stück zufolge Treue schwur) wurde 1915 am Königlichen Schauspielhaus in Berlin aufgeführt. Eckart soll es auf Bestellung von Kaiser Wilhelm geschrieben haben, aus Anlass der Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise mit dem Herzog von Braunschweig. Die Hochzeit fand 1913 statt, aber nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war Englandfreundlichkeit nicht mehr angesagt; das Stück wurde nur wenige Male aufgeführt.
Noch während des Weltkriegs, ebenfalls 1915, gründete Eckart den Hoheneichen-Verlag, dessen Firmensitz in Wolfratshausen bei München sowie in München-Schwabing lag. Er kehrte nach Bayern zurück, lebte in München und Berchtesgaden. Zwischen 1918 und 1920 gab Eckart im Hoheneichen-Verlag die antisemitische Zeitschrift „Auf gut Deutsch“ heraus, die er mit der Hilfe von Alfred Rosenberg und Gottfried Feder in einer Auflage von 20.000 Kopien publizierte. Den Vertrag von Versailles betrachtete er als Verrat und propagierte in seiner Zeitschrift die Dolchstoßlegende, wonach die Juden und die Sozialdemokraten, von ihm auch als „Marxisten“ bezeichnet, für Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich waren. (Ob seine ca. siebenjährige, 1921 geschiedene Ehe mit der vermögenden Witwe Rosa Marx zu seinem Hass gegen alle, die er als „Marxisten“ bezeichnete, beitrug, ist nicht bekannt.) Die Juden – das „internationale Judentum“ - machte er auch dafür verantwortlich, dass die Völker überhaupt in den Weltkrieg gestürzt worden wären. Juden bezeichnete er als „die Krummen“; das „Weltjudentum“ als „den großen Krummen“ (für ihn symbolisiert durch das Reich der Trolle, die seine frei nach Ibsen gestaltete Bühnenfigur Peer Gynt mit Gaukeleien und verführerischer, aber rassisch unreiner Erotik umfingen). Auch Kritiker seiner Werke, Juden oder nicht, waren für ihn „die Krummen“. Verhasst waren ihm auch Nicht-Juden, die sich gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung von Juden einsetzten; er bezeichnete sie mit dem altertümlichen Begriff „Judentzer“.
In dem von Francis Galtons Eugenik-Lehre („Hereditary Genius“) beeinflussten Geist seiner Zeit entwickelte Eckart eine Ideologie von einem „genialen höheren Menschen“. Dabei griff er besonders auf Schriften von Lanz von Liebenfels zurück, des Gründers der antisemitischen und rassistischen para-religiösen Zeitschrift „Ostara“ (siehe auch Stichworte „Liebenfels“, „Ostara“ auf diesem Blog). Wie andere frühe Förderer der Nazi-Ideologie war Eckart mit der esoterischen „Thule-Gesellschaft“ verbunden.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Eckart einer der Gründer der „Deutschen Arbeiterpartei“, aus der unter Hitlers Einfluss die NSDAP hervorging. Später war Eckart an der Übernahme der Zeitschrift „Völkischer Beobachter“ durch den partei-eigenen Eher-Verlag beteiligt. Hitler und der Nazi-Bewegung verschaffte er ein „offenes Ohr“ bei Industriellen und ihren Vereinigungen, z.B. über seinen Freund Dr. Emil Gansser, dessen Bruder „Deutschland Erwache“ vertont hatte.
Eckart starb Ende 1923 - mit 55 Jahren - in Berchtesgaden an einem Herzinfarkt. Sein schlechter Gesundheitszustand wird zum einen mit einer lebenslangen Morphin-Abhängigkeit, zum anderen mit den Folgen eines Gefängnisaufenhalts (wegen Verleumdung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert) in Zusammenhang gebracht; Letzteres trug dazu bei, dass er für seine Anhänger in die Nähe eines „Märtyrers“ gerückt wurde.
Prägende Begriffe und Schlagworte der Nazi-Zeit, darunter „Das Dritte Reich“ und „Deutschland Erwache“ gingen auf seine Propaganda zurück. Antisemitismus verstand er als Kampf gegen den "Antichristen": „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt". Er soll der Erste gewesen sein, der Adolf Hitler (1921) als „Führer“ bezeichnet hat. Der von ihm gegründete Hoheneichen-Verlag wurde während des Zweiten Weltkriegs offiziell als „Verlag der Hohen Schule“ bezeichnet.
Heute ist Dietrich Eckart eine der Kultfiguren der Neonazi-Szene. Er wird z.B. auf Metapedia, einem rechtsextremen Gegenentwurf zu Wikipedia, als Kronzeuge für die Warnung vor „charakterlicher Überfremdung“ angeführt.
Publikationen aus dem Hoheneichen-Verlag wirken bis heute auch in die gesellschaft-liche Mitte hinein, so z.B. das 1939 in der 1. Auflage erschienene Buch „Politik, Technik und Geist“ des seinerzeit leitenden Wirtschaftsredakteurs des „Völkischen Beobachter“, Fritz Nonnenbruch. Nonnenbruch verstand Technik als Ausdruck von „rassebedingter Genialität“ und propagierte ein „völkisches Schöpfertum“. (Vergleiche die Sorge von heute, nur Menschen einer bestimmten Abstammung könnten aktuell gemeldete und künftige Lücken bei den MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – Berufen füllen.)

Lord Alfred Douglas (1870 – 1945) war ein Autor, Dichter und Übersetzer. Er stammte aus altem britischen Adel, war der dritte Sohn des schottischen Edelmanns John Sholto Douglas, 9th Marquess of Queensberry, und seiner Frau Sybil, geb. Montgomery. Sein wohl bekanntestes Gedicht ist „Two Loves“ mit der Schlusszeile von der „Liebe, die ihren Namen nicht aussprechen darf“ („I am the Love that dare not speak its name“).
In seinen Jugendjahren war Douglas Weggefährte und Liebhaber des damals schon prominenten Schriftstellers und Dramatikers Oscar Wilde. Er blieb ihm bis zu dessen Tod über Spannungen und Trennungen hinweg emotional verbunden. Douglas soll an Wildes Seite gewesen sein, als dieser 1900 in einer Pariser Pension starb. Er war jedenfalls bei seiner Beerdigung - zusammen, wenn auch wohl nicht ganz einträchtig, mit Robert Baldwin Ross, dem anderen wichtigen Lebensgefährten Wildes, der zu dessen Nachlassverwalter wurde.
Der Marquess of Queensberry konnte sich mit der Homosexualität des Sohnes nicht abfinden und ließ ihn immer wieder seine Verachtung spüren. Auf sein Betreiben geht zurück, dass Oscar Wilde wegen „grob unsittlichen Verhaltens“ vor Gericht kam, eine Gefängnisstrafe absolvieren musste, seine Reputation verlor und nach Frankreich ins Exil ging. Der Vater war Atheist und zeitweise Präsident der Atheistenvereinigung „British Secular Union“. Der Sohn, Lord Alfred Douglas, wandte sich später (dokumentiert ab 1911) dem Katholizismus zu. Wohl nicht zuletzt über eine Form des klerikalen Faschismus kam er zum Antisemitismus.
Von 1907 bis 1910 gab Douglas, mit Hilfe von T. W. H. (Thomas William Hodgson) Crosland eine Zeitschrift namens „The Academy“ heraus. Im Zeitraum 1920 – 1921 ließ Douglas „The Academy“ wieder aufleben, jetzt unter dem Namen „Plain English“. Was mit dem Anspruch des Titels, „klares Englisch“, verbunden war, stellte sich bald heraus: Antisemitismus der damals neuen Art, nämlich Verschmelzung von Antisemitismus, Anti-Bolschewismus und rückwirkende Erklärung geschichtlicher Ereignisse als Teil der vermeintlichen Verschwörung des Weltjudentums (z.B. eine Neu-Interpretation der Rolle Oliver Cromwells in diesem Sinne). „Plain English“ lobte den englischen Faschistenführer Mosley („British Union of Fascists“), propagierte die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ als Beweis für die angebliche jüdischen Weltverschwörung und brachte Auszüge von Texten des russischen „Grafen“ Cherep Spiridovich, dessen antisemitische Ergüsse („The Hidden Hand“) in den USA im gleichen Verlag erschienen wie das Pamphlet „Gravediggers of Russia“ mit den ins Englische übertragenen Versen von Dietrich Eckart.
1923 verbrachte Douglas wegen einer antisemitischen Verleumdung gegen Winston Churchill (dieser habe etwas mit dem Tod von Lord Kitchener zu tun) mehrere Monate im Gefängnis. Spätere schlechte Gesundheit führte er auf den Gefängnisaufenthalt zurück. In den 1930er Jahren und bis zu seinem Tod korrespondierte er lebhaft mit einigen bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter mit George Bernard Shaw und mit der als Frauenrechtlerin geltenden Eugenik-Anhängerin Marie Stopes (derselben, die Hitler einen Band der von ihr verfassten Liebesgedichte geschickt hatte; siehe Stichwort „Stopes“ auf diesem Blog). 1941 fiel er noch einmal damit auf, dass er ein Sonnett zum Lobpreis von Churchill verfasste. Er starb 1945 an Herzversagen.
Von 1902 bis1913 war Douglas verheiratet mit Olive Eleanor Custance, einer wohlhabenden Erbin und Dichterin; die Ehe endete in Scheidung. Der einzige Sohn, Raymond, verbrachte einen großen Teil seines Lebens in psychiatrischen Anstalten; er starb1965.
Durch die Zusammenarbeit von Douglas' früherem „Rivalen“ Robert Ross mit dem Wilde-Übersetzer Max Meyerfeld wurden die Theaterstücke Oscar Wildes zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehr populär. In den frühen Jahren der Nazi-Zeit verschwanden Wildes Stücke keineswegs von der Bühne – aber statt der Übersetzungen des Dr. Meyerfeld, der nach den Nürnberger Gesetzen Jude war, kamen jetzt die frei gestalteten, der Nazi-Ideologie angepassen Bearbeitungen des „völkischen“ Bühnenschriftstellers Karl Lerbs zur Aufführung. Erleichtert wurde dies dadurch, dass Ross, der als Wilde's Nachlassverwalter Einwände hätte erheben können, 1918 gestorben war. Ob Douglas in diesem Zusammenhang in Erscheinung trat, ist nicht bekannt.
Nicht ohne Weiteres feststellbar ist auch, ob Douglas mit Dietrich Eckart oder seinem unmittelbaren Umfeld Kontakt hatte, etwa über die Theaterszene oder über antisemitisch-esoterische Verbindungen, wie sie die Thule-Gesellschaft, der Eckart nahe stand, zeitweise auch in England gepflegt haben soll (Stichwort "Golden Dawn"). Dass es zumindest ideologische Bezüge gab, legen die sehr verwandten Inhalte ihrer Zeitschriften nahe; ebenso deren Nähe zu der von Cherep Spiridovich verbreiteten Propaganda - und nicht zuletzt die sehr ähnlichen Titel mit dem „Klartext“-Gestus auf „gut Deutsch“ und in „plain English“.


Quellen zur Biographie Dietrich Eckart:

Wikipedia, Einträge (deutsch) „Dietrich Eckart“ und „Hoheneichen-Verlag“
Dietrich Eckart - An Introduction For the English-Speaking Student, by William Gillespie, 1975. (In Auszügen im Internet eingestellt am 23 August 2004 von einem Käufer, der das Buch antiquarisch erworben hatte)
Buchbeschreibung von “suum cuique” (einem Antiquariat in Berlin) zu Eckarts Drama “Lorenzaccio” mit biographischen Anmerkungen und dem Dietrich-Zitat “Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast…”
http://www.abebooks.com/servlet/SearchResults?kn=%22christ+zu+gast%22&sts=t&x=34&y=11


Zum Beleg der Rezeption Eckarts in der Neonazi-Szene: Metapedia, Eintrag „Dietrich Eckart“http://de.metapedia.org/wiki/Eckart,_Dietrich
 
Quellen zur Biographie Lord Alfred Douglas:

Wikipedia-Einträge „Alfred Douglas“ und „Robert Baldwin Ross“ (jeweils in Deutsch und Englisch; die englischen Versionen sind ausführlicher)

Biographie Lord Alfred Douglas auf „poemhunter“
 

Lobende Erwähnung des Lord Alfred Douglas in der Verlagswerbung für Cherep Spiridovichs "Hidden Hand": Siehe auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html

Beschreibung des Antiquariats “Maggs Bros. Ltd" (London)” zu Kingdom Come. The Magazine of War-Time Oxford, WALLER (John) and HARRIS (Kenneth), editors; 1939-1943”. Sammlung kriegs-patriotischer Beiträge britischer Literaten und Personen des öffentlichen Lebens (einschl. Marie Stopes, Lord Alfred Douglas). Enthält die Anfangszeile von Douglas’ Sonnett an Churchill ("Winston Churchill - Not that of old I loved you over-much …") http://www.abebooks.com/servlet/BookDetailsPL?bi=758207253&searchurl=kn%3D%2522alfred%2Bdouglas%2522%2Bplain%26sts%3Dt%26x%3D52%26y%3D17

Außerdem berücksichtigt
Rainer Kohlmayer (Universität Mainz/ Germersheim): Übersetzung als ideologische Anpassung: Oscar Wildes Gesellschaftskomödien mit nationalsozialistischer Botschaft. Ohne Datum (um 1995) 
English: Oscar Wilde's Society Comedies With a National Socialist Message
http://www.rainer-kohlmayer.de/downloads/files/comedies_message.pdf


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“By 1939, no less than 750 fascist organizations had been formed in the United States, and were flooding the country with pro-Axis, anti-Semitic and anti-Soviet bulletins, magazines, newsletters and newspapers. In the name of saving America from Communism, these organizations and publications called for the overthrow of the Government of the United States, the establishment of an American fascist regime, and an alliance with the Axis against Soviet Russia.
On November 18, 1936, William Dudley Pelley, chief of the Nazi-inspired Silver Shirts, declared: - Let us understand thoroughly that if a second civil war comes to this country, it will not be a war to overthrow the American government, but to overthrow the Jew-Communist usurpers who have seized the American government and bethought themselves to make it a branch office of Moscow...
After the Nazi invasion of Soviet Russia, Father Charles E Coughlin, leader of the pro-Nazi Christian Front, declared in the July 7, 1941, issue of his propaganda organ Social Justice. - Germany's war on Russia is a battle for Christianity... We remember that atheistic Communism was conceived and brought to birth in Russia chiefly through the instrumentality of godless Jews. …
… Harry Augustus Jung … was like the Dietrich Eckart of the Nazi anti-Communist Philosophy. Both Walter Steele and Major John B. Trevor were classic Wickliffe Draper Nazi sympathizers or even worse … (Major) John B. Trevor, Sr., OSJ who was head of the American Coalition of Patriotic Societies, started by Wickliffe Draper of The Pioneer Fund, an organization which in 1942 was listed by a Department of Justice indictment as an agency which had been used in a conspiracy to undermine the morale of the United States armed forces. Trevor was intimately associated with anti Soviet White Russians, and his organization constantly spread anti-Soviet propaganda. He and his son were also on the Board of The Pioneer Fund. …
Representative Hamilton Fish, II of New York, visited Soviet Russia in 1923… In the early 1930's, as chairman of a Congressional committee to investigate "American communism," Fish was the chief spokesman of the White Russian anti-Soviet emigres in the United States … Among the "experts" who supplied Fish's committee with material were the former Okhrana agent, Boris Brasol, and the German propagandist, George Sylvester Viereck. After Hitler came to power in Germany, Fish hailed the Nazi leader as the man who had saved Germany from Communism. … In February 1942 it was disclosed at the trial of the Nazi agent Viereck that Fish's Washington office had been used as the headquarters of a Nazi propaganda ring …”
Aus “Nut Country”,




Anmerkungen:

·    Interessant, dass Protagonisten des Pioneer-Fund, der sich der pseudo-wissenschaftlichen Untermauerung und Verbreitung der Eugenik gewidmet hat (siehe Stichwort “Pioneer Fund” auf diesem Blog), auch waehrend des Krieges als Nazi-Sympathisierer in Erscheinung getreten sind.
·    George Sylvester Viereck, der in diesem Text als Teil des anti-bolschewistischen Netzwerks von Nazi-Sympathisierern genannt wird, fuehrte 1923 ein Interview mit Adolf Hitler, in dem dieser sich gegenueber der internationalen Oeffentlichkeit als Bekaempfer des Marxismus/ Bolschewismus stilisierte (siehe z.B. http://www.guardian.co.uk/theguardian/2007/sep/17/greatinterviews1). Viereck hatte viele Korrespondenz-Partner, darunter auch Lord Alfred Douglas. Er schrieb sogar die Einleitung zu einem von dessen Buechern (The City of Soul, 1925). Es ist nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass Viereck eine Verbindung zwischen Douglas und Hitlers Mentor Dietrich Eckart hergestellt haben koennte, und dass die Aehnlichkeit der in den fruehen 1920er Jahren erschienenen antisemitischen Zeitschriften im “Klartext”-Gestus, “Auf gut Deutsch” (herausgegeben von Dietrich Eckart) und “Plain English” (herausgegeben von Lord Alfred Douglas) kein Zufall ist.


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Freedom of Speech:
"Kill Baby, Kill"

http://www.youtube.com/watch?v=ASpXr5XRXL0