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Mittwoch, 23. November 2011

Zwickau (und andere Orte): Was auch zur Heimatkunde gehört

"Unterdessen wurde deutlich, dass die Zwickauer Terrorzelle über ein größeres Netzwerk verfügte, als bislang angenommen. Der Thüringer Verfassungsschutz geht mittlerweile von etwa 20 Unterstützern aus, die den Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Untergrund halfen."
http://www.tagesspiegel.de/politik/angela-merkel-fordert-konsequenzen/5865910.html

"Der Zwickauer NPD-Chef Peter Klose posierte auf Facebook schon länger als Paul Panther – ein von Rechtsextremen bislang noch nie benutztes Maskottchen. Seit plötzlich das Bekennervideo der Zwickauer Terroristen auftauchte, in dem die rosa Comic-Figur ebenfalls eine zentrale Rolle spielt, heißt Klose auf Facebook wieder Klose, sitzt weiter im Zwickauer Stadtrat und veröffentlicht zu Hitlers Geburtstag im Internet Gratulationen."http://www.fr-online.de/neonazi-terror/rechtsextreme-neonazi-partei-mit-schlaegertrupps,1477338,11152772.html

"...und das türken/kanacken/zecken-klatschen is ja nun auch nix schlimmes ..."
(aus einem Internet-Forum, 2005 - der auch vom Zwickauer Terrortrio verwendete Begriff "Zecken" ist in der rechtsextremen Szene ein anderes Wort fuer "Gutmenschen" oder fuer den englischen Begriff "liberals", den der Norwegen-Attentaeter verwendete - also fuer Personen, die fuer die Rechte von Menschen mit vermeintlich minderwertigen Genen eintreten)
http://www.razyboard.com/system/morethread-onkelz-antifert(ka)forum-101388-2845693-50.html

Ist in manchen Orten und Regionen das Gedankengut der Rassenhygiene (alias Züchtungslehre, alias Eugenik) z.T. stärker lebendig geblieben als in anderen, auch weil von dort Wegbereiter- und Muster-Projekte der nationalsozialistischen Eugenik ausgingen? - Einige Textauszüge über den eugenischen Gesetzentwurf "Lex Zwickau" und Zwickauer Akteure des Rassenwahns unmittelbar vor und während der Nazi-Zeit (Hervorhebungen im Fettdruck von mir):


"LEX ZWICKAU" Dr. Gustav Emil Boeters Zwickauer Bezirksarzt legte 1923 einen Gesetzesentwurf zur Sterilisation "Minderwertiger" vor
Reichsgesundheitsamt gegenüber Boeters Vorschlägen sehr zurückhaltend ...
seine Bemühungen fanden trotzdem in Sachsen große Resonanz
2.7.1932 Sitzung des preußischen Landesgesundheitsrates "Die Eugenik im Dienst der Volkswohlfahrt" ..." 
http://www.euthanasie-ausstellung.de/index.php?site=rassenhygiene


"Mein Vater war der hauptamtliche Bannführer der Hitlerjugend von Zwickau."
(Sarrazin-Ideengeber Volkmar Weiss - s. auch Stichwortsuche auf diesem Blog - über seinen Vater Heinz Weiss)
http://knol.google.com/k/volkmar-weiss/haben-soziale-unterschiede-der/19iebpu8jegcn/42#


"Almanach der nationalsozialistischen Revolution, herausgegeben von Oberpräsident Wilhelm Kube, unter Mitarbeit von Willi Bischoff und Dr. Heinz Weiss, ... Berlin, Brunnen-Verlag, 1933" 
(aus einer Bücherliste der staatlichen Universität von Kalifornien, 1937)
http://books.google.com/books?id=gm1bAAAAIAAJ&pg=PA1787&dq=bischoff+%22Heinz+Weiss%22&hl=en&ei=lTXMTsPuC8vb4QTlpfl1&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4&ved=0CD8Q6AEwAw#v=onepage&q=bischoff%20%22Heinz%20Weiss%22&f=false


"Richard Paul Wilhelm Kube war Journalist, Gauleiter von Brandenburg" .... "auch an deutsche Länderparlamente und den Reichstag richtete („Lex Zwickau“)" www.robawi.de/wik/themenreihe.p?c=Diskriminierung_nach... ;
ausgehend von http://www.robawi.de/wik/themenreihe.p?c=Eugeniker


Zum Einfluss amerikanischer Eugeniker, insbesondere Harry Laughlin, auf die "Lex Zwickau" Initiative siehe z.B.: The Nazi connection: eugenics, American racism, and German national socialism von Stefan Kühl, Oxford University Press, 1994 (S. 23)
http://books.google.de/books?id=UGYfRv3DWuQC&pg=PA163&lpg=PA163&dq=%22lex+zwickau%22+stoddard&source=bl&ots=Kukcb-bf2L&sig=VHE0W1zS8QAOwRxhq8F2MRq4z9k&hl=de&ei=DkTMTs-lOc6WhQej4fTNDQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCkQ6AEwAg#v=onepage&q=%22lex%20zwickau%22%20stoddard&f=false

Dazu auch http://home.earthlink.net/~thetabus/eugenics/eutt-5.htm





Das ehemalige Erbgesundheitsgericht in Zwickau; heute Finanzamt
http://www.euthanasie-ausstellung.de/index.php?site=arbeitsaufgaben




Siehe auch auf diesem Blog Stichworte
"Jena" (z.B. in dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/gegen-das-ideal-der-gleichartigkeit.html)
"Rhön-Region", "Rhöner-Gen" (z.B. in dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/volkischer-nationalismus-und-die-idee.html)


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Nachträge

   

"Widerstand" gegen "den in der westlichen Welt vorherrschenden Liberalismus"

Rechtsextreme Pnos pflegt Kontakte zum «Thüringer Heimatschutz ...
http://www.blick.ch/NewsAusland - Translate this page

20. Nov. 2011 – Mitglieder der rechtsextremen Partei Pnos standen in regem Kontakt mit Anführern des «Heimatschutzes». Ein Foto beweist, wie eng der ...

„Jahrelang agierten die Mitglieder des «Thüringer Heimatschutzes» in einer Terrorgruppe im Untergrund, töteten neun Ausländer, begingen Banküberfälle. Wie SonntagsBlick herausfand, führt die braune Spur auch in die Schweiz. Mitglieder der rechtsextremen Partei Pnos standen in regem Kontakt mit Anführern des «Heimatschutzes». Ein Foto beweist, wie eng der Kontakt war. Zu sehen ist der Spiezer Mario F.* (28), ehemaliger Pressesprecher der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) und Vorsitzender der Pnos Berner Oberland. Fotografieren liess er sich mit Thomas Gerlach und Peter Klose. Die beiden Deutschen sind bekannte Nazi-Grössen. ...
Das Bild der drei Neonazis entstand 2008 am «Zweiten Nationalen Gesprächskreis». Thomas Gerlach lud den Schweizer Mario F. nach Zwickau (D) ein ...

Mario F. gehörte zu den militantesten Rechtsextremisten der Schweiz. ... Seine Nazi- Freundschaft zu Thomas Gerlach besteht bis heute. ... Mario F. ist nicht das einzige Pnos-Mitglied, das Beziehungen zum Thüringer Heimatschutz pflegt. Auch der Aargauer Pascal Trost (30), der 2003 für den Nationalrat kandidierte, tummelt sich im Dunstkreis der Killer-Nazis.Trost trat 2009 am «Fest der Völker», einem jährlichen Treff für militante Neonazis, in Thüringen auf – als Redner. Er bezeichnete sich als «Vertreter des schweizerischen Widerstands». Trost beschwerte sich über den «in der westlichen Welt vorherrschenden Liberalismus».“


12. September 2009 / Pößneck: „Fest der Völker“
„Am 12. September 2009 veranstaltete der NPD-Kreisverband Jena in Zusammenarbeit mit „Freien Kräften“ des Neonazispektrums das so genannte „Fest der Völker“ im ostthüringischen Pößneck... Nach dem im Vorfeld geführten Rechtsstreit musste die Veranstaltung kurzfristig vom „Viehmarkt“ in der Innenstadt ins „Schützenhaus“, einer Immobilie des bundesweit bekannten Neonazis Jürgen Rieger verlegt werden. ...
Nachdem das seit 2005 stattfindende Rechtsrock-Open Air in den ersten Jahren in Jena über die Bühne lief, veranstalteten die Organisatoren um Ralf Wohlleben und Andrè Kapke das „Fest der Völker“ im Jahr 2008 in Altenburg ... Die Stadt Pößneck habe sich in diesem Jahr „ins Spiel gebracht“, da diese aus Sicht der Neonazis sich durch „besonders undemokratisches Verhalten im Umgang mit politischen Dissidenten“ hervorgetan haben solle, wie es auf der Mobilisierungsseite des NPD-Kreisverbandes Jena heißt. Die Ordner der Neonaziveranstaltung wurden vom „Freien Netz“ aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gestellt.
Zwölf Redner und eine Rednerin aus den europäischen Ländern waren angekündigt, darunter Matthias Fischer aus Deutschland, Varenus Luckmann und Dan Eriksson aus Schweden, Pascal Trost aus der Schweiz, Bojan Rassate Bulgarien, Milán Széth aus Ungarn, Enrique Valls aus Spanien, Patrik Vondrak aus Tschechien, der Österreicher Andreas Meierhofer, der Italiener Giordano Caracino sowie Mike Bell und die Aktivistin Nina Brown aus Großbritannien und ein Vertreter der „National Front“ aus Zypern. ...
Nach einem NPD-Landesparteitag in Riegers Schützenhaus traten im April 2005 bereits die Neonaziband „Die Lunikoffverschwörung“ vor mehr als eintausend Anwesenden auf. Dies stellte das Abschiedskonzert für Michael Regener dar, der kurz darauf eine Haftstrafe … antreten musste, da er sich als Sänger in seiner vorherigen Band „Landser“ der Volksverhetzung, Verbreitens von Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen und „dem öffentlichem Auffordern zu Straftaten, Billigung von Straftaten, Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole und Beschimpfung von Bekenntnissen“ schuldig gemacht hat. „Landser“ gilt bis heute als populärste Rechtsrockband in der Neonaziszene. ...
Neben dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ und dem „Rock für Deutschland“ ist das „Fest der Völker“ das dritte alljährliche, etablierte Rechtsrock-Event in Thüringen... Bei solchen Großevents sind Neonazis ihrer herbei geträumten „national befreiten Zonen“, in denen Menschen, die nicht ins rechte Weltbild passen die Daseinsberechtigung abgesprochen wird, aufgrund der zahlenmäßigen Dominanz zumindest temporär ein ganzes Stück näher als das sonst der Fall ist. ...
„Ethnopluralismus“ – das neue Wort für Rassismus… Mit dem Motto: „Für ein Europa der Vaterländer“ versuchen die Veranstalter dem Ideologiestrang der neuen Rechten – dem „Ethnopluralismus“ – Bahn zu brechen und lehnen sich damit an der „Europäischen Nationalen Front“ (ENF) an. Die ENF ist ein Zusammenschluss nationalistischer Parteien aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich, die nach sozialdarwinistischem Weltbild die generelle Abgrenzung aller Völker auf ihrem jeweils „angestammten Raum“ verfolgen. Statt von „Rasse“ wird von „Kultur“ gesprochen. Plastisch heißt das „Deutschland den Deutschen. Die Türkei den Türken“. Es geht also um vermeintliche Homogenität nach innen und maximale Differenz nach außen, wie es „Netz gegen Nazis“ jüngst schrieb. Auch im Jahr 2005 war zudem bereits erkennbar, dass neben der NPD auch internationale Strukturen des in Deutschland verbotenen „Blood and Honour“-Netzwerkes in die Umsetzung der Veranstaltung eingebunden sind.“
Quelle: Pressespiegel, Infos und mehr über und gegen Neonazis, 17. September 2009.


Zu Jürgen Rieger, dem 2009 verstorbenen Rechtsanwalt, NPD-Politiker, Verwalter von Stiftungsvermögen und Erwerber von Immobilien zur Nutzung als Neonazi-Treff (darunter das „Schützenhaus“ in Pößneck) siehe auch auf diesem Blog


Lesenswert auch der Wikipedia-Eintrag zu Jürgen Rieger

„Rieger vertrat Rassenkunde in der Tradition von Hans F. K. Günther, war Vorsitzender der völkisch-neuheidnischen Artgemeinschaft und als Hauptorganisator des Rudolf-Heß-Gedenkmarsches bekannt.
Rieger verfügte über ein beträchtliches Vermögen, das er aus Erbschaften von verstorbenen Gesinnungsgenossen und aus Aktien- und Immobiliengeschäften gewinnen konnte. So war er Testamentsvollstrecker des verstorbenen Wilhelm Tietjen (geschätztes Vermögen: mehr als eine Million Euro) .... Auch Gertrud Herr hatte ihm ihr Vermögen vermacht. Den Nachlass verstorbener "Kameraden" verwaltete Rieger unter dem Deckmantel der Briefkastenfirma Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation. ...
1969 hielt Rieger auf dem Jahrestreffen der Northern League im englischen Brighton eine Ansprache in der er sich auf die rassenkundliche Tradition Hans F. K. Günthers berief. Auch im Folgejahr nahm er an der Tagung teil und forderte ein "Teutonische Föderation" aufgrund gemeinsamen "Erbes" und "Rassenursprungs". ...
1970 war er Mitbegründer eines CSU-Freundeskreises (außerhalb Bayerns). 1972 wurde er Vorstandsmitglied im Nordischen Ring, Vorsitzender der Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (bis 1972: Deutsche Gesellschaft für Erbgesundheitspflege) ... und - bis zu seinem Tod - Herausgeber deren Zeitschrift Neue Anthropologie. ...
Des Weiteren übernahm Rieger Funktionen in der NPD, der seit 1994 verbotenen Organisation Wiking-Jugend und der 1995 verbotenen FAP. 1989 stieg er zum Hauptfunktionär und Vorsitzenden der völkisch-neuheidnischen „Artgemeinschaft“ und Schriftleiter von deren Organ, der Nordischen Zeitung, auf. Ferner war er verantwortlich für die Mitteilungen des „Deutschen Rechtsschutzkreises/Deutsche Rechtsschutzkasse“ (DRSK) sowie führendes Mitglied im Norddeutschen Ring und der Northern League. …
Rieger wurde auf dem Landesparteitag der Hamburger NPD am 25. Februar 2007 zum neuen Landesvorsitzenden, am 24. Mai 2008 dann auch zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der NPD gewählt. Im April 2009 wurde er in seinem Amt bestätigt. ...
Rieger unterstützte den Parteivorsitzenden Udo Voigt, zu dessen Stellvertreter er 2008 gewählt wurde... Rieger stützte wiederholt die NPD mit Darlehen und Krediten, bedachte die NPD allerdings nicht direkt in seinem Testament. Stattdessen tritt die Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV), ein rechtsextremer eingetragener Verein mit Sitz in Ellerau, das Erbe Jürgen Riegers und der Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation an.
Öffentliche Wahrnehmung … Rieger war als Anwalt am Hanseatischen Oberlandesgericht zugelassen. Er spezialisierte sich unter anderem auf das Erbrecht... Seit 1992 war er Mitglied des bestehenden und von der Hamburger Anwältin Gisela Pahl geleiteten Deutschen Rechtsbüros, einer Vernetzung rechtsextremer Anwälte. Seit den 1970er Jahren vertrat Rieger zahlreiche Rechtsextremisten und Holocaustleugner vor Gericht bzw. in Verwaltungsverfahren, darunter Michael Kühnen, Christian Worch, Horst Mahler, Thies Christophersen, Ernst Zündel, Jürgen Mosler, Berthold Dinter und Mitglieder der Musikgruppe Kraftschlag. ...
Rieger erwarb in der Vergangenheit immer wieder Immobilien, die als Tagungs- und Versammlungszentren für Treffen der Rechtsextremisten und Neonazis dienen sollten. Die Herkunft der Gelder ist nicht geklärt. Er selbst sprach in einem Interview 2005 von „Grundstücksspekulationen“, ein anderer Teil des Kapitals stamme aus Hinterlassenschaften von Altnazis, die wollten, „dass ihr Vermögen der Bewegung“ zugute komme...
1995 erwarb er in der Nähe von Mariestad in Südschweden für etwa 1,6 Millionen Euro das Anwesen „Sveneby Säteri“, ein burgähnliches Herrenhaus mit 650 Hektar Land. Angeblich sind wegen der dort angesiedelten ökologischen Schweinezucht, die Rieger mit übernommen hatte, trotz Protesten der schwedischen und deutschen Regierung, EU-Gelder in Höhe von jährlich 300.000 Mark an ihn geflossen. Mit Anzeigen versuchte Rieger, „reinrassige“ Deutsche zur Umsiedlung dorthin zu bewegen, die fernab von vermeintlich schädlichen Einflüssen „germanische Nachkommen“ großziehen sollten. Dieses Projekt ist bislang nicht erfolgreich ... Stattdessen wurde im Herbst 2003 bekannt, dass sich schwedische Neonazis in der Gegend des Anwesens konzentrierten, nachdem der führende schwedische Rechtsextremist Klas Lund ein weiteres Gelände von 650 Hektar in unmittelbarer Nähe des Gutes Sveneby erworben hatte. Bis November 2003 waren mindestens vier Personen aus dem Führungskreis der „Schwedischen Widerstandsbewegung“ (SMR) dort eingezogen, einer Nachfolgeorganisation der antisemitischen Gruppe Weißer Arischer Widerstand, eines schwedischen Ablegers der amerikanischen Vereinigung White Aryan Resistance ...
Auch in Deutschland waren in den letzten Jahren mehrere Immobilien in den Besitz Riegers gelangt ... 1999 hatte er einen ... Gebäudekomplex ... in Hameln erworben ...Nach 2003 erwarb Rieger zwei Immobilien im Namen der Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd.: das Schützenhaus in Pößneck und den Heisenhof in Dörverden... Rieger besaß weitere Immobilien in Schleswig-Holstein (Hummelfeld) und Mecklenburg-Vorpommern. ...
Rieger war Hauptorganisator und Initiator des Rudolf-Heß-Gedenkmarsches in Wunsiedel. Viele Jahre war er aktiv an der Demo beteiligt... Rieger hatte die Kundgebungen zum Gedenken an Rudolf Heß bis zum Jahr 2010 angemeldet, doch der Marsch, der für den 28. August 2005 angesetzt war, wurde vom Landratsamt Wunsiedel untersagt. Rieger strengte daraufhin eine Klage an … Dabei argumentierte er, dass die Verschärfung des Strafrechts (130 Abs. 4 StGB), die das Eintreten für den Nationalsozialismus unter Strafe stellt, gegen die im Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit verstoße. … Bei der schließlich Ende 2009 gefällten Wunsiedel-Entscheidung stimmte das höchste deutsche Gericht Rieger zwar zu, dass es sich bei der Verschärfung des Volksverhetzungsparagraphen um eine Sonderbestimmung handele. - Dennoch sei das Gesetz ein zulässiger Eingriff in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit. Das Grundgesetz kann als expliziter Gegenentwurf zum Nationalsozialismus verstanden werden, was eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ausnahmsweise rechtfertige. ...
Rieger selbst wurde mehrfach rechtskräftig verurteilt: 1971 war er an der vorgetäuschten Entführung von Berthold Rubin beteiligt. Im gleichen Jahr wurde Rieger wegen zwei Fällen von Körperverletzung im Zusammenhang mit einer Demonstration der „Aktion Widerstand“ am 31. Oktober 1970 in Würzburg zu einer Geldstrafe … verurteilt...
1981 behauptete er im Verfahren gegen seinen Mandanten, den SS-Sturmbannführer Arpad Wigand, dass im Warschauer Ghetto kein Jude verhungert wäre, wenn die Ghetto-Insassen untereinander Solidarität geübt hätten...
1996 hatte Rieger den Hamburger Neonazi Thomas Wulff in einer Strafsache wegen Volksverhetzung vertreten, da dieser in dem neonazistischen Blatt index den Holocaust geleugnet hatte. Zur Entlastung seines Mandanten hatte Rieger daraufhin beantragt, als Sachverständigen einen Diplom-Chemiker zu vernehmen, der die These untermauern werde, dass unter dem NS-Regime Vergasungen von Menschen im KZ Auschwitz-Birkenau mit Zyklon B „nicht stattgefunden“ hätten...
Veröffentlichungen und Thesen … 1969 verfasste er unter einem Pseudonym das Buch Rasse – Ein Problem auch für uns, das 1972 indiziert wurde. Im Zusammenhang mit der von Jan Philipp Reemtsma initiierten Wanderausstellung Verbrechen der Wehrmacht äußerte Rieger: „In den 50ern hätte man die Ausstellung kurz und klein geschlagen, und Reemtsma wäre am nächsten Baum aufgehängt worden.“ 2004 schrieb Jürgen Rieger das Vorwort zur zweiten russischen Auflage von Hans F. K. Günther („Ausgewählte rassenkundliche Werke“), worin Rieger rassenkundliche Thesen in der Tradition nationalsozialistischer Rassenideologie vertritt.
Im Februar 2006 erschien – gleichzeitig in deutscher und russischer Sprache – ein Artikel von Jürgen Rieger mit dem Titel „Deutschland und Rußland [sic] – von einem nationalen Deutschen gesehen“. Die russische Fassung wurde im April 2006 in der Zeitung „Za Russkoje Delo“ („Für die Russische Sache“) und in der Zeitschrift „Zolotoj Lew“ („Der Goldene Löwe“) veröffentlicht...
Vor laufender Kamera im Gespräch mit einem Journalisten des NDR äußerte sich Rieger mit den Worten: „Warten Sie es doch ab. Wenn der erste Reporter umgelegt ist, der erste Richter umgelegt ist, dann wissen Sie, es geht los.“ ...
Rieger äußerte sich vermehrt mit Kommentaren, die den Nationalsozialismus verherrlichten. So leugnete Rieger den Holocaust und bezeichnete Adolf Hitler als den „größten deutschen Staatsmann“...“


Über einen der von Rieger eingerichteten Neonazi-Treffpunkte (geschlossen 1998)
Auszug aus dem Artikel „Reichlich spät“ in der Rubrik „Rechtsextremisten“, DER SPIEGEL 8/1998, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7828616.html

„Die Schließung eines Neonazi-Treffpunkts in der Lüneburger Heide gilt als erfolgreicher Schlag gegen den deutschen Rechtsextremismus. Seltsam lange hatten die Behörden gezögert. ...
Daß ausgerechnet Beamte der Polizeiinspektion aus dem nahe gelegenen Celle den Willen ihres Dienstherrn umsetzen mußten, empfinden viele Bewohner des Dorfs als späte Genugtuung. "Die haben mit denen doch fast gemeinsame Sache gemacht", empört sich ein Bauer, der wie andere "immer in Angst" gelebt hatte, "wenn vollbesetzte Autos mit Glatzköpfen aus ganz Deutschland hier einfielen".
Seit 1984 waren die vier heruntergekommenen Häuser des Gebäudekomplexes "Hetendorf 13" Schauplatz unzähliger Aufmärsche und Treffen rechtsextremistischer Gruppen. Vor allem die sogenannten Hetendorfer Tagungswochen, aber auch andere Veranstaltungen mit prominenten Rechtsextremisten wie Manfred Roeder ... hatten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt.
Ein Anwohner, der öffentlich gegen die braune Front Stellung bezog, erhielt einen Drohbrief, den Rieger persönlich unterschrieb: "Wer Krieg haben will, soll ihn bekommen. Wir haben uns genau gemerkt, wer im Dorf uns verleumdet, gegen uns gehetzt und sich gegen uns gestellt hat."...
Auch der für Rieger und seine Truppe zuständige stellvertretende Leiter des Staatsschutzes in Celle, Peter Ganick, zeichnete sich über Jahre hinweg durch vornehme Zurückhaltung aus. .. Rieger, seit Jahren als Schlüsselfigur der rechten Szene einschlägig bekannt, scheint ihm durchaus sympathisch gewesen zu sein. Noch im Vorfeld der Sommersonnwendfeier im Juni 1997 hatte Ganick mit ihm verhandelt und anschließend befunden, daß man sich "auf den verlassen kann, der Rieger hält sein Ehrenwort". Lager der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" auf dem Gelände waren für Ganick lediglich "altes deutsches Brauchtum". Nur "Linke und die Medien" hielten dies für verwerflich...
Mindestens ebenso irritierend wie die langjährige Zurückhaltung der Polizei in der näheren Umgebung sind die Umstände, unter denen Rieger 1978 das 15 000 Quadratmeter große Gelände erwerben konnte. Die Celler Sozialorganisation "Lobetalarbeit" hatte das Objekt für 1,2 Millionen Mark Ende der sechziger Jahre an das Bundesvermögensamt verkauft. Die unmittelbare Nähe zum Truppenübungsplatz Munster ließ eine weitere Nutzung als Behindertenheim und Sonderschule nicht mehr zu.
Damals kaufte Rieger das Gelände - "für ''n Appel und ''n Ei", so seine langjährige Kampfgefährtin Gertrud Herr ... Preis laut Kaufvertrag: 120 000 Mark - ein Zehntel dessen, was der Bund dem Voreigentümer bezahlt hatte.
"Die Sache wurde damals sauber geprüft", sagt Regierungsdirektor Hans-Jürgen Brunkhorst, jetziger Leiter des Bundesvermögensamts in Soltau. Als Käufer fungierten zwei dubiose Vereine: der "Freundeskreis Filmkunst e. V." und die "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V." in Hamburg. Einer der Unterzeichner war "Herr Rechtsanwalt Jürgen Rieger"...“

Bezüge aus Riegers Biografie zu Inhalten auf diesem Blog:
Noch zum Phänomen des vergleichsweise höheren Vorkommens von Rassenhass und Neonazi-Aktivitäten in den „neuen“ Bundesländern:
Möglicherweise ist dies nicht „nur“ ein Erbe der kommunistischen Diktatur, die eine Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit mit ihrem schlagwortartigen „Antifaschismus“ eher behinderte als ermöglichte, weiter zurückreichender rassistischer Traditionen „vor Ort“, hoher Arbeitslosigkeit und Verödung von Wohngebieten. Die Tatsache, dass „Ost-Immobilien“ nach der Wende massenhaft zum Verkauf standen, könnte bei einer Wanderung von Teilen der "westlichen" Neonazi-Szene in Richtung Osten eine Rolle gespielt haben.

Rassenhass und Menschenverachtung verkleidet als Wissenschaft: "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e. V." Siehe auf diesem Blog z.B. Stichwort „Erbgesundheitspflege“

Bemerkenswert ist Riegers Verbindung zu britischen und skandinavischen Aktivisten der Northern League und sein Bezug auf den Nazi-“Rassenpapst“ Hans F. K. Günther, der in den 1950er Jahren weiterhin seine eugenisch-rassistischen Ideologien verbreitete, Zuwendungen u.a. des Pioneer Fund erhalten haben soll und für eine „nordische Bewegung“ eintrat, die von rassisch einwandfreien „bäuerlichen Freisassen“ getragen sein sollte.
Siehe auf diesem Blog z.B. Stichworte „Günther“, „Pioneer Fund“

Riegers Engagement für die Northern League bei gleichzeitiger Verehrung für Rudolf Heß lassen an ideologische Verbindungen zwischen Eugenikern/ Rassisten in England und Deutschland denken. Diese bestanden bereits vor dem 1. Weltkrieg und zwischen den Weltkriegen; sie gingen nicht zuletzt auf Francis Galton, Karl Pearson und ihre Anhänger in beiden (und anderen) Ländern zurück. Nach heutigem Kenntnisstand liegt nahe, dass der „Führer-Stellvertreter“ Rudolf Heß mit seinem als mysteriös bezeichneten Englandflug an diese ideologischen Verbindungen und die Idee der Rassenverwandtschaft von Völkern „nordischen“ Blutes anknüpfen wollte.
Siehe auf diesem Blog z.B. Stichworte „Nordic Race“,„Eugenics Society“, „the racially negligent“,Ploetz“, „Heß“
Wenn man der Ideengeschichte der Vorstellungen nachgeht, die der Norwegen-Attentäter Anders Behring Breivik in seinem Bekenner-Pamphlet und in Gesprächen mit psychiatrischen Gutachtern preisgab, stößt man – trotz Breiviks Verehrung für Winston Churchill, die im Gegensatz zu Riegers Hitler-Verehrung steht - auch hier auf den Nazi-“Rassenpapst“ Hans F. K. Günther mit seiner „nordischen Bewegung“ und der Idee von den rassisch-genetisch korrekten „bäuerlichen Freisassen“. Breivik verstand sich als ein Aktivist des Widerstands gegen „Kulturmarxismus“, „Multikulturalismus“ und „brainwashed liberals“ („hirngewaschene Gutmenschen“) und schwadronierte von „Zuchtprojekten mit Norwegern in Reservaten“. Rieger hatte in der Nähe von Mariestad in Schweden ein Zuchtprojekt für „germanische Nachkommen“ starten wollen; in seiner Nachbarschaft siedelten sich Angehörige der rechtsextremen „Schwedischen Widerstandsbewegung“ an.
Es ist zu befürchten, dass die „Widerstandsbewegung“ gegen „liberale Gutmenschen“ noch mehr potenzielle Wahnsinns-Täter in ihren Reihen hat.
Siehe auf diesem Blog z.B. Stichworte „Breivik“, „liberals“
Auf Hinweise darauf, dass die NPD und rechtsextreme Bewegungen in ihrem Umfeld gezielt um deutschstämmige Einwanderer aus Russland werben, war ich schon vorher gestoßen: Die Umstände des Mordes an Marwa El-Sherbini durch den Russlanddeutschen Alex Wiens deuteten darauf hin.
Solche Anwerbe-Strategien würden auch (mit) erklären, dass die Unterscheidung zwischen Einwanderern aus verschiedenen Herkunftsländern nach angeblich unterschiedlicher angeborener Intelligenz und Tauglichkeit in der rechtsextremen Szene (und darüber hinaus) zunehmend populär geworden ist. Auch Hassprediger gegen Migranten suchen Nachwuchs und greifen dabei auf Migranten zurück! Riegers Buchveröffentlichungen in Russland – mit eugenisch-rassistischem Inhalt in der Tradition Hans F. K. Günthers – deuten in die gleiche Richtung.
Siehe auf diesem Blog z.B. Stichwort „Alex Wiens“

Bemerkenswert auch: Stiftungsvermögen als ein wichtiger Faktor beim Generationenwechsel von „Altnazis“ zu „Neonazis“.

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Eine Google-Suche aus Norwegen mit der Suchwortkombination sturmbannfuhrer tietgen oslo hatte auf eine Seite dieses Blogs geführt: http://guttmensch.blogspot.com/2011_03_01_archive.html.
Die Suchmaschine hat “j” für “g” gelten lassen und fand “Tietjen” auf der gefundenen Seite in der Wortfolge “Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation” (der Name des Stifters Wilhelm Tietjen kommt auch auf dieser Seite vor; s.o.). Die anderen Stichworte kamen in anderen Posts auf der gleichen Seite vor. Der einzige andere Treffer mit dieser Suchwort-kombination, den Google heute bieten konnte, ist eine norwegische Webseite über die Geschichte des “Lebensborn” in Norwegen.
"Lebensbornsjef I Norge var først SS-Sturmbannführer Tietgen som senere ble avløst av SS-Sturmbannführer Ragaller."  http://www.norgesdokumentasjon.no/rapporter/7-LEBEN_A.PDFDemnach war, wenn ich den norwegischen Textausschnitt richtig verstehe, während der deutschen Besatzung zuerst SS-Sturmbannführer Tietgen für den Aufbau des “Lebensborn” in Norwegen zuständig; er wurde später abgelöst durch Sturmbannführer Ragaller. - Es erscheint nicht abwegig, dass die Suchmaschine “Recht” haben könnte – wenn der Name nach Gehör aufgeschrieben wurde, könnte der “Tietgen” genannte Offizier auch “Tietjen” geheißen haben. Dann wäre die Verbindung zwischen der “Lebensborn” Initiative der Nazi-Zeit und der Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation” möglicherweise nicht nur ideeller Art. - Nachtrag 20.12.2011
Ist es tatsächlich möglich, dass Tietjen der "Tietgen" vom Lebensborn Norwegen war, und das wäre bis heute nicht bekannt gewesen?
Einiges aus Tietjens Biografie ist bekannt (NSDAP-Mitgliedschaft, Luftwaffe; siehe z.B. Wikipedia) - es würde passen, nur dass die Station "Norwegen" oder eine Tätigkeit für den "Lebensborn" nicht erwähnt wird (http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Tietjen-Stiftung_f%C3%BCr_Fertilisation; eingesehen am 20.12.2011).
Er habe zeitlebens von einem neuen "Lebensborn" geträumt, sagte dieser Quelle zufolge eine Nichte des Stifters: Strategien der extremen Rechten: Hintergründe-Analysen-Antworten, von Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hg.)
Tatsächlich: "Tietgen" (vom "Lebensborn" in Norwegen) war SS-Obersturmbannführer und hieß mit Vornamen Wilhelm. - Quelle: "Dem Führer ein Kind schenken": die SS-Organisation Lebensborn e.V., von Volker Koop. Böhlau Verlag Köln Weimar, 2007; Seite 193 
Ich denke, man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass "Wilhem Tietgen" und "Wilhelm Tietjen" ein und dieselbe Person sind. (21.12.2011)



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Dr med. L. Seitz (Professor und Direktor der Universitätsfrauenklinik in Frankfurt am Main): Eugenische Sterilisation und Schwangerschaftsunterbrechung (um 1934)

Auszug:
"Die internationale kriminalistische Vereinigung hat in ihrer Sitzung in Frankfurt a. M. 1932 eine These angenommen, die folgenden Wortlaut hat: 'Es ist ein Reichsgesetz zu erlassen, das die Voraussetzungen, das Verfahren und die Ausführung der Unfruchtbarmachung aus eugenischen Gründen nach dem Stand der medizinischen und erbbiologischen Wissenschaft enthält.'"
http://www.deepdyve.com/lp/de-gruyter/eugenische-sterilisation-und-schwangerschaftsunterbrechung-9tRMAvXgiS

Sonntag, 23. Oktober 2011

Die Gesellschaft für Eugenik aus einer afrikanischen Perspektive

Aus
Ngugi wa Thiong'o: Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit. A1 Verlag, München, 2010. Übersetzung aus dem Englischen von Thomas Brückner. Originalausgabe: Dreams in a Time of War. A Childhood Memoir. Pantheon Books/ Random House New York, 2010.  

Seitenangaben und weitere Texstellen auf: 
http://zettelmaus.blogspot.com/2011/10/gefangnisabsolvent-eine-afrikanische.html

Hervorhebung in Fettdruck von mir


“Die Royal Charter bedeutete, dass man Afrikaner aus der Stadt und den umliegenden Gebieten entfernen würde, wie das den schwarzen Menschen in Südafrika geschehen war, erklärte Ngandi kühl. ... Ngandi holte noch weiter aus. In den 1930-er Jahren gab es in Kenia einen weißen Geheimbund, der plante, alle schwarzen Babys bei der Geburt zu töten, mit Ausnahme einiger kräftig gebauter für die Arbeit, die aber schwach im Verstand sein sollten, damit sie sich nicht zum Widerstand zusammenrotteten. Er bezeichnete sie als Eugenics Society (“Kiama Kia Njini”), die sich in meine Vorstellung als Gesellschaft weißer Brandstifter und Menschen fressender Ungeheuer jener Art einschrieb, gegen die Kabae und andere in den Zweiten Weltkrieg gezogen waren. Und nun diese Royal Charter, um die Schwarzen aus der Stadt und dem Umland zu vertreiben; ein schreiender Widerspruch zu Ngandis geliebter Erklärung von Devonshire aus dem Jahr 1923!”

Den Aspekt "Gerüchtebildung" muss man beim Interpretieren der Erzählung Ngandis, einer Figur aus den Erinnerungen des kenianischen Autors, natürlich stark mit einbeziehen. Dennoch gibt zu denken, wie die von Anhängern Francis Galtons gegründete "Eugenics Society" (Gesellschaft für Eugenik) und ihr Wirken in Afrika in mündlichen Erzählungen überliefert wurde (Ngandis Erzählung ist in den 1950er Jahren angesiedelt). Ebenfalls bemerkenswert der Abschnitt über die Vorstellungen weißer Siedler, welche Art von Schulbildung afrikanische Kinder bekommen sollten - in Uebereinstimmung mit eugenischen Ideen über die vermeintlich genetische Bestimmung verschiedener "Rassen". Solche Vorstellungen finden sich auch in Nazi-Schriften über Schulbildung für Kinder in besetzten Gebieten Osteuropas.

Anm:
Mehr zu "Eugenics Society" mit Stichwortsuche auf diesem Blog; u.a.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/liebe-ist-das-grote-aber-nur-wenn.html
(Marie Stopes' Brief an Hitler, ihr Engagement fuer die "Eugenics Society" und den Paradigmenwechsel von der eugenischen Menschenzucht-Idee zum Recht auf selbstbestimmte und informierte Familienplanung und reproduktive Gesundheit)

Kaum zu glauben, aber wahr, wenn der folgende Eintrag aus dem Jahr 2003 in einem Internet-Forum ernst zu nehmen ist: Trotz der Geschichte der Eugenics Society in Ostafrika - oder vielleicht auch wegen dieser Geschichte und der Uebernahme der Denkmuster damaliger durch heutige Eliten - gab oder gibt es eine moderne Eugenik-Gesellschaft in Kenia. Mitglieder sollen Ueberlegenheit ausstrahlen ("an air of superiority"), und Ziel ist es, "selektiv den Weg in eine bessere Zukunft zu zuechten".
http://www.mashada.com/forums/politics/4146-eugenics-society-east-africa.html
"The Eugenics Society of Kenya seeks to instigate a rennaisance in Kenya and indeed Africa. Our objective is to selectively breed our way towards a better future by:
Starting a community of African professionals in the Northern part of Kenya. Membership in this community will be by invitation and will necessitate a thorough background check of all proposed members. Evidently, a proven track record of mental and/or academic excellence, exceptional physical looks, an air of superiority and nationalism will be prerequisites for acceptance into this community."


Das "eugenische Institut von Kantsaywhere" laesst gruessen.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/der-traum-vom-genetisch-korrekten-staat.html

Hat vielleicht der eine oder andere Fonds ein bisschen gesponsert?
http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/forderung-und-finanzierung-der-eugenik.html

Leakey, L.S.B.: "Mau Mau and the Kikuyu" - ein Artikel im "Eugenics Review", der Zeitschrift der "Eugenics Society"; Volume XLV (Volume XXVI, New Series), APRIL 1953- JANUARY 1954; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2973471/pdf/eugenrev00053-0002.pdf
Die (britische bzw. internationale) "Eugenics Society" bestand unter diesem Namen noch weit in die 1950er Jahre hinein. In ihrer Zeitschrift veroeffentlichte auch ein Mitglied der im Norden Kenias ansaessigen Familie Leakey. Es waere interessant zu wissen, welche Verbindungen zwischen dem Mau-Mau Aufstand und eugenischen Theorien gesehen wurden; im Internet zugaenglich ist nur das Inhaltsverzeichnis mit dem Titel des Beitrags von L.S.B. Leakey. Ein Einfluss des Autors auf eugenische Theorien, die heute noch von einer "Eugenics Society of Kenya" transportiert werden (s.o.) ist denkbar. 

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Wer mit dem Suchbegriff "eugenische Gesellschaft" auf diese Seite gelangt ist, koennte auch dies interessant finden:
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/der-traum-vom-genetisch-korrekten-staat.html
und weitere Posts mit Suchwort (auf diesem Blog) "Kantsaywhere"

Zu "Eugenische Gesellschaft" als Uebersetzung von "Eugenics Society" siehe auch http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/liebe-ist-das-grote-aber-nur-wenn.html



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Nachtraeglich gefunden auf http://www.swans.com/library/art18/barker101.html

 
Imperial Eugenics In Kenya, Part I of II - by Michael Barker

" (Swans - March 12, 2012) In recent decades there have been a plethora of studies that have demonstrated the global application of eugenic ideas, (1) but close investigations of imperial eugenic movements have tended to be left by the wayside. Chloe Campbell's book Race and Empire: Eugenics in Colonial Kenya (Manchester University Press, 2007) helps fill this lacuna, providing a concrete example of how "eugenics served as a scientific bulwark that fortified the ideology of imperialism." Formed in July 1933, the Kenya Society for the Study of Race Improvement (KSSRI) was the centerpiece of the colonial eugenic movement. Far from being a marginal affair," the majority" of the society's members "worked in colonial administration or were professionals based in Nairobi, or were the wives of men employed in these areas. ..."

 

"My Fellow American"

Eine Leserin dieses Blogs, Elizabeth Potter vom My Fellow American project, bat mich, den folgenden Link einzustellen
was ich hiermit gerne tue.
Sie schrieb dazu:
“I'm reaching out about the My Fellow American project in response to the recent Oslo attacks. I would love for you to share this message of tolerance with the readers of Menschenrechte statt Eugenik -Mein Zettelkasten.”
Es ist ein Clip aus den USA. Wir sehen unaufgeregte Alltagsszenen  – Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen, darunter Frauen mit Kopftuch. Im krassen Gegensatz zu der Gelassenheit dieser Szenen hoeren wir die Stimmen von in den USA bekannten “Islamkritikern”, die die Grenze zur Kategorie “Hassprediger” laengst ueberschritten haben. Von “Deportation” ist unter andem die Rede.
Ich wollte noch ein paar Zeilen dazu schreiben – deshalb hat es auch etwas länger gedauert -, komme aber im Moment kaum dazu.  Bin gerade in Afrika und sehr beschaeftigt mit neuen Aufgaben und Eindruecken. Die Internet-Verbindung ist oft sehr langsam.
Ich werde diesen Post und andere aber nach und nach erganzen, und natuerlich auch weiter neue schreiben. Weiterhin freue ich mich ueber Kommentare und Anregungen.

Und was ist mit MINT? - Antwort auf Kommentare zu Bevölkerungs- und Einwanderungspolitik

Ergänzung vom 01.05.2012 ("Tag der Arbeit")


“In der Hochschulbildung hat Deutschland - jedenfalls bei den MINT-Fächern -
seinen Vorsprung beim Humankapital verloren.
Zerlegt man das sektorale Wachstum der Arbeitsproduktivität in die Faktoren
Humankapital, Sachkapital und Multifaktorproduktivität, so zeigt sich,
dass Deutschland bei der Produktivitätssteigerung des Humankapitals und der
 Multifaktorproduktivität seit Mitte der neunziger Jahre eher schlecht abschneidet ...
Das kann seine Ursachen in der Qualität des Humankapitals haben,
muss es aber nicht …”
Thilo Sarrazin, “Deutschland schafft sich ab”, 2010


Angelehnt an Thilo Sarrazins Spekulationen hatte ein Kommentator unter dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/die-fehlende-halfte-der-satire.html
u.a. die Frage gestellt, wie deutsche MINT Kompetenz noch zu retten sei, wenn weiterhin Einwanderer aus den falschen Ländern (d.h., wie Sarrazin nahe legt, genetisch minderbemittelt) Richtung Deutschland strömen wurden.
 

MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) Fachkräftemangel:
Schlechter Genpool oder schlechte Arbeitsbedingungen?

Immer mehr „Ingenieurdienstleister“ übernehmen Aufgaben bei Firmen, die Arbeitsplätze für Ingenieure abbauen - zu wesentlich schlechteren Bedingungen.

Mehr zu dem Thema z.B. in dieser ZDF-Sendung (ZDF.reporter vom 25.03.2010)
http://www.youtube.com/watch?v=IIV-P6K2t4M 


„Am besten man spezialisiert sich von Anfang an kompromisslos auf Waffentechnik/ Rüstungstechnik, egal ob jetzt als E-Techniker, Maschinenbauer oder Informatiker. Die Sparte hat Zukunft, wird wohl nicht ausgelagert werden und ist konjunkturunabhängig.“
„Faktenschreiber“ auf einem Diskussionsforum für „Studium, Ausbildung & Beruf“, 31.10.2010.
http://www.mikrocontroller.net/topic/172830


Siehe auch Stichwort "MINT" auf diesem Blog

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Nach längerer Zeit finde ich endlich wieder ein paar Minuten zum Bloggen.

Zunächst möchte ich, wie versprochen, etwas ausführlicher auf Kommentare von “Anonym” unter dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/die-fehlende-halfte-der-satire.html
eingehen.

“... hat denn ein wagemutiger Mann, der auf einem Schleuserschiff nach Europa  kommt mehr Rechte, als eine alleinerziehende Frau mit 5 Kindern in Afrika,  welche so nie nach Europa kommen würde?”
Guter Punkt. Gegenfrage: Hat denn jemand, der in ein reiches Land hineingeboren wurde, mehr Rechte als jemand, der, ohne zur reichen Elite zu gehören, als Bürger eines armen Land geboren wurde? Tatsache ist: Wer als Bürger eines reichen Landes geboren ist, oder es schafft, Bürger eines reichen Landes zu werden, hat Vorteile gegenüber der Mehrheit der Weltbevölkerung. Wir können nicht von heute auf morgen gerechte Verhältnisse schaffen. Wir können nur im Rahmen unserer Möglichkeiten auf gerechtere - und insgesamt bessere - Verhältnisse hinwirken.
Sicher gibt es keine Patentlösung, wie man Überforderung von Aufnahmeländern ebenso wie Ungerechtigkeit bei der Aufnahme oder Nicht-Aufnahme von politisch Verfolgten und Armutsflüchtlingen vermeidet. Die folgenden Aspekte erscheinen mir wichtig:


1.  Eugenisch-sozialdarwinistisch geprägte Vorstellungen besagen, dass Völker biologische Organismen wären, die miteinander in einem Wettbewerb ums Überleben stünden. Der einzige Wert und Sinn des Daseins jedes Angehörigen eines Volkes bestünde dementsprechend darin, 1) ein als “biologisch eigen” akzeptierter Teil der Gemeinschaft zu sein und 2) seinem Volk zu Wettbewerbsvorteilen im (militärischen oder wirtschaftlichen) Überlebenskampf gegen andere Völker zu verhelfen.  Das ist Ideologie, nicht Biologie. Viel wäre bereits gewonnen, wenn  es gelänge, ideologische Altlasten in der Demografie- und Integrationsdebatte auszusortieren, damit die Debatte sachlicher geführt werden kann.
Die Idee der Eugenik, in Deutschland (in ausdrücklicher Abstimmung mit dem Eugenik-Begründer Francis Galton) “Rassenhygiene” genannt, verbreitete sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Der Versuch, sie umzusetzen, eskalierte auf schreckliche Weise unter der Nazi-Herrschaft. Sie ist aber auch Teil eines immer noch weltweit verbreiteten Denkens, ohne dass wir uns ihrer Ursprünge und Zusammenhänge immer bewusst wären. Sie hat fortbestehenden, “stillen” Einfluss  u.a. in der Wirtschaftspolitik, in der Verteidigungspolitik und in der Bevölkerungs- und Einwanderungspolitik. Gleichzeitig sehen Menschen es nicht mehr als selbstverständlich an, dass Kriege, Armut und Hunger unvermeidliche Mechanismen der Natur zur Auslese der “tauglichsten” (“fittest”) Individuen und Völker wären. Selbst von denjenigen, die das von Sarrazin wiederbelebte Schlagwort des Sozialdarwinismus, “survival of the fittest” erst einmal gut finden,  würden wohl die wenigsten wirklich in einer Welt leben wollen, in der “Übermenschen”, die sich und ihre genetische Ausstattung für besonders gelungen halten, bestimmen, wer den Anforderungen einer “natürlichen Auslese” entspricht und wer nicht.


2.  Moderne Politik wahrt nationale und bündnisorientierte Interessen, ist dabei aber nicht nur nationale Politik und Politik für wirtschaftliche und militärische Bündnisse, sondern Politik für “Eine Welt”.
Es ist auch im Interesse der Bürger “reicher” Länder, dass alle Menschen, auch in heute armen und sehr armen Ländern, ein Leben in Würde führen können und Perspektiven haben. Instrumente für “Eine Welt” Politik sind internationale Abkommen, internationale Zusammenarbeit und Verhaltensregeln, an die sich nicht nur staatliche, sondern auch private Akteure (z.B. Multinationale Korporationen) halten. Zum Beispiel haben Erdölkonzerne und andere Konzerne, die im großen Stil Rohstoffe verwerten, in ressourcenreichen afrikanischen Ländern oft sehr erheblichen Einfluss auf die Regierungsführung in den betreffenden Staaten – der in der Vergangenheit und bis in die Gegenwart hinein oft zum Nachteil armer und benachteiligter Bevölkerungsgruppen eingesetzt wurde (Beipiele Nigeria, Ostkongo u.v.a.). Trotz Initiativen, dies zu ändern, gibt es im Bereich der internationalen Zusammenarbeit mit Einbeziehung der Privatwirtschaft noch massiven Verbesserungsbedarf.
Diktatorische und verbrecherische Regime und Bewegungen in Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas wurden in der Vergangenheit und bis in die Gegenwart hinein oft durch Regierungen einflussreicher Länder gestützt – aus wirtschaftlichen und militärischen Interessen, zur Abwehr unerwünschter Migranten und im Namen der Bekämpfung des Terrorismus. Dass dadurch auch radikale Religionsauslegungen Aufwind bekamen - zur Stärkung von Machtinteressen und in der Wechselwirkung von Gewalt und Gegengewalt -, möchte ich hier nur kurz erwähnen. “Geopolitik”  mit einem solchermaßen begrenzten Horizont wird nach den Protest- und Umsturzbewegungen in der arabischen Welt hoffentlich zunehmend einer weitsichtigeren Politik weichen.
Schnelles Bevölkerungswachstum gehört zu den Herausforderungen, mit denen viele arme Länder zu kämpfen haben (Verdreichfachung der Weltbevölkerung seit den 1960er Jahren). Beispiele wie Bangladesch zeigen, dass selbstbestimmte Familienplanung – ermöglicht durch bessere Bildungs- und Einkommensmöglichkeiten für Frauen und Zugang zu Gesundheits- und Familienplanungsdiensten –  ein unverzichtbarer und erfolgreicher Ansatz ist, um dieser Herausforderung zu begegnen. Knapphalten von Versorgungsgütern, wie es u.a. Sarrazins Ideengeber Gunnar Heinsohn als Strategie gegen die Vermehrung der Palästinenser im Gaza-Streifen forderten, ist dagegen ein ungeeignetes Mittel zur Begrenzung von Bevölkerungswachstum. Oberhalb der Schwelle des Sterbenlassens durch Verhungern, was ja wohl nicht gemeint sein kann, wirkt Armut eher als ein Anreiz, mehr Kinder zu haben, als auf Kinderreichtum zu verzichten. - In vielen Ländern, besonders in Afrika, verzögert nicht zuletzt der Einfluss der katholischen Kirche den Zugang zu modernen Methoden der Empfängnisverhütung, ebenso wie den Gebrauch von Kondomen zum Schutz HIV/ Aids. Wenn die Bundeskanzlerin ein Zeichen setzen möchte, wie die Redefreiheit auch in der Kritik von Religionen zu schützen ist (was sie mit der Verleihung eines Preises an einen Zeichner umstrittener Mohammed-Karrikaturen wohl  erreichen wollte), möge sie doch auch einmal eine Auszeichnung für eine mutige Nonne erwägen, die sich in Afrika für die Verteilung von Kondomen einsetzte und dafür gerügt und zurückbeordert wurde.
Im positiven Fall und abhängig davon, wie sie gestaltet wird, trägt Migration zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse in armen Herkunftsländern bei – zum Beispiel durch  Überweisungen von Migranten an Familienangehörige in Herkunftsländern und durch Möglichkeiten für zirkuläre Migration (d.h. Lernen und Arbeiten in Deutschland, Rückkehr in das eigene Land, um dort zur Entwicklung beizutragen, auch wieder neue Einsatzmöglichkeiten in Deutschland und anderen hochindustrialisierten Ländern). Die Weltgesundheitsorganisation hat mit einer Vereinbarung eines Verhaltenskodex (“Code of Conduct”) über das Anwerben von Ärzten, Krankenschwestern und anderen Gesundheitsfachkräften aus armen Ländern für den Einsatz in reichen Ländern ein Zeichen gesetzt, dass der Wettbewerb um Fachkräfte nicht zum Nachteil der Bevölkerung armer Länder ausgetragen werden soll.
 

3.  Verschiedene Migrantengruppen nach Herkunft und Religionszugehörigkeit gegeneinander auszuspielen, ist kein Beitrag zu besserer Integration, sondern Teil des Problems.
Es gibt keinen wissenschaftlich haltbaren Grund zu der Annahme, dass Menschen aus bestimmten Ländern, Menschen mit dunklerem Teint oder mit einer bestimmten Religion genetisch bedingt, also von ihren Erbanlagen her, dümmer, fauler oder krimineller wären als Menschen aus anderen Ländern.  Das Ausspielen verschiedener Einwandergruppen gegeneinanander, wie es die NPD betreibt, wenn sie um Einwanderer aus Russland wirbt, und wie es Thilo Sarrazin nachgemacht hat, hat keine faktenbasierte Grundlage. Zum Beispiel ist die Inanspruchnahme von Hartz IV durch Einwanderer aus Russland, anders als von Sarrazin nahe gelegt, nicht niedriger als im Falle von Einwanderern aus der Türkei. Die hassmotivierte Ermordung der muslimischen, gut integrierten (aber Kopftuch tragenden) Migrantin Marwa el Sherbini durch einen Migranten aus Russland, der sich auf NPD-Phrasen berief, zeigt, welche Aufhetzungs-Potenziale darin liegen, wenn Einwanderer nach Ursprungsland “hierarchisiert” werden.
Aus heutiger Perspektive lässt sich erkennen, dass eugenisch geprägte Migrationspolitik – also eine Migrationspolitik, die von der Vorstellung geprägt ist, es gäbe genetisch höherwertige und minderwertige “Rassen” - alles andere als nachahmenswert ist. Wie ich an anderer Stelle schon zusammengestellt hatte, spielten eugenisches Gedankengut und entsprechende politische Entscheidungen (z.B. Einwanderungsgesetz von 1924) selbst bei der Asylpolitik der USA in den 1930er und frühen 1940er Jahren eine wichtige Rolle. Ein zu großer Zustrom von Flüchtlingen aus osteuropäischen Ländern, insbesondere von Juden, wurde als unerwünscht angesehen.  Mit einer weniger restriktiven Asylpolitik hätten wesentlich mehr Menschen vor dem Holocaust gerettet werden können. Das wären zu einem großen Teil Juden und somit gerade solche Menschen gewesen, denen der Neo-Eugeniker Thilo Sarrazin ein besonderes Gen zugeschrieben hat, das für höhere Begabung und höheren Wert für eine Volkswirtschaft sorgen würde. Dass es ein “Juden-Gen” nach vorliegenden Erkenntnissen nicht gibt und der von Sarrazin genannte (wohl nicht von ihm selbst gelesene) Artikel in der Zeitschrift “Nature” vielmehr auf Ähnlichkeiten genetischer Profile von Juden und Palästinensern hinwies, steht auf einem anderen Blatt. Hier geht es nur darum, daran zu erinnern, dass sich je nach Zeitgeist die Vorstellungen darüber, wessen Beiträge zum Genpool angeblich “eugenische” oder “dysgenische” Effekte haben , ändern können – und  Unterstellungen von Höher- oder Minderwertigkeit bestimmter Menschengruppen keine Substanz haben. Wer die antisemitischen Tiraden des einflussreichen Autokönigs Henry Ford sorgfältig liest, kann die Ähnlichkeiten des als Kritik an “Alljuda” getarnten Judenhasses mit heutigem  Hass gegen Muslime, die als “Islam-Kritik” daherkommt, leicht erkennen.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/henry-ford-uber-die-juden-ein.html

4.  Naiv ist, zu meinen, dass sich Integration praktisch von allein problemlos gestalten würde, wenn man nur die “richtigen” Einwanderer hätte (etwa deutschstämmige oder, wie es im Nazi-Jargon hieß, “Artverwandte”, oder auch Angehörige von Gruppen, denen Sarrazins neuere Vordenker besonders begehrenswerte Eigenschaften zusprechen, wie Juden oder Asiaten).
Der Anteil der Menschen, die nicht in die Mehrheitsgesellschaft integriert sind, steigt: Es gibt einen höheren Anteil von Migranten in der Bevölkerung; die Anforderungen des Arbeitsmarktes haben sich rapide geändert und ändern sich weiter, ohne dass Anpassungsstrategien Schritt gehalten hätten; die Schere zwischen “arm” und “reich” öffnet sich weiter. Gleichzeitig werden Stellen abgebaut oder unzureichend finanziert, die für den sozialen Zusammenhalt und die öffentliche Ordnung wichtig sind  – u.a bei Lehrern, Richtern, Polizisten, Sozialarbeitern. Wenn es zu wenig solcher Stellen gibt, oder sie zu schlecht finanziert werden, um sie qualifiziert  zu besetzen und auszustatten, ist das keine gute Voraussetzung, um zu verhindern, dass sich Migranten in ethnischen Gruppen abschotten und Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln bilden. Das damit teilweise verbundene Problem der Mafia-Bildung tritt – historisch und aktuell - bei Gruppen aus so verschiedenen Herkunftsländern und mit so verschiedenen Religionszugehörigkeiten auf, dass eigentlich schon dadurch die Vorstellung, solche Erscheinungen seien an eine bestimmte genetische Ausstattung oder an eine bestimmte Religion gebunden, ad absurdum geführt wird.

5.    Migrationspolitik sollte gezielt die schnelle Integration von Einwanderern in das Arbeitsleben fördern, etwa durch verbesserte Möglichkeiten, anderswo erworbenen Abschlüsse  anerkennen zu lassen oder durch Zusatzausbildung “aufzustocken”, und durch leichtere Erteilung einer Arbeitserlaubnis.
Fachkräftemangel wird übrigens nicht nur für Absolventen von “MINT” (Mathematik, Naturwissenschaften und Technik) Fächer, sondern z.B. auch für Pflegekräfte gemeldet (s.o., “Code of Conduct” der Weltgesundheitsorganisation. Für die gezielte Schaffung von Möglichkeiten und Anreizen zur “zirkulären Migration” – d.h. Arbeiten in Deutschland, Rückkehr in das eigene Land, um dort zur Entwicklung beizutragen, auch wieder neue Einsatzmöglichkeiten in Deutschland und anderen hochindustrialisierten Ländern – gibt es bereits Beispiele.
In die Türkei kehren bereits mehr Menschen zurück, als aus der Türkei neu einwandern.


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"Die islamophobe Agitation gegen ‚die Muslime‘ führt erkennbar dazu, daß sich in der bestens integrierten neuen Elite mit Migrationshintergrund, die wir in Deutschland dringend brauchen, die ohnehin zunehmende latente Abwanderungsneigung noch weiter verstärkt. Das wäre im Ergebnis eine Art personalpolitischer GAU in der Firma Deutschland. Er würde den Brain Drain noch verstärken und auf der Seite der Zuwandererbevölkerung unbeabsichtigt genau das forcieren, was Sarrazin grotesk überzeichnet beschrieben hat, nämlich, daß Deutschland im Blick auf sein Erwerbspersonenpotential ‚immer dümmer‘ wird."

Aus: Klaus J. Bade, "Sarrazin schafft Deutschland ab", 29. November 2010.
Wieso wurde Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab" zum Bestseller? Mit welchen Folgen? Ein „Rückblick auf eine fatale Debatte" vom Vorsitzenden des Sachverständigenrats Deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Klaus J. Bade http://www.kjbade.de/bilder/291110_Sarrazin_MIGAZIN.pdf



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Was hat es mit dem viel beschworenen Mangel an MINT-Fachkraeften, von Konjunkturschwankungen abgesehen, tatsaechlich auf sich - vor allem, wenn man die Situation aus einer europa-weiten Perspektive betrachtet?


"Momentan lebe ich von der Abfindung, die mir mein früherer Arbeitgeber gezahlt
hat, damit ich kündige. 30 000 Euro. Ich war Ingenieurin bei dem Beton- und
Zement
unternehmen Hormigones Uniland ... "

Sara Benita Bernès, 28 Jahre, Wirtschaftsingenieurin aus Vilanova i la Geltrú,
Spanien

Zitat aus einem Artikel ueber "Die neuen Einwanderer", DIE ZEIT, 19.01.2012
http://www.academics.de/wissenschaft/zwischen_heimweh_und_hoffnung_51713.html


"Das Maerchen vom "Fachkraeftemangel"
http://www.youtube.com/watch?v=lNERneTa9yE


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Erschwerte Arbeitssuche und labyrinthische Zulassungsverordnungen
 




“Cihan Batman… machte ein gutes Abitur, studierte an der Universität Stuttgart technische Betriebswirtschaftslehre, arbeitete danach bei KPMG, bei der DaimlerChrysler Bank, jetzt ist er Senior Manager bei Vodafone. Gelegentlich geht er zu einem Stammtisch … in einem Café in Istanbul, es ist ein Rückkehrerstammtisch für Deutschtürken. Sie haben Deutschland verlassen, weil sich ihnen in der Türkei die besseren Karrierechancen bieten, so wie Cihan Batman, oder weil sie in Berlin oder Köln nie heimisch wurden, sich nicht anerkannt fühlten. …

Müge Yücel … ging nach dem Abitur zum Studium in die USA. Mit einem Doppelmaster in Marketing und Finanzwissenschaften, ersten Joberfahrungen in einer internationalen Beratungsfirma und hochfliegenden Plänen kam sie nach Deutschland zurück … Ihre Bewerbungen … brachten ihr statt einer Stelle eine Reihe "unangenehmer Erfahrungen" ein, erzählt sie. So musste sie sich in einem Bewerbungsgespräch etwa die Frage gefallen lassen, wie es denn mit dem Heiraten und Kinderkriegen sei. Als Türkin müsste sie dann ja wohl zu Hause bleiben. Heute arbeitet Yücel in Istanbul in der Finanzabteilung eines türkischen Unternehmens, das Autos in die Türkei importiert. …

Zwar wächst in Deutschland die Zahl der Akademiker mit Migrationshintergrund, die erfolgreich Karriere machen, sei es als Arzt, Ingenieur oder Politiker. Trotzdem gilt: Oft wird es ihnen schwer gemacht. So müssen Migranten allein wegen ihres fremdländisch klingenden Namens drei- bis viermal so viele Bewerbungen schreiben wie Deutsche, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, das ergab eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Soner Süral kennt solche Klagen zuhauf. Der Student der Computerlinguistik ist Geschäftsführer des Berliner Studenten- und Akademikervereins BTBTM. Er berät unter anderem Bildungs in- und -ausländer in Sachen Studium. Deren Stimmungslage fasst er in einem Bild zusammen: Oft fühle man sich hier wie "ein Tropfen Olivenöl in einem Glas Wasser. Es vermischt sich nichts." Der Weg zu einem Wir in Deutschland ist noch weit. …
Ähnlich wie die türkischstämmigen Akademiker haben auch hoch qualifizierte Einwanderer aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit mangelnder Anerkennung zu kämpfen. "Viele Spätaussiedler erleben den Neuanfang in Deutschland als beruflichen Abstieg", sagt Galina Suppes, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Trier. Sie hat ihre Diplomarbeit über Rückkehrer nach Russland geschrieben und kennt sie alle: Ärzte, die als Krankenpfleger arbeiten, Ingenieure, die sich als Hilfsarbeiter verdingen, Lehrer mit jahrelanger Berufserfahrung, die nur als niedrig bezahlte Betreuer für Auswandererkinder unterkommen. Wenn sie denn überhaupt eine Beschäftigung haben. Aussiedler mit Hochschulabschluss sind ein Beispiel dafür, dass eine gute Ausbildung auch schaden kann. Ihre Arbeitslosenquote liegt nämlich (laut IAB) höher als die von Ungelernten. Das ist bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe der Fall. …
Maria Böhmer, Integrationsbeauftragte des Bundes, hat eine Studie namens Brain Waist in Auftrag gegeben. Demnach finden gerade einmal 16 Prozent der befragten Einwanderer aus Osteuropa einen Job in ihrer Branche, obwohl die meisten über eine Ausbildung oder ein Studium verfügen.
Die Untersuchung offenbart ein bizarres Labyrinth von Anerkennungsstellen und Zulassungsverordnungen, in dem sich nicht einmal deutsche Beratungseinrichtungen zurechtfinden, geschweige denn die Zuwanderer selbst. Mal ist der Bund zuständig, mal sind es die Länder. Brain Waist berichtet von Bewerbern, die sich bei vier Stellen über die Anerkennung ihres akademischen Abschlusses informierten - und vier unterschiedliche Antworten bekamen. …
Auf dem Bildungsgipfel haben Bund und Länder eine bessere Beratung der Betroffenen versprochen. Maria Böhmer fordert darüber hinaus für jeden Zugewanderten eine schnelle und bundesweit einheitliche Prüfung seiner Qualifikationen. ...“
Aus DIE ZEIT 04.12.2008
http://www.academics.de/wissenschaft/verprellte_talente_die_abwanderung_der_einwandererkinder_35562.html


Anm. Blogger:
Maria Böhmer löste mit ihrer Aussage, Zuwanderer könnten das Leben in Deutschland bereichern, ungewollt den Trend zu dem zynisch verwandten, hassbesetzten Begriff “Kulturbereicherer” aus, auf den auch Thilo Sarrazin in seiner Deutschland-in-100-Jahren-Satire anspielte.
(Siehe Stichwort “Kulturbereicherer”auf diesem Blog; z.B. http://guttmensch.blogspot.com/2011/11/kulturtrager-kulturbereicherer-zynische.html
)


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"KJN sagt:

 7. Februar 2012 um 12:36
 ... Etwa 2/3 meines Abschlussjahrgangs (Chemie, 1990) sind entweder in den USA, machen “was anderes” oder sind arbeitslos."http://starke-meinungen.de/blog/2012/01/24/sarrazin-und-die-intelligenz/



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Nachtrag 13.10.2012

“Sparprogramm bei Siemens: Bis zu 10.000 Mitarbeiter sollen rausfliegen
 Äh, Moment mal. Siemens? Die haben doch noch im März 2012 vor einem dramatischen Fachkräftemangel gewarnt. Zitat: "Siemens-Chef Peter Löscher hat dieser Tage auf einen Mangel an Ingenieuren hingewiesen, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen werde. Nach den Worten des Konzernchefs drohten allein beim Münchner Elektroriesen bis 2020 rund 14.000 Stellen unbesetzt zu bleiben." “
http://duckhome.de/tb/archives/10361-Aufgelesen-und-kommentiert-2012-10-12.html#extended

Ja, aber – da werden jetzt doch sicher keine MINT-Stellen abgebaut, oder? Abgebaut werden doch sicher Stellen für Ackergäule, sprich Hilfsarbeiter, aber nicht Stellen für Lipizzaner, sprich Ingenieure?
(Sarrazin unterstrich seine eugenischen Thesen von der angeborenen technisch-intellektuellen Minderbegabung von Muslimen, Afrikanern und Angehörigen der Unterschicht mit dem Bild von Ackergäulen, die in Abstammungslinien von Lipizzanern eingekreuzt werden; siehe z.B.
http://derstandard.at/1326503416163/Sarrazin-und-die-Deutschen-als-edle-Lipizzaner ; http://www.welt.de/kultur/article13808223/Sarrazins-Pferdemist-Der-Lippizaner-schafft-sich-ab.html
)

Von wegen. Der jetzt angekündigte Stellenabbau betrifft gerade auch den Bereich "Forschung und Entwicklung". Auch MINT-Stellen fallen weg. Offenbar fehlte es zwar nicht an MINT-Kompetenz, aber an Markt-Kompetenz. 


“Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb seien zu stark gestiegen, sagte Löscher. Bürokratie müsse abgebaut, Doppelfunktionen sollen gestrichen werden. Der Auslandsvertrieb werde verschlankt. Schwächelnde Geschäfte, die zur Dauerbelastung für das Unternehmen zu werden drohten, kämen auf den Prüfstand. Konkrete Schritte und Zahlen will er am 8. November mit der Jahresbilanz präsentieren.
Siemens habe in seinem im September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012 zwar eines der besten operativen Ergebnisse seiner Unternehmensgeschichte erreicht, sei aber hinter den eigenen Zielen zurückgeblieben und gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten - auch wegen „hausgemachter Probleme“, räumte der Vorstandschef ein.”
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/sparprogramm-siemens-feilt-an-seiner-giftliste/v_detail_tab_print/7242760.html 


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MINT und EADS (Ruestungsindustrie)

EADS war Gastgeber der MINT-Tage 2009
http://www.mintzukunftschaffen.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23&cHash=bb7c46ed78

Ueber den politischen Einfluss von EADS siehe auch
http://zettelmaus.blogspot.com/2012/11/dialog-mit-eads.html



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Nachtrag 6. Mai 2013




Technikbegeisterter Jugendlicher mit der falschen Hautfarbe

(Bild gefunden auf
http://www.freerepublic.com/focus/f-news/2875308/posts ;
abgebildet ist Trayvon Martin;
s.
http://guttmensch.blogspot.com/2013/05/deep-in-heart-of-texas.html)


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Ergaenzung 27.2.14


"Mythos Fachkraeftemangel"

http://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/von-wegen-fachkraeftemangel-deutschlands-unbekannte-arbeitskraefte/9552840.html?home_teaser=9552840


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10.4.14

Innovation und DrohnenkriegBemerkenswerte Rolle des UK Department of Business, Innovation and Skills (BIS)
Aus
Exclusive: Minister in row over BT’s link to US drones’ war
The Independent
Robert Verkaik  26 March 2014
(Hervorhebungen in Fettdruck von mir)
The former chief executive of BT, who is now a senior Government trade minister, is at the centre of a row over Britain's alleged role in America's secret drones' war.
Ian Livingston was head of the telecoms giant when it won a contract to set up a top secret £15m communications link between an RAF base in Northamptonshire and America's headquarters for drone attacks in Africa. Last year he was made Lord Livingston and four months ago started a high-profile trade job in the Department of Business, Innovation and Skills (BIS).
But it has now emerged the BT cable deal with the US military had formed part of an investigation overseen by what is now Lord Livingston's own department.
The US-run former bomber station at RAF Croughton in Northamptonshire has been fitted with equipment which human rights groups allege is capable of supplying secret data to the drone centre in Africa where American unmanned aircraft have killed hundreds of civilians and extremist militant suspects.
The investigation came about as a result of a complaint by Reprieve first made last July. Although its conclusions were announced before Lord Livingston joined BIS, a further review of its initial findings was still underway at the time of the minister's appointment. That review published its conclusions in February this year.
Human rights lawyers said the fact that Lord Livingston was to hold a key position in the department could have raised questions over the fairness of the investigation, and the subsequent review, both of which were headed by the Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD), which draws up standards for the behaviour of multinationals, and which is being overseen by BIS.
http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/exclusive-minister-in-row-over-bts-link-to-us-drones-war-9215364.html


Siehe auch Stichwort "Livington" auf
http://zettelmaus.blogspot.com/2014/04/drohnenkrieg.html