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Samstag, 10. März 2012

Mehr zum Thema Nostalgie


Früher, da herrschten noch Sitte und Recht –
Ein Herr war ein Herr, und ein Knecht war ein Knecht!
Où sont les neiges d'antan?
Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?
Où sont les neiges d'antan?
Où sont les neiges, les neiges d'antan?

Aus einem Lied von Ulrich Roski, “Wo Ist Der Schnee Vom_Vergangenen_Jahr”



Hat der DDR-Funktionaer Erich Correns den spaeteren Sarrazin-Ideengeber Volkmar Weiss dabei unterstuetzt, Traditionen der Forschung im Sinne der "Rassenhygiene" wieder zu beleben? Weiss selbst verwies auf einen Artikel, in dem dies - positiv gemeint - nahe gelegt wird, und zwar mit ausdruecklichem Bezug darauf, dass Erich Correns der Sohn des Genetikers Carl Correns war. Spielten das Gedenken an Carl Correns (1864-1933), Mitglied des 1920 gegruendeten "Beirats fuer Rassenhygiene", und nostalgische Rueckbesinnung auf eine vermeintlich "reine", noch nicht vom Nazi-Regime angeeignete Form der Eugenik/ Rassenhygiene, eine Rolle bei der Foerderung eugenisch-rassenhygienisch orientierter "Intelligenzforschung" in der DDR? 
(S. voriger Post; http://guttmensch.blogspot.com/2012/03/seltsame-wege-der-nostalgie.html)

Das Thema "Nostalgie" im Zusammenhang mit Tendenzen zur Wiederbelebung der Eugenik/ Rassenhygiene ist einer weiteren Vertiefung wert. Ich lege hier erst einmal einen Zettel an, um nach und nach Funde zu diesem Thema hinzu zu fuegen.

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"Mit seiner nostalgischen Beschwörung der alten Bundesrepublik bedient Sarrazin nostalgische Sehnsüchte nach einer Vergangenheit, die so nie existiert hat."
Daniel Bax in der TAZ vom 05.09.2010 (Kommentar "Nein zum Salonrassismus"), http://www.taz.de/!57939/

(Die "alte Bundesrepublik", das war auch die Bundesrepublik, in der Kontinuitaeten - wie etwa das Weiterwirken des Mengele-Chefs Von Verschuer im Wissenschaftsbetrieb - noch nicht thematisiert wurden.)


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Literatur und Wissenschaft im Dienste des “Dritten Reichs”:
Der wendige Paul Fechter und seine Kreise

Aus dem Klappentext des Gedichtbands “Ahorndekade” von Hans Christian Sarrazin (Vater von Thilo Sarrazin), Laumann-Verlag Dülmen, 1993:(Hervorhebungen von mir)

Hans Christian Sarrazin … begann 1934 mit dem Studium der Gemanistik, die er nach einigen Semestern mit der Medizin vertauschte. … Truppenarzt in Frankreich und Italien … Leiter der sozialmedizinischen Abteilung eines Knappschaftskrankenhauses und, bis heute, ärztlicher Gutachter für die Sozialgerichte. … Den ersten Druck eines Gedichtes besorgte 1937 Paul Fechter in der Deutschen Allgemeinen Zeitung. …”

 




  • Es liegt nahe, sich zu fragen, ob die hier genannte langjährige Tätigkeit für Sozialgerichte auch zeitweilige Tätigkeit für ein “Erbgesundheitsgericht” einschließt. (Aufgabe war hier insbesondere die Begutachtung "Schwachsinniger" im Hinblick auf Zwangssterilisation; s. Stichwort "Erbgesundheitsgericht" auf diesem Blog.) Was aus den wenigen, aber bemerkenswerten Angaben zur Biographie (einschließlich auch des stolzen Hinweises auf den Kontakt zu Paul Fechter, s.u.) zu entnehmen ist, spricht eher dafür als dagegen.

    Erbgesundheitsgerichte vor, Sozialgerichte nach Ende des 2. Weltkriegs: Gibt es Traditionslinien? - Stoff zum Nachdenken/ Weiter-Recherchieren
    “Landessozialgericht NRW, L 13 R 114/05 Tenor: Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Sozialgerichts Detmold vom 29. April 2005 wird zurückgewiesen. …
    Tatbestand: 1 Der Kläger begehrt die Berücksichtigung der Zeit vom 31.5.1938 bis zum 20.12.1943 als Verfolgungsersatzzeit. Der am 00.00.1924 geborene Kläger wurde laut einer ärztlichen Bescheinigung vom 12.2.1954 am 13.1. 1933 unter der Diagnose "Imbecillitas minor (1a)" in die "Westfälisch evangelische Heil- und Pflegeanstalt X" (Kreis N) verbracht und am 6.11.1941 in die "Q- Heilanstalt H" verlegt, wo er bis zum 7.2.1942 verblieb. Anschließend befand er sich bis zu seiner Entlassung am 14.12.1943 in der Qheilanstalt E. Aufgrund Beschlusses des "Erbgesundheitsgerichts" Dortmund vom 30.4.1943 (13a XIII 10/43) wurde er am 24.11.1943 "wegen angeborenem Schwachsinn" sterilisiert. Seinen Antrag auf Entschädigungsleistungen für Schaden an Körper und Gesundheit, für Schaden an Freiheit, im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen vom 6.7.1958 lehnte der Regierungspräsident Detmold mit Bescheid vom 29.8.1958 ab … Aus den vom Kläger beigebrachten Beweisunterlagen gehe eindeutig hervor, dass der Kläger unter das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses gefallen und wegen angeborenen Schwachsinns sterilisiert worden sei. Unfruchtbarmachungen auf Grund von Beschlüssen des Erbgesundheitsgerichts stellten grundsätzlich keine nationalsozialistische Gewaltmaßnahme im Sinne des BEG dar. ...”
    http://www.jusmeum.de/urteil/lsg_nrw/0d22a7998681dbde674072a65f969d8900027d472ddf3b6f985d1af1e37b3f0d





Wer 1993 im Alter von fast 80 Jahren auf jahrzehntelange Tätigkeit als “Leiter der Sozialmedizinischen Abteilung eines Knappschaftskrankenhauses” und “ärztlicher Gutachter für die Sozialgerichte” zurückblicken konnte, wird  während seiner Laufbahn sicher auch zu Fragen der Entschädigung für Zwangssterilisierte konsultiert worden sein. Wenn diese Tätigkeiten bis in die Zeit vor 1945 zurückreichen sollten, dürften solche Funktionen es auch mit sich gebracht haben, an Entscheidungen über die Unfruchtbarmachung z.B. für  schwachsinnig gehaltener Menschen selbst mitzuwirken. Personelle Kontinuitäten beim Kreis der herangezogenen Gutachter waren nicht selten; siehe z.B. Stichwort “Villinger” auf diesem Blog. - Gerade Knappschaftskrankenhäuser waren ein wichtiger Teil der “Fürsorgestrukturen”, die in der Nazi-Zeit in den Dienst der “Rassenhygiene” gestellt worden waren. Beispiel Recklinghausen:
“Durch den Runderlass des Reichsinnenministeriums vom 13.03.1934 waren das evangelische Krankenhaus in Castrop-Rauxel zur Durchführung von Zwangssterilisationen bei Männern und das Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen zur Durchführung von Zwangssterilisationen bei Frauen und Männern und mit Runderlass vom 01.07.1936 sogar zur Durchführung der Zwangssterilisation mit Röntgen- und Radiumbestrahlung ermächtigt worden. Im evangelischen Krankenhaus wurden 62 Eingriffe vorgenommen. Im Knappschaftskrankenhaus dürfte es das Vielfache dessen gewesen sein. Leider sind die entsprechenden Akten in beiden Krankenhäusern vernichtet worden. Aufschluss dürften da nur noch die über 3000 Akten aus Verfahren der sog. Erbgesundheitsgerichte in etwa 800 Kisten im Landesarchiv NRW geben.”
Aus dem Aufruf “Den Opfern der Euthanasie einen Namen geben”, 19. Januar 2012


Aus einem Angebot des Antiquariats Tautenhahn, Lübeck
:
Fechter, Paul: Moeller van den Bruck. Ein politisches Schicksal … (= Die deutsche Innerlichkeit). Frundsberg, Berlin, 1934. - Beiliegend: Prospekt des Verlages Korn/Breslau "Moeller van den Bruck. Künder des Dritten Reiches. Zum 10jährigen Todestag 1925-1935"

Aus einer Buchbeschreibung des Berliner Antiquariats Fundus-Online GbR (Borkert Schwarz Zerfaß) zu Paul Fechters “Geschichte der deutschen Literatur”, Ausgabe 1952, Bertelsmann, Gütersloh:
“Schon eigenartig, wenn jemand 1952 in der Neufassung seiner Literaturgeschichte Gottfried Keller wie folgt zitiert: "Werft diesen Wust verblichener Schrift ins Feuer!". Aber er meinte damit wohl vor allem seine eigene Ausgabe von 1942 in der er Hitlers "Mein Kampf" wie folgt lobte: Das Buch, das alle die verschiedenartigen Strebungen und Tendenzen der großen nationalsozialistischen Bewegungen in sich zusammenfaßt, das den Übergang zu der neueren Form des Sprechens zum Leser am schärfsten vollzieht und damit die Grundlagen der Literatur schafft, [ ] ist Adolf Hitlers Bekenntnisbuch ›Mein Kampf‹."
http://www.abebooks.com/servlet/BookDetailsPL?bi=8528979311&searchurl=an%3DFECHTER%252C%2BPAUL%26bsi%3D60%26sortby%3D1

Volker Peckhaus in “Der nationalsozialistische „neue Begriff“ von Wissenschaft am Beispiel der „Deutschen Mathematik“ – Programm, Konzeption und politische Realisierung” (Philosophische Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, 1984):

(S. 70)
"(Der Rostocker Mathematiker G. Thomsen) … prägte den Begriff des ”Fachsoldaten des Dritten Reiches“ … Vgl. dazu den wohlwollenden Artikel von [Paul] Fechter, ”Hochschulgefahren?  Die notwendigen Fachsoldaten des Dritten Reichs“, Deutsche Zukunft (Berlin) 2 (1934), v. 10.6.1934”

(S. 33)
“… Rosenberg (äußert) am 7.11.1934 zur Semestereröffnung der Münchener Universität den ”Glauben“ … , daß nicht Kulturen Völker erzeugen, sondern daß bestimmte Rassen und Völker Kulturen erschaffen …”

Alfred Rosenberg, ”Freiheit der Wissenschaft“, in: ders., Gestaltung und Idee. Blut und Ehre II. Bd. Reden und Aufsätze von 1933-1935, hg. v. Thilo von Trotha, München 1936 ... Vgl. dazu die Einführung v. Trothas: ”Der Freiheit einer wahrhaft germanischen völkischen Wissenschaft, nicht allerdings einer liberalen verantwortungslosen Forschung, gegenüber den noch immer wirksamen Dunkelmännern, hat Rosenbergs Kampf in ganz besonderem Maße immer gegolten“ …”


(Wenn Sarrazin Senior auf seine Beziehung zu Paul Fechter so stolz war, dass dieser sogar noch im Klappentext zu seinem 1993 erschienenen Buch eigens erwähnt wird, war er auch von Alfred Rosenbergs Mitarbeiter Thilo von Trotha begeistert, der weitgehend ähnliche Ideen propagierte? Und wenn, könnte dies einen nachhaltigen Einfluss auf die Gedankenwelt seines im Februar 1945 geborenen Sohnes Thilo gehabt haben?)



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Sebastian Maaß: Kämpfer um ein drittes Reich
"Arthur Moeller van den Bruck und sein Kreis. ... Als Moeller van den Bruck 1925 starb, hinterließ er mit seinem Hauptwerk Das dritte Reich (1923) ein Buch, das einer ganzen Epoche ihren Namen geben sollte. Doch das Reich des Konservativen Revolutionärs Moeller war ein ganz anderes, als jenes, das 1933 verwirklicht werden sollte. ... Diese wissenschaftliche Studie spürt dem wegweisenden jungkonservativen Denker und seinem Kreis nach, deren gegen Liberalismus und Parlamentarismus gerichtete Schriften die gesamte Konservative Revolution nachhaltig beeinflußten. ..."

Anm.: Nostalgie nach dem vermeintlich wahren "dritten Reich", dessen Idee von den Nazis nur missbraucht worden sei.... Das hörte sich 1934 aber anders an (s. oben, Paul Fechters Hommage an Moeller van den Bruck).

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Angst vor der "Herrschaft der Minderwertigen"
Jungkonservative Herrenclubs als Vorläufer des "Dritten Reichs"

(s. o. zu Moeller van den Bruck und dessen Biograph Paul Fechter, Förderer von Thilo Sarrazins Vater Hans Christian Sarrazin)
"Aber noch einmal zum hier vom Gauleiter Sprenger erwähnten "Deutschen Herrenklub". ...
Der DHK berief sich bei seiner öffentlichen Tätigkeit insbesondere auf die jungkonservativen Ziele, die Arthur Moeller van den Bruck in seinem Buch "Das dritte Reich" 1923 formuliert hatte ...
Äußerlich stand im Zentrum der politischen Tätigkeit Werner Bests als Student für viele Jahre seine Zugehörigkeit zum "Deutschen Hochschulring" (DHR). Dieser stand - zusammen mit seinem Förderkreis und Altherrenclub - ebenfalls Moeller von den Bruck nahe ...
Die meisten Vortragenden auf den Schulungswochen des DHR entstammten dem Umkreis des Berliner Juni-Clubs um Moller van den Bruck, Heinrich von Gleichen und Martin Spahn.
… Werner Best selbst schrieb noch nach 1945 über seine Zeit vor 1933 ... :
So verkehrte ich in "jungkonservativen" Kreisen, die unter der geistigen Führung von Moeller van den Bruck und Heinrich von Gleichen (...) ihre Gedanken vertraten und in ihren Klubs - "Juni-Klub", "Herren-Klub", "Jungkonservativer Klub" - Gelegenheit zum Treffen und zur Aussprache boten. …
Nach 1945 war es Werner Best dann geradezu ein Anliegen aufzuzeigen, wie der Nationalsozialismus insbesondere aus jenen rechtsintellektuellen Kreisen hervorgegangen wäre, in denen er, Best, sich selbst bewegt hatte, und daß die NSDAP und die SA von diesen rechtsintellektuellen Kreisen nur als "Massenbewegung" und "Fußvolk" benutzt worden wären!! Damit gibt er zugleich selbst an, daß seine eigenen geistigen und klüngelhaften Wurzeln im Umfeld von völkisch-jungkonservativen Geheimgesellschaften liegen, richtiger wohl: in ihnen selbst. Werner Best schreibt ...:
Arthur Moeller van den Bruck schuf den Begriff des "Dritten Reiches" (...). Graf Ernst zu Reventlow forderte einen "deutschen Sozialismus" (...). Edgar J. Jung rechnete in "Die Herrschaft der Minderwertigen" mit den Individualisten ab ..."








Die Herrschaft der Minderwertigen - Ihr Zerfall und Ihre Abloesung durch ein Neues Reich.  Edgar J. Jung.  Berlin, 1930


"Die Herrschaft der Minderwertigen - Ihr Zerfall und Ihre Abloesung durch ein Neues Reich.  Edgar J. Jung.  Berlin, 1930.  Verlag Deutsche Rundschau G.m.b.H.  (The Rule of the
Inferior - Your Disintegration and Replacement through a New Reich)  ... 
Most of the idealism presented in this book made it into Nazi law.  The author
was shot at Oranienburg during the 1934 Roehm Putsch. After the end of WW2, this
book was banned in Germany."

http://www.germandocuments.com/Rare_Books_2.html


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Rechtsextremismus im postnazistischen Deutschland

Hintergrund Verlag 5 Januar 2012
Von Hartmut Krauss


"... So findet die nazistische Sozialismus-Demagogie in Eduard Stadtlers „Deutschem Sozialismus“ und Oswald Spenglers „Preußischem Sozialismus“ ihre geistige Quelle und Vorbahnungen; Arthur Moeller van den Bruck vermittelt mit seinem Buch „Das Dritte Reich“ den Nazis nicht nur einen propagandistischen Schlüsselbegriff, sondern ‚beliefert‘ sie darüber hinaus mit einer Reihe weiterer ideologischer Kernelemente (aggressiv-expansiver Nationalismus, Antiliberalismus, Vermischung von Antimarxismus und Antisemitismus etc.); Ernst Jünger, Max Hildebert Boehm, Egar Julius Jung u. a. stellen mit ihrer Ästhetisierung des Kriegserlebnisses, der Beschwörung des ‚Frontkämpergeistes‘ und der Idealisierung des Opfertodes im Kriege geistiges Rüstzeug für die nazistische Heranzüchtung des deutschen Herrenmenschen zur Verfügung. In seiner differenzierten und instruktiven Studie über „Konservative Theoretiker des deutschen Faschismus“ hat Joachim Petzold (1982, S. 124) das Verhältnis zwischen ‚substanztheoretischem“ Jungkonservatismus und popular-demagogischer Nazibewegung folgendermaßen umrissen: Die Jungkonservativen „schufen das theoretische Fundament, von dem aus das Ziel und die Grenzen faschistischer Demagogie bestimmt werden konnten. ..."


http://europenews.dk/de/node/50921


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Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin

"Nicht erst die Thesen Thilo Sarrazins und Peter Sloterdijks haben gezeigt: Der Debatte um „Elite“ wohnt die Tendenz inne, vom Bestehen gesellschaftlicher Funktionseliten auf die Existenz einer generell höher begabten Menschengruppe zu schließen. Die Befähigung zur „Elite“ wird schließlich auf die biologische Beschaffenheit einer privilegierten Gruppe zurückgeführt: ihre „Rasse“, vererbte Intelligenz oder genetische Veranlagung. Zugleich wird ein apokalyptisches Untergangsszenario entworfen, das Wirklichkeit werde, sollten sich die „Leistungsträger“ bevölkerungspolitisch nicht durchsetzen. Diese Vorstellungen sind nicht neu, denn sie stehen in Tradition der republikfeindlichen Theoretiker der Weimarer Zeit und einer „neuen“ Rechten. Neu ist vielmehr ihr medialer und gesellschaftlicher Erfolg. ...

Dr. Volker Weiß ist Historiker und Autor des Buches „Deutschlands Neue Rechte.
Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin“ (2011)"


http://www.mbr-koeln.de/2011/07/28/angriff-der-eliten-von-spengler-bis-sarrazin/

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“Konservative Revolution” und SPD

 
Den Artikel "Rechte Genossen” von Peter Kratz (1999) http://www.bifff-berlin.de/SPD4.htm
fand Google mit der Suchkombination “Hans F. K. Günther” UND Hofgeismar. Es ging bei der Suche um ein schnelles Abchecken, ob es Bezüge geben könnte zwischen dem Nazi-“Rassepapst” Hans F. K. Günther und dem in Hofgeismar geborenen Journalisten und Verleger Joachim Günther alias Johann Siering, der in der Nachkriegszeit zeitweise mit Paul Fechter zusammenarbeitete.
 
Eine klare Antwort auf diese Frage ist dem Artikel nicht zu entnehmen, aber für eine Notiz im “Zettelkasten” ist der Fund bemerkenswert genug. Es ist interessant, was hier zu den Stichworten “Hofgeismarkreis” und Hans F. K. Günther zu lesen ist. Zudem enthält der Artikel einen Bezug auf den “Juniclub” (einen nationalkonservativen Herrenclub in der Weimarer Zeit, dem auch Paul Fechter angehört hatte). Eine inhaltliche Stellungnahme zu dem Artikel und den hier wiedergegebenen Auszügen kann ich nicht abgeben; es geht um das Notieren von Stichworten und Anhaltspunkten.


“Die Ideen der Konservativen Revolution sind inzwischen in der SPD weit vertreitet und tief verankert. Peter Brandt, Herbert Ammon, Theodor Schweisfurth, Tilman Fichter haben das Ihrige dazu geleistet, Glotz hat es als Bundesgeschäftsführer und als Chefredakteur der "Neuen Gesellschaft/Frankfurter Hefte" geschehen lassen. …

Daß die Partei die Fascho-Jusos des neu gegründeten "Hofgeismarkreises" in Leipzig, die im Fernsehen Verständnis für den ausländerfeindlichen Pogrom in Rostock bekundeten, nicht einfach ausschloß, sondern mit einem milden einjährigen Funktionsverbot belegte, ist nur ein Symptom. "Realitätsnah" müsse man erkennen, "daß es eine Illusion ist, anzunehmen, wir allein könnten die gesamten sozialen Probleme dieser Welt lösen", meinte der Führer dieser Juso-Gruppe, Sascha Jung, zu seiner Verteidigung. Es ist mehrheitsfähig in der SPD, nicht danach zu fragen, wer solche Probleme mit verursacht hat. Und wer dennoch fragt, bekommt als Antwort "Völkermischzone" zu hören. Offenbar glaubt die Parteispitze, solche Nachwuchskräfte in Zukunft zu benötigen.

Die Formierungsbestrebungen in der SPD, mit denen Hochtechnologie-Subventionen und Sozialabbau abgesichert werden, führen zum Konzept der Nation hin. Die SPD greift heute auf ihre eigene Tradition zurück: die der "Kriegssozialisten" der 10er und der Nationalrevolutionäre der 20er und frühen 30er Jahre. …

… (Tilman) Fichter (war) Teilnehmer des "Dienstags-Gesprächskreises" in Berlin …, der zur Heckelmann-Krise der Berliner Großen Koalition führte. Gesprächskreis-Betreiber Hans-Ulrich Pieper kam ehemals aus dem "Nationaldemokratischen Hochschulbund" NHB und der nationalrevolutionären Gründungsorganisation der 60er und frühen 70er Jahre namens "Außerparlamentarische Mitarbeit" APM, deren damaliger Mitglieder sich heute teilweise bei der "Jungen Freiheit" finden. …
Nach einem Bericht des "Berliner Extradienstes" von 1968 war Pieper wegen seiner Militanz sogar in der NPD umstritten, wo er "Propagandareferent der Jungen Nationaldemokraten" gewesen sei. Dann war er REP-Pressesprecher und REP-Kandidat in München, heute ist er FDP-Mitglied beim Zitelmann-von Stahl-Flügel. Er hatte zur Teilnahme an "Dienstags-Gesprächen" in den 90ern neben Fichter auch Jörg Haider, Zitelmann, Fleissner, Heinrich Lummer, Manfred Brunner, einige Top-Manager großer Konzerne sowie Bankiers - sogar von der Bundesbank - und auch "Junge Freiheit"-Redakteure gewinnen können. Pieper werden heute weitreichende Verbindungen in Politik und Wirtschaft nachgesagt. Er war zeitweise Pressesprecher der Rüstungsfirma Rheinmetall in Düsseldorf und Referent der Bonner CDU-Zentrale, als Kurt Biedenkopf dort Generalsekretär war. In Mohlers und Schrenck-Notzings "Criticon" schrieb er in den 90ern gegen die "Umerziehung" der Deutschen durch die Sieger des Zweiten Weltkriegs und über "Reichsverfassungsentwürfe", die angeblich von Treudeutschen erarbeitet würden.

Sein "Dienstags-Gesprächskreis" war der fehlgeschlagene Versuch, zeitgemäß an die "Antibolschewistische Liga" der Jahre 1918/19, den "Juniclub" der Konservativen Revolution oder an den Düsseldorfer "Industrieclub" der frühen 30er Jahre anzuknüpfen. Unmittelbares Vorbild war die "Düsseldorfer Herrenrunde" der 80er und 90er Jahre, die Industriemagnaten mit rechtsextremen Politikern - von völkisch-rassistischen Neuheiden wie dem Verleger und Düsseldorfer Gemeindeleiter der "Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft", Kurt Winter, bis zu Brunner und Schönhuber - zusammenbrachte, wo aber auch z. B. die Präsidenten der deutschen Nachrichtendienste referierten. Der Pieper-Kreis spiegelt die Atmosphäre wieder, in der sich Fichter seit fünfzehn Jahren oder länger bewegt. …
Tilman Fichter wurde von Peter Glotz aus Berlin in die Bonner SPD-Zentrale geholt, als Glotz Bundesgeschäftsführer war. Hier stieg er schnell zum Referenten für Schulung und Bildung beim Parteivorstand auf und ist seit 1987 zuständig für die Fortbildung der hauptamtlichen SPD-Funktionäre in der SPD-Parteischule. "Geistiger Kopf der SPD-Parteischule" und "Angelpunkt" nanne ihn der Berliner "Tagesspiegel" 1993. … Von der Parteibasis unkontrolliert - sein Job steht nicht in der Parteisatzung, dem Votum des Parteitags stellt er sich nicht, eine Wahl findet nicht statt - bastelt Fichter seit Jahren an einem brisanten politischen Bündnis mit dem Neofaschismus, Bandbreite: vom Dunstkreis der Mordhetzer der "Aktion Widerstand" aus den frühen 70er Jahren, die "Willy Brandt an die Wand!" schrien, über die faschistische Intellektuellen-Zeitung "Junge Freiheit" bis zum Pogrom-Rassismus der Leipziger Fascho-Jusos, die in alter Burschenherrlichkeit "Haltet Euer Deutschtum hoch!" grölen. Dabei weist Fichter immer wieder auf seinen Job beim Parteivorstand der SPD hin, als wollte er den Eindruck erwecken, seine Politik habe höchste sozialdemokratische Weihen …

(Fichter ist) ein hauptsächlicher Anker für die Nationalrevolutionäre in der SPD … Er hielt sich immer schon in dieser Szene auf, auch vor seinem Eintritt in die SPD und seiner Anstellung beim Parteivorstand. Schon 1981 veröffentlichte er in der Zeitschrift "Stichwort" - die sich "eine Schrift der Jugendbewegung" nannte - einen Artikel über die vermeintliche "Identitätsaufgabe" der akademischen 68er-Jugend. In der Zeitschrift schrieb im selben Jahr auch Lothar Stengel-von Rutkowski, ehemals Waffen-SS-Offizier an der Ostfront, Mitarbeiter der "Nationalsozialistischen Monatshefte" und hier Biograph des Nazi-Rassisten Hans F. K. Günther. Bis Ende der 80er Jahre war Stengel-von Rutkowski einer der Hauptideologen der kleinen Nazi-Sekte "Deutsche Unitarier Religionsgemeinschaft", aus der nicht nur etliche NPD- und REP-Funktionäre kamen, sondern die es auch in den 80er und 90er Jahren verstand, mannigfache Verbindungen zur Sozialdemokratie zu knüpfen. Alte Kontakte zwischen rechten Teilen der Sozialdemokratie und der Strasser-Fraktion der Nazis, zu der völkisch-religiöse Vorläufersekten der "Deutschen Uniatrier" um Ernst Graf von Reventlow und Wilhelm Hauer zählten, mögen da hilfreich gewesen sein. …
Solche Umgebungen klären, warum Glotz in seiner NG/FH die Zitelmann, Nolte oder Benoist nicht persönlich schreiben zu lassen braucht. Autoren wie Fichter oder Ammon - der 1990 mit dem Backes-Jesse-Zitelmann-Trio in dem Ullstein-Buch "Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus" schrieb - decken den Bereich eine Nummer kleiner und unverfänglicher ab.  …”


Anm.:
Benoist gilt als der Begründer der “Neuen Rechten”.
Tilman Fichter hatte den Posten als Referent für Schulung und Bildung im SPD-Parteivorstand noch bis 2001 inne.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Fichter


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Mein Vater war ein Goethe-Kenner
 
"Mein Vater war ein Goethe-Kenner und daher bin ich mit einer großen Ausstattung von Goethe-Zitaten ins Leben gegangen. Das kann man wunderbar ausbauen. Es gibt kaum ein Feld des praktischen und geistigen Lebens, zu dem Goethe sich nicht geäußert hätte. Zum Beispiel zur Bildungspolitik: Man könnte erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogener wären. Oder: Dreimal glücklich sind diejenigen zu preisen, die ihre Geburt sogleich über die unteren Stufen der Menschheit hinaushebt."

Thilo Sarrazin in einem Interview mit Claus-Christian Malzahn für “Die Welt”
http://www.welt.de/politik/deutschland/article11922325/Ein-Hausbesuch-bei-Thilo-dem-Taliban.html ;
ähnlich für die “Morgenpost”:
http://www.morgenpost.de/berlin/article1498173/Thilo-Sarrazin-Berlin-wird-schlecht-regiert.html
Eine bemerkenswerte Auswahl von Goethe-Zitaten ... wo Sarrazin Senior gerade diese wohl gelernt hat? Sie scheinen ja hervorragend zur Ideologie der Eugenik, alias Rassenhygiene, zu passen; geradezu wie dafür ausgewählt. (Siehe auch auf diesem Post Stichworte "Paul Fechter", "Drittes Reich", "Neues Reich").

Da fällt gar nicht auf, aus welchem Zusammenhang diese Worte gerissen sind: Das Zitat über die dreimal glücklichen Hochgeborenen zum Beispiel hat Goethe seiner schwärmerischen, selbstunsicheren, suizidalen Romanfigur Werther in den Mund gelegt. - Siehe z.B.
http://books.google.de/books?id=fI8NLKyeY4cC&pg=PA156&lpg=PA156&dq=%22Dreimal+gl%C3%BCcklich+sind+diejenigen+zu+preisen%22&source=bl&ots=ebZrM3k1x8&sig=nmT3ZqksKaKW5tgLO4q00ctBatM&hl=de&sa=X&ei=4yX8UNyGNdOZhQeZ3ICoBg&ved=0CD8Q6AEwAw#v=onepage&q=%22Dreimal%20gl%C3%BCcklich%20sind%20diejenigen%20zu%20preisen%22&f=false
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26. 1. 2013

Eine "Studiengruppe Naturalismus", die auf diesem Blog das Klappentext-Zitat zum Werdegang von Sarrazin Senior und den Hinweis auf Paul Fechter gefunden hat (s.o.), hat sich in einem Beitrag vom 21.1.2013 ebenfalls die Frage gestellt, ob familiäre Prägungen und Netzwerke bei der Theoriebildung des Thilo Sarrazin eine Rolle gespielt haben könnten.

 



Sie gibt auf ihrer Webseite den Text eines Briefes des ehemaligen Gauleiters Wartheland, Arthur Geiser, wieder, in dem dieser eine Gutsbesitzers-Familie Sarrazin lobt („Es ist erwiesen, daß durch die Energie und den tatkräftigen Fleiß der Familie Sarrazin der an sich kaum lebensfähige Besitz Kruszewnia zu einem einigermaßen anständigen Gutsbetrieb herausgearbeitet worden ist.”).
Aus dem Brief ist weiter zu entnehmen, dass die Familie Sarrazin dennoch auf pers
önliche Veranlassung Hitlers das Gut der Familie Ludendorff ü
berlassen sollte und einen Ersatz in der Nachbarschaft angeboten bekam. (Kruszewnia, in der damaligen Provinz Posen, ist der Geburtsort des WK1 Generals Erich Ludendorff.) Auf der Webseite werden Anhaltspunkte dafür angeführt, dass es sich hier mit einiger Wahrscheinlichkeit um die Herkunftsfamilie Thilo Sarrazins und seines Vaters Hans-Christian Sarrazin handelt.
(Ergänzung 2.2.13: In dem Fall spricht einiges daf
ür, dass Gregor Sarrazin - s. Kommentar unten - der Großvater sein könnte und dessen Frau Frances geb. Stearne die von Thilo Sarrazin gelegentlich erwähnte "englische Großmutter".)

Studiengruppe Naturalismus: “Von Gutsnachbarn zu "Geistesnachbarn"?”
http://studiengruppe.blogspot.com
Zu Arthur Geiser, der später als Kriegsverbrecher in Polen hingerichtet wurde, siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Greiser
Hermann Sarrazin, Felix R. Sarrazin, Josef Sarrazin: Stammbaum der westfaelischen Familie Sarrazin ,1911 (nicht gelesen und nicht bestellt, nur als Hinweis für Interessierte)
http://books.google.com/books/about/Stammbaum_der_westfaelischen_Familie_Sar.html?id=7k3UPgAACAAJ&redir_esc=y
Ludendorff, Ludendorff-Bewegung, Tannenberg-Bund, “arteigenes Gotterkennen”:
Siehe z.B. “Ludendorff-Bewegung: die völkisch-rassistische Sekte”
http://www.youtube.com/watch?v=aYz uWY6ZTyc
und auf diesem Blog Stichworte “Ludendorff” und “Gotteserkenntnis (L)”
Warum sollte Familiengeschichte hier überhaupt von Interesse sein?

Weil Familiengeschichte auch Bez
üge zur Ideengeschichte haben kann – wenn z.B. eine Familientradition besteht, die Mitglieder der eigenen Familie aufgrund ihrer Abstammung für besonders „führungsbegabt“ zu halten und eine Hierarchie von „höherwertigen“ und „minderwertigen“ Abstammungslinien als selbstverstä
ndlich anzunehmen.
Siehe auch “Fü
hrungsbegabte Familien – besondere Gene oder besondere Zugänge?”
http://guttmensch.blogspot.com/2011/12/fuhrungsbegabte-familien-besondere-gene.html
Natürlich bedeutet Familientradition noch lange nicht, dass sich jedes Mitglied einer Familie entsprechend einer solchen Tradition verhält. Aber bei Thilo Sarrazin ist das – uneingestandene – Anknüpfen an ältere Denkmuster so deutlich, dass es sinnvoll ist, auch die Frage nach dem möglichen  Einfluss generationenübergreifender Denktraditionen und Netzwerke mit zu bedenken.
Hypothese:
Es gibt eine Tradition der Sehnsucht nach dem wahren “Dritten Reich”. Sarrazins Denkmuster entstammen der “konservativen Revolution” der Weimarer Zeit, deren Träger dem “Dritten Reich” den Weg bahnten.
Dass einige der frühen Verfechter des “Dritten Reichs” später in den Widerstand gingen oder zum Opfer des von ihnen mit aufgebauten Regimes wurden, andere – wie Paul Fechter – nach dem Krieg für sich in Anspruch nahmen, “inneren Widerstand” geleistet zu haben, ändert nicht, dass sie vorher laut und vernehmlich die Geister gerufen hatten, die sie dann nicht mehr aus eigener Kraft loswerden konnten. (Wie laut sie die Nazi-Herrschaft herbeigerufen haben, das wird erst im Zeitalter des Internet nachprüfbar für jeden, den es interessiert - zum Beispiel dadurch, dass alte Bücher und Dokumente durch Internet-Antiquariate leichter auffindbar sind als jemals zuvor, und Texte und Bilder daraus sofort ins Internet gestellt und mit Suchmaschinen gefunden werden können.)
Gerade die 50er Jahre, die Thilo Sarrazin nostalgisch beschw
ört, waren eine Zeit besonders dreister und selbstbetrügerischer, noch lange nachwirkender Verdrängung und Verleugnung dieser Zusammenhänge.
Auch das folgende Buch zu bestellen und zu lesen wird mir derzeit zuviel; vielleicht interessiert es aber andere, die der Frage nachgehen wollen, wo Thilo Sarrazins Ideal vom kargen Leben (für andere) herkommen könnte:
Vesper, Will und Paul Fechter:  Lob der Armut, Werk und Feier - Bücher von deutscher Art und Arbeit, Erstes Buch (Lob der Armut); Furche-Verlag, Berlin, 1921
- Erhältlich über Internet-Antiquariate

Kommentare:

  1. Facetten der Nostalgie: Trauma einer durchlittenen, furchtbaren Massen-Vertreibung mit Verlust der Heimat und zahlreichen Toten, aber auch Sehnsucht nach alter Gutsherren-Herrlichkeit ...

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    1. „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.”
      Ein schönes Goethe-Zitat; Sarrazin verwendet es in DSSA. - Aber ist auch ALLES, was wir von den Altvorderen ererbt haben, wert, neu erworben zu werden?

      Je mehr ich über Paul Fechter, einen Mentor von Thilo Sarrazins Vater Hans-Christian Sarrazin, und sein geistiges Umfeld herausfinde, desto mehr frage ich mich, wie wörtlich das o.g. Zitat in dieser Vater-Sohn-Beziehung wohl zu nehmen ist.

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  2. Nostalgie?

    Die Beschäftigung mit der modernen Humangenetik und IQ-Forschung erfolgt in der Regel nicht aus Nostalgie heraus, sondern aus Fortschrittsbewußtsein. Und so sehe ich auch den Beitrag von Thilo Sarrazin an.

    Aufgrund der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse ist die WEITERE Humanevolution immer stärker in die Verantwortung des modernen Menschen gestellt. Er muß sich darum über die modernen Erkenntnisse informieren.

    Mit Rückwärtsgewandtheit per se oder plumper "Sehnsucht nach früher" ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Wesehalb auch aus den Reihen der christlichen oder okkult dominierten "Konservativen Revolutoinäre" von heute zu diesen Diskussionen keinerlei ermunternde, zukunftsweisende Diskussionsbeiträge kommen. Dort herrscht weitgehend Naturwissenschafts-Ferne bis zum Erbrechen vor.

    Sarrazin ist demgegenüber ganz anders gestrickt. Schon in jungen Jahren ist er aus der Kirche ausgetreten. - Rückwärtsgewandt? Nostalgisch? Nein.

    Freilich gibt es eine breite Strömung der Geschichte des naturalistischen Denkens und der Hintergrundpolitik-Kritik in Deutschland, die mehr Beachtung verdiente. Denn - tatsächlich - ist mit dieser Strömung sehr viel Mißbrauch und Schindluder getrieben worden. Andererseits gibt es aber zum naturalistischen Denken und zur Hintergrundpolitik-Kritik heute einfach keinerlei Alternative mehr.

    Könnte man nicht auch von Sehnsucht nach immer gültigen Werten sprechen? Oder wären solche immer gültigen Werte ausgerechnet in jener Zeit nicht gelebt worden oder wäre ihnen nicht Ausdruck verliehen worden, an deren Anfangspunkt die Jahreszahl 1933 und an deren Endpunkt die Jahreszahl 1945 steht?

    Wer sich so ausgiebig mit Literatur beschäftigt wie Will Vesper oder Paul Fechter, der hat diese Sehnsucht nach immer gültigen Werten. Was immer er auch sonst noch tun mag.

    Eine differenziertere Betrachtung würde da sicherlich zu überraschenden Ergebnissen kommen. Mit diesen beiden Leuten habe ich mich selbst noch nicht näher beschäftigt. Sie standen aber beide, wenn ich mich nicht irre, im freundschaftlichen Verhältnis zu Agnes Miegel. Und von ihr bin ich jederzeit bereit, die Behauptung zu verteidigen, daß in ihrem Leben die Sehnsucht nach immer gültigen Werten eine viel größere Rolle gespielt hat, als die allzu zeitverhafteten Umstände, in denen auch DIESES Leben dieser Sehnsucht treu zu bleiben versuchte.

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    1. Wenn Sarrazin aus der Kirche ausgetreten ist, heißt das nicht, dass er nicht rückwärtsgewandt sein kann.
      Und die Sehnsucht nach immer gültigen Werten kann seltsame Wege gehen, auch in der Verbindung mit eugenischem Denken in der Tradition Francis Galtons. Galton und sein in Deutschland sehr aktiver Jünger Karl Pearson propagierten, dass die Eugenik an die Stelle der Religion treten sollte.

      Alfred Rosenberg, von Eugenikern (z.B. Stoddard) sehr beeinflusst, hielt nichts von den “alten Sakramenten”, aber …

      « Rosenberg glaubte, dass „das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten Sakramente ersetzt und überwunden hat“ …
      Rosenberg, Alfred: Mythus des 20. Jahrhunderts. Eine Wertung der seelisch-geistigen Ge-staltenkämpfe unsrer Zeit. München 1930/1935 »

      Aus:
      Alfred Rosenberg und die Nordische Gesellschaft Der „nordische Gedanke“ in Theorie und Praxis
      Birgitta Almgren / Jan Hecker-Stampehl / Ernst Piper
      NORDEUROPAforum 2/2008
      http://edoc.hu-berlin.de/nordeuropaforum/2008-2/almgren-birgitta-7/PDF/almgren.pdf

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  3. Paul Fechter lobt das Buch “Volk ohne Raum” und seine Bedeutung im “großen geistigen Kampf ... des Nationalsozialismus”

    Aus: “Buchbesprechung im politischen Kontext des Nationalsozialismus - Entwicklungslinien im Rezensionswesen in Deutschland vor und nach 1933” von Dietrich Müller, 2007;
    http://d-nb.info/993516386/34

    “1. Hans Grimm (1875–1959): „Volk ohne Raum“

    1926 erschien im Georg-Müller-Verlag (GMV) Grimms zweibändiger völkischer Entwickungsroman im Kolonialmilieu Volk ohne Raum, im Vorwort als politische Erzählung bezeichnet. Beginnend und endend mit Glocken- und Orgelklang rankt sich der Roman um das fiktive Schicksal des Cornelius Friebott. Er spielt in einer unbefriedeten, romantisch verklärten deutschen Enge und der afrikanischen Weite. Grimm schreibt: „Als Deutschland zu klein zu werden anfing, baute es die Fabriken hin, baute immerfort Fabriken [...]“…. Aus Mangel an Land habe sich das Bauernvolk zum Industrievolk entwickelt und die nationale soziale Frage aufgeworfen, die nur zu lösen sei durch Vergrößerung des eigenen Lebensraums. …
    Angereichert mit deutschtümelnden Elogen und Begriffen wie Volksgemeinschaft … sowie selbstbiographischen Zügen greift Grimm das koloniale Thema der Kaiserzeit wieder auf. Er nähert sich Hitlers Wahnidee von der Lebensraumgewinnung im Osten Europas als Ersatz für Kolonien, die Hitler in Mein Kampf gefordert hatte. …
    Die völkisch-nationale Tendenz dieses Romans wurde vom Verlag unterstützt: Hermann Claudius bezeichnete 1926 das Buch in Deutsches Volkstum … als einen Tendenzroman, in dem das Völkische besungen wird. Ein halbes Jahr später entgegnet A.E. Günther: Der Ro-man enthalte „keine politische Tendenz“, er sei eine Darstellung von einem „zur Freiheit geborenen Volk, das sich verzehrt in der Enge...“. Es sei ein „volksbildendes Buch für uns, die wir in unserer Zeit um unseren Raum kämpfen“. …
    Paul Fechter, Feuilletonchef der Deutschen Allgemeinen Zeitung, unterstrich in der ‚Neuen Literatur‘ unter dem Titel Ein deutsches Volksbuch die Bedeutung der billigen Volksausgabe für den „großen geistigen Kampf [...], den der Nationalsozialismus in unseren Tagen führt“. “

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    1. Arthur Moeller van den Bruck, Hans Grimm und Oswald Spengler: Gedankengut der "konservativen Revolution" in Teilen der Nachkriegs-SPD

      "[Bernard Willms und Paul Kleinewefers brachten 1988 das Buch "Erneuerung aus der Mitte. Prag - Wien - Berlin" heraus.]
      Derselbe Kleinewefers […] nahm 1932 - im Jahr seines NSDAP-Eintritts - als Industrieller einer niederrheinischen Maschinenfabrik an dem berühmten Treffen des Ruhr-Kapitals mit Adolf Hitler im Düsseldorfer "Industrieclub" teil, war Mitglied in Karl Haushofers "Arbeitsgemeinschaft für Geopolitik", wurde SS-Fördermitglied und führte schließlich einen ausgezeichneten "NS-Musterbetrieb", wie das damals hieß. Vor seinem Engagement für den Nationalsozialismus gehörte er der konservativ-revolutionären Fraktion des Faschismus an; als Mitglied des "Tat-Kreises" vertrat er die Positionen von Hans Zehrer, Giselher Wirsing und Ferdinand Fried, auf die sich heute Glotz bezieht. 1977 nannte Kleinewefers in seinem Buch "Jahrgang 1905" neben Zehrer, Wirsing und Fried auch die Konservativen Revolutionäre Arthur Moeller van den Bruck, Hans Grimm und Oswald Spengler als seine Bezugspunkte."

      Aus:
      Peter Kratz: "Rechte Genossen. Neokonservatismus in der SPD", Kapitel 3
      © 1999 Copyright by Peter Kratz.
      3. "Winning Culture" Peter Glotz als Pate des Neokonservatismus in der SPD
      http://www.bifff-berlin.de/SPD3.htm

      Vgl. auch Stichwort "Thyssen" (Post "Fuehrungsbegabte Familien", Kommentare)

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    2. Volker Weiß: MODERNE ANTIMODERNE
      Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus. Schöningh, 2012

      Klappentext:

      "Das Leben und Werk Moeller van den Brucks (1876-1925) sind in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. Dabei war der Kulturkritiker eine der Schlüsselfiguren im Radikalisierungsprozess des deutschen Nationalismus und Konservatismus.

      Moeller van den Bruck – ein Bohemien und Faschist. Als Kunsttheoretiker nahm er regen Anteil an der Avantgarde des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, als Autor des Buchs »Das dritte Reich« entwarf er die Programmatik der »Konser­vativen Revolution« und bereitete so den Weg für den Aufstieg der NSDAP. Wie kaum ein anderer steht er für eine »alternative Moderne von rechts«, die sich jen­seits einer liberal-fortschrittlichen Demokratisierung entwickelte. Dem Leben und Werk dieses Schriftstellers, der Oswald Spengler, Hans Grimm und Carl Schmitt beeinflusste, wird mit dieser Arbeit erstmals vollständig Rechnung getragen. Sie bietet eine umfassende Einbettung des Autors in den ästhetischen und politischen Diskurs seiner Zeit und zeichnet durch die Auswertung bislang unbekannter Archivquellen ein völlig neues Bild von der Rezeption Moeller van den Brucks während der Zeit des Nationalsozialismus."

      Gefunden auf:
      http://www.disskursiv.de/

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    3. Lippoldsberger Dichtertreffen

      Aus Wikipedia:
      „Hans Emil Wilhelm Grimm (* 22. März 1875 in Wiesbaden; † 27. September 1959 in Lippoldsberg an der Weser) war ein deutscher Schriftsteller und Publizist. Sein Buchtitel „Volk ohne Raum“ wurde das Motto der nationalsozialistischen Expansionspolitik. ...
      Die inoffiziellen „Lippoldsberger Dichtertreffen“ – jährliche Lesungen nationalkonservativer Autoren, die Grimm von 1934 an in seinem Haus veranstaltete – musste er 1939 auf Druck von Goebbels hin abbrechen, da sie in Konkurrenz zu den offiziellen nationalsozialistischen Dichtertagen standen. Später nutzte Goebbels allerdings selbst den Begriff „Dichtertreffen“ für seine Veranstaltungen.
      Die seit 1949 wieder von Hans Grimm veranstalteten Dichtertreffen wurden nach seinem Tod von seiner Tochter Holle Grimm bis 1981 fortgeführt. An den ersten Treffen nach 1949 nahmen 2.000 bis 3.000 Menschen teil, nach seinem Tod sank die Teilnehmerzahl rapide. Bei den letzten Dichtertagen 1981 waren es noch 200 Teilnehmer.
      Es trafen sich seit den 1930ern dort unter anderem: Paul Alverdes, Werner Beumelburg, Rudolf G. Binding, Bruno Brehm, Hans Carossa, Margarete Dierks, Edwin Erich Dwinger, Eberhard Wolfgang Möller, Joachim von der Goltz, Moritz Jahn, Börries von Münchhausen, Hans Ulrich Rudel, Ernst von Salomon, Rudolf Alexander Schröder, August Winnig. ...“

      Gut möglich, dass der Arzt-Dichter Hans-Christian Sarrazin, über seine Verbindung mit Paul Fechter, auch das eine oder andere Mal dabei war. Väterliche Begeisterung über solche Erlebnisse könnte in der Kindheits- und Jugendbiographie Thilo Sarrazins eine gewisse Rolle gespielt haben.

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    4. Lippoldsberg liegt bei Hofgeismar (in der Naehe von Kassel); vgl. Stichwort "Hofgeismarkreis" auf diesem Blog.

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    5. "Nordischer Geist" / Bündnis der "Nordmenschen"

      Hans Grimm, Englische Rede
      Gütersloh: C. Bertelsmann, 1938

      Buchnotiz Martin Wellmann, 2003
      http://www.polunbi.de/bibliothek/1938-grimm-rede.html


      Im Oktober 1938 wurde mit dem Druck der "Englischen Rede" begonnen. Der Text erreichte eine Gesamtauflage von 60.000 Exemplaren und wurde in geringem Maße auch in England veröffentlicht (1000 Ausgaben).
      "Die Englische Rede", mit dem Untertitel "Wie ich den Engländer sehe", umfasst 55 Seiten, wobei anzumerken ist, dass die zweite Hälfte des Textes die englische Übersetzung der ersten Hälfte darstellt.
      Der Text beginnt mit einem an Nachdruck kaum zu übertreffenden Lob Englands.[...] Man hat das Gefühl als bemühe er sich um das englische Wohlwollen, indem er wiederholt seine ehrfürchtige und andächtige Position England gegenüber betont. Der Grund hierfür scheint der Stolz zu sein, "daß der tiefgründige langsame Mensch aus dem Norden, daß da Blut von meinem Blute sich die Auserwähltheit gewonnen hat". Mit "Auserwähltheit" ist hier die
      Weltmachtstellung Englands gemeint. Grimm sieht in der Tatsache, dass sich in den britischen Hoheitsgebieten stets "Haß in Neigung" verkehrt hat eine Bestätigung der Vorrangstellung des "nordischen Geistes". Auf die im Text gestellte Frage wie diese Weltmacht entstanden ist antwortet Grimm mit extrem
      rassistischen Thesen. Zum einen betont er, dass der "nordische Geist" auf der britischen Insel von "Vermischung mit Fremdartigem verschont" geblieben ist, zum anderen lobt er den britischen Hang zur "Ritterlichkeit" und nicht zur "Pöbelhaftigkeit". [...].
      Der Autor nimmt im Folgenden als "politischer Dichter" eine ermahnende Haltung ein. Er warnt vor der bedenklichen Entwicklung der "Vermassung", und sieht in dieser eine Bedrohung für die "Hochwertigen Vöker". Das Problem der Menschheit lautet nach Grimm nicht: "Demokratismus oder Faschismus", nicht "Bolschewismus oder Nationalismus", nicht "Kapitalismus oder Marxismus" sondern "Vermassung oder Hochwertigkeit". Da das Vermeiden des soeben genannten Problems der
      "Vermassung" sowohl ein deutsches als auch ein englisches Anliegen darstellen muss, fordert Grimm "die gemeinsame Sache der Hochwertigen zu vertreten". Aus diesem Grund sollte gegen ein deutsches Expansionsbestreben nichts einzuwenden sein. Denn das "ganz unnatürliche Einpferchen von Elementarkräften, [...] diese künstliche Herbeiführung der Vermassung in einem ganz hochwertigen Volk hat bei uns nach dem Kriege zum wachsenden Zynismus, so scheint mir, am meisten
      beigetragen". Diese "Raumlosigkeit" verwährt den Deutschen ihr "Recht auf Leistung". [...]
      Als Anhang zur Rede findet sich auf den letzten fünf Seiten eine Reaktion auf so genannte Missverständnisse, welche durch die Übersetzung ins Englische entstanden sind. Grimm spricht außerdem von einem Bündnis der drei "Nordmenschen", nämlich England, Nordamerika und Deutschland, da es eine
      gemeinsame Aufgabe sei "aus der vorläufigen eine echte und dauernde internationale Weltordnung" zu schaffen.

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    6. Es gibt von Hans Grimm auch eine "amerikanische Rede". Gehalten am 6. Oktober 1935 in New York.
      Ersichtlich aus einem antiquarisch angebotenen "Konvolut mit 17 Titeln" von Hans Grimm.
      (Antiquariat Carl Wegner, Berlin, ueber Abebooks).

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  4. Vielen Dank an Ingo Bading fuer den Hinweis auf Verbindungen von Paul Fechter und Will Vesper zu Agnes Miegel.
    (Auf der Webseite der "Studiengruppe Naturalismus", http://studiengruppe.blogspot.com/2013/01/von-gutsnachbarn-zu-geistesnachbarn.html )
    Darauf werde ich bei Gelegenheit gern zurueckkommen.

    Auch interessant auf der Webseite der "Studiengruppe Naturalismus": der Hinweis auf die geistige Verbindung zwischen dem historischen "Monistenbund" Haeckels und der heutigen Giordano Bruno Stiftung. (S. auch Stichworte “Haeckel” und “Giordano Bruno Stiftung” auf diesem Blog.)

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  5. Joseph Goebbels sagte zu Hans Grimm, dem Autor von "Volk ohne Raum", im persönlichen Gespräch, weil dieser sich nicht in die Parteiwünsche einordnete und nie das machte, was man von ihm erwartete: "Wenn Sie sich nicht anders stellen, werde ich Sie zerbrechen!" Er hat ihm mit der Einweisung ins KZ gedroht. (Kann ich Ihnen noch genauer raussuchen, wenn erwünscht.)

    Hans Grimm hatte noch lange nach 1945 berühmte Verehrer: Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, die Eltern von Felix Ensslin.

    Es sollte insgesamt beachtet werden, daß heute besser als je bekannt ist, daß die tiefste Wurzel der Mordmoral der Nazis nicht im eugenischen oder darwinischen Gedanken begründet liegt, sondern in der Mordmoral völkischer, aus der Freimaurerei hervorgegangener satanistischer Okkultlogen. Schon die Morde an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Walter Rathenau, Matthias Erzberger waren - wie sich auf Wikipedia allzu deutlich andeutet - Logenmorde:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_M%C3%BCller_von_Hausen

    Auch in diese Mordmoral war schon war der deutsche Geheimdienst in sie verstrickt, etwa Wilhelm Canaris.

    Es ist bezeichnend, daß diese Themen kaum thematisiert werden bis heute und auch nicht auf den Nürnberger Prozessen thematisiert wurden, und daß der dritte Mann hinter Himmler und Heydrich, Werner Best, der Bluthund von Boxheim, dessen Mordmoral schon 1931 von der hessischen SPD öffentlich bekannt gemacht worden war, und der die Einsatzkommandos organisierte - und wer weiß, was noch alles - bis zu seinem Lebensende 1989 in Deutschland nie verurteilt wurde, sondern von Spiegel-Historikern freundlichst befragt wurde und auf die Geschichtsschreibung über die SS deutlich genug Einfluß nehmen konnte - bis heute!!! Der FDP-Justizminister und Freimaurer Thomas Dehler hatte bei dieser Nichtverfolgung seine Hand im Spiel.

    Zu diesen Dingen, nämlich wie mordende und kriegsherbeiführende Geheimdienste vor 1933, 1933 bis 1945 und nach 1945 arbeiten, könnte noch viel gesagt werden und habe ich auf meinem Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" viel gesagt.

    Wenn all das mehr in die Bewertung der geschichtlichen Vorgänge einbezogen wird, bekommt man sicherlich einen anderen Blick auf heute erörterte Fragen der Eugenik und ähnlicher Probleme, die sich aus der wissenschaftlichen Forschung der Menschheit aufdrängen, und die vor 1933 ERNSTHAFT vor allem unter den viel naturwissenschaftsnäher denkenden Sozialdemokraten erörtert worden sind, als ausgerechnet unter den okkulten und christlichen Rechtskonservativen und Völkischen, die zudem durch die Mordmoral der freimaurerischen Okkultlogen unterwandert worden waren.

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    1. Es gab unter NS Prominenten auch viel Konkurrenz, z.T. mit Drohungen und Einsatz von Machtmitteln ausgefochten. Von Widerstand sollte dies aber unterschieden werden.

      S. auch mein Kommentar unten (30. Januar 16:32)

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  6. Das angefuehrte Goebbels-Zitat gegenueber Hans Grimm ist in der Tat interessant. Beruecksichtigen sollte man aber, dass es nach dem Krieg bei Helden des “inneren Widerstands” ein verbreitetes Phaenomen war, Erinnerungen aeusserst selektiv darzustellen und mit entsprechenden Anekdoten zu garnieren. Auch nimmt die Tatsache, dass etliche Aufbauhelfer der NS Herrschaft spaeter selbst unter Druck kamen oder gar zum Opfer wurden, nichts davon weg, dass sie Aufbauhelfer waren.

    Der wesentliche Unterschied zwischen Hitler und anderen Propheten der Eugenik, angefangen bei Francis Galton, bestand darin, dass Hitler und Konsorten die praktische Umsetzung eugenischer Gedankenspiele rigoros – aber innerhalb der eugenischen Gedankenwelt konsequent - bis zum bitteren Ende trieben. (Siehe dazu auch Zitat von Sir Arthur Keith aus “Evolution and Ethics” auf diesem Blog: “The leader of Germany is an evolutionist not only in theory, but, as millions know to their cost, in the rigor of its practice … No German must be guilty of the "greatest racial sin" that of bringing the fruits of hybridity into the world … Hitler is also a eugenist. Germans who suffer from hereditable imperfections of mind or of body must be rendered infertile, so that "the strong may not be plagued by the weak." Sir Francis Galton, the founder of eugenics, taught a somewhat similar evolutionary doctrine ...".)

    Es gibt Anhaltspunkte dafuer, dass Karl Pearson, einer der eifrigsten Mitarbeiter und Juenger Galtons, Eugen Fischer und das Gros der deutschen Eugeniker in ihrer Unterstuetzung fuer die aufkommende Nazi-Herrschaft bestaerkte - auf dass Galtons “Kantsaywhere” Utopie endlich an einem realen Ort konsequent erprobt werde. In dem verunsicherten “Nach-Versailles” Deutschland bot sich eine Spielwiese fuer das eugenische Experiment. (Siehe Stichworte “Pearson” und “Kantsaywhere” auf diesem Blog.)

    Sicher war Okkultismus ein bedeutender Faktor auf dem Weg zum “Dritten Reich”, aber der Okkultismus der Zeit war eben auch stark versetzt mit pseudo-wissenschaftlichem Gedankengut aus der Eugenik (siehe z.B. Stichworte “Bayreuther Kreis”, “Chamberlain” und “Liebenfels” auf diesem Blog). Okkultist Lanz von Liebenfels: "Die 'Ostara' ist die einzige und erste Zeitschrift für asische Artung und Herrenrecht, die die Ergebnisse der Rassenkunde tatsächlich in Anwendung bringen will, um die sozialistischen und feministischen Umstürzler wissenschaftlich zu bekämpfen und die asische Edelrasse durch Reinzucht vor dem Untergang zu bewahren."

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    1. Merkzettel

      "Für einen großen Teil dieser Kinder ist der Misserfolg mit ihrer Geburt bereits besiegelt: Sie erben (I) gemäß den Mendelschen Gesetzen die intellektuelle Ausstattung ihrer Eltern und werden (2) durch deren Bildungsferne und generelle Grunddisposition benachteiligt [...]."
      Thilo Sarrazin, DSSA

      Aus abstrusen, ideologisierten Auslegungen der "Mendel'schen Gesetze" (nicht ohne Grund sogar schon von Carl Correns umbenannt in "Regeln" statt "Gesetze") entstand die Bezeichnung von "menschlichen Mischrassen" als "Hybride", analog zu den von Mendel gekreuzten Bohnensorten. Auf den Gebiet der "Forschung" an menschlichen "Hybriden" taten sich in Deutschland Rassenideologen um Eugen Fischer besonders hervor (s. "Eugen Fischer" auf diesem Blog).
      Mendel wurde von Fischer und anderen instrumentalisiert, um die angeblichen Gefahren der menschlichen "Hybridisierung" zu beschwoeren.

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    2. Zu "Hybridisierung" s. auch Kommentar oben, Zitat Arthur Keith, "the fruits of hybridity"

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  7. Agnes Miegel:
    Freude über Wiedergefundenes aus dem letzten HJ-Jungens-Jahrbuch

    Aus dem Angebot eines Internet-Antiquariats

    Eigenh. Brief mit U.
    Miegel, Agnes, Schriftstellerin (1879-1964).
    Bookseller: Autographen & Bücher Eberhard Koestler
    (Tutzing, BY, Germany)
    Price: US$ 277.88

    Book Description: Bad Nenndorf, 20. IV. 1951, Gr.-8°. 4 Seiten. An den Stuttgarter Buchhändler und Verleger Friedrich Weitbrecht mit Dank für die Übersendung einer ihrer Schriften: "[.] einst in einem frostklaren Vorfrühling im Glatzer Land, in Altheide, nach einem seltsamen Traum geschrieben! [.] Ich habe natürlich mit all meiner Habe auch all meine Bücher verloren, auch die eigenen und etliche Manuskripte. Langsam aber kamen durch Zeitungsausschnitte sogar kleine Arbeiten wieder und von Freunden, Lagergenossen und Fremden und meinen alten Verlegern sogar meine Bücher. So daß ich von diesen fast alle in Einzelexemplaren habe, auch eine kleine Muschelbank 'Bibliothek', die in unserm einen Zimmer nur etwas schwierig unterzubringen ist (aber mich doch mit Besitzerstolz erfüllt.) Aber wenn so ein 'Nachtgespräch' auf Heinrich den Löwen, (das schon vorher sozusagen unterging im letzten HJ-Jungens-Jahrbuch')eignes Kind wieder zurückfindet, dann bedeutet das doch eine besondere Freude! Vielleich kommen noch mal Manuskripte, Abdrucke u. Familienpapiere aus einem (meinem einzigen) wohl gestohlenen Koffer wie verflogene Tauben zurück. Eine Art Aberglauben hängt bei mir an dem, damit auch verlornen Gedicht - Aber diese kleine Schrift wieder zu erhalten, war so erfreulich, daß ich darüber gleich schwatzhaft werde. Ich freue mich, von Ihnen so Gutes zu hören, daß Sie Mitinhaber an dem berühmten alten Verlag sind! [.]" - Agnes Miegel leitete 1920-26 das Feuilleton der "Ostpreußischen Zeitung" in Königsberg, wo sie sich anschließend als freie Schriftstellerin niederließ. Nach ihrer Flucht 1945 lebte sie seit 1948 in Bad Nenndorf. Bookseller Inventory # 18186

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  8. “Marianne Kopp, die Vorsitzende der 700 Mitglieder umfassenden (Agnes-Miegel-)Gesellschaft, bestreitet keineswegs, daß die geborene Königsbergerin Agnes Miegel (1879–1964), die „Mutter Ostpreußen“, wie sie
    nach 1945 von ihren heimatvertriebenen Landsleuten genannt wurde, dem Dritten Reich gegenüber freundlich gesonnen war und von den Nationalsozialisten gefördert wurde.”
    Schrieb sogar die “Preußische Allgemeine” (2008), und das will schon etwas heißen.
    http://archiv.preussische-allgemeine.de/2008/paz1108.pdf

    Allerdings lässt die Formulierung beschönigend weg, dass Miegel vom Nazi-Regime nicht nur gefördert wurde, sondern, u.a. durch ihre maßgebliche Mitarbeit an Hitlerjugend- und BDM-Zeitschriften, dieses auch gefördert hat. Mit ihren Beiträgen stützte sie regelmäßig, planmäßig und bis zuletzt die emotional aufgeladene Bindung der Jugend an das Nazi-Regime.

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  9. Kleiner Merkzettel zu Gregor Sarrazin
    aus der Rittergutsfamilie Sarrazin in Posen,
    Anglizist, 1857-1905

    Möglicherweise von Interesse im Zusammenhang mit dem Thema “Generationenübergreifende Denktraditionen”.
    (Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, der Gregor Sarrazin sehr verbunden war, hat im späten 19./ frühen 20. Jahrhundert, dem Zeitgeist entsprechend, mit einiger Wahrscheinlichkeit auch dazu beigetragen, den Austausch zwischen britischen und deutschen Eugenik-Begeisterten und die Idee der “nordischen Bewegung” zu fördern.)

    “Gegen ende des vorigen Jahres hat die englische philologie einen schweren verlost erlitten: am 3. November 1915 starb an den folgen von arterien Verkalkung nach kurzer krankheit Gregor Sarrazin, ordentlicher professor an der Universität Breslau. …
    Sarrazin ist geboren am 13. Mai 1857 zu Graz in der provinz Posen als sohn des rittergutspächters Hermann S. …
    Seit 1895 war S. vermählt mit Frances Stearne, der tochter des kaufmanns Stearne aus London. Ihr name schmückt sein größtes werk 'Aus Shakespeares Meisterwerkstatt', aus ihrer nähe vor allem schöpfte er kraft zur arbeit.”

    Aus: Beiblatt zu ANGLIA
    ZEITSCHRIFT FÜR ENGLISCHE PHILOLOGIE
    HERAUSGEGEBEN VON MAX FRIEDRICH MANN
    SIEBENUNDZWANZIGSTER JAHRGANG
    HALLE a.S.
    MAX NIEMEYER
    1916

    http://www.archive.org/stream/angliazeitschrif27halluoft/angliazeitschrif27halluoft_djvu.txt

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    1. Tippfehler bei den Lebensdaten in der Kopfzeile: Sterbejahr von Gregor Sarrazin ist 1915.
      Im Text (Zitat aus "Anglia") steht's richtig.

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  10. Paul Fechter, Förderer des Arztes und Freizeit-Dichters Hans Christian Sarrazin, schwärmte von „Fachsoldaten des Dritten Reichs“ (s. Stichwort „Fechter“ auf diesem Post).

    Der Ärztefunktionär Hans Deuschl gebrauchte einen ähnlichen Slogan: Er sah sich als „politischer Soldat des Führers“. Deuschl trat 1931 mit seiner ersten öffentlichen politischen Stellungnahme „Deutsche Ärzte, wacht auf!“ in Erscheinung und durchlief eine beachtliche Karriere innerhalb der NS-Ärzteschaft, die schließlich mit der Übernahme der Leitung der „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ in Alt-Rehse/ Mecklenburg in den Jahren 1935 bis 1940 ihren Höhepunkt erreichte. Besuchte auch Hans Christian Sarrazin die „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“? Es könnte immerhin mit erklären, warum er seinem Sohn Thilo Sarrazin eine offenbar sehr spezielle Auswahl von Goethe-Zitaten vermittelte, die in einer „rassenhygienischen“ Schulung gut ihren Platz finden könnte (s. Stichwort „Goethe“ auf diesem Post). Die Unterlagen der Schule wie Kurspläne und Teilnehmerlisten gelten allerdings als verschollen.

    Informationen über Hans Deuschl und die „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ siehe z.B. die entsprechenden Einträge bei Wikipedia

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  11. Merkzettel:

    Dr. med. Gustav Schulte, wie sein Arzt-Kollege Hans-Christian Sarrazin einer der Altpräsidenten des Rotary Club Recklinghausen, langjähriger ärztlicher Leiter des Knappschaftskrankenhauses Recklinghausen, veröffentlichte (mindestens) zwei Ausgaben eines Lehrbuchs der Röntgenologie. Die erste erschien vor, die zweite nach Kriegsende; gesehen auf Abebooks und Amazon. – Bei Gelegenheit besorgen und nachsehen, ob Sterilisation mit Röntgenstrahlen (wie sie in der Zeit des “Dritten Reichs” im Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen vorgenommen wurde) in der Ausgabe von 1942 als eine Anwendung der Radiologie beschrieben wird. Eine ideologische Achse Gustav Schulte / Hans-Christian Sarrazin / Thilo Sarrazin in der Tradition einer eugenischen Weltsicht wäre denkbar.

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  12. '' ... When someone messes with something like tradition, you decide something's worth fighting for instead of letting it go.''

    http://www.msn.com/en-us/sports/more-sports/illinois-school-athletes-remain-midgets-despite-objections/ar-AAd7IRm?ocid=iehp

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