Dieses Blog durchsuchen

Wird geladen...

Samstag, 3. Dezember 2011

Hate Speech - Hassrede



“Der Rollerfahrer, was der an Steuergelder verschossen hat ...“
Aus einem Kommentar auf PI zu einem Beitrag mit dem Titel
“Auch Schäuble will, dass Sarrazin gefeuert wird”



Wenn im Zusammenhang mit der neuen Eugenik und mit dem sogenannten "Counter-Dschihad" von Meinungsfreiheit die Rede ist, ist oft die Forderung nach Aufhebung von Gesetzen und Regeln gegen "Hassrede" (hate speech) gemeint.


Beispiel: "Wir müssen die “hate speech”-Gesetze loswerden. Europa braucht Redefreiheit mehr denn je zuvor. …“ (Blogger "Fjordman", 2006; https://fjordman.wordpress.com/2006/10/04/losungsvorschlage-ein-vorlaufiger-entwurf/
) ; siehe auch auf diesem Blog "Lesestoff von Fjordman" (http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/weihnachtslekture-vom-fordman.html).

Selbstpromotion von Hassgruppen im Namen der Redefreiheit und des Kampfes gegen die "politische Korrektheit" - vorgemacht hat das z.B. der Ku Klux Klan.
Politische Korrektheit bedroht die Redefreiheit - der KKK rettet sie. Sagt der KKK. Von der Webseite des Ku Klux Klan in den US (http://kukluxklan.bz/):
“Freedom of Speech ... Even today when a Klansman speaks, he is exercising the Constitution, keeping strong and immutable the peoples right to speak and publish their ideas. … When the populace is silenced by fear and political correctness, the Klan steps forward and demands to speak, what could be more relevant?” 

Da der Begriff Hassrede oder "hate speech" in mehreren Textauszügen auf diesem Blog vorkommt, hier eine kurze Erläuterung.


Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hate_Speech
"Der Begriff Hate Speech (engl. Hasssprache, Hassrede) bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen, die zur Ausgrenzung oder Benachteiligung von bestimmten Personen oder Personengruppen, oder sogar zur Gewalt gegen diese, anreizen sollen.
Vor allem in den Vereinigten Staaten wird der Begriff Hate Speech in juristischen, politischen und soziologischen Diskursen verwandt. Im deutschsprachigen Raum fallen Ausdrucksweisen, die zum Hass aufstacheln, unter die Gesetzgebung zur Volksverhetzung (Deutschland) bzw. Verhetzung (Österreich).
Der deutsche Begriff Hassrede stellt eine Form der Hate Speech dar. Zur Hate Speech zählt auch die Benutzung von Ethnophaulismen.
In der juristischen Bewertung gibt es zwischen den Staaten wesentliche Unterschiede. In den Vereinigten Staaten werden freie Meinungsäußerungen geschützt, die nicht tatsächlich einen Aufruf zu Gewalt darstellen. Die Kriterien sind dabei streng ausgelegt: Selbst eine Rede, die Gewalt rechtfertigt oder rassistische Beleidigungen enthält, wird weitgehend geschützt, wenn nicht beweisbar ist, dass es zu „unmittelbarer Gewaltausübung“ kommen wird. Allerdings haben viele private amerikanische Institutionen, insbesondere Universitäten, eigene, strengere Richtlinien gegen "Hate Speech" in ihrem Bereich erlassen.
Vorschriften öffentlicher Universitäten, welche entsprechende Verhaltensweisen verbieten sollten, wurden jedoch durch amerikanische Gerichte immer wieder eingeschränkt.
Eine konsequente Einschränkung dagegen ist die Entwicklung einer spezifischen Regelung für die Leugnung des Holocaust oder anderer Genozide. Unterschiede gibt es insbesondere innerhalb der Europäischen Union, in der Frankreich und Deutschland hohe Hindernisse gegen Hate Speech errichtet haben, während in Großbritannien und Ungarn viele Formen des Hate Speech geschützt sind."


Ethnophaulismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnophaulismus
"Ethnophaulismus, von griech. ἔθνος, ethnos, „Volk“ und φαῦλος, phaulos, „gering; wertlos; böse“ ...ist ein 1944 von Abraham Aron Roback geprägter ... (Begriff), der für die abwertende Bezeichnung für eine Ethnie stehen soll. ...Im Angloamerikanischen existiert der Ausdruck Derogatory Ethnic Label, Abk.: DEL, (deutsch: „herabwürdigende ethnische Bezeichnung“), der den Begriff Herabwürdigung als Fachausdruck der Antidiskriminierung einführt. Der Begriff Ethnophaulism konnte sich im Amerikanischen nicht durchsetzen, statt dessen wird heute der Begriff ethnic slur gebraucht.
Auf die Deutschen (bzw. Deutschsprachigen) bezogen gibt es Ausdrücke wie im Amerikanischen Kraut, im Britischen/Amerikanischen Fritz, im Englischen Hun („Hunnen“) ...

Nach einer Untersuchung Irving L. Allens von 1982 ergäben sich in den Vereinigten Staaten abwertende Namensgebungen vor allem im Zusammenhang mit „Immigration, Siedlungsverhalten, Stadtzuzug, Berufsspezialisierung und innergesellschaftlichen Wanderungen spezifischer Volksgruppen.“ ...
Ethnophaulismen dienten nach Allen dazu, Minderheiten sozial unterzuordnen, ihnen den sozialen Aufstieg zu verweigern und sie von Machtmitteln und Einfluss auszuschließen. Vergangene und gegenwärtige Ungerechtigkeiten sollten mit diesen „Wort-Waffen“ im Sinne eines Weißsein legitimiert werden. Es handele sich dabei um einen ideologischen
Prozess."



Anmerkungen: 

Der Begriff "Kopftuchschlampe" aus der rechtsextremen Szene, als "Kopftuchmädchen" von Thilo Sarrazin gesellschaftsfähig gemacht, wird als Ethnopaulismus für Frauen muslimischer Abstammung gebraucht. - Über diesen Begriff siehe auch auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/kopftuchmadchen-kopftuchschlampe.html

Im deutschsprachigen Raum ist die Verknüpfung des Verständnisses von "Volksverhetzung" mit dem des Antisemitismus so eng, dass Blogs, die Hassrede pflegen, (z.B. "Politically Incorrect", "As der Schwerter") sich gern als pro-israelisch bezeichnen, um dem Vorwurf der Volksverhetzung vorzubeugen.

Einen ähnlichen Kunstgriff verwendet Thilo Sarrazin (der die Ergebnisse fragwürdiger Intelligenztests oder vielmehr -hochrechnungen als Beleg für seine eugenischen Thesen anführt) mit der Behauptung, die Nazis hätten von Intelligenztests nichts wissen wollen, da sie diese für eine jüdische Erfindung hielten. Das Gegenteil ist richtig: Nazi-Wissenschaftler interpretierten z.B. die Ergebnisse von Intelligenztest an amerikanischen Rekruten als Beweis für die Überlegenheit der „nordischen Rasse“, setzten sie auch selbst für die „erbbiologische Bestandsaufnahme“ in deutschen Regionen ein und ließen sich von den amerikanischen Intelligenzforschern Terman und Cox zu der Einrichtung von „Führerschulen“ inspirieren. Dennoch kursiert die auf Sarrazin und seinen Ideengeber Volkmar Weiss zurückgehende Behauptung von der Intelligenztest-Aversion der Nazis munter als Internet-Legende.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/wie-sich-internet-legenden-verbreiten.html
Unerreicht in der Kunst, sich auf angebliche „jüdische Vermächtnisse“ zu berufen, um Fragwürdiges zu übertünchen und unbequemen Fragen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist natürlich der frühere hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der mit dieser Legende die Herkunft „schwarzer Kassen“ zur Parteifinanzierung erklären wollte und damit ein geflügeltes Wort geschaffen hat.
Von diesem Niveau ebenfalls nicht allzu weit entfernt: Henryk M. Broders Selbststilisierung als Vertreter des „Stammes“ (?) der Juden in der Reaktion auf Fragen und Kritik, die eigentlich nur persönliche Äußerungen seinerseits betreffen. Beispiel: Ein Interview mit dem STERN, erschienen in der Online-Ausgabe vom 29. Juli 2011. Frage: „Herr Broder, seit bekannt wurde, dass der Attentäter von Oslo in seinem wirren Manifest auch Sie zitiert hat, werden Sie in vielen Medien attackiert und als "geistiger Brandstifter" bezeichnet. ...“. Antwort: „.... Nachdem ich zu einem Stamm gehörte, der das Christentum, den Marxismus und die Psychoanalyse erfunden hat, bin ich gerne bereit, auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. .“ http://www.stern.de/panorama/broder-und-das-breivik-manifest-man-braucht-einen-suendenbock-1710964.html


Vorausschauend sagte der CDU-Abgeordnete Franz Böhm 1960: "Wir können ... gar nicht wissen, gegen was sich der Haß einer künftigen radikalen Bewegung bei uns richtet. Diese Bewegung wird eventuell sagen: Wir werden unseren Haß gegen irgend etwas richten, das nicht im Paragraphen 130' (dem geplanten Gesetz gegen Volksverhetzung) 'steht... Dann sitzen wir wieder da.' "
Aus: DER SPIEGEL 8/ 1960, "Gotteserkennnis (L)"; siehe auf diesem Blog http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.html


Joel Schalit ueber die Austauschbarkeit der Vorurteile (gegen Juden und gegen Muslime): Germany’s ‘Judaeo-Muslim Threat’ (03.09.2010)
http://observers.france24.com/content/20100903-germany-sarrazin-racism-jews-muslims-observers-opinion-joel-schalit


Kritisches ueber hasserfuellte “Islamkritik” (englisch; aus Zeitgruenden zunaechst ohne Uebersetzung); u.a.:

Warum Reporter Richard Peppiatt beim Daily Star kuendigte
Halal Essensangebote in Schulkantinen:  Keine goesseren Sorgen in Frankreich? - Nicholas Sarkozy und seine Anbiederungen an die “Islamkritiker” der Hass-Fraktion

 
 

___________________


Ergänzung 03.01.2012 
 

Klartext“ als Etikett für Hass-Publikationen:

Dietrich Eckart, Lord Alfred Douglas und ihre antisemitischen Zeitschriften
Auf gut Deutsch“ und „Plain English“


Dietrich Eckart (1868 bis 1923) ist vor allem dadurch bekannt, dass Adolf Hitler ihn als seinen Mentor ansah und dies durch eine Widmung in „Mein Kampf“ dokumentierte. Nach der „Machtergreifung“ 1933 soll Hitler geäußert haben: „Was würde mein guter Freund Dietrich Eckart sagen, wenn er uns jetzt sehen könnte … !“ Die heutige „Waldbühne“ in Berlin-Spandau wurde zu den Olympischen Spielen 1936 als „Dietrich-Eckart-Bühne“ eingeweiht.
Eckart, geboren in Neumarkt in der Nähe von Nürnberg, studierte Medizin in München, brach sein Studium aber 1881 ab und arbeitete fortan als Dichter, Bühnenschriftsteller und Journalist. Von seinem Vater, einem königlichen Notar, hatte Eckart ein ansehnliches Vermögen geerbt, das er aber schnell aufgebraucht hatte. 1899 zog Eckart nach Berlin. Dort wurde er der Schützling des Theater-Direktors Graf Georg von Hülsen-Haeseler. Sein größter Erfolg war eine deutschsprachige Adaptation von Ibsens „Peer Gynt“. Mit der Figur des "Peer Gynt" soll er sich Zeit seines Lebens stark identifiziert haben. Sein Stück „Heinrich der Hohenstaufe“ (über den Staufenkaiser Heinrich VI., dem der König von England dem Stück zufolge Treue schwur) wurde 1915 am Königlichen Schauspielhaus in Berlin aufgeführt. Eckart soll es auf Bestellung von Kaiser Wilhelm geschrieben haben, aus Anlass der Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise mit dem Herzog von Braunschweig. Die Hochzeit fand 1913 statt, aber nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war Englandfreundlichkeit nicht mehr angesagt; das Stück wurde nur wenige Male aufgeführt.
Noch während des Weltkriegs, ebenfalls 1915, gründete Eckart den Hoheneichen-Verlag, dessen Firmensitz in Wolfratshausen bei München sowie in München-Schwabing lag. Er kehrte nach Bayern zurück, lebte in München und Berchtesgaden. Zwischen 1918 und 1920 gab Eckart im Hoheneichen-Verlag die antisemitische Zeitschrift „Auf gut Deutsch“ heraus, die er mit der Hilfe von Alfred Rosenberg und Gottfried Feder in einer Auflage von 20.000 Kopien publizierte. Den Vertrag von Versailles betrachtete er als Verrat und propagierte in seiner Zeitschrift die Dolchstoßlegende, wonach die Juden und die Sozialdemokraten, von ihm auch als „Marxisten“ bezeichnet, für Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich waren. (Ob seine ca. siebenjährige, 1921 geschiedene Ehe mit der vermögenden Witwe Rosa Marx zu seinem Hass gegen alle, die er als „Marxisten“ bezeichnete, beitrug, ist nicht bekannt.) Die Juden – das „internationale Judentum“ - machte er auch dafür verantwortlich, dass die Völker überhaupt in den Weltkrieg gestürzt worden wären. Juden bezeichnete er als „die Krummen“; das „Weltjudentum“ als „den großen Krummen“ (für ihn symbolisiert durch das Reich der Trolle, die seine frei nach Ibsen gestaltete Bühnenfigur Peer Gynt mit Gaukeleien und verführerischer, aber rassisch unreiner Erotik umfingen). Auch Kritiker seiner Werke, Juden oder nicht, waren für ihn „die Krummen“. Verhasst waren ihm auch Nicht-Juden, die sich gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung von Juden einsetzten; er bezeichnete sie mit dem altertümlichen Begriff „Judentzer“.
In dem von Francis Galtons Eugenik-Lehre („Hereditary Genius“) beeinflussten Geist seiner Zeit entwickelte Eckart eine Ideologie von einem „genialen höheren Menschen“. Dabei griff er besonders auf Schriften von Lanz von Liebenfels zurück, des Gründers der antisemitischen und rassistischen para-religiösen Zeitschrift „Ostara“ (siehe auch Stichworte „Liebenfels“, „Ostara“ auf diesem Blog). Wie andere frühe Förderer der Nazi-Ideologie war Eckart mit der esoterischen „Thule-Gesellschaft“ verbunden.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Eckart einer der Gründer der „Deutschen Arbeiterpartei“, aus der unter Hitlers Einfluss die NSDAP hervorging. Später war Eckart an der Übernahme der Zeitschrift „Völkischer Beobachter“ durch den partei-eigenen Eher-Verlag beteiligt. Hitler und der Nazi-Bewegung verschaffte er ein „offenes Ohr“ bei Industriellen und ihren Vereinigungen, z.B. über seinen Freund Dr. Emil Gansser, dessen Bruder „Deutschland Erwache“ vertont hatte.
Eckart starb Ende 1923 - mit 55 Jahren - in Berchtesgaden an einem Herzinfarkt. Sein schlechter Gesundheitszustand wird zum einen mit einer lebenslangen Morphin-Abhängigkeit, zum anderen mit den Folgen eines Gefängnisaufenhalts (wegen Verleumdung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert) in Zusammenhang gebracht; Letzteres trug dazu bei, dass er für seine Anhänger in die Nähe eines „Märtyrers“ gerückt wurde.
Prägende Begriffe und Schlagworte der Nazi-Zeit, darunter „Das Dritte Reich“ und „Deutschland Erwache“ gingen auf seine Propaganda zurück. Antisemitismus verstand er als Kampf gegen den "Antichristen": „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt". Er soll der Erste gewesen sein, der Adolf Hitler (1921) als „Führer“ bezeichnet hat. Der von ihm gegründete Hoheneichen-Verlag wurde während des Zweiten Weltkriegs offiziell als „Verlag der Hohen Schule“ bezeichnet.
Heute ist Dietrich Eckart eine der Kultfiguren der Neonazi-Szene. Er wird z.B. auf Metapedia, einem rechtsextremen Gegenentwurf zu Wikipedia, als Kronzeuge für die Warnung vor „charakterlicher Überfremdung“ angeführt.
Publikationen aus dem Hoheneichen-Verlag wirken bis heute auch in die gesellschaft-liche Mitte hinein, so z.B. das 1939 in der 1. Auflage erschienene Buch „Politik, Technik und Geist“ des seinerzeit leitenden Wirtschaftsredakteurs des „Völkischen Beobachter“, Fritz Nonnenbruch. Nonnenbruch verstand Technik als Ausdruck von „rassebedingter Genialität“ und propagierte ein „völkisches Schöpfertum“. (Vergleiche die Sorge von heute, nur Menschen einer bestimmten Abstammung könnten aktuell gemeldete und künftige Lücken bei den MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – Berufen füllen.)

Lord Alfred Douglas (1870 – 1945) war ein Autor, Dichter und Übersetzer. Er stammte aus altem britischen Adel, war der dritte Sohn des schottischen Edelmanns John Sholto Douglas, 9th Marquess of Queensberry, und seiner Frau Sybil, geb. Montgomery. Sein wohl bekanntestes Gedicht ist „Two Loves“ mit der Schlusszeile von der „Liebe, die ihren Namen nicht aussprechen darf“ („I am the Love that dare not speak its name“).
In seinen Jugendjahren war Douglas Weggefährte und Liebhaber des damals schon prominenten Schriftstellers und Dramatikers Oscar Wilde. Er blieb ihm bis zu dessen Tod über Spannungen und Trennungen hinweg emotional verbunden. Douglas soll an Wildes Seite gewesen sein, als dieser 1900 in einer Pariser Pension starb. Er war jedenfalls bei seiner Beerdigung - zusammen, wenn auch wohl nicht ganz einträchtig, mit Robert Baldwin Ross, dem anderen wichtigen Lebensgefährten Wildes, der zu dessen Nachlassverwalter wurde.
Der Marquess of Queensberry konnte sich mit der Homosexualität des Sohnes nicht abfinden und ließ ihn immer wieder seine Verachtung spüren. Auf sein Betreiben geht zurück, dass Oscar Wilde wegen „grob unsittlichen Verhaltens“ vor Gericht kam, eine Gefängnisstrafe absolvieren musste, seine Reputation verlor und nach Frankreich ins Exil ging. Der Vater war Atheist und zeitweise Präsident der Atheistenvereinigung „British Secular Union“. Der Sohn, Lord Alfred Douglas, wandte sich später (dokumentiert ab 1911) dem Katholizismus zu. Wohl nicht zuletzt über eine Form des klerikalen Faschismus kam er zum Antisemitismus.
Von 1907 bis 1910 gab Douglas, mit Hilfe von T. W. H. (Thomas William Hodgson) Crosland eine Zeitschrift namens „The Academy“ heraus. Im Zeitraum 1920 – 1921 ließ Douglas „The Academy“ wieder aufleben, jetzt unter dem Namen „Plain English“. Was mit dem Anspruch des Titels, „klares Englisch“, verbunden war, stellte sich bald heraus: Antisemitismus der damals neuen Art, nämlich Verschmelzung von Antisemitismus, Anti-Bolschewismus und rückwirkende Erklärung geschichtlicher Ereignisse als Teil der vermeintlichen Verschwörung des Weltjudentums (z.B. eine Neu-Interpretation der Rolle Oliver Cromwells in diesem Sinne). „Plain English“ lobte den englischen Faschistenführer Mosley („British Union of Fascists“), propagierte die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ als Beweis für die angebliche jüdischen Weltverschwörung und brachte Auszüge von Texten des russischen „Grafen“ Cherep Spiridovich, dessen antisemitische Ergüsse („The Hidden Hand“) in den USA im gleichen Verlag erschienen wie das Pamphlet „Gravediggers of Russia“ mit den ins Englische übertragenen Versen von Dietrich Eckart.
1923 verbrachte Douglas wegen einer antisemitischen Verleumdung gegen Winston Churchill (dieser habe etwas mit dem Tod von Lord Kitchener zu tun) mehrere Monate im Gefängnis. Spätere schlechte Gesundheit führte er auf den Gefängnisaufenthalt zurück. In den 1930er Jahren und bis zu seinem Tod korrespondierte er lebhaft mit einigen bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter mit George Bernard Shaw und mit der als Frauenrechtlerin geltenden Eugenik-Anhängerin Marie Stopes (derselben, die Hitler einen Band der von ihr verfassten Liebesgedichte geschickt hatte; siehe Stichwort „Stopes“ auf diesem Blog). 1941 fiel er noch einmal damit auf, dass er ein Sonnett zum Lobpreis von Churchill verfasste. Er starb 1945 an Herzversagen.
Von 1902 bis1913 war Douglas verheiratet mit Olive Eleanor Custance, einer wohlhabenden Erbin und Dichterin; die Ehe endete in Scheidung. Der einzige Sohn, Raymond, verbrachte einen großen Teil seines Lebens in psychiatrischen Anstalten; er starb1965.
Durch die Zusammenarbeit von Douglas' früherem „Rivalen“ Robert Ross mit dem Wilde-Übersetzer Max Meyerfeld wurden die Theaterstücke Oscar Wildes zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehr populär. In den frühen Jahren der Nazi-Zeit verschwanden Wildes Stücke keineswegs von der Bühne – aber statt der Übersetzungen des Dr. Meyerfeld, der nach den Nürnberger Gesetzen Jude war, kamen jetzt die frei gestalteten, der Nazi-Ideologie angepassen Bearbeitungen des „völkischen“ Bühnenschriftstellers Karl Lerbs zur Aufführung. Erleichtert wurde dies dadurch, dass Ross, der als Wilde's Nachlassverwalter Einwände hätte erheben können, 1918 gestorben war. Ob Douglas in diesem Zusammenhang in Erscheinung trat, ist nicht bekannt.
Nicht ohne Weiteres feststellbar ist auch, ob Douglas mit Dietrich Eckart oder seinem unmittelbaren Umfeld Kontakt hatte, etwa über die Theaterszene oder über antisemitisch-esoterische Verbindungen, wie sie die Thule-Gesellschaft, der Eckart nahe stand, zeitweise auch in England gepflegt haben soll (Stichwort "Golden Dawn"). Dass es zumindest ideologische Bezüge gab, legen die sehr verwandten Inhalte ihrer Zeitschriften nahe; ebenso deren Nähe zu der von Cherep Spiridovich verbreiteten Propaganda - und nicht zuletzt die sehr ähnlichen Titel mit dem „Klartext“-Gestus auf „gut Deutsch“ und in „plain English“.


Quellen zur Biographie Dietrich Eckart:

Wikipedia, Einträge (deutsch) „Dietrich Eckart“ und „Hoheneichen-Verlag“
Dietrich Eckart - An Introduction For the English-Speaking Student, by William Gillespie, 1975. (In Auszügen im Internet eingestellt am 23 August 2004 von einem Käufer, der das Buch antiquarisch erworben hatte)
Buchbeschreibung von “suum cuique” (einem Antiquariat in Berlin) zu Eckarts Drama “Lorenzaccio” mit biographischen Anmerkungen und dem Dietrich-Zitat “Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast…”
http://www.abebooks.com/servlet/SearchResults?kn=%22christ+zu+gast%22&sts=t&x=34&y=11


Zum Beleg der Rezeption Eckarts in der Neonazi-Szene: Metapedia, Eintrag „Dietrich Eckart“http://de.metapedia.org/wiki/Eckart,_Dietrich
 
Quellen zur Biographie Lord Alfred Douglas:

Wikipedia-Einträge „Alfred Douglas“ und „Robert Baldwin Ross“ (jeweils in Deutsch und Englisch; die englischen Versionen sind ausführlicher)

Biographie Lord Alfred Douglas auf „poemhunter“
 

Lobende Erwähnung des Lord Alfred Douglas in der Verlagswerbung für Cherep Spiridovichs "Hidden Hand": Siehe auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html

Beschreibung des Antiquariats “Maggs Bros. Ltd" (London)” zu Kingdom Come. The Magazine of War-Time Oxford, WALLER (John) and HARRIS (Kenneth), editors; 1939-1943”. Sammlung kriegs-patriotischer Beiträge britischer Literaten und Personen des öffentlichen Lebens (einschl. Marie Stopes, Lord Alfred Douglas). Enthält die Anfangszeile von Douglas’ Sonnett an Churchill ("Winston Churchill - Not that of old I loved you over-much …") http://www.abebooks.com/servlet/BookDetailsPL?bi=758207253&searchurl=kn%3D%2522alfred%2Bdouglas%2522%2Bplain%26sts%3Dt%26x%3D52%26y%3D17

Außerdem berücksichtigt
Rainer Kohlmayer (Universität Mainz/ Germersheim): Übersetzung als ideologische Anpassung: Oscar Wildes Gesellschaftskomödien mit nationalsozialistischer Botschaft. Ohne Datum (um 1995) 
English: Oscar Wilde's Society Comedies With a National Socialist Message
http://www.rainer-kohlmayer.de/downloads/files/comedies_message.pdf


______________

“By 1939, no less than 750 fascist organizations had been formed in the United States, and were flooding the country with pro-Axis, anti-Semitic and anti-Soviet bulletins, magazines, newsletters and newspapers. In the name of saving America from Communism, these organizations and publications called for the overthrow of the Government of the United States, the establishment of an American fascist regime, and an alliance with the Axis against Soviet Russia.
On November 18, 1936, William Dudley Pelley, chief of the Nazi-inspired Silver Shirts, declared: - Let us understand thoroughly that if a second civil war comes to this country, it will not be a war to overthrow the American government, but to overthrow the Jew-Communist usurpers who have seized the American government and bethought themselves to make it a branch office of Moscow...
After the Nazi invasion of Soviet Russia, Father Charles E Coughlin, leader of the pro-Nazi Christian Front, declared in the July 7, 1941, issue of his propaganda organ Social Justice. - Germany's war on Russia is a battle for Christianity... We remember that atheistic Communism was conceived and brought to birth in Russia chiefly through the instrumentality of godless Jews. …
… Harry Augustus Jung … was like the Dietrich Eckart of the Nazi anti-Communist Philosophy. Both Walter Steele and Major John B. Trevor were classic Wickliffe Draper Nazi sympathizers or even worse … (Major) John B. Trevor, Sr., OSJ who was head of the American Coalition of Patriotic Societies, started by Wickliffe Draper of The Pioneer Fund, an organization which in 1942 was listed by a Department of Justice indictment as an agency which had been used in a conspiracy to undermine the morale of the United States armed forces. Trevor was intimately associated with anti Soviet White Russians, and his organization constantly spread anti-Soviet propaganda. He and his son were also on the Board of The Pioneer Fund. …
Representative Hamilton Fish, II of New York, visited Soviet Russia in 1923… In the early 1930's, as chairman of a Congressional committee to investigate "American communism," Fish was the chief spokesman of the White Russian anti-Soviet emigres in the United States … Among the "experts" who supplied Fish's committee with material were the former Okhrana agent, Boris Brasol, and the German propagandist, George Sylvester Viereck. After Hitler came to power in Germany, Fish hailed the Nazi leader as the man who had saved Germany from Communism. … In February 1942 it was disclosed at the trial of the Nazi agent Viereck that Fish's Washington office had been used as the headquarters of a Nazi propaganda ring …”
Aus “Nut Country”,




Anmerkungen:

·    Interessant, dass Protagonisten des Pioneer-Fund, der sich der pseudo-wissenschaftlichen Untermauerung und Verbreitung der Eugenik gewidmet hat (siehe Stichwort “Pioneer Fund” auf diesem Blog), auch waehrend des Krieges als Nazi-Sympathisierer in Erscheinung getreten sind.
·    George Sylvester Viereck, der in diesem Text als Teil des anti-bolschewistischen Netzwerks von Nazi-Sympathisierern genannt wird, fuehrte 1923 ein Interview mit Adolf Hitler, in dem dieser sich gegenueber der internationalen Oeffentlichkeit als Bekaempfer des Marxismus/ Bolschewismus stilisierte (siehe z.B. http://www.guardian.co.uk/theguardian/2007/sep/17/greatinterviews1). Viereck hatte viele Korrespondenz-Partner, darunter auch Lord Alfred Douglas. Er schrieb sogar die Einleitung zu einem von dessen Buechern (The City of Soul, 1925). Es ist nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass Viereck eine Verbindung zwischen Douglas und Hitlers Mentor Dietrich Eckart hergestellt haben koennte, und dass die Aehnlichkeit der in den fruehen 1920er Jahren erschienenen antisemitischen Zeitschriften im “Klartext”-Gestus, “Auf gut Deutsch” (herausgegeben von Dietrich Eckart) und “Plain English” (herausgegeben von Lord Alfred Douglas) kein Zufall ist.


_______________


Freedom of Speech:
"Kill Baby, Kill"

http://www.youtube.com/watch?v=ASpXr5XRXL0

Kommentare:

  1. "Hate speech", verbreitet über Radio, war ein wesentliches Element der Ermöglichung des Völkermords in Ruanda 1994. - Magga


    "In nur hundert Tagen töteten radikale Hutu 1994 in Ruanda rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu, die sich weigerten mitzumachen. Drei von vier Angehörige der Tutsi-Minderheit fielen dem Genozid zum Opfer. Bis heute sitzt das Trauma des Völkermordes tief und spaltet die ruandische Gesellschaft."(www.spiegel.de/thema/voelkermord_in_ruanda/)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Freie" Rede als Synonym Hassrede:
      Der Sender Freies Radio-TV von den Tausend Huegeln

      Radio Télévision Libre des Mille Collines (RTLM)

      "From January to July 1994, prior to and during the genocide, Ruggiu worked in Kigali, Rwanda as a journalist and producer for Radio Télévision Libre des Mille Collines (RTLM). [...] RTLM was one of the chief sources of extremist Hutu propaganda, broadcasting twenty-four hours a day and openly exhorting its audience to kill Tutsis and "disloyal" Hutus. Ruggiu personally wrote and broadcast much content of this nature, relentlessly egging on his listeners that the "graves were waiting to be filled". Ruggiu personally broadcast programs inciting Hutus to commit murder or serious attacks against Tutsi rebels, whom he called "cockroaches". He also encouraged persecution of these Tutsi, and moderate Hutu and Belgian citizens in the area. Airtime filled by Ruggiu accounted for approximately 8% of RTLM's broadcasts."

      http://en.wikipedia.org/wiki/Georges_Ruggiu

      Löschen
  2. Im Sinne von Dietrich Eckart engagierten sich auch andere "Christen" fuer den Antisemitismus. Zum Beispiel:
    "Zwischen der früheren Neuendettelsauer Mission und dem Nationalsozialismus hat es enge Verflechtungen gegeben. Das haben Forschungen des früheren Direktors von „Mission EineWelt“, Hermann Vorländer (Neuendettelsau), ergeben. Die damalige Missionsleitung habe die Zusammenarbeit mit den NS-Regime gesucht, um „in unserem vom Individualismus verseuchten Volk und Vaterland“ volksmissionarisch tätig sein zu können, sagte er gegenüber idea. (…) Der während des Dritten Reichs amtierende Leiter der Neuendettelsauer Mission, Friedrich Eppelein (1887-1969), sei 1933 in die NSDAP eingetreten und habe seine Mitarbeiter ermutigt, sich der SA anzuschließen, so Vorländer. Wie er bei der Auswertung des Missionsarchivs herausfand, gründeten Neuendettelsauer Missionare 1937 in Finschhafen in Papua-Neuguinea einen NSDAP-Stützpunkt. Bei einem Besuch des deutschen Konsuls wehten Hakenkreuzfahnen. Nach 1945 hätten sich die Verantwortlichen nur vage zu den zurückliegenden Vorgängen geäußert."
    Aus dem Artikel "Bayern: Missionswerk hatte enge Verflechtungen zu Nazis" auf
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2011/05/03/bayern-missionswerk-hatte-enge-verflechtungen-zu-nazis/

    Eingestellt von Magga

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aus
      Wilhelm Strohm als Brüderpfarrer in Rummelsberg 1928 - 1936
      Eine Fallstudie
      Von Albert Strohm
      ZEITSCHRIFT FÜR BAYERISCHE KIRCHENGESCHICHTE
      68. JAHRGANG 1999, S. 133ff

      In Neuendettelsau zeigte sich Rektor D. Hans Lauerer als bedingungsloser Anhänger Hitlers. Der Leiter der Nürnberger Stadtmission‘ Hans Baumgartner, wurde einer der entschiedensten Anhänger der DC ['Deutsche Christen]' und deren Landesleiter. ...

      Von diesem Ansatz her kam Althaus zusammen mit Werner Elert im Gutachten der Erlanger Theologischen Fakultät über die Einführung des sog. Arierparagraphen in der Kirche vom 25. September 1933 zu Aussagen wie den folgenden: "Der Träger des geistlichen Amtes soll mit seiner Gemeinde in ihrer irdischen Existenz so verbunden sein, dass die ihr daraus erwachsenden Bindungen auch die seinen sind. Dazu gehört die Bindung an das gleiche Volkstum.“19 "Das deutsche Volk empfindet heute die Juden in seiner Mitte mehr denn je als fremdes Volkstum. Es hat die Bedrohung seines Eigenlebens durch das emanzipierte Judentum erkannt und wehrt sich gegen diese Gefahr mit rechtlichen Ausnahmebestimmungen.“ 20

      19 Theologisches Gutachten über die Zulassung von Christen jüdischer Herkunft zu den Ämtern der Deutschen Evangelischen Kirche (Erlanger Gutachten), in Kurt Dietrich Schmidt, Die Bekenntnisse und grundsätzlichen Äusserungen zur Kirchenfrage des Jahres 1933, Göttingen 1934, S 184
      20 A a 0., S 185

      Löschen
  3. I drop a leave a response whenever I especially enjoy a
    article on a website or I have something to valuable to contribute to the discussion.
    Usually it is caused by the fire displayed in the post
    I browsed. And on this article "Hate Speech - Hassrede".
    I was actually excited enough to leave a commenta
    response :) I do have 2 questions for you if you do not mind.
    Could it be just me or do a few of the comments appear as
    if they are written by brain dead individuals? :-P And,
    if you are writing on other sites, I'd like to keep up with you. Could you list the complete urls of all your community pages like your twitter feed, Facebook page or linkedin profile?

    Here is my weblog; leicestershire

    AntwortenLöschen
  4. Studie zu Rechtsextremismus
    Süddeutsche.de 26.1.12

    Islamfeindlichkeit und der Wunsch nach einem "Führer": Sozialpsychologe Oliver Decker über wuchernde rechtsextreme Ansichten

    Interview: Oliver Das Gupta
    … Gemeinsam mit Elmar Brähler leitete Decker die Studie "Die Mitte in der Krise" an der Uni Leipzig, die im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung angefertigt wurde. Die Ergebnisse … belegen, dass immer mehr Menschen in Deutschland zu rechtsextremen Ansichten neigen. ...

    sueddeutsche.de: Herr Decker, die Islam- und Fremdenfeindlichkeit wächst, jeder Zehnte fände sogar gut, wenn ein "Führer" diktatorisch regieren würde … Bräunt Deutschland politisch?

    Oliver Decker: Der Sockel der rechtsextremistischen Einstellungen … war schon vorher vorhanden … Doch inzwischen werden diese Ansichten eher geäußert als in der Vergangenheit. ...
    Der Anteil der Nicht-Festgelegten war schon bei früheren Umfragen hoch. 16 Prozent der Befragten sind sich auch diesmal nicht sicher, ob sie einen "Führer" haben wollen, der "zum Wohle aller mit harter Hand regieren soll". Diese Teils-Teils-Zustimmungen kommen zu einem großen Teil auch von Leuten, die … damit rechnen, dass das sozial nicht akzeptierte Positionen sind. Die anderen bekennen sich inzwischen offen zu ihrer Haltung.

    sueddeutsche.de: Worauf führen Sie das zurück?

    Decker: Ich verweise auf zwei Aspekte: Zum einen können wir auf einen Befund aus dem Jahre 2002 zurückgreifen. Damals hatten wir in Westdeutschland die höchsten Antisemitismus-Zustimmungswerte. Unsere Erhebung fiel zusammen mit der Kampagne des damaligen FDP-Politikers Jürgen Möllemann. ...
    Dadurch fühlten sich einige der Befragten ermuntert, Aussagen zuzustimmen wie "Juden haben etwas Eigentümliches und passen nicht zu uns". Eine solche Entwicklung lässt sich sicherlich auch zurückführen auf ausgrenzende Reden und Minderwertigkeitsdiskurse in der Gesellschaft, die sich freilich nicht nur gegen Migranten richten.

    sueddeutsche.de: Von welchen anderen Gruppen sprechen Sie?

    Decker: Zum Beispiel, wenn Empfänger von sozialen Transferleistungen stigmatisiert werden. Dann sind viele Menschen bereit, einen aggressiven Impuls, ein Ressentiment, das sie in sich tragen, auch gegen diese Gruppe zu richten.

    sueddeutsche.de: Was ist der zweite Aspekt …?

    Decker: Es ist der Stellenwert, den die Wirtschaft in Deutschland hat. Die weltweite Krise lässt die Aggressionen nun noch deutlicher zu Tage treten - bei denjenigen, die ein Ventil suchen. …

    sueddeutsche.de: Seit Wochen wogt eine Islamdebatte durch Deutschland. Hatte diese durch ein Buch des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin ausgelöste Kontroverse Einfluss auf Ihre Studie?

    Decker: Nein, wir haben die Erhebung vorher durchgeführt. Aber: Sarrazin hat sich ja bereits in der Vergangenheit gegen sozial Schwächere geäußert … Der Resonanzraum, der Sarrazin nun zum Schwingen gebracht hat, existierte … schon …Entsprechende Ausfälle … hat es ja schon vorher gegeben. Offensichtlich werden sie nun begierig aufgegriffen. Scheinbar brauchen viele Menschen einen Blitzableiter, Sündenböcke, ein Feindbild.

    sueddeutsche.de: … warum erhielt dann FDP-Chef Guido Westerwelle so wenig Zuspruch, als er vor "spätrömischer Dekadenz" warnte?

    Decker: Das liegt vermutlich daran, dass Sarrazin … ressentimentgelandener redet … Wenn man … von "Kopftuchmädchen" spricht und kulturalistisch und biologistisch argumentiert, dann spricht man diese Menschen viel leichter an. Ähnlich hat es ja auch CSU-Chef Horst Seehofer mit seinen Äußerungen zu "Kulturkreisen" versucht. … Westerwelles Äußerungen sind sozusagen Vorfeldbemerkungen, die das politische Klima verschieben. Solche Formulierungen ermuntern andere, … noch drastischere Dinge zu sagen.
    In dem Moment, in dem sich Vertreter demokratischer Parteien … solcher ressentimentgeladener Reden bedienen, heizen sie diese Diskurse an.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/studie-zu-rechtsextremismus-westerwelle-hat-sarrazin-den-weg-bereitet-1.1012001

    AntwortenLöschen
  5. The Renaissance of Racist Eugenics : Palgrave Connect
    Stefan Kühl

    In: For the Betterment of the Race : The Rise and Fall of the International
    Movement for Eugenics and Racial Hygiene

    Print Pub Date:August 2013
    Online date:September 2013


    At the beginning of the 1960s, at a time when the dissolution of segregation in the United States was moving ahead full speed, Carleton Putnam, a retired American businessman, published a pamphlet titled Race and Reason—A Yankee View.
    According to the author, politically blinded opponents of segregation were
    attempting to use a conspiracy of levelers to deny any intellectual differences between the races. Two American generations had already fallen victim to a “pseudo-scientific fraud” of Jews and mulattoes, who were attempting to eliminate segregation in the United States. Putnam warned his “white” American fellow citizens about racial mixing with “Negroes” because that would lead inevitably to the decline of the “white race.”

    The appearance of this publication, initially titled “Warning to the North,’ was made possible by financing from Wickliffe Draper. In exchange for publication of the book, Draper guaranteed to the publishing house the purchase of a large number of copies. These purchased books were then sent out at no charge to distributors, to whom Draper promised support in the struggle against race mixing.

    Putnam’s pamphlet was the product of the overheated atmosphere in America in the 1960s. The American civil rights movement was gaining ground in the battle against race discrimination, and some Southerners in particular felt themselves increasingly placed on the defensive. Putnam’s arguments against mixing Negroes and “Whites” could be interpreted, as often occurred, as a wild racist charge of an amateur anthropologist, except for the fact that a whole series of scientists supported it.

    http://www.palgraveconnect.com/pc/doifinder/10.1057/9781137286123.0011

    AntwortenLöschen
  6. Boris Brasol, antisemitischer Hassprediger und "Kriminologe"

    Aus Metapedia, der rechtsradikalen Antwort auf Wikipedia

    Boris Leo Brasol (March 31, 1885 - March 19, 1963), was a criminologist,
    literary critic and a White Russian émigré to America. He was one of the first to help translate the Protocols of the Elders of Zion in America from Russian into the English language. (The actual translation was done by Natalie De Bogory a daughter of a Russian revolutionary.)[1] Brasol along with Leslie Fry was also instrumental in arranging a series of commentaries on The Protocols to be publish in Henry Ford’s paper The Dearborn Independent. He was considered the head of the Tsarist Movement in the United States wanting to restore the Romanov Dynasty in Russia. ...
    Boris Brasol was born in Poltava, Ukraine, Russia, in 1885. After graduation from the law department of St Petersburg University, Brasol served in the Russian Ministry of Justice and helped to prosecute Ukrainian Jew Menahem Mendel Beilis for ritual murder.[2] ...
    During World War I Brasol held the rank of Lieutenant in the Tsar's army and served on the Polish front. In 1916 he was recalled from the front and sent to the US to work as a lawyer for an Anglo-Russian purchasing committee. ...
    Boris Brasol worked for the US Department of Justice under Attorney General Harry M. Daugherty and promoted the Protocols among members of the United States Secret Service which at the time was involved in counterintelligence activities.[3]
    He contributed articles to Scribner's Commentator an isolationist journal and headed United Russian National Organizations in America. ...

    Publications
    1920: Socialism vs. Civilization. New York: Charles Scribner's Sons ...
    1927: Elements of Crime (Psycho-Social Interpretation). Oxford University Press ...
    1938: Oscar Wilde: the Man, the Artist, the Martyr. New York: Scribner's Sons ...

    See also
    Arthur Cherep-Spiridovich
    Harris Ayres Houghton
    Victor Marsden
    The Black Hundreds

    Part of this article consists of modified text from Wikipedia, and the article
    is therefore licensed under GFDL.
    Retrieved from "http://en.metapedia.org/wiki/Boris_Brasol"
    This page was last modified on 25 August 2013

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gehoerte auch zum Kreis der antisemitischen Hassprediger der 1920er Jahre: Victor Marsden.

      Die rechtsradikale Metapedia uebernimmt die damaligen Verschwoerungstheorien und propagiert sie neu.

      Victor E. Marsden - Metapedia

      From Metapedia

      Victor Emile Marsden (1866 - October 28, 1920) was the Russian correspondent for the London paper, The Morning Post, and an early translator of the Protocols of the Elders of Zion. Marsden was a member of the British nationalist and Jew-wise society The Britons.
      Marsden was imprisoned by the Soviets during the Bolshevik Revolution, escaped and returned to Great Britain. In spite of being in bad health he began to translate the Protocols working at the British Museum.

      Works
      The Revolution in Finland Under Prince John Obolensky, (1911) with co-author
      Vsevolod Vladimirov

      See also
      Leslie Fry

      Retrieved from "http://en.metapedia.org/wiki/Victor_E._Marsden"
      This page was last modified on 17 October 2011

      Löschen
    2. "Jew-wise society The Britons" - was fuer ein fuerchterlicher Begriff, diese "Jew-wise". Ein anderes Wort fuer "antisemitisch"; soll aber nahelegen, man sei ueber die Juden nur besser informiert als andere. Vergleichbar mit der Beschoenigung von Hass-Schueren gegen Muslime als "islamkritisch".

      Löschen
    3. Von 1924 bis 1937 gehoerte die "Morning Post", die sich in dieser Zeit auf antisemitische Verschwoerungstheorien geradezu spezialisierte, dem Duke of Northumberland (Alan Percy, 8th Duke of Northumberland).
      Der wiederum war der Schwiegervater von Douglas Douglas-Hamilton, 14th Duke of Hamilton - genau jenem Duke of Hamilton, dessen Landsitz Rudolph Hess spaeter (1941) bei seinem "geheimnisvollen" Englandflug ansteuern wuerde. - Kleine Welt!

      http://en.wikipedia.org/wiki/The_Morning_Post
      http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Percy,_8th_Duke_of_Northumberland
      http://en.wikipedia.org/wiki/Douglas_Douglas-Hamilton,_14th_Duke_of_Hamilton

      Löschen
    4. Ich fress einen Besen, wenn Hitler-Mentor Dietrich Eckart mit dieser antisemitischen Szene in Grossbritannien, in den USA und in Skandinavien nicht eng verbunden und davon stark beinflusst war.

      Löschen
    5. ... und natuerlich mit den Emigranten aus russischem Adel und Pseudo-Adel, die den Antisemitismus mit dem Antibolschewismus verknuepften und die gefaelschten "Protokolle von Zion" als propagandistische Waffen benutzten

      Löschen
  7. Nazi-Presse voller Lob fuer Father Coughlin

    Aus
    Investigate Martin Dies!
    The Case for a Grand Jury Investigation of Martin Dies
    Submitted to the Department of Justice on August 6, 1942
    By the National Federation for Constitutional Liberties

    Coughlin, like Dies, has received only praise at the hands of the Axis. Just as the Berlin radio praised Dies in 1941, so the press of Berlin was full of praise for Coughlin in 1938. The Berlin correspondent of the New York Times wrote "The German hero in America ... is the Reverend Charles E. Coughlin." (Otto D. Tolischus dispatch from Berlin, New York Times, November 27, 1938)
    - And the German press in America repeated this praise. ;
    "Earsplitting applause greeted every mention of Father Coughlin's name" at a Madison Square Garden meeting, according to the February 25, 1939, issue of the Deutscher Weckruf und Beobachter and The Free American, described on its face as the official organ of the German-American Bund and the German-American Business League, Inc.
    Coughlin's private paper, Social Justice, has devoted column after column to praise of American fascists. He publicly welcomed the support of Edward James Smythe on February so, 1939, and repeatedly thereafter. He used the columns of Social Justice (April to, 1939) to urge support for H. D. Kissenger's National American, a newspaper which formerly bore the swastika on its masthead, and has been consistently anti-Catholic and anti-Semitic. Kissenger, its editor, has distributed Nazi propaganda in the Middle West and has written for the Deutscher Weckruf und Beobachter.
    Perhaps Coughlin, Smythe, Kissenger and the other anti-democratic fuehrers who cluster around Coughlin are not un-American in the eyes of Congressman Dies.
    Perhaps the Christian Front, the Christian Mobilizers, and the many similar organizations preaching race hatred, spreading intolerance, and supporting the doctrines of Hider, seem thoroughly "patriotic" to Representative Dies, but in the eyes of millions of Americans they represent the essence of un-Americanism. And the failure of the Dies Committee to investigate and expose them is construed, with cause, as evidence of Dies' belief in and support of their tactics and ideas.

    http://jfk.hood.edu/Collection/White%20Materials/Weisberg%20Harold%20Dies%20Committee%20Files/Sedition%20Indictments%203-Ring%20Binder/Sedition%2011.pdf

    AntwortenLöschen
  8. Hindunationalistischer Hardliner kandidiert in Indien bei den Parlamentswahlen im Mai
    24. März 2014

    Spit­zen­kan­di­dat der hin­du­na­tio­na­lis­ti­schen „Bha­ra­tiya Ja­na­ta Party“ (BJP) bei den Par­la­ments­wah­len im kom­men­den Mai in In­di­en wird Na­ren­dra Modi (63) sein. Für Ken­ner/innen der jün­ge­ren Ge­schich­te In­diens ist Modi kein Un­be­kann­ter. Denn Modi war als Mi­nis­ter­prä­si­dent des nord­west­in­di­schen Bun­des­staa­tes Gu­ja­rat in die mas­sen­haf­ten Po­gro­me von Hin­du­na­tio­na­list/innen gegen die mus­li­mi­sche Min­der­heit in­vol­viert.
    Diese Po­gro­me hat­ten ihren Aus­gangs­punkt in einem an­geb­li­chen es­ka­lier­ten Streit am 27. Ja­nu­ar 2002 zwi­schen Mus­li­men und Hin­du-​Pil­ger/innen, bei dem am Ende in Godhra der Ei­sen­bahn-​Ab­teil der Pil­ger/innen brann­te und in­fol­ge des­sen 57 Men­schen star­ben. Viele Ver­sio­nen spre­chen in­zwi­schen von einem Un­fall. Hin­du­na­tio­na­list/innen mach­ten aber schnell Mus­li­me für den Brand ver­ant­wort­lich, ein mus­li­mi­scher Mob soll an­geb­lich auch die Feu­er­wehr am Lö­schen ge­hin­dert wer­den. Am Fol­ge­tag rie­fen hin­du­na­tio­na­lis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen wie die BJP zum Ge­ne­ral­streik auf. In der Fol­ge­zeit grif­fen gut or­ga­ni­sier­te hin­du­na­tio­na­lis­ti­sche Mobs in der Grö­ßen­ord­nung von 500 bis 25.​000 Mann mus­li­mi­sche Vier­tel an. Die Un­ru­hen for­dern ins­ge­samt in 150 Städ­ten und rund tau­send Dör­fern in Gu­ja­rat min­des­tens 1.​180 Men­schen­le­ben, davon waren die meis­ten Mus­li­me, etwa ein Fünf­tel waren Hin­dus. Wei­te­re 100.​000 Mus­li­me wur­den zu Flücht­lin­gen. Die Un­ru­hen und Po­gro­me kamen erst am 6. März durch den Ein­satz der Armee zum Er­lie­gen. Auch in der Fol­ge­zeit wur­den Mus­li­me öko­no­misch boy­kot­tiert und bei den Wah­len im De­zember 2002 siegt die BJP unter Na­ren­dra Modi mit ab­so­lu­ter Mehr­heit. Zwar wurde Modi vom Obers­ten Ge­richts­hof von der Mit­schuld am Gu­ja­rat-​Mas­sa­ker frei­ge­spro­chen, aber die Kri­tik an sei­ner Ta­ten­lo­sig­keit bleibt be­ste­hen.
    Sein Nicht­ein­grei­fen zu­guns­ten der be­droh­ten mus­li­mi­schen Min­der­heit in sei­nem Bun­des­staat dürf­te kein Zu­fall ge­we­sen sein. Modi ist nicht nur seit 1987 Mit­glied der hin­du­na­tio­na­lis­ti­schen BJP, son­dern auch der ra­di­ka­le­ren „Rash­triya Swa­yam­se­vak Sangh“ (RSS), etwa „Na­tio­na­les Frei­wil­li­gen­korps“, ver­bun­den. Das RSS hat ein pa­ra­mi­li­tä­ri­sches Er­schei­nungs­bild, was teil­wei­se an die fa­schis­ti­schen Hem­den­be­we­gun­gen im Eu­ro­pa der 1930er Jahre er­in­nert. Nicht ohne Grund war die Or­ga­ni­sa­ti­on 1948-​63, sowie Mitte der 1970er und 1992 ver­bo­ten. Heute hat das RSS ge­schätz­te fünf Mil­lio­nen Mit­glie­dern in 40.​000 Ort­grup­pen. Sei­nen Rei­hen ent­stammt auch Na­thur­am Godse, der Mör­der Ma­h­at­ma Gan­dhis. Die BJP galt lange als ge­mä­ßig­ter, po­li­ti­scher Flü­gel des RSS. Für die BJP wurde Modi Lan­des­va­ter von Gu­ja­rat. Modis mut­maß­li­che Be­tei­li­gung an den an­ti­mus­li­mi­schen Po­gro­men führ­ten dazu, dass er zeit­wei­se ein Ein­rei­se­ver­bot in den USA hatte.
    Mit Modi als Kan­di­da­ten für das Amt des Pre­mier­mi­nis­ters er­hofft sich die BJP nun nach zehn Jah­ren Ab­sti­nenz eine Rück­kehr an die Macht. Ei­ni­ge Wahl­pro­gno­sen sehen ihn als aus­sichts­reichs­ten Kan­di­da­ten.

    Er­gän­zung (21.​04.​2014)
    „Spie­gel On­line“ schreibt in einem ak­tu­el­len Ar­ti­kel zu Modi:
    „Dis­tan­ziert hat sich Modi von dem Mas­sa­ker nie, statt­des­sen hat er die Opfer noch 2013 schwer be­lei­digt, als er sagte, er emp­fin­de durch­aus Trau­er für sie. So, „als habe man mit dem Auto einen Wel­pen über­fah­ren“.“

    http://eisberg.blogsport.de/category/allgemein/

    AntwortenLöschen
  9. Dietrich Eckart und seine Adaptation von Ibsens "Peer Gynt"

    Aus
    Dietrich Eckart - An Introduction For the English-
    Speaking Student
    by William Gillespie
    [originally published 1975 ...]

    ... The year 1912 saw his biggest success. It was then that he published his translation of Henrik Ibsen's Peer Gynt from the original Norwegian. Eckart believed that the Christian Morgenstern translation on the market was unfaithful to Ibsen's intentions. The poet transformed Peer from a lowly farmer into a heroic fighter for the Germanic Weltanschauung. ...

    At first Ibsen's son refused to allow Eckart to product the play on the German stage and withheld copyright permission. Kaiser Wilhelm II had read the new translation, and as the "protector of the German stage," personally intervened. The play opened at the Königlichen Schauspielen Theater in Berlin in 1914, and the Kaiser saw it twice in as many evenings. In fact, running 183 performances in four years, it was the second most popular play ever presented in the theater. ...

    After years of near despair and starvation, Eckart was finally a financial success.

    His interest in Peer Gynt was more than artistic, though. He saw in Ibsen's hero his own personality. Alfred Rosenberg writes:
    To Eckart, Peer Gynt appeared as the struggling hero of life, his apparent
    aimlessness appeared to him to be the stamp of genius, aimlessness namely with regard to material life. The Will to do the impossible, the desire for completeness, these signs of genius were those of Peer Gynt. ...

    The following year Kaiser Wilhelm asked Eckart to write a play in honor of the planned marriage of his daughter to the Duke of Braunschweig. The Hohenstaufen Kaiser Heinrich the Sixth was chosen as his subject, and he completed the play in the allotted time. But after just six performances, it was banned. World War I was raging, and in the play the British king had pledged an oath of allegiance to Germany. Since this was an embarrassing historical fact in light of Germany's war with England, Chancellor Bethmann-Hollweg suspended its production. ...

    On September 15, 1913, Eckart had taken a widow, Rose Marx, for his wife. Now finding Berlin again hostile toward his work, he traveled in the spring of 1915 to Bad Blakenburg. Here his brother-in-law, Dr. Paul Wiedeburg, operated a sanitorium. Eckart found the place serene and perfect for his work. He not only found peace of mind, but also a willing audience for his plays. Patients and guests acted out scenes while he directed and rewrote. He busied himself in these experiments and remained at the sanatorium for a year. ...

    http://www.mediafire.com/download/zinijgetmmn/Dietrich+Eckart+-+An+Introduction+For+the+English-Speaking+Student.pdf

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Subtile Hassrede in der Adaptation von Ibsens „Peer Gynt“ durch Dietrich Eckart

      Die bekannte Kabarett-Saengerin Blandine Ebinger, spaeter Ehefrau des Komponisten Friedrich Hollaender, hat in Eckarts Peer-Gynt-Auffuehrung 1914 am Koeniglichen Schauspielhaus in Berlin eine von den Trollhexen gespielt.
      http://ibsen.nb.no/id/11174240.0

      Charles Hamilton Sorley, seines Zeichens britischer Kriegspoet („war poet“), fand in seinem Opus „Marlborough and Other Poems“ warme Worte fuer die Auffuehrung (vom 5. Juni 1914). Peer Gynt haette etwas Faustisches, sei aber nicht so ein kalter Fisch wie Faust. Er lobte den scharfen Humor („very racy humour“) des Stuecks.
      https://books.google.com/books?id=Gnk0FXDNxEAC&pg=PA98&lpg=PA98&dq=marlboro+and+other+poems+sorley+peer+gynt&source=bl&ots=iIWBBzzYTG&sig=PhtAjhhwlVCSqErlwdkuTN5_i04&hl=en&sa=X&ei=7vJvVbi3GeLd7QaBzoDgBQ&redir_esc=y#v=onepage&q=marlboro%20and%20other%20poems%20sorley%20peer%20gynt&f=false

      In der Auffuehrung von Eckarts Adaptation des Stuecks (1914) wurde der Trollkoenig mit yiddischem Akzent gespielt:
      “From the very beginning, Eckart considered Peer Gynt an exceptional genius. He emphasized the Nordic origins of Peer Gynt, calling him the “Heir to the Vikings.” To support his characterization of the superhuman genius in spite of many episodes to the contrary, Eckart inserted the negative episodes as if they were taking place in a dream world.
      Ibsen’s original passages were altered to highlight the conflicts between Peer and his surroundings. The racist undertone is also evident in numerous passages in the translation, such as when Peer Gynt resists his transformation into a troll by arguing that he does not want to spend the rest of his life “with bulging lips.”
      In his recent study on Ibsen productions of the Third Reich, Magus und Rechenmeister: Henrik Ibsens Werk auf den Bühnen des Dritten Reichs, Uwe Englert clearly points out the tendency towards anti-Semitism in the troll scenes, already in stagings of the first decades of the twentieth century. The performance at the Königliches Schauspielhaus in Berlin in 1914 with Max Pohl in the role of the troll king, delivering his lines with a Yiddish accent and intonation, serves as a clear example here.” ”
      http://staatstheater-braunschweig.de/fileadmin/user_upload/Pressemitteilungen/Peer_Gynt_Materialmappe.pdf

      Eine Figur in „Peer Gynt“, die Eckart „der grosse Krumme“ nannte („Boyg“ im norwegischen Original; in englischen Uebersetzungen laut Mueller & Rupp ausgelassen), wurde fuer ihn zur ultimativen Hassfigur und zur Verkoerperung des „Weltjudentums“.
      Siehe z.B. Nazi Ideology Before 1933: A Documentation, By Barbara Miller Lane, Leila J. Rupp; S. 5
      https://books.google.com/books?id=fG_oAAAAIAAJ&pg=PA5&lpg=PA5&dq=%22der+grosse+krumme%22+eckart&source=bl&ots=SwouRM6cGP&sig=TQacWJYXhHtl7p7sCH8SRGzNeCE&hl=en&sa=X&ei=nQBwVYK0FcOO7Ab354KACg&redir_esc=y#v=onepage&q=%22der%20grosse%20krumme%22%20eckart&f=false

      Eckart veroeffentlichte 1914 einen Artikel mit dem Titel: Ibsen, Peer Gynt, der große Krumme und ich. Herold, Berlin-Steglitz 1914.
      Siehe z.B. Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Eckart

      Löschen
  10. Zusammenfassung zu Dietrich Eckart (s. Post), leicht überabeitet

    „Klartext“ als Etikett für Hass-Publikationen: Dietrich Eckart und seine antisemitische Zeitschrift „Auf gut Deutsch"

    Dietrich Eckart (1868 bis 1923) ist vor allem dadurch bekannt, dass Adolf Hitler ihn als seinen Mentor ansah und dies durch eine Widmung in „Mein Kampf“ dokumentierte. Nach der „Machtergreifung“ 1933 soll Hitler geäußert haben: „Was würde mein guter Freund Dietrich Eckart sagen, wenn er uns jetzt sehen könnte … !“ Die heutige „Waldbühne“ in Berlin-Spandau wurde zu den Olympischen Spielen 1936 als „Dietrich-Eckart-Bühne“ eingeweiht.

    Eckart, geboren in Neumarkt in der Nähe von Nürnberg, studierte Medizin in München, brach sein Studium aber 1881 ab und arbeitete fortan als Dichter, Bühnenschriftsteller und Journalist. Von seinem Vater, einem königlichen Notar, hatte Eckart ein ansehnliches Vermögen geerbt, das er aber schnell aufgebraucht hatte. 1899 zog Eckart nach Berlin. Dort wurde er der Schützling des Theater-Direktors Graf Georg von Hülsen-Haeseler. Dennoch blieb er über Jahre erfolglos und führte ein Leben am Rande des Existenzminimums. Der Durchbruch gelang ihm mit einer Nachdichtung von Ibsens „Peer Gynt“, die ab 1914 mit großem Erfolg am Königlichen Schauspielhaus in Berlin und anderswo aufgeführt wurde. Die erste, originalgetreue deutsche Adaptation des Stückes, verfasst von Christian Morgenstern, wurde dadurch an deutschen Bühnen lange weitgehend verdrängt. Mit der Figur des "Peer Gynt" soll sich Eckart Zeit seines Lebens stark identifiziert haben.

    Noch während des Weltkriegs, ebenfalls 1915, gründete Eckart den Hoheneichen-Verlag, dessen Firmensitz in Wolfratshausen bei München sowie in München-Schwabing lag. Er kehrte nach Bayern zurück, lebte in München und Berchtesgaden. Zwischen 1918 und 1920 gab Eckart im Hoheneichen-Verlag die antisemitische Zeitschrift „Auf gut Deutsch“ heraus, die er mit der Hilfe von Alfred Rosenberg und Gottfried Feder in einer Auflage von 20.000 Kopien publizierte. Den Vertrag von Versailles betrachtete er als Verrat und propagierte in seiner Zeitschrift die Dolchstoßlegende, wonach die Juden und die Sozialdemokraten, von ihm auch als „Marxisten“ bezeichnet, Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg verursacht hätten.

    Ob seine ca. siebenjährige, 1921 geschiedene Ehe mit der vermögenden Witwe Rosa Marx zu seinem Hass gegen alle, die er als „Marxisten“ bezeichnete, beitrug, ist nicht bekannt.

    Die Juden – das „internationale Judentum“ - machte er dafür verantwortlich, dass die Völker überhaupt in den Weltkrieg gestürzt worden wären. Auch seinen jahrelangen persönlichen Misserfolg als Theaterschriftsteller in Berlin schrieb er jüdischen Einflüssen in der Kulturszene zu. Juden bezeichnete er als „die Krummen“; das „Weltjudentum“ als „den großen Krummen“, nach einer Figur in seiner Nachdichtung von „Peer Gynt“. Das Reich der Trolle, die seine frei nach Ibsen gestaltete Bühnenfigur Peer Gynt mit Gaukeleien und verführerischer, aber rassisch unreiner Erotik umfingen, assoziierte er ebenfalls mit dem Judentum. Auch Kritiker seiner Werke, Juden oder nicht, waren für ihn „die Krummen“. Verhasst waren ihm auch Nicht-Juden, die sich gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung von Juden einsetzten; er bezeichnete sie mit dem altertümlichen Begriff „Judentzer“.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In dem von Francis Galtons Eugenik-Lehre („Hereditary Genius“) beeinflussten Geist seiner Zeit entwickelte Eckart eine Ideologie von einem „genialen höheren Menschen“. Dabei griff er besonders auf Schriften von Lanz von Liebenfels zurück, des Gründers der antisemitischen und rassistischen para-religiösen Zeitschrift „Ostara“ (siehe auch Stichworte „Liebenfels“, „Ostara“ auf diesem Blog). Wie andere frühe Förderer der Nazi-Ideologie war Eckart mit der esoterischen „Thule-Gesellschaft“ verbunden.

      Nach dem Ersten Weltkrieg war Eckart einer der Gründer der „Deutschen Arbeiterpartei“, aus der unter Hitlers Einfluss die NSDAP hervorging. Später war Eckart an der Übernahme der Zeitschrift „Völkischer Beobachter“ durch den partei-eigenen Eher-Verlag beteiligt. Hitler und der Nazi-Bewegung verschaffte er ein „offenes Ohr“ bei Industriellen und ihren Vereinigungen, z.B. über seinen Freund Dr. Emil Gansser, dessen Bruder „Deutschland Erwache“ vertont hatte.

      Eckart starb Ende 1923 - mit 55 Jahren - in Berchtesgaden an einem Herzinfarkt. Sein schlechter Gesundheitszustand wird zum einen mit einer lebenslangen Morphin-Abhängigkeit, zum anderen mit den Folgen eines Gefängnisaufenhalts (wegen Verleumdung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert) in Zusammenhang gebracht; Letzteres trug dazu bei, dass er für seine Anhänger in die Nähe eines „Märtyrers“ gerückt wurde.

      Prägende Begriffe und Schlagworte der Nazi-Zeit, darunter „Das Dritte Reich“ und „Deutschland Erwache“ gingen auf seine Propaganda zurück. Antisemitismus verstand er als Kampf gegen den "Antichristen": „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt". Er soll der Erste gewesen sein, der Adolf Hitler (1921) als „Führer“ bezeichnet hat. Der von ihm gegründete Hoheneichen-Verlag wurde während des Zweiten Weltkriegs offiziell als „Verlag der Hohen Schule“ bezeichnet.

      Heute ist Dietrich Eckart eine der Kultfiguren der Neonazi-Szene. Er wird z.B. auf Metapedia, einem rechtsextremen Gegenentwurf zu Wikipedia, als Kronzeuge für die Warnung vor „charakterlicher Überfremdung“ angeführt.

      Publikationen aus Eckarts Hoheneichen-Verlag wirken bis heute auch in die gesellschaftliche Mitte hinein, so z.B. das 1939 in der 1. Auflage erschienene Buch „Politik, Technik und Geist“ des seinerzeit leitenden Wirtschaftsredakteurs des „Völkischen Beobachter“, Fritz Nonnenbruch. Nonnenbruch verstand Technik als Ausdruck von „rassebedingter Genialität“ und propagierte ein „völkisches Schöpfertum“. Nonnenbruch wird in rechtsextremen und rechtspopulistischen Kreisen gelegentlich noch zitiert. Ganz im Sinne Nonnenbruchs ist die heute oft zu hörende Auffassung, nur Menschen einer bestimmten Abstammung könnten aktuell gemeldete und künftige Lücken bei den MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – Berufen füllen.

      Löschen
  11. Eva Braun las Werke von Oscar Wilde (die nach Meinung der Autorin Heike Görtemaker nach 1933 in Deutschland verboten waren - aber s. oben, Stichwort Lerbs)

    Eva Braun: Leben mit Hitler
    von Heike B. Görtemaker

    https://books.google.com/books?id=8yHDo7M0P6EC&pg=PA15&lpg=PA15&dq=%22heinrich+hoffmann%22+1922+bildagentur&source=bl&ots=kj__K7S7CP&sig=L1FloQi7SpwdKaVtSKG_Nn-lKa0&hl=de&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=%22heinrich%20hoffmann%22%201922%20bildagentur&f=false

    AntwortenLöschen
  12. "Geh sterben, Opfer!" - Hasskommentare richtig bekämpfen

    MrWissen2go
    https://www.youtube.com/watch?v=yMBzMQYZZys

    AntwortenLöschen