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Donnerstag, 6. September 2012

Anders finanzieren. - Einblicke in Thilo Sarrazins Strategien als Finanzsenator in Berlin


Der von Thilo Sarrazin als Finanzsenator in Berlin eingerichtete “Stellenpool” wird bis Ende des Jahres 2012 aufgeloest. Was hatte es mit diesem “Stellenpool” auf sich?

Leserin Gabriele auf FAZ Community (24. 07. 2012)
http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2012/07/24/der-finanzjunkie-berlin.aspx
“… Der Herr Sarrazin, der war doch mal Finanzsenator in Berlin. Bekannt ist, dass er sparte. Nicht so bekannt ist WIE er sparte.  … ANDERS FINANZIEREN hieß es bei ihm.”

Aus einem kritischen Bericht von 2008
(es gab auch lobende zu den berechneten Einsparungen)


Absurder Stellenpool
Berlins Verschiebebahnhof für Beamte
Von Michael Sontheimer, 26.03.2008
http://www.spiegel.de/wirtschaft/absurder-stellenpool-berlins-verschiebebahnhof-fuer-beamte-a-543272.html

"Finanzsenator Sarrazin: Fühlt sich als Vater eines Erfolgsmodells - und betont den pädagogischen Nutzen des Stellenpools (Bildunterschrift)
Eigentlich soll der Berliner "Stellenpool" Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes neue Jobs vermitteln, wenn die alten wegfallen. Tatsächlich ist die Behörde vor allem Verschiebebahnhof. Viele, die dort landen, arbeiten weiter auf ihrer alten Stelle - die aber dann anders finanziert wird.
… Wenn der Berliner Finanzsenator … auf den "Stellenpool" zu sprechen kommt, gerät er regelrecht ins Schwärmen. "Bundesweit einmalig" sei diese Behörde, die Angestellte im Öffentlichen Dienst und Beamte in neue Jobs vermitteln soll, wenn die alten gestrichen wurden. Einmalig vielleicht - aber erfolglos, halten Kritiker dagegen. Klaus Stahns, der Personalratsvorsitzende des Pools … ist selbst Rationalisierungsopfer. 18 Jahre arbeitete er beim Bausenat - dann wurde das von ihm betreute Programm zur Sanierung von Wohnhäusern in Selbsthilfe gestrichen. Und Stahns Stelle gleich mit. Sein Türschild wurde abgeschraubt, sein Name aus dem Telefonverzeichnis getilgt; und vor allem wurde ihm sein Geschäftszeichen entzogen - das Vernichtungsurteil in einer Behörde. Schließlich verschwand auch noch sein Computer. Und Stahns wurde in die 130-köpfige Verwaltung des frisch gegründeten "Zentralen Personalüberhangsmanagement" versetzt, wie der Pool offiziell heißt. Das war 2004. Jetzt sitzt der 62-Jährige immer noch in dem tristen Betonkomplex am Ostrand der Hauptstadt, der bis 1990 die Berliner Bezirksverwaltung der Stasi beherbergte, und stellt bitter fest: "Der Pool ist kein Umsteigebahnhof, sondern ein Abstellgleis."

Über ein "Stigma" klagt auch Benita Hanke vom Hauptpersonalrat der Berliner Landesbeschäftigten. "Die Leute im Stellenpool sind Beschäftigte zweiter Klasse." … Die meisten machen Jobs, die es offiziell nicht mehr gibt. … im Pool (fanden sich) bald drei Mal so viele Schwerbehinderte wieder, als durchschnittlich im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Frauen machen heute noch 73 Prozent der insgesamt 5000 Pool-Insassen aus. Auch Mitarbeiter, die Erziehungsurlaub nehmen, landen bei der Rückkehr gerne Mal im Pool; oder Beschäftigte, die in Altersteilzeit gehen. Die größte Altersgruppe unter den "Personalüberhangkräften", wie die Pool-Mitarbeiter bürokratisch korrekt heißen, ist die der über 59-Jährigen.
Eine "Geisterbehörde" nennt Personalrätin Hanke den Pool außerdem - man könnte auch von Etikettenschwindel sprechen. Denn viele Mitarbeiter arbeiten immer noch auf ihren alten Jobs. So schickte der Finanzsenat 61 Beschäftigte des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen in den Pool. Dort wurden sie bis auf zwei umgehend wieder im Rahmen eines "Übergangseinsatzes" auf ihre alten Stellen "rückabgeordnet". Sie erledigten die gleiche Arbeit wie bisher, mit einem entscheidenden Unterschied: Der Finanzsenat hatte seine Einsparauflagen erfüllt; die Personalkosten trägt seitdem der Pool.

Dieses Beispiel machte schnell Schule. Bezirke entließen Gärtner und Musiklehrer, um sie sich gleich wieder zurückzuholen. Die Mehrheit der Mitarbeiter des Pools macht heute Jobs, die es offiziell nicht mehr gibt. "Scheinsparen" nennt das der Personalratsvorsitzende Stahns.
Sarrazin sieht sich trotzdem als Vater eines Erfolgsmodells - was ja schon die Tatsache zu beweisen scheint, dass eine ähnliche Behörde jetzt auch in Nordrhein-Westfalen geschaffen wird. Für den Finanzsenator hat der Pool auch eine wichtige pädagogische Funktion in der Auseinandersetzungen mit Anspruchsstellern aller Art. "Wenn in Reinickendorf ein Kind geschlagen wird und alle schreien: Wir brauchen hundert Sozialarbeiter", erzählt er stolz, dann müsse er nur ein Wort sagen: "Stellenpool". …"

 

13.09.2010 ·  Als Thilo Sarrazin Berliner Finanzsenator war, sanken die Gehälter von Erzieherinnen und Lehrern, die Vorklassen wurden abgeschafft. Das schadete gerade Einwandererkindern. Fast scheint es, als habe er seine Prophezeiungen selbst eingeleitet.
Von Heike Schmoll, Berlin

Während seiner Amtszeit wurden Gehalt und Arbeitszeit der Erzieherinnen gekürzt. Da sich die Öffnungszeiten der Kitas nicht änderten, verdienten sie bei gleicher Arbeitszeit weniger. Sie wurden zugleich dazu verpflichtet, über jedes Kind ein Tagebuch zu führen, in dem die Lernfortschritte dokumentiert werden. Dass jede Reform in der Berliner Bildung für die Beteiligten mit höheren Belastungen und weniger Verdienst einherging, bekamen auch die Lehrer zu spüren. …
Wirklich einschneidend hat sich die Abschaffung der Vorklassen im Jahre 2003 ausgewirkt. Damals besuchten etwa 10.000 Kinder die Vorklassen, 14.000 andere der gleichen Altersstufe Kitas. Im Westteil Berlins waren Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen in Vorklassen eingesetzt, im Osten der Stadt ehemalige Unterstufenlehrerinnen. Die Vorklassen versuchten, Defizite bei den Kindern zu beheben, bevor sie in die Schule kamen. Die Vorklassenleiter haben Eltern beraten, Müttern einen Sprachkurs an der Schule vermittelt und den Kindern eine logopädische Behandlung oder Integrationsstunden vermittelt. Vor allem in der Sprachförderung haben sie Migrantenkinder weitergebracht. Für viele Familien war die kostenlose Vorklasse ein Ausweg, weil die Kindergartengebühren seinerzeit gerade erhöht worden waren. Weil Kinder auch früher nicht unbedingt mit sechs Jahren schulreif waren, wurden schon 1906 die ersten Vorklassen eingerichtet. …
Dass die flexible Einschulungsphase, die Kindern ermöglicht, die ersten beiden Klassenstufen in jahrgangsübergreifendem Unterricht in ein bis drei Jahren zu durchlaufen, kein Ersatz für die Vorklassen ist, war Eltern und Lehrern schon bei ihrer Einführung klar. Viele Lehrer haben damals dafür plädiert, die Vorklassen in die flexible Eingangsphase zu integrieren. Dazu jedoch ist es nicht gekommen. Stattdessen hat die vorgezogene Einschulung allem Anschein nach einen hohen Tribut gefordert. Allein im Schuljahr 2008/2009 mussten in Berlin 4300 Kinder die zweite Klasse wiederholen, das ist fast jeder sechste Schüler eines Jahrgangs.
Die Grundschullehrer hat das nicht überrascht, gerade in sozialen Brennpunkten muss nun in der Schuleingangsphase geleistet werden, was früher Sache der Vorschulklasse war. Immer mehr Kinder bleiben in Berlin drei Jahre in der Schuleingangsphase, die eigentlich nur zwei Jahre dauern soll. Dadurch entsteht nach Beobachtung der Lehrer ein Teufelskreis: Den jeweils neu dazu kommenden Schulanfängern können die Lehrer nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, wie eigentlich nötig wäre, weil so viele Kinder ein drittes Jahr brauchen. Die altersübergreifende Mischung stimme dann nicht mehr, sagen betroffene Lehrer. So hat Sarrazin auch selbst dafür gesorgt, dass seine Prophezeiung eintritt, dass der bildungspolitische Kampf kaum zu gewinnen sei „in einer Struktur, wo die Zahl der Bedürftigen von Jahr zu Jahr steigt“.




 
Aus einem Kommentar von Ed Koch über die Bedeutung der Prävention und das Sparen an der Kinder- und Jugendförderung in Berlin, Paper Press 25.09.2005:

"Eine noch so gute Jugendarbeit kann ein intaktes Elternhaus nicht ersetzen, aber eine Menge auffangen und vielleicht in die richtige Richtung lenken. Doch wie sieht es aus im Sektor Allgemeine Kinder- und Jugendförderung? Schulstationen werden geschlossen … Kinder- und Jugendclubs wird finanziell die Luft abgedreht, dass selbst die Anschaffung einer neuen Tischtenniskelle schon große Sorgen bereitet; und die Personalbestände werden reduziert bis auf einen Grad, der die Sozialarbeiter gerade noch in die Lage versetzt, ihre Einrichtungen in einer Art Hausmeistertätigkeit zu öffnen."
 
  • Was bleibt als Rechtfertigung, wenn in öffentliche Leistungen an sozialen Brennpunkten möglichst wenig investiert werden soll? Richtig: Die Gene sind schuld.

 Einige Zahlen
 
"Glaubt man Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), so können die Personalausgaben in den zwölf Bezirken weiter ordentlich reduziert werden. Einsparungen von rund 163 Millionen Euro seien in den nächsten Jahren dort möglich, haben die Mitarbeiter des Finanzsenators jetzt errechnet. Das würde bedeuten: 4 390 Stellen, die derzeit noch beispielsweise für die Kinder- und Jugendförderung, in Musik- und Volkshochschulen zur Verfügung stehen, sollen wegfallen."

Zum Vergleich der Dimensionen:

"Im vergangenen Jahr machten insgesamt 193 Bürger reinen Tisch mit den Steuerbehörden, indem sie sich selbst anzeigten. Berlin erhielt so nachträglich 135 Millionen Steuereinnahmen mehr. Nach den ersten Ankäufen von Steuer-CDs 2010 hatten sich sogar 854 säumige Steuerzahler schuldig bekannt, was Berlin immerhin 55 Millionen Euro bescherte."Berlin.de / dpa, Aktualisierung 10.08.2012
http://www.berlin.de/aktuelles/berlin/2653518-958092-steuersuender-zeigen-sich-an-berlin-beko.html

"Im Januar 2002 wurde er Berlins Finanzsenators und spielte eine unrühmliche Rolle, als er ganz im Gegensatz zur Legendenbildung als Sparmeister, mit an vorderster Front dafür Sorge trug die Berliner Steuerzahler bis zum Jahr 2032 zu beglücken, mit einer Risikoabschirmung in Höhe von 21,6 Mrd. Euro für die von politischen Seilschaften und betrügerischen Immobiliengeschäften gebeutelten BankGesellschaftBerlin! Am 09.04.2002 wurde im Berliner Abgeordnetenhaus mit den Stimmen von SPD, PDS und CDU das Gesetz zur “Ermächtigung des Senats zur Übernahme einer Landesgarantie für Risiken aus dem Immobilien- Geschäft der Bankgesellschaft“ beschlossen. Wenige Tage zuvor am 4.02.2002 wurde Sarrazin auch Aufsichtsrat bei der BankGesellschaftBerlin…"
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/08/divide-et-impera.html
zitiert auf
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4005/morbus-sarrazin



 ___________


Nicht nur MINT-Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Sondern zum Beispiel auch Erzieher. Wer wie Thilo Sarrazin davon ausgeht, dass die Gene dafuer ausschlaggebend sind, ob fuer bestimmte Aufgaben genuegend Qualifizierte zur Verfuegung stehen, uebersieht, welche Rolle die richtigen Anreize spielen. Dazu gehoeren nicht nur, aber eben auch, die Verdienstmoeglichkeiten.

Männliche Erzieher dringend gesucht
Allein unter Frauen
Von Lisa Erdmann, 26.03.2012
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/maennliche-erzieher-dringend-gesucht-a-822877.html

"Auch Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lobt die Initiative (Modellprojekt "Mehr Männer in Kitas"). "Wir brauchen etwas, um Frauenberufe für Männer interessanter zu machen." Mehr als einen kleinen Baustein zur Veränderung sieht er dennoch nicht darin. "Die Bereiche Betreuung und Erziehung werden in unserer Gesellschaft nicht besonders hoch geschätzt", moniert er. Und das hält er auch für den Grund für das geringe Gehalt: Erzieher verdienen als Berufseinsteiger um die 2000 Euro brutto und erreichen in der Endstufe rund 2900 Euro für eine volle Stelle - die jedoch gibt es in Kitas kaum."

 

Kommentare:

  1. Kosten der Hybris

    "Als Bundesbanker war die Arbeit dienstags getan". - Wie kommt eigentlich ein Bundesbanker dazu, ein Buch zu schreiben?
    Thilo Sarrazin erklärt seinen Bestseller damit, dass er schlicht zu viel Zeit hatte.
    Von Christina Brüning
    DIE WELT 16. Feb. 2013
    http://www.welt.de/wirtschaft/article12512068/Als-Bundesbanker-war-die-Arbeit-dienstags-getan.html

    “Viel lieber wollte Sarrazin davon erzählen, wie er eigentlich zu "Deutschland schafft sich ab" gekommen war. Und so hörten die 120 Gäste des Berliner FDP-Abgeordneten Sebastian Czaja am Donnerstagabend amüsiert, welch elementare Rolle Sarrazins Arbeit als Bundesbankvorstand bei der Entstehung des erfolgreichsten und umstrittensten Sachbuchs der Nachkriegszeit gespielt hat. …
    (Der) … seit heute 66-Jährige erzählt …, wie er von einem Einkauf bei Plus mit seiner Frau im Usedom-Urlaub zu seinem Hartz-IV-Menü inspiriert wurde, mit dem er 2008 für Medienaufruhr sorgte. Danach seien die Verlage auf ihn zugekommen, er solle doch mal ein Buch schreiben. Doch als Berliner Finanzsenator, da habe man keine Zeit und dürfe nicht schreiben, was man wirklich denke, erzählt das SPD-Mitglied Sarrazin. Kurzum: Das Projekt habe so vor sich hingedümpelt. Außer ein paar Aktenordnern mit unsortierten Presseausschnitten, die seine Sekretärinnen für ihn sammelten, habe es nur die Idee in seinem Kopf gegeben. … Doch zum Schreiben kam er einfach nicht.
    "Als Bundesbanker war die Arbeit der Woche nach eineinhalb Tagen dienstagmittags getan", erzählt Sarrazin … "Am Montag gibt man Anweisungen und bereitet sich ein bisschen vor, am Dienstagvormittag diskutiert man intelligent in der Vorstandssitzung mit und am Dienstagnachmittag fragt man sich, was man den Rest der Woche tun soll." Also habe das Buch plötzlich große Fortschritte gemacht.
    Als Titel für sein Werk wollte Sarrazin dem Verlag "Wir essen unser Saatgut auf" vorschlagen, erzählt er. Doch der Vorschlag sei "zu landwirtschaftlich" gewesen. "Zu wenig massentauglich, die Leute nehmen Getreide nur in Form von Brot zur Kenntnis." Auch "Deutschlanddämmerung" habe der Verlag abgelehnt, und "Deutschland im Abendlicht" entfiel, weil es nach Lyrikband klinge und Lyrikbände keine hohen Auflagen erzielten. Den Titel "Deutschland schafft sich ab" in Kombination mit dem knallroten Einband habe er zunächst zu reißerisch gefunden. "Mittlerweile habe ich mich damit ausgesöhnt, weil er das Buch gut zusammenfasst." Vielleicht fügt er ab der bald fälligen 20. Auflage ja noch eine Danksagung an die Bundesbank ein.”

    Die Kosten dieser Hybris (des Glaubens, ein Genie und ein Segen für die Menschheit zu sein, und nach Herrenmoral-Manier keine Rechenschaft über seine Amtsführung ablegen zu müssen) belaufen sich nicht nur auf die Verschwendung von Steuergeldern, die seltsamerweise weder den Bundesrechnungshof noch den Bund der Steuerzahlen zu interessieren scheinen: Das zuviel gezahlte Gehalt (100 % Gehalt für 40 % Arbeitszeit); die Kosten der Arbeitszeit von Sekretärinnen, die für seine Hobby-Beschäftigung – aus der dann das Buchprojekt wurde - Presseausschnitte sammeln mussten; die beim Ausscheiden aus der Bundesbank zugestandenen, nicht erworbenen zusätzlichen Pensionsansprüche.
    Noch viel teurer ist die Vernachlässigung der Aufgaben, für die Sarrazin seinen hochdotierten Posten bei der Bundesbank bekommen hatte; nämlich daran mitzuwirken, dass das Bankenwesen in erster Linie dem Interesse der Öffentlichkeit und nicht dem Interesse eines kleinen Kreises von Absahnern dient.

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    1. Tippfehler: "Bund der Steuerzahler" muss es natürlich heißen.

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    2. Der Artikel in der WELT erschien am 11.02.11; beim Kopieren der Datumszeile aus der WELT hat sich stattdessen das Datum von heute eingeschlichen.

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    3. "Wir essen unser Saatgut auf"
      Erstmal ein etwas mysterioes klingender Titelvorschlag fuer ein Buch, bei dem es um Theorien eines Hobby-Genetikers geht.
      Wissen sollte man dazu: Saatgut heisst auf englisch “seed stock”, and Galton beschrieb die Eugenik als “the art of improving the stock”, also die Kunst, das (menschliche) Saatgut zu verbessern.

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  2. Urteile: Im Pool wird diskriminiert

    FAZ.NETFAZFINANCE.NETFAZJOB.NETFAZSCHULE.NET
    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/recht-und-gehalt/urteile-im-pool-wird-diskriminiert-1752220-b1.html

    "29.01.2009 · Wenn Arbeitnehmer zeitweise keine Aufgabe haben, schieben Arbeitgeber sie gerne in „Stellenpools“ ab. Das geht nicht immer, entschied das Bundesarbeitsgericht und wertete die Praxis des Landes Berlin als Altersdiskriminierung."

    St. Koch (Pensacola) Pensacola - 29.01.2009
    "Ungläubig
    Wenn man sowas hört, dann stutzt der Mensch etwas und schüttelt dann den Kopf "Nein, das kann nicht sein.". Berlin beweist - kann doch.
    Mit unglaublicher Kälte und krimineller Energie (Verstoß gegen das AGG) agieren da Leute die sich ungern öffentlich beim Namen nennen lassen. Warum wohl ? Wenn ich als 40jähriger genau deswegen "in den Personalpool" komme - würde ich gern wissen wer das veranlasst hat. Ein unkündbar verbeamteter 58jähriger vielleicht ? Einer der -aus Steuermitteln- hochversorgten Politiker. Einer der nach zwei Legislativen für alle Zeit ausgesorgt hat ? Ja dann....der hat ganz offensichtlich Ahnung von was er da spricht."

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  3. Berliner Morgenpost 29.03.10
    Politischer Streit|Nußbaum will Sarrazin kein Denkmal setzen

    Berlins Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat seinem Nachfolger Ulrich Nußbaum mangelnden Respekt für sein "politisches Erbe" vorgeworfen. Nußbaum erwiderte, "Denkmalpflege" gehöre nicht zu seinen Aufgaben. Verschärft wird der Konflikt durch Ermittlungen gegen einen engen Vertrauten Sarrazins.

    Der ehemalige Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) fürchtet um seinen Ruf und fühlt sich von seinem Amtsnachfolger Ulrich Nußbaum (parteilos) offensichtlich angegriffen. Der heutige Bundesbankvorstand verwahrt sich gegen Kritik an seiner
    Arbeit. Sarrazin war im Mai zur Bundesbank nach Frankfurt am Main gewechselt.

    Sein "politisches Erbe" sei es, schrieb der Manager, das Berliner Haushaltsdefizit von 5,2 Milliarden Euro in einen Überschuss von 940 Millionen Euro und den Verlust der Landesunternehmen von 1,2 Milliarden Euro in einen
    Gewinn von 400 Millionen Euro verwandelt zu haben, schrieb er in einem Brief an den "Tagesspiegel".

    Dieses Erbe könne man weiter vermehren, man könne es aber auch "verwirtschaften". Dem Erfolgsdruck durch ein solches Erbe entgehe man aber nicht, "indem man es bekrittelt oder herabsetzt", sagte Sarrazin. ...

    Nußbaum reagierte deutlich: "Die Aufgaben eines Finanzsenators sind vielfältig, aber politische Denkmalpflege gehört nicht dazu", sagte sein Sprecher Daniel
    Abbou. ...

    Den aktuellen Anlass für den Brief bieten die Hausdurchsuchungen bei der Berliner Immobilien Holding (BIH), deren Aufsichtsratschef Sarrazin gewesen ist.
    Dem BIH-Chef Peter Hohlbein wird Untreue vorgeworfen. Als ehemaliger Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft BCIA, die die milliardenschweren Finanzrisiken aus den Immobiliengeschäften der früheren Bankgesellschaft
    kontrolliert, soll er einem Vertrag zulasten des Landes zugestimmt haben.
    Hohlbein gilt als langjähriger Vertrauter Sarrazins. Der Ex-Senator sprach in diesem Zusammenhang von "Diffamierung" und "Kampagne".

    Zuvor hatte Nußbaum bereits mehrfach indirekt eine Reihe von
    Sarrazin-Entscheidungen kritisiert. So hatte er den Vertrag mit BVG-Chef Andreas Sturmowski nicht verlängert. Ihm wurden vor allem Kreditabsicherungsgeschäfte zur Last gelegt, die der BVG finanzielle Risiken von fast 157 Millionen Euro
    eingebracht hatten. Sowohl für diese Geschäfte als auch für den umstrittenen Umzug der BVG-Zentrale nach Mitte hatte es allerdings die Zustimmung des damaligen BVG-Aufsichtsratschefs Thilo Sarrazin gegeben.

    Mittlerweile beschäftigt auch der von Sarrazin abgeschlossene Vertrag zwischen dem Land und dem Golfclub Wannsee die Staatsanwaltschaft. Ärger hat Sarrazin zudem wegen des teilweise in seine Amtszeit fallenden Verkaufs des
    Spreedreiecks. Bereits zwei Mal musste er vor dem Untersuchungsausschuss auftreten und sein Handeln darlegen. Die Opposition wirft Sarrazin in diesem Zusammenhang vor, unter anderem die Verhandlungen mit der Bahn über die
    Übernahme eines Grundstücks vorzeitig abgebrochen und so den Schaden für das Land vergrößert zu haben.

    Zuletzt war der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf Distanz zu Wowereit gegangen. Ein Ausschlussantrag gegen Sarrazin wurde von einem Parteigremium abgelehnt.

    http://www.morgenpost.de/berlin/article1283509/Nussbaum-will-Sarrazin-kein-Denkmal-setzen.html

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    1. Zu finden unter dem gleichen Link (Morgenpost, s.o.):

      Die besten Sarrazin-Sprüche im Wortlaut 1/16

      "Es wird ja so getan, als ob der Senat die Kinder ins Konzentrationslager schicken wollte." (zur Debatte über höhere Kita-Gebühren) November 2002

      "Nirgendwo schlurfen so viele Menschen in Trainingsanzügen durch die Straßen wie in Berlin" März 2002

      "Die Beamten laufen bleich und übel riechend herum, weil die Arbeitsbelastung so hoch ist." Februar 2002

      "Der Haushalt ist objektiv verfassungsfeindlich" Februar 2002 über den Berliner Etat

      "Ihr seid alle Arschlöcher" (zu Studenten, die sein Büro besetzt hatten) November 2003

      "Das vereinte Land Berlin-Brandenburg ist natürlich immer eine Stadt Berlin mit angeschlossener landwirtschaftlicher Fläche" Januar 2005

      "Der Schutt ist abgeräumt. Wir leben hier nicht mehr im Jahre 1945, sondern wir leben im Jahre 1947" August 2006

      "Wer als Hartz-IV-Empfänger genug Kraft für ein Ehrenamt findet, der sollte dann die Kraft darin legen, Arbeit zu finden" Oktober 2007

      "Tempelhof ist kein Filetstück. Und wenn, dann schauen da schon die Maden raus" November 2007

      "Wenn man sich das anschaut, ist das kleinste Problem von Hartz-IV-Empfängern das Untergewicht." Februar 2008

      "Bayerische Schüler ohne Abschluss können mehr als unsere in Berlin mit Abschluss." Februar 2008

      "Dumm, dümmer, PDS." Juni 2008

      "Für fünf Euro würde ich jederzeit arbeiten gehen. Das wären 40 Euro pro Tag" Juni 2008

      "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können" Juli 2008

      Die Stadt Berlin sei in ihren politischen Strömungen "nicht elitär aufgestellt, sondern in ihrer Gesinnung eher plebejisch und kleinbürgerlich". September 2009

      Wenn Klaus Wowereit "eine Mischung aus Kurt Biedenkopf, Willy Brandt und Freiherr von und zu Guttenberg" wäre, "könnte er natürlich mehr für die Stadt bewirken". September 2009

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  4. "Sarrazin sieht sich trotzdem als Vater eines Erfolgsmodells [...]
    "Wenn in Reinickendorf ein Kind geschlagen wird und alle schreien: Wir brauchen hundert Sozialarbeiter", erzählt er stolz, dann müsse er nur ein Wort sagen: "Stellenpool". …"

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    1. Jugendamt: Qualifikationen der Bewerber reichen häufig nicht aus

      Aus
      Fall Yagmur Alles nach Vorschrift

      Beileidsbekundungen und vage Eingeständnisse: Die Aufarbeitung des Todes der kleinen Yagmur aus Hamburg wird für den Untersuchungsausschuss zur mühsamen Spurensuche.

      von Annika Lasarzik und Dominik Brück
      ZEIT ONLINE 10. Juli 2014

      Die Liste der Fehler im Fall Yagmur ist lang und wurde in einem Bericht der Jugendhilfeinspektion bereits im Januar bis ins Detail aufgezeigt. Zahlreichen Hinweisen auf Misshandlung im Elternhaus seien die Sachbearbeiter demnach nicht gründlich nachgegangen, im Mai 2013 fiel dann die folgenreiche Entscheidung: Yagmur wurde ihren leiblichen Eltern zurückgegeben – obwohl das Mädchen sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem Kinderschutzhaus befand und unklar war, wer dem Kind die vielen Körperverletzungen zugefügt hatte. […]

      Trotz detaillierter Zeugenaussage und einer genauen Nachzeichnung aller bürokratischen Vorgänge blieb die Frage nach dem Warum auch diesmal unbeantwortet. Eine konkrete, persönliche Einschätzung des Jugendamtleiters bleibt aus. Auch die Tatsache, dass trotz der Komplexität des Falls Yagmur die Zuständigkeiten zwischen dem Jugendamt der Bezirke Eimsbüttel und Mitte wegen eines Umzugs der Familie wechselten, sorgte bei vielen Ausschussmitgliedern für Stirnrunzeln. Dennoch entspreche auch dieser Vorgang den Vorschriften, so Requardt.
      Von der Arbeitsrealität im Jugendamt Eimsbüttel zeichnete der Pädagoge ein weniger düsteres Bild als ein Kollege, der vor Wochen im Untersuchungsausschuss ausgesagte und dabei massiven Personalmangel und eine hohe Arbeitsbelastung angeprangert hatte. Die Fluktuation des Personals sei zwar hoch – allein in diesem Jahr müssten bisher 14 von 40 Stellen neu besetzt werden. Doch dass die Sozialarbeiter aufgrund der Arbeitsbelastung den Job wechseln, glaubt Requardt nicht: Vielmehr seien Schwangerschaften und Änderungen in der Lebensplanung der Mitarbeiter die wahren Gründe für den schnellen Wechsel. Dass in der Folge viele junge Mitarbeiter mit relativ wenig Berufserfahrung im Jugendamt beschäftigt seien, werde allerdings immer mehr zum Problem, so Requardt. Problematisch sei auch der steigende Fachkräftemangel: Wenn neue Stellen ausgeschrieben werden, reichen die Qualifikationen der Bewerber häufig nicht aus. "Da müssen wir kreativ sein und stellen etwa studentische Hilfskräfte für die Falldokumentation ein", sagt Requardt.

      http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2014-07/yagmur-pua-spurensuche

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  5. Berlin Personalmangel
    28.05.08

    Kinderschutz nicht mehr gewährleistet

    Ein Hilferuf der Jugendämter hat den Senat erreicht: Der Kinderschutz in Berlin ist massiv gefährdet. Der Grund dafür: 80 Stellen für Sozialarbeiter sind unbesetzt, weil es keine geeigneten Bewerber im Stellenpool gibt. Senator Zöllner will nun auch Neueinstellungen zulassen. [...]

    Doch meist, so schreiben die Jugendamtsleiter, seien hier die nötigen Fachhochschulabschlüsse nicht vorhanden, zudem fehle es an Motivation. Teilweise gebe es auch gravierende gesundheitliche Einschränkungen, die einen effizienten Einsatz unmöglich machen. Bei vielen Bewerbern sei eine große Angst vorhanden der verantwortungsvollen Aufgabe nicht gerecht zu werden. Schließlich könnten Sozialarbeiter in Krisendiensten auch strafrechtlich belangt werden, wenn sie ihre Tätigkeit nicht korrekt ausüben. Die Fachkräfte müssten Gefährdungsrisiko der Kinder in den Familien abschätzen und schnell reagieren können. [...]

    Bildungssenator Zöllner (SPD) versichert, dass es Einstellungen von außen geben werde, sollte der Stellenpool den Bedarf nicht abdecken. Auch die Finanzverwaltung verweist darauf, dass Außeneinstellungen möglich seien. Die müssten von den Bezirken beantragt werden und würden in jedem Einzelfall geprüft. Grundsätzlich bleibe es aber dabei, dass zunächst auf geeignete Mitarbeiter im Stellenpool zurückgegriffen werden müsse.

    http://www.welt.de/regionales/berlin/article2044495/Kinderschutz-nicht-mehr-gewaehrleistet.html

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  6. hmnuja
    #137.3 —13.10.2015

    ... Dafür darf man sich - Berlin - bei Herrn Sarrazin bedanken, der mehr als 2000 Stellen bei der zuvor keineswegs unterbeschäftigten Polizei wegsparte. ...

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/dresden-pegida-galgen-attrappe-demonstration?page=35#comments

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