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Sonntag, 10. April 2016

"Immerhin besser, als wenn sie erstickt wären"

Mit Freude über die Rettung einer Gruppe von Flüchtlingen, die in Leicestershire, etwa 180 Kilometer nordwestlich von London, eingeschlossen in einem Lastwagen fast erstickt wären, taten sich viele Leser-Kommentatoren auf ZEIT ONLINE schwer. Oft stand die Kritik an den Lastwagen-Insassen ganz im Vordergrund, und manche Kommentare ließen erahnen, dass der Schreiber meinte, Ersticken wäre ein verdientes Schicksal gewesen.

Aus dem Artikel:
Großbritannien: SMS bewahrt 15 Menschen vor dem Ersticken
Eine Gruppe von Flüchtlingen ist in einem Lkw eingesperrt. Der Sauerstoff wird knapp. Ein kleiner Junge aus Afghanistan greift zum Handy und rettet 15 Leben.
9. April 2016


Die SMS eines kleinen Jungen hat eine dramatische Suchaktion in London ausgelöst und 15 Flüchtlingen das Leben gerettet. Sie waren in einem fahrenden Lastwagen eingeschlossen und drohten zu ersticken. Der Absender der Nachricht war Ahmed, sieben Jahre alt, aus Afghanistan. …
Die Botschaft erreichte Liz Clegg, die als Freiwillige für die Hilfsorganisation Help Refugees in Nordfrankreich arbeitet. …
Die SMS war in gebrochenem Englisch geschrieben: "I ned halp darivar no stap car no oksijan in the car no signal iam in the cantenar. Iam no jokan valla
". Clegg verstand sofort: "Ich brauche Hilfe. Der Fahrer hält nicht an. Kein Sauerstoff im Wagen. Kein Signal. Ich bin in einem Container. Ich mache keine Witze. Ich schwöre bei Gott." …
Im März hatten sie und andere Freiwillige im Flüchtlingslager im französischen Calais Hunderte einfache Mobiltelefone an Kinder verteilt, die in dem armseligen Camp lebten, das "der Dschungel" genannt wird. Für Notfälle hatten sie eine Nummer eingespeichert. …
Als [Polizisten] … den Wagen aufbrachen, schnappten die Migranten nach Sauerstoff. …
Die Polizei von Leicestershire teilte mit, 14 Migranten seien unter dem Verdacht der illegalen Einreise nach Großbritannien festgenommen worden. Ahmed sei in eine Fürsorgeeinrichtung gebracht worden.

___
 
Aus einem der moderaten Kommentare, die - im Unterschied zu vielen anderen - die Rettung an sich ausdrücklich als positiv würdigen:
"... Immerhin besser, als wenn sie erstickt wären.
Insofern ist das eine gute Nachricht.
Sie hätten sich die Sache allerdings gleich sparen können, wenn sie normal spätestens im ersten, europäischen Land ihren Asylantrag gestellt hätten."

 

Aus eigenen Kommentaren (BloggerMagga):   
#45.1  —  10.04.2014   
"Sie hätten sich die Sache allerdings gleich sparen können, wenn sie normal spätestens im ersten, europäischen Land ihren Asylantrag gestellt hätten."

Vielleicht haben sie das ja. Aber die Chancen für Flüchtlinge aus Afghanistan sind nicht gut - wohl in keinem der Länder, die an dem US-geführten Militäreinsatz beteiligt sind; auch nicht Deutschland.

Siehe ZEIT ONLINE, 28.10.2015:
Fünf vor acht / Abschiebung
Ausgerechnet Afghanistan
Eine Kolumne von Carsten Luther

... Neun Monate nach dem Abzug westlicher Kampftruppen und der Verlagerung des Einsatzes auf Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte erlebt das Land einen Exodus, der alle Gesellschaftsschichten umfasst. Vor allem die Jungen sehen keine Perspektive mehr. ... Viele verkaufen alles, was sie haben; der Weg nach Europa ist teuer.
Die bisherige Praxis gegenüber Afghanen in Deutschland kam faktisch einem Abschiebestopp gleich. ... Jetzt aber will die Bundesregierung Afghanen, deren Asylanträge abgelehnt wurden, möglichst rasch abschieben. ...
Ob die westlichen Soldaten tatsächlich substanziell zur Stabilisierung beitragen können, wenn sie über 2016 hinaus bleiben, ist eine andere Frage – ihre bisherige Bilanz lässt nicht darauf hoffen. Aber eines wird durch die militärische Einschätzung deutlich: Ein sicheres Herkunftsland ist Afghanistan beim besten Willen nicht.
http://www.zeit.de/politi...
#45.2  —  10.04.2016       

Noch zum Thema Abschiebung von Asylbewerbern aus Afghanistan - siehe zum Beispiel:

Kanzleramt macht Druck
Afghanen sollen abgeschoben werden
Die Bundesregierung leitet einen Politikwechsel in einer heiklen Frage ein: Die EU-Kommission soll mit Afghanistan ein Rückübernahmeabkommen für abgelehnte Asylbewerber aushandeln. Auch eine Abschreckungskampagne wird geplant.
25.10.2015, von Thomas Gutschker und Friederike Böge
http://www.faz.net/aktuel...

Und Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz vom 26. Oktober 2015 mit Fragen und Antworten zu diesem Thema
https://www.youtube.com/w...

 
#46  —  10.04.2016
   
Könnte es sein, dass manche der von Kritik an den Lastwagen-Insassen beherrschten, wenig Empathie zeigenden Kommentare auch mit einem psychologischen Phänomen namens „Gerechte-Welt-Glaube“ zu tun haben?

Gerechte-Welt-Glaube

In Filmen unterliegen meist die Bösen, und die Guten gewinnen. So würden Sie die Welt gern sehen – gerecht und fair. In der Psychologie wird die Neigung, davon auszugehen, dass die Welt auf diese Weise funktioniert, als Gerechte-Welt-Glaube bezeichnet. …
In einem Experiment, das Melvin Lerner und Carolyn Simmons im Jahr 1966 durchführten, beobachteten 72 Teilnehmer eine Frau beim Lösen von Aufgaben. Immer wenn die Frau einen Fehler machte, bekam sie einen [simulierten] elektrischen Schock verabreicht. … Als die Probandinnen aufgefordert wurden, die Frau zu beschreiben, äußerten sich viele abwertend. Sie kritisierten ihren Charakter und ihr Aussehen und erklärten, sie habe die Elektroschocks verdient.
Lerner … führte … eine weitere Untersuchung durch, in der zwei Männer Rätsel lösen mussten. Am Ende erhielt einer der Männer eine hohe Geldsumme. Die Auswahl des Beschenkten erfolgte zufällig, und diese Tatsache wurde den Beobachtern mitgeteilt. Dennoch beschrieben die Teilnehmer im Nachhinein den Mann, der das Geld erhalten hatte, als intelligenter, talentierter, besser im Umgang mit Rätseln und produktiver. …

Aus
David McRaney: Ich denke, also irre ich. – Wie unser Gehirn uns jeden Tag täuscht. mvgverlag 2012 (am. Orig. Dutton 2011)
 
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-04/sms-rettet-junge-sauerstoff-lastwagen?cid=6445556#cid-6445556 
 
 
 
 

Sonntag, 7. Juli 2013

Haasenburg - ein Lehrstück für Lobbyismus?


Weitere Ergänzung 15. Januar 2014

Von Brandenburg nach Bagdhad - Bernzen ueberall
Siehe den Post "RIRP" auf "Zettelmaus"
http://zettelmaus.blogspot.com/2014/01/rirp.html



Ergänzung 08. Januar 2014

Auf der Homepage der Haasenburg (www.haasenburg.de) ist es bis heute nicht angekommen: Das Land Brandenburg hat die Betriebserlaubnis für die drei dort angesiedelten Jugendheime der Haasenburg GmbH widerrufen. Am 20. Dezember ist die Frist abgelaufen. Die letzten Insassen sind abgereist.
Anordnung: Haasenburg-Heime müssen in einer Woche schließen
Berliner Morgenpost 13.12.13
http://www.morgenpost.de/brandenburg-aktuell/article122922797/
 
 Siehe auch den vorigen Post,
„Vom Gutmenschentum gründlich befreit. - Heimerziehung in der Haasenburg“

Rasieren (nur im Intimbereich) - 10 Chips“ (siehe voriger Post, Auszug aus einem Bericht der taz). Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen.

Das Recht auf Intimrasur in den „therapeutischen“ Kinder- und Jugendheimen der Haasenburg GmbH steht tatsächlich auf der Liste der „Privilegien“, die sich die Insassen mit Wohlverhalten erwerben können. Dieses Beispiel aus der Praxis der Erziehung nach Haasenburg Art nannte Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen gegenüber der Süddeutschen Zeitung sogar von sich aus. Es handelt sich also nicht nur um eine flüchtige Idee, die vielleicht mal einem Praktikanten eingefallen ist. Es handelt sich um einen Kernbestandteil der Umsetzung des „Konzepts“.

Aus
Misshandlungen im Jugendheim - Der Betreiber verneint, das Ministerium ermittelt Süddeutsche.de 28. Juni 2013
Anruf bei Hinrich Bernzen in Hamburg, er ist Politologe und eine Art Sprecher der Einrichtung. Den Artikel der taz findet er "reißerisch", Einiges sei kompletter Unsinn, sagt er. Die Hausordnung etwa habe es "nie gegeben", und Jugendliche seien auch nicht zur Aufgabe ihrer Persönlichkeit gezwungen worden.
"Das Prinzip der Hasenburg basiert nicht auf Sanktion, sondern auf positiver Verstärkung." So bekämen Bewohner bei Wohlverhalten Chips, die sie etwa zum Kinobesuch berechtigten, Mädchen auch zur Intimrasur. Warum müssen sie sich das Recht zur Rasur erwerben? "Wir haben Jugendliche, die bisher grenzenlos gelebt und sich und anderen geschadet haben. Das Prinzip ist, den Jugendlichen vorzuleben, dass sie nicht alles haben können", sagt Bernzen.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/misshandlungen-im-jugendheim-auf-liegen-geschnallt-und-diszipliniert-1.1708619-2


Das „Konzept“ befreit Erzieher und Hilfskräfte von der Frage, ob kontrollierende und disziplinierende Übergriffe in die Körperlichkeit von Kindern und Jugendlichen, die zur Selbstverständlichkeit und Routine werden, wirklich noch dem Kindeswohl oder dem Schutz anderer dienen.
Sie halten sich ja nur an die Ablaufroutine, und die beruht auf dem „Konzept“.

Nun wird über den wissenschaftlichen Wert und Unwert der Grundidee der „Konditionierung“, wie sie z.B. in paramilitärischen „Boot Camps“ in den USA und eben in Jugendeinrichtungen mit ähnlicher Ideologie zum Tragen kommt, sicher noch einiges zu lesen sein, wenn die Arbeit der Untersuchungs-kommission weiter Fahrt aufnimmt.

Mir drängte sich - abgesehen von Grundsatzfragen des umstrittenen Konditionierungs-Ansatzes (nach Pawlow, Skinner und anderen), der selbst in der Tierdressur nicht mehr als das Nonplusultra gilt – auch die Frage auf, welchen Stellenwert wohl die Qualitätsmanagement-Software der Firma daarwin(R) Beratungsgesellschaft MbH in der Umsetzung des „Konzepts“ haben mag.

Denn Software für Qualitätsmanagement (QM) transportiert auch Standards und Normen. Wenn mit Hilfe der Software z.B. „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ dokumentiert werden oder das Ausgeben und Einlösen der Chips verfolgt wird, dann erscheint das, was man anklicken oder mit Textbausteinen ausfüllen kann, als normal und als Vorgabe „des Systems“. Aber wer konstruiert eine „maßgeschneiderte“ Software für Einrichtungen wie die Haasenburg-Heime; welche Vorstellungen von einem „normalen“ Arbeitsablauf und zu erreichenden Wirkungen stecken dahinter?

Ich gebe zu, dass es zunächst der Firmenname „daarwin“ auf der Haasenburg-Webseite war, über den ich gestolpert bin (Haasenburg und daarwin geben sich auf ihren Webseiten gegenseitig Referenzen; siehe den vorigen Post, Link oben). Eine Assoziation mit (Charles) Darwin liegt nahe - und mit der Idee des Sozialdarwinismus. Das Credo des Sozialdarwinismus ist ja „Survival of the Fittest“ (und Ausschalten der „Minderwertigen“); siehe z.B.

Die Frage, ob der Firmenname daarwin nun einem stillen Bekenntnis zum Sozialdarwinismus entspringt oder nicht, konnte ich nicht klären. Aber bei der Suche nach Information über die daarwin(R) Beratungsgesellschaft MbH stieß ich auf einen anderen interessanten Sachverhalt.

Einer der beiden Gesellschafter der in Flensburg ansässigen Firma für Beratung und IT-Unterstützung sozialer Einrichtungen heißt Udo Andresen. Es handelt sich um denselben Udo Andresen, der bei Beate Uhse (Mit-)Geschäftsführer war, nachdem er seine Internetporno-Firma exitec an das im Sex Business marktführende Uhse-Imperium verkauft hatte. Andresen ist auch mit der Medienfirma Endemol im Geschäft und mischt bei „Big Brother“ mit.


Expertise aus dem Porno-Business:
Einer der beiden Gesellschafter der Firma,
mit der die Haasenburg im Bereich
“Qualitätsmanagement” zusammen arbeitete,

war vorher Geschäftsführer bei Beate Uhse.
Bild: commons wikimedia
Könnte es sein, dass beim Thema Intimrasur ein Inhalt aus der einen Software (für exitec/ Beate Uhse) in eine andere Software (für Haasenburg) übergeschwappt ist, weil der gleiche Content Manager mitgearbeitet hat und sich dachte, das passt doch? Oder wird hier praktischerweise das eine mit dem anderen verbunden, indem z.B. Produkte aus dem Uhse Sortiment gegen Chips für Wohlverhalten eingelöst werden können? Immerhin würde das auch zu dem seltsamen Phänomen passen, dass ein junger Mann mit mehrfach geäußerten abnormen Sexual- und Kannibalismusfantasien in einer Haasenburg-Einrichtung Porno- und Horrorvideos konsumieren durfte. Der Geschäftsführer der Einrichtung, Mario Bavar, wies Vorwürfe zurück mit der Begründung, es gehöre zum Erwachsenwerden, sich auch einmal einen Erotik-Film anzuschauen (siehe voriger Post und Kommentar „Noch zum 'Kannibalen'-Fall“).


Die Firma daarwin ist im Marksegment Software für soziale Einrichtungen offensichtlich gut vernetzt; auch Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands nutzen, laut Darstellung auf der Firmen-Webseite, daarwin Software für umfassende Dokumentation und Qualitätsmanagement.

Aber wer prüft eigentlich die Qualität des Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen?


_______


Auszug aus

- Berlin Aktuell - Berliner Morgenpost 21.07.13
Brandenburger Heime
Umstrittene Haasenburg GmbH geht in die Gegenoffensive
Der Heimbetreiber wehrt sich juristisch gegen den Belegungsstopp durch das
Bildungsministerium. Offene Briefe von dort untergebrachten Jugendlichen
widersprechen den Misshandlungsvorwürfen.

Von Gudrun Mallwitz

... So schreibt ein Mädchen: "Ich bin selber Bewohnerin der Haasenburg in Neuendorf.
Die Haasenburg ist dazu verpflichtet, Jugendliche, die ausrasten, sich selber
oder andere verletzten, zu begrenzen. Ich kenne Erzieher, die dabei gar nicht
sanft sind, doch das ist so. Eigentlich versuchen alle, mir dabei nicht
wehzutun, und ihnen selber macht das ja auch keinen Spaß." ...


http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article118252258/Umstrittene-Haasenburg-GmbH-geht-in-die-Gegenoffensive.html

Dies ist also das schlagendste Beispiel der von Jugendlichen geschriebenen, den
Misshandlungsvorwuerfen widersprechenden "offenen Briefe" von Jugendlichen,
die der "Morgenpost" vorliegen?
"Begrenzen" - der Jargon der Betreiber findet sich woertlich wieder. Es klingt wie
diktiert. Man wird wohl kaum fehl gehen in der Annahme, dass Jugendliche, die sich
so geaeussert haben, mindestens fuer die laufende Woche ihren Chip "verdient" hatten.

Eine der beiden Jugendlichen, die in einem Haasenburg-Heim zu Tode gekommen
sind, hatte vorher gegen einen Erzieher den Vorwurf der sexuellen Belaestigung erhoben.

Werden Menschen, die Tag fuer Tag ueber die Vergabe von Chips fuer kleine oder
grosse "Verguenstigungen" an labile Jugendliche entscheiden, allzu leicht versucht,
Wohlverhalten nach ihren ganz eigenen Beduerfnissen zu definieren? 


______


Siehe auch

Jürgen Eilert
Psychologie der Menschenrechte:
Menschenrechtsverletzungen im deutschen Heimsystem (1945-1973)
V&R unipress in Goettingen

http://books.google.com/books?id=goBOSdQVEM4C&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

books.google.com - Human rights violations in German residential foster homes after 1945: On the one hand happening through the complete institutionalizing of foster children, on the other hand through implicit eugenic and racial hygiene
traditions. Run-down, neglected people were coded second class, even after 1945. ...


______



Boot Camps in den USA:
Der Tod des Martin Anderson


Aus Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Anderson_case

Martin Lee Anderson ([...] 1991 – [...] 2006) was a 14-year-old
from Florida who died while incarcerated at a boot camp-style youth detention
center, the Bay County Boot Camp,[1] located in Panama City, Florida and
operated by the Bay County Sheriff's Office.[2] Anderson collapsed while
performing required physical training at the camp. While running track, he
stopped and complained of fatigue. The guards coerced him to continue his run,
but then he collapsed and died. A 30-minute portion of the surveillance video
depicting the coercion was made public.[3]
The teenager's death resulted in a broad outcry accusing the camp guards of
racially motivated murder, in part in response to an official videotape that
showed the guards using physical coercion. The Florida legislature voted to
close the state's five juvenile boot camps. [...]
The death became a cause célèbre and received national attention. The local
Medical Examiner, Dr. Charles Siebert, performed an autopsy and ruled that the
teen died of "complications from sickle cell trait". He said, "It was a natural
death."[4] This caused further public outcry. The Governor ordered a second
autopsy; the second pathologist, Dr. Vern Adams, ruled Martin Anderson’s death
was "caused by suffocation due to actions of the guards at the boot camp. The
suffocation was caused by manual occlusion of the mouth, in concert with forced
inhalation of ammonia fumes that caused spasm of the vocal cords resulting in
internal blockage of the upper airway."[5]
Public indignation resulted in the closing of the state's five juvenile boot
camps, the firing of Siebert, and charges of manslaughter against the guards. [...]
The controversy regarding Siebert's firing resulted in accusations by the
National Association of Medical Examiners, independent groups of Medical Examiners
throughout the nation, the State Attorney, and the Bay County Commissioners
complaining that the Florida Medical Examiner system had been compromised by
racial politics.
This did not cause the resignation of FDLE commissioner Guy Tunnell as previous
versions of this article indicated. He resigned over inappropriate remarks made
about African-American civil rights leaders related to the case. [...]
[At the trial ...] Hillsborough County assistant state attorney
Michael Sinacore told jurors a desire for "control and domination," without a
concern for safety, drove the actions of eight former boot camp employees. "They
needed to control him. They needed to dominate him and they crossed the line by
a long shot." Their goal became to get Martin Anderson to do what they wanted
him to do, and all their actions are consistent with that," he said.[54]
Former drill instructors Henry Dickens, Patrick Garrett, Raymond Hauck, Charles
Helms Jr., Henry McFadden Jr., Charles Enfinger, Joseph Walsh and nurse Kristin
Schmidt faced up to 30 years in prison if convicted of aggravated manslaughter
for the teen's death.
After deliberating for 90 minutes, the jury found all defendants not guilty in
the death of Martin Lee Anderson.[55] Soon after the verdict was read, the U.S.
Attorney for the Northern District of Florida, Gregory Robert Miller, and Acting
Assistant Attorney General for the Civil Rights Division, Rena Comisac,
announced that the Department of Justice will make a "thorough and independent
review" of the evidence concerning the death of 14-year-old Martin Lee Anderson.
They have been actively monitoring the state's prosecution of the boot camp
personnel, and promised to take appropriate action if the evidence indicates a
prosecutable criminal violation of federal civil rights statutes.[...]
When Martin Anderson died, about 130 youths in Florida were incarcerated in
state-run boot camps. Before Anderson's death, the state had received more than
180 complaints about excessive force at the Panama City boot camp.[58]
In mid-February, Bay County Sheriff Frank McKeithen ended his office's contract
with the state to operate the Panama City boot camp where Anderson was beaten.
[...]
McKeithen also immediately banned the use of ammonia-inhalant capsules at the
Panama City boot camp. McKeithen's announcement came about three weeks before
Anderson's body was exhumed for his second autopsy, in which one pathologist
concluded that the teen died from ammonia fumes.
At around the same time, DJJ ordered state sheriffs to do away with violent
measures such as punching and kicking at the state's boot camps, and directed
nurses to call 9-1-1 at the first sign of a problem.
In late April, the Florida Legislature voted to close the state's five juvenile
boot camps. The camps were replaced by a less-militaristic program called STAR,
which prohibited physical intervention against juvenile inmates. The STAR
program had been almost 80 percent effective in test runs around the state at
preventing recidivism among inmates.
The bill that enacted the STAR program was renamed the "Martin Lee Anderson Act"
by the legislature. Governor Jeb Bush signed it into law on June 1, 2006.
There was no funding made available for the increased costs of the STAR program,
forcing many juvenile detention facilities to close their doors. [...]
This page was last modified on 30 September 2013


(Zum Fortwirken eugenischer und rassistischer Traditionen gerade
in Teilen der Suedstaaten der USA, insbesondere in Florida und Texas,
siehe auch den Post "Suedstaaten Blues";
http://guttmensch.blogspot.com/2013/05/sudstaaten-blues.html)



Gefaelligkeitsgutachter?
Siebert wurde im Fall Anderson anstelle des eigentlich zustaendigen Pathologen heran gezogen und hatte zu dem Zeitpunkt, als er die Autopsie durchfuehrte, keine gueltige Lizenz.

Siehe
Forensics Under Fire: Are Bad Science and Dueling Experts Corrupting Criminal Justice?
By Jim Fisher
Rutgers University Press, 2008
http://books.google.com/books?id=1d_J9ATv67gC&pg=PA37&lpg=PA37&dq=%22charles+siebert%22+martin+anderson&source=bl&ots=mL9BWUsiKq&sig=3Aj-bwg24LImBwNZPa-kaejMGrY&hl=en&sa=X&ei=iS7NUuHqMMSu7Ablt4DwCQ&redir_esc=y#v=onepage&q=%22charles%20siebert%22%20martin%20anderson&f=false



Der Drillmeister kam vom Militaer

Guard Testifies In Teen Boot Camp Death
By CBSNews  CBS/AP October 9, 2007

"A guard charged with killing a 14-year-old boy at a juvenile boot camp choked up
as he told jurors Monday that the teen's death troubled him deeply.[...]
Charles Helms, a former Army drill instructor who had worked at the now-closed
Bay County Boot Camp since its opening in 1994, said he stayed with Martin Lee
Anderson from the moment paramedics put the teen on a stretcher and carried him
away from the camp."You never leave a man behind," Helms said.
Helms, six other guards and Kristin Schmidt, a nurse from the now-closed camp,
are charged in Anderson's death. A 30-minute surveillance video shows the guards
hitting, kneeing and dragging the limp boy in the camp's exercise yard as
Schmidt looked on. Anderson died the following day. [...]
Helms said their actions depict training designed to protect themselves and the
child. The reason for the large number of officers on the exercise yard is to
deter the teens from violence, he said.
"They will look around and say 'there's too many of them, I'd just better do
what I should do,"' Helms said.
He later demonstrated the hammer strike blows, and knee strike techniques the
guards used to gain a youth's compliance. The blows were a method of gaining
control without seriously hurting them, he said.
Ammonia capsules also were used to get the attention of an uncooperative youth
he said.
Prosecutors say the guards suffocated Anderson by covering his mouth and forcing
him to inhale ammonia fumes.
Defense attorneys say Anderson's death was unavoidable because he had
undiagnosed sickle cell trait, a genetic blood disorder. The usually benign
disorder can cause blood cells to shrivel into a sickle shape and limit their
ability to carry oxygen under physical stress.
Helms entered the exercise yard near the end of the videotaped encounter between
Anderson and the other guards.
When he arrived, Anderson was resisting, Helms said.
"I heard the offender say something along the lines of, 'I'm not going to do
this', or 'I'll do it tomorrow,"' Helms said.
He said he used an ammonia capsule to get Anderson's attention and watched as
the other guards moved Anderson and made him walk.
Helms said he was on the exercise yard for a few minutes before he realized
something was wrong.
"I attempted to reapply the ammonia capsule the second time and there was no
reaction," he said. [...]
Earlier Monday, Defense attorney Walter Smith opened the defense argument by
telling jurors the video taped altercation was just "a day at the office" for
the drill instructors and the nurse."
http://www.cbsnews.com/news/guard-testifies-in-teen-boot-camp-death/



Kids' Boot Camp

Militaerischer Drill als Erziehungs-Ideologie; siehe z.B. Bild auf
http://www.army.mil/article/63266/Children_of_593rd_Sustainment_experience_Kids_Boot_Camp/



 

Dienstag, 25. Juni 2013

Vom Gutmenschentum gründlich befreit. - Heimerziehung nach Haasenburg Art

"Wir haben uns vom Gutmenschentum befreit und nutzen normale betriebswirtschaftliche Prozesse",
sagte der Hamburger Sozialunternehmer Andreas Heinecke im April 2011 einer beeindruckten SPIEGEL-Redakteurin.
________

Heineckes eigene Unternehmen, die offenbar zu Recht sehr gelobt werden, haben nichts mit den Vorwürfen zu tun, die gegen einen Betreiber von Heimen für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche, die Haasenburg GmbH, erhoben wurden und derzeit geprüft werden.
Aber der "Zeitgeist", der aus seinen Worten spricht, ist bezeichnend:
Als müsse erst das "Gutmenschentum" überwunden werden, bevor betriebswirtschaftliche Kompetenz in das Management subventionierter, gemeinnütziger Maßnahmen einziehen kann.

Nicht wirklich neu: Das "Outsourcen" von Heimerziehung an
private Unternehmer - und Probleme mangelnder
Rechenschaftspflicht . Illustration aus "Oliver Twist" von
Charles Dickens: Oliver tanzt aus der Reihe und bittet
um einen Nachschlag. Alle sind starr vor Entsetzen.
Die Heimleitung spart an Ausgaben für die Kinder und
verkauft dies als nötige Disziplinierung der aus desolaten
Verhältnissen stammenden jungen Menschen. - Bildquelle:
http://www.empireonline.com/news/story.asp?NID=36482

Zur betriebswirtschaftlichen Kompetenz gehört aber auch die Qualitätssicherung der, im Falle von Sozialunternehmern, oft vom Staat bezahlten oder subventionierten Leistungen. Wer bestimmt die Standards von Qualität, wer sorgt dafür, dass sie eingehalten werden?









Der Stadtstaat Hamburg - und andere Bundesländer - müssen sich nun mit der Frage auseinander setzen, ob sie sich bei der Vergabe von Verträgen für die geschlossene Heimunterbringung schwer erziehbarer Jugendlicher an einen privaten Sozialunternehmer, die Haasenburg GmbH in Brandenburg, genügend um Standards und deren Einhaltung gekümmert haben. Es scheint, als ob letztlich doch auch eine gewisse Dosis "Gutmenschentum" erforderlich ist, um in Verhandlungen zwischen öffentlichen Auftraggebern und privaten Sozialunternehmern Interessenkonflikte zu vermeiden und das öffentliche Interesse wahrzunehmen.


Das Stichwort "Haasenburg" erscheint auf diesem Blog bisher nur in der Kommentarfunktion, und zwar auf

http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/vermehrung-der-minderwertigen-eine.html
Ausgangsfrage: Wie werden sich Erzieher - und "Sozialunternehmer" als Betreiber von Kinderheimen - Kindern gegenüber verhalten, wenn sie meinen, es mit "Minderwertigen" zu tun zu haben, deren Schicksal "mit der Geburt besiegelt" ist?
Interessant auch der Hinweis auf die Webseite www.daarwin.de (Software für Qualitätsmanagement in Sozialeinrichtungen; gegenseitige Referenz Haasenburg GmbH und daarwin(R) Beratungsgesellschaft MBH

http://guttmensch.blogspot.com/2013/02/stoff-aus-den-fuehrerschulen.html
Ausgangsfrage:
Welche Werte vertritt der "Internationale Bund" (IB), eine sehr etablierte Organisation im Bereich der Jugend-und Sozialhilfe, die als Kooperationspartner und Reputationshelfer der Haasenburg GmbH auftritt?
Die Suche führte auch zur Gründungsgeschichte des IB und zur Biographie des IB Initiators und ehemaligen HJ-Funktionärs Heinrich Hartmann. (Bitte selber googeln, sonst heißt es wieder, immer diese Nazi-Geschichten, kann damit nicht endlich mal Schluss sein? - Der IB macht, soweit man aufgrund einer kurzen Internet-Recherche sagen kann, nicht den Eindruck, Erbe aus der Zeit mit sich herum zu schleppen.)


In die Schlagzeilen geriet die Haasenburg u.a. wegen ihres umstrittenen, wie aus einem anderen Zeitalter anmutenden "Erziehungs"-Konzepts und wegen von ehemaligen Insassen erhobenen Missbrauchs-Vorwürfen. Jedes "Privileg", z.B. auch ein Anruf bei der Mutter, muss, so wird berichtet, mit Chips bezahlt werden, die mit Wohlverhalten im Sinne der Heimregeln zu erwerben sind.

Aber nicht nur über brutale Disziplinierung wurde berichtet, sondern auch über besondere Privilegien; z.B. das Anschauen von Horror-Videos.  ...

Lausitzer Rundschau, 25. April 2012
Die Haasenburg – ein ungewöhnliches Geschäftsmodell
  Cottbus. Wie viel Gewinn darf ein privates Kinderheim machen? Regelungen
gibt es nicht, obwohl der Steuerzahler für die Kosten aufkommt. Die

Haasenburg im Unterspreewald hat rund drei Millionen Euro Gewinn in

Krediten angelegt.

Die Haasenburg in Neuendorf (Dahme-Spreewald) ist ein ganz besonderes
Heim für Kinder und Jugendliche. Hier werden seit 2002 extrem schwierige
Fälle aus ganz Deutschland aufgenommen und intensivpädagogisch betreut.
Durch viel Personal kann auch eine de facto geschlossene Unterbringung
angeboten werden. Die Einrichtung mit Häusern im Unterspreewald, am
Schwielochsee und östlich von Berlin hat insgesamt 114 Plätze und ist
die einzige mit einem solchen Angebot in Brandenburg.
Dafür bezahlen Jugendämter aus ganz Deutschland sehr viel Geld. Ein
Platz kann bis zu 10 000 Euro pro Monat kosten. Die mit der intensiven
Betreuung begründeten hohen Preise sind jedoch nicht die einzige
Besonderheit der Haasenburg.
Für die Vereinbarung, was ein Platz in der Haasenburg kosten darf, ist
das Jugendamt Dahme-Spreewald zuständig. Die seit 2005 als GmbH geführte
Privatfirma hat dort ihren Hauptsitz. "Die Verhandlungen mit uns werden
fast ausschließlich durch eine renommierte Fachanwaltskanzlei geführt",
sagt Jugendamtsleiter Hubert Lautenbach. ...
Im Januar wurde nach zweijähriger Verhandlung die jüngste
Einigung erzielt. Zwei Mal schon musste eine Schiedsstelle bemüht
werden. "Mit anderen Trägern ist das nicht so", sagt Lautenbach.
Er bestätigt, dass für Plätze in der Haasenburg mehr als 300 Euro pro
Tag bezahlt werden. Die mit dem Landkreis vereinbarten Preise gelten
bundesweit für alle Jugendämter, die Klienten in den Unterspreewald
schicken. Das scheint sich wirtschaftlich zu lohnen. ...
Eigentümerin der Haasenburg GmbH ist die JCD-Beteiligungs GmbH, die dem
Haasenburg-Gründer Christian Dietz und seiner Frau gehört. Die Bilanzen
der Haasenburg weisen seit Jahren Gewinne aus, die inzwischen insgesamt
auf rund drei Millionen Euro angewachsen sind.
Geschäftsführer Mario Bavar steht für Auskünfte über die Entwicklung des
Therapiezentrums und die Gewinnverwendung nicht zur Verfügung. Anfragen
beantwortet schriftlich als Beauftragter Hinrich Bernzen. Der bezeichnet
Kosten und Umsatz der Haasenburg GmbH als "den Aufwendungen
entsprechend". Zahlen nennt er nicht.
Die bisherigen Gewinne seien nicht ausgeschüttet, sondern zur Bildung
von Rücklagen eingesetzt worden, um weiter zu investieren, so Bernzen.
Das Geld sei sicher und zinsbringend angelegt "durch Vergabe von
Krediten an Partner". Wer die Partner sind, könne er zur Zeit nicht
sagen. Geschäftsführer Mario Bavar sei im Urlaub.
Zweifel, dass die sehr kostenintensive Betreuung in der Haasenburg immer
hält, was sie verspricht, kamen erstmals 2008 durch einen Prozess am
Cottbuser Landgericht auf. Ein damals 19-Jähriger musste sich wegen
versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten. Ein Jahr
vorher hatte er als Bewohner der Haasenburg versucht, einer Betreuerin
in den Hals zu beißen. Auf einen Mitarbeiter ging er mit einer Schere
los. Er wurde dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen.
Trotz mehrfach geäußerter abnormer Sexual- und Kannibalismusfantasien
habe der zwei Meter große junge Mann in der Haasenburg Kraftsport
treiben und Horrorvideos anschauen dürfen, kritisierte das Gericht in
der Urteilsbegründung. Auch Zweifel an der Ausstattung mit Fachpersonal
wurden aktenkundig. Das Landesjugendamt Brandenburg bescheinigte dem
Heim jedoch später "keine schwerwiegenden Fehler" gemacht zu haben. ...
Dass Anspruch und Wirklichkeit in der Haasenburg nicht identisch seien,
behaupten Insider, die anonym bleiben wollen. "Da werden schöne Berichte
für die Jugendämter geschrieben, aber mit zu wenig Fachkräften und zu
viel unerfahrenen Kollegen gearbeitet", behauptet einer. Das Heim sei
eine "Gelddruckmaschine".
Übereinstimmend schildern mehrere Insider eine hohe Fluktuation, einen
rüden Umgang mit Mitarbeitern und schlechte Bezahlung. Es sei schwer,
hinter die Kulissen einer solchen Einrichtung wie der Haasenburg zu
schauen. Viele Jugendämter hätten daran auch nicht zu viel Interesse.
Die seien froh, ihre Probleme vom Tisch zu haben. ...


Simone Wendler

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Die-Haasenburg-ein-ungewoehnliches-Geschaeftsmodell;art1065,3770486


Aus
Kinderheim in Brandenburg: Der Horror am Waldrand - taz.de
15.06.2013
  Während die Kinder anfangs nicht einmal eigene Kleidung tragen dürfen, können
nach dem Punktesystem Annehmlichkeiten mit verdienten Chips erkauft werden:

„Rasieren (nur im Intimbereich)“: 7 Chips, also mindestens 7 Tage, an denen

gegen keine Regel verstoßen werden darf. Woanders heißt es: „bei Chipsverlust

kein Kuscheltier im Bett“.
http://www.taz.de/!118139/


Rasieren im Intimbereich gegen Chips für 1 Woche ohne Regelverstoß - darauf muss
man erst einmal kommen. Was für eine Art von "Erziehern" braucht man, um sich
soche Regeln auszudenken und ihre Einhaltung zu kontrollieren?
   
    Dazu neuer Post (7.7.2013)  http://guttmensch.blogspot.com/2013/07/intimrasur-gegen-chips-fur.html



Aus
Heimskandal in Brandenburg: Tod im Kinderheim - taz.de
Von Kaija Kutter, Kai Schlieter
27.06.2013
  ... Für Lena* muss die Zeit in der Haasenburg GmbH die Hölle gewesen sein.
So wie für jedes Kind galt auch für sie eine Liste mit Geboten und Verboten.

Auf ihrer „Was darf ich?“-Liste ist mit Datum vom 18. 6. 2007 notiert: „tagsüber

Helm, Knie- und Armschoner tragen“.

Unter Lenas „Was darf ich nicht?“-Liste steht: „nachts ohne Helm schlafen“;
ebenso: „eigenmächtig und selbständig handeln“; oder: „mit anderen Jugendlichen
Kontakt aufnehmen, wenn kein Erzieher dabei ist“ und: „selbständig Helm, Knie-
sowie Armschoner abnehmen, ohne vorher Erzieher zu fragen“. Endgültig los wurde
das Mädchen die stigmatisierenden Schützer mit dem Tod. ...
Lena starb, weil sie aus einem oberen Stockwerk der Haasenburg GmbH in Jessern
aus dem Fenster stürzte. ...
Unerbittlich musste das Mädchen den Helm tragen. Laut einer Gesprächsnotiz
bittet Lena die Erzieherin T., den Helm ablegen zu dürfen. Die Mitarbeiterin T.
entgegnet, der Helm müsse getragen werden, „solange wir es für nötig halten“.
Frau T. ist die Erzieherin, die Lena die Schützer am Todestag abnahm. Laut
internen Protokollen wird der Helm auch unter Zwang aufgesetzt.
Am 11. November 2006 wird Lena in den Anti-Aggressions-Raum gebracht. Um 9.45
Uhr wird ihr laut Protokoll erklärt, sie müsse „den Schutzhelm tragen, um sich
nicht selbst zu gefährden“. Schließlich: „Schutzhelm wird Lena aufgesetzt, soll
in der Mitte des Raumes stehen.“ Um 9.48 Uhr: „wirft Helm gegen die Tür […] wird
im Stehen begrenzt.“
9.50 Uhr: „Schutzhelm wird erneut aufgesetzt.“ 9.55 Uhr: „wirft Helm erneut
gegen Tür und tritt mehrmals dagegen […] (der Helm zerbricht) […] Sie steht
gemeinsam mit EZ im Festhaltegriff auf und bekommt Helm aufgesetzt.“ 10.05 Uhr:
„es wird neuer Helm geholt und ihr aufgesetzt, Konsequenz, wenn sie den Helm
nicht aufbehält und weiter eigengefährdendes Verhalten zeigt, wird sie auf dem
Bett begrenzt.“  ...
Auch an diesem Tag ist in den Dokumenten als Auslöser keine Selbstverletzung
vermerkt. „Auslösende Situation: Lena verweigert sich, mit einem Bleistift ihr
Tagesziel zu schreiben, wirft Bleistift aus Zimmer, tritt gegen Tür und hält
diese zu.“
Glücklicherweise hatte Lena im Heim Sandra*, ihre Freundin. Sie sagt der taz:
„Es tut mir leid, dass sie ihr Leben nicht mehr leben kann.“ In der Haasenburg
GmbH sei es für beide unerträglich gewesen. „Ich hätte an ihrer Stelle sein
können.“ Lena habe zwar gegen die Wände ihres Zimmers geschlagen, „aber das war
nicht gefährlich. Das war Trotz und Protest.“
Werner Thole von der Uni Kassel ist empört. Der Helm sei ein Eingriff in die
„körperliche Integrität von Heranwachsenden“, und diese Art Eingriffe seien „im
Rahmen erzieherischer Hilfen völlig unangebracht.“ Dies widerspreche den
„Grundsätzen einer humanen Kinder- und Jugendhilfe“.
Wenn der Helm wirklich nur dem Schutz des Kindes gedient haben sollte, macht ein
Dokument stutzig: So wird in einem Protokoll einer anderen Jugendlichen im
November 2008 vermerkt: „Schutzbekleidung als negative Konsequenz“. ...
Bei Lena kam es laut Protokoll am 24. Februar 2006 zu einer „Präventionsmaßnahme“.
Ihr Vergehen: „Sie versuchte mit dem Erzieher zu diskutieren und sich auf diese
Weise einen Vorteil zu verschaffen.“ Konsequenz: „Frau F. fordert Lena mehrmals
auf, sich umzudrehen und über die Situation zu reden. Doch auch diesen
Aufforderungen kam Lena nicht nach.“
Es erfolgt die pädagogische Intervention nach Art der Haasenburg GmbH: „Ansage,
dass, sollte sie sich weiter weigern, sie 10 Kniebeugen zu machen hätte.“ Die
Pubertierende weigert sich. „Daraufhin betrat ein weiterer Erzieher den Raum, um
Frau F. zu unterstützen.“ Weiter heißt es im Protokoll: „Es wurde versucht, Lena
bei den Kniebeugen zu helfen.
Lena verweigerte sich immer mehr und fing damit an, Frau F. anzugreifen.
Daraufhin wurde sie von den beiden Erziehern zu Boden gedrückt.“ Das
Landesjugendamt ist über die Behandlung von Lena informiert gewesen. Der taz
liegen mehrere „Meldungen einer Anti-Aggressionsmaßnahme“ vor, die immer an
dieselbe Zuständige im Landesjugendamt adressiert sind.
Am 2. Dezember 2006 bekommt die Sachbearbeiterin wieder eine solche Meldung über
eine dreistündige „Anti-Aggressionsmaßnahme“: „Die Jugendliche forderte sich auf
unangemessene Art und Weise ihre Handlungsalternativen ein.“ Weiter heißt es
rechtfertigend, dass sie mit „oppositionellem Trotzverhalten und
eigengefährdendem Verhalten reagierte“. Über Helm, Knie- und Armschoner ist
nichts vermerkt.

http://www.taz.de/!118837/

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In jedem steckt ein Folterknecht | Soundcheck | Juni 2004 | NZZ Folio
Das Stanford-Prison-Experiment machte 1971 aus friedliebenden Studenten grausame
Gefängniswärter.
Von Reto U. Schneider
  ... «Das menschliche Verhalten hängt viel stärker von äusseren Umständen ab, als wir wahrhaben wollen», schrieb [Philip] Zimbardo in einem Kommentar über den Folterskandal [vom Gefängnis Abu Ghraib in Bagdhad] im «Boston Globe».

[Der Psychologe von der Universität Stanford ...] muss es wissen. Er hatte vor dreissig Jahren selbst ein Gefängnis geschaffen, in dem gefoltert wurde.

Im Frühling 1971 gab Zimbardo in der «Palo Alto Times» eine Annonce auf:
«Männliche Studenten gesucht für psychologische Untersuchung des Gefängnislebens. $ 15 pro Tag für 1–2 Wochen.» Aus den Bewerbern teilte er 21 ganz normale Studenten, die in Persönlichkeitstests als ehrlich, zuverlässig und beständig auffielen, per Münzwurf zwei Gruppen zu. Elf sollten die Gefangenen
spielen, zehn die Wärter.

Die Gefangenen wurden in das Gefängnis gebracht, das Zimbardo im Kellergeschoss
des Psychologiegebäudes hatte einrichten lassen. Drei kleine Zellen, ein enger Kasten als Isolationszelle, ein neun Meter langer Korridor, der als Hof für Inspektionen gebraucht und von einer Videokamera überwacht wurde.

Die Wärter bekamen Uniformen, eine Trillerpfeife, eine reflektierende Sonnenbrille und einen Gummiknüppel. Sie arbeiteten in Achtstunden-schichten und erhielten die Anweisung, «die für den effizienten Betrieb des Gefängnisses nötige Ordnung aufrechtzuerhalten».

Die Gefangenen mussten Gefängniskleider anziehen: eine Art weisse Schürze mit
Nummern vorne und hinten, unter der sie keine Unterwäsche tragen durften,
Plasticsandalen und einen Nylonstrumpf als Kappe.

Zimbardo versuchte während der kurzen Zeit der Simulation in seinen Gefangenen
die gleichen Gefühle zu wecken, die richtige Häftlinge nach längerer Zeit haben:
Abhängigkeit, Machtlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Die Kleider hatten das
Ziel, die Gefangenen zu erniedrigen und ihnen ihre Individualität zu rauben.

Interessanterweise hatte Zimbardo keine eigentliche Hypothese, was in einer solchen Situation geschehen würde. Das etwas diffus formulierte Ziel des Experiments war es, herauszufinden, «welche psychischen Auswirkungen es hat, wenn man Gefangener oder Strafvollzugsbeamter ist». Er wollte verstehen, wie die Gefangenen ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Privatsphäre verlieren, während die
Wärter an Macht gewinnen, indem sie das Leben der Gefangenen kontrollieren.

Frühere Experimente hatten gezeigt, wie leicht sich normale Leute zu üblen Taten
hinreissen liessen, wenn sie in einer Gruppe nicht mehr als Individuen  wahrgenommen wurden oder wenn man sie in eine Situation brachte, in der sie andere Menschen als Feinde oder Objekte sahen.

Die Wärter stellten schon bald absurde Regeln auf, disziplinierten die Gefangenen willkürlich und gaben ihnen sinnlose Aufgaben: Kisten von einem Raum in den anderen tragen und wieder zurück, die Toilette mit blossen Händen putzen, stundenlang Dornen aus ihren Decken entfernen (die Wärter hatten die Decken zuvor durch Dornbüsche geschleift). Und es wurde ihnen befohlen, Mitgefangene zu
verhöhnen oder sexuelle Handlungen mit ihnen zu simulieren.

Nach weniger als 36 Stunden musste Zimbardo den Gefangenen 8612 wegen extremer
Depressionen, unkontrollierter Weinkrämpfe und Wutausbrüche entlassen. Er zögerte zuerst damit, weil er glaubte, der Student gebe bloss vor, am Ende zu sein. Für Zimbardo war es unvorstellbar, dass ein Versuchsteilnehmer in einem simulierten Gefängnis nach so kurzer Zeit derart extreme Reaktionen zeigte.

Sowohl für die Gefangenen als auch für die Wärter verwischten sich die Grenzen zwischen Experiment und Realität. Je länger das Experiment dauerte, desto häufiger mussten die Bewacher daran erinnert werden, dass keine körperliche Gewalt erlaubt war. Die Macht, die ihnen das Experiment gab, machte aus pazifistisch eingestellten Studenten sadistische Gefängniswärter. Selbst
Zimbardo verhielt sich sonderbar. Eines Tages glaubte eine der Wachen, die
Gefangenen bei der Planung eines Massenausbruchs belauscht zu haben. Zimbardo
ging zur Polizei von Palo Alto und wollte die Gefangenen in das alte
Stadtgefängnis transferieren. Als die Polizei ablehnte, wurde er wütend und
beklagte den Mangel an Kooperation zwischen den Gefängnissen. Zimbardo selbst
war Gefängnisdirektor geworden.

Am vierten Tag stellte Zimbardo aus Doktoranden und Abteilungssekretärinnen des Instituts einen Bewährungsausschuss zusammen, dem die Gefangenen einen Antrag  auf vorzeitige Entlassung stellen konnten. Fast alle waren bereit, auf die 15 Dollar pro Tag zu verzichten, wenn sie rauskämen. Der Bewährungsausschuss schickte sie in die Zellen zurück, während er über die Anträge beriet.

Erstaunlicherweise gehorchten alle Gefangenen, obwohl sie ihre Teilnahme am Experiment einfach hätten beenden können, wenn sie ohnehin auf das Geld verzichteten. Doch dazu hatten sie nicht die Kraft. «Ihr Realitätssinn hatte sich verschoben», schrieb Zimbardo, «sie nahmen ihre Gefangenschaft nicht mehr als ein Experiment wahr. In dem psychologischen Gefängnis, das wir kreiert
hatten, hatte nur das Strafvollzugspersonal die Macht, vorzeitige Entlassungen zu bewilligen.»

Inzwischen tauchte ein Anwalt auf, den die Eltern eines Studenten kontaktiert hatten, um ihren Sohn herauszuholen. Er besprach mit dem Gefangenen, wie sich die Kaution auftreiben liesse, und versprach nach dem Wochenende wiederzukommen – obwohl auch er wusste, dass es hier um ein Experiment ging und die Frage nach einer Kaution absurd war. Zu diesem Zeitpunkt war für alle Beteiligten völlig
unklar, wo ihre Rolle aufhörte und wo ihre eigene Identität begann.

Fünf Tage nach Beginn des Experiments, am Donnerstagabend, besuchte Zimbardos Freundin und spätere Frau Christina Maslach das Gefängnis. Sie war Psychologin und hatte sich bereit erklärt, die Gefangenen am nächsten Tag zu interviewen. Es war nicht besonders viel los, und Maslach las im Kontrollraum einen Artikel.

Etwa um 23 Uhr klopfte Zimbardo ihr auf die Schulter und zeigte auf den Bildschirm. «Schnell, schnell – schau dir das an.» Maslach schaute auf, und es wurde ihr sofort übel. Die Wärter schrien auf eine Reihe an den Füssen aneinandergeketteter Gefangener ein, deren Köpfe in Papiersäcken steckten. Es war der Gang zur Toilette vor dem Schlafengehen. In der Nacht mussten die
Gefangenen ihre Notdurft in der Zelle in einen Eimer verrichten, dessen Leerung
die Wärter willkürlich verweigerten. «Siehst du das? Komm schon, schau es dir an
– das ist wirklich erstaunlich.» Doch Maslach hatte keine Lust.

Als Zimbardo sie beim Verlassen des Gefängnisses fragte, was sie vom Experiment
halte, schrie sie ihn an. «Es ist entsetzlich, was du diesen jungen Leuten antust!» Es kam zu einem hitzigen Streit, in dessen Verlauf Zimbardo merkte, dass alle am Experiment beteiligten Personen die zerstörerischen Werte des Gefängnislebens verinnerlicht hatten. Schliesslich entschied er sich, den
Versuch am nächsten Morgen zu stoppen.

Der Verlauf des Experiments zeigt erstaunliche Parallelen zur Situation in Bagdad: Nicht dazu ausgebildete Soldaten fanden sich plötzlich in der Rolle mächtiger Gefängniswachen. Die Vorgesetzten hatten keine Erfahrung und griffen nicht ein. Hinzu kamen die militärische Geheimhaltung und widerstreitende Interessen von Wachen und Verhörspezialisten.

«Jede Tat, die je ein Mensch begangen hat, wie schrecklich auch immer, kann jeder von uns begehen – unter dem richtigen oder falschen Druck einer bestimmten Situation», schrieb Zimbardo nach dem Experiment. «Dieses Wissen entschuldigt das Böse nicht, es demokratisiert es eher, teilt die Schuld unter normalen Leuten auf, anstatt sie zu verteufeln.» ...
Aus einer Bilderserie vom
"Stanford Prison Experiment".


Unter www.prisonexp.org gibt es Bilder, Filme und weitere Informationen zum Stanford-Prison-Experiment.
Der deutsche Spielfilm <Das Experiment> (2001) basiert auf den Ereignissen in Stanford. Philip Zimbardo hält ihn für eine reisserische Vereinfachung.
http://folio.nzz.ch/2004/juni/jedem-steckt-ein-folterknecht



Muss man sich wundern, wenn derzeitige Insassen der "Haasenburg" die mittlerweile eingerichtete Hotline nicht nutzen?
(Wie viele Chips würden sie wohl brauchen, um das zu dürfen?)
Ehemalige Insassen haben sich allerdings gemeldet, und eine Untersuchungskommission
wurde vor einigen Tagen eingesetzt.


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Sowas nennt man wohl Pressearbeit
Ein Blick in das Archiv der Berliner Zeitung: Lobhudelei für die Haasenburg und ein Streiflicht auf die Pressearbeit der Berliner Polizei in der Ära DWDS („Dieter Will Das So“)


"Platz gibt es genug" und "Die Kinder erhalten sogar Schulunterricht" - Begeisterung, fast Schleichwerbung für private Anbieter geschlossener Heimunterbringung (in der BZ, 2007)

Polizeipräsident möchte kriminelle Kinder in Heimen unterbringen. Platz dafür gibt es genug, doch niemanden, der es bezahlen möchte: Ab in die Hasenburg | Archiv - Berliner Zeitung
Von Andreas Kopietz
12.06.2007

Was tun mit Kindern, die immer wieder klauen, prügeln und rauben?
Einige haben schon 40 Straftaten auf dem Gewissen. Doch die Polizei muss sie immer wieder laufen lassen, weil sie noch nicht 14 und strafmündig sind. ...
Weil ein 13-Jähriger, der auf der Straße einen Raub begeht, juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, bleibt dem Jugendamt oft nur Eines: die Unterbringung des Kindes in einem Heim, wo es mehrere Monate oder Jahre nach strengen Regeln lebt und Werte vermittelt bekommt und ein Leben ohne Straftaten überhaupt erst lernt. Diese Chancen lässt Berlin zum großen Teil ungenutzt. "Nur ein Kind ist derzeit in einem Heim untergebracht", sagte eine Sprecherin der
Senatsjugendverwaltung gestern. Nach Angaben der Sprecherin stehen Berlin mindestens 26 Plätze in Brandenburger Einrichtungen zur Verfügung. Bei Bedarf könnten Bezirksämter weitere Verträge mit Einrichtungen in anderen Bundesländern schließen.
Zuständig für die Heimunterbringung ist das jeweilige Jugendamt. Die Entscheidung erfolgt entweder im Einvernehmen mit der Familie oder auf Beschluss des Familiengerichts. Ein Betreuer und zwei Kinder Bei den Einrichtungen mit Namen wie "Hasenburg", "Weidenhof" oder "Insel" handelt es sich unter anderem um abgelegene Bauernhöfe, die von freien Trägern betrieben werden. Sie liegen an abgelegenen Orten, die Abhauen unattraktiv machen. Der Tagesablauf ist streng geregelt, die Bewohner werden "verbindlich betreut". Die Kinder erhalten sogar Schulunterricht, der Betreuerschlüssel liegt in der Regel bei 1:2 - ein Betreuer ist für zwei Kinder verantwortlich. Polizeipräsident Dieter Glietsch wundert sich, dass die Jugendämter nicht stärker das Angebot nutzen. Er befürwortet ein Konzept "Menschen statt Mauern", bei dem sich Sozialarbeiter um straffällige Jugendliche kümmern. Eigentlich rennt er damit in den Bezirksämtern offene Türen ein.
"Kriminelle Kinder oder Jugendliche aus ihrem Milieu raus zu nehmen und weit weg in die Wallachei zu schicken, ist sehr sinnvoll", sagt etwa Peter Schulz, zuständiger Fachbereichsleiter in Mitte. "Dies sollte aber sehr gezielt geschehen. Es geht nicht darum, die Kinder einfach wegzuschließen, sondern ihnen einen pädagogischen Bezug zu geben." …



Der Ort für jugendliche Straftäter und Schulschwänzer: Noch 2010 wurde die "Haasenburg" verniedlichend ("Keine Drogen, früh aufstehen und höflich sein") propagiert als Gegenmodell zu anderen Häusern, in denen angeblich Zigaretten, Alkohol und Joints kreisen würden. Selbst wenn - und gerade wenn - an der Beschreibung "anderer Häuser" etwas dran sein sollte, stellt sich die Frage: Wer kümmert sich eigentlich wirklich um die Überwachung geschlossener Jugendeinrichtungen?


MINDERJÄHRIGE STRAFTÄTER - Der elfjährige Drogenhändler tanzt Polizei und
Sozialarbeitern auf der Nase herum. In Neuendorf am See lernen Jugendliche den Alltag
Archiv - Berliner Zeitung

Keine Drogen, früh aufstehen und höflich sein
Von Mechthild Henneke  24.07.2010

... eine Idylle, nur rund 60 Kilometer südöstlich von Berlin, doch ganze Welten entfernt von der Hauptstadt. Bei ihrer Fahrt wird kaum ein Besucher das Heim Haasenburg entdecken. ...
Ein ehemaliges Ferienheim des DDR-Gewerkschaftsbunds FDGB beherbergt seit zehn Jahren Kinder und Jugendliche, denen der Absturz droht. ...
Es sind Mädchen, die sich prostituieren, Jugendliche, die Drogen nehmen, Schulschwänzer und Schläger, die in den Spreewald geschickt werden, um ihr Leben irgendwie wieder in den Griff zu
kriegen. Sie sind zwischen elf und 18 Jahren alt, insgesamt 45 Jungen und Mädchen  ...
Auf dem weitläufigen Gelände gibt es einen Fußball- und einen Volleyballplatz, Paddelboote, einen
Kletterturm, Fahrräder und ein Feuerwehrauto, das vor sich hinrostet. "Zwischen einem und drei Jahren bleiben die Jugendlichen im Durchschnitt bei uns", sagt Mario Bavar, der 43-Jährige Geschäftsführer der Jugendhilfe-Einrichtung. Er will sie "in die Mitte der Gesellschaft" zurückführen, sagt Bavar. Seine Strategie ist die der kleinen Schritte und die von Regeln und Gesetzen: früh aufstehen, Schule, Freizeitaktivitäten - alles nach einem Plan, der Regelmäßigkeit
schafft - nicht nur im Sinne von Wiederholung, sondern auch von dem Jugendschutz entsprechendem Verhalten: Rauchen verboten, Alkohol verboten, andere Drogen sowieso. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Bavar. In Häusern anderer Betreiber ließen Erzieher bei Gesprächen mit Jugendlichen auch mal einen Joint kreisen, um Gemeinschaft herzustellen und so die Gesprächsbereitschaft zu fördern. Bavar lehnt das ab, seine Einrichtung gilt in der Szene als streng...." ...
Schritt für Schritt soll den Jugendlichen ihre Entscheidungsgewalt zurückgegeben werden. Wo früher Sucht oder Zwang standen, soll die Freiheit treten, Nein zu sagen. ...
Foto: Letzte Rettung Haasenburg ...


Von der gleichen Webseite der BZ aus kann man auch aktuelle Artikel zu den Missbrauchsvorwürfen und den eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft anklicken, z.B.:
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Heime
Sind in Brandenburger Heimen tatsächlich Kinder und Jugendliche drangsaliert
worden? In die Vorwürfe soll Klarheit kommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt,
ein Landtags-Sonderausschuss kommt zusammen, eine Kommission... mehr...
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Und auch dies:
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Pressearbeit und grüner Füller: Polizeipräsident Dieter Glietsch
Morgen wird Polizeipräsident Dieter Glietsch in den Ruhestand verabschiedet.
Nicht alle sind traurig: Der Mann mit den zwei Gesichtern | Archiv - Berliner Zeitung
26.05.2011
Der Mann mit den zwei Gesichtern
Von Andreas Kopietz
 
Das Kürzel DWDS kennt fast jeder in der Berliner Polizei. Es steht für "Dieter will das so" und bezeichnet recht treffend den Führungsstil von Polizeipräsident Dieter Glietsch. Er wird morgen von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in den Ruhestand verabschiedet. Wenn man so will, ist der heute 64-Jährige, der im Mai 2002 zum Polizeichef ernannt wurde, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da wäre jener Dieter Glietsch, der aus der Behörde eine moderne Hauptstadtpolizei gemacht hat. Er ist ein Mann, der von seinen Mitarbeitern maximalen Einsatz fordert, der einen messerscharfen Verstand hat - und, wenn man genau zuhört, einen feinen Humor. Und da wäre jener Dieter Glietsch, der als Kontrollfreak gilt und von dem, wie Mitarbeiter sagen, eine Eiseskälte ausgeht.
Er gehört in der Behörde sowohl zu den meistgeachteten wie auch zu den meistgefürchteten Leuten. ...
Und handelte sich den Vorwurf der Opposition ein, politischen Vorgaben unwidersprochen zu folgen und nur ein Vollzugsorgan des Senats zu sein. Dazu zählt auch, dass Glietsch einen rigorosen Personalabbau durchsetzte, sodass die Behörde heute nur noch 21000 Mitarbeiter hat, von denen 16150 Vollzugsbeamte sind, also Polizisten, die Verbrecher jagen. ...
"Der Name Glietsch steht einerseits für eine völlige Neuordnung der Polizei", sagt Bodo Pfalzgraf, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Andererseits steht er für beinharte Auseinandersetzungen mit den Personalvertretungen. Und für einen eigenwilligen Arbeitsstil. Alles, was diese Behörde jemals schriftlich verlassen hat, ging über seinen Tisch." Tatsächlich war Glietschs wichtigstes Arbeitsmittel ein grüner Füller, mit dem er seine Anmerkungen schrieb, auf
Entwürfe für Dienstanweisungen oder Antworten auf Pressefragen. Sein Bedürfnis, auch über Kleinigkeiten Bescheid zu wissen, führte dazu, dass ihm sämtliche wichtige Presseanfragen vorgelegt wurden. Im Laufe der Jahre kanalisierte er die Herausgabe von Informationen so stark, dass alles nur noch über die Pressestelle läuft. Niemand wagte es mehr - auch nicht Direktionsleiter, die ihren Enddienstgrad erreicht haben - ohne Genehmigung mit den Medien zu reden. Und wenn, dann nur inkognito. "Ein leitender Beamter" ist dann in den Zeitungen zu lesen. Oder ein "ranghoher Beamter". Das nennt Glietsch, der früher selbst einmal Journalist werden wollte, moderne Pressearbeit. Entsprechend steif erscheint die Polizei dann in der öffentlichen Wahrnehmung - obwohl sie es eigentlich nicht ist. Doch der Gedanke, dass die Berliner Polizei mehr Gesichter als nur die des Polizeipräsidenten und der Pressesprecher hat, ist für Glietsch unerträglich. Und so verschwanden populäre Beamte, die etwa Experten bei der Aufklärung von Mordfällen oder Kindesmissbrauch waren, von der öffentlichen Bildfläche. Sie wurden in andere Abteilungen versetzt.
Überhaupt führte Glietsch ein Rotationsprinzip für Beamte ein, wie schon in NRW. Die Beamten sollten auch andere Bereiche der Behörde kennenlernen. ... Beamte, die sich hervorragend mit jugendlichen Gewalttätern auskannten, fuhren nun Funkwagen. Ein Spezialist für arabische Großfamilien, der arabisch spricht, wurde ebenso versetzt wie ein Dezernatsleiter, der in der
Rockerszene genau Bescheid wusste und dann Drogenhändler in der U-Bahn jagte.
Lauten Widerspruch aus den eigenen Reihen habe er nur selten bekommen, sagt ein Glietsch-Vertrauter. Das sagt auch etwas über die Mentalität in der Truppe, in der dann eben hinter der Hand gelästert wird: "DWDS". Dieter will das so. ...
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/morgen-wird-polizeipraesident-dieter-glietsch-in-den-ruhestand-verabschiedet--nicht-alle-sind-traurig-der-mann-mit-den-zwei-gesichtern,10810590,10789072.html



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Ergänzung 08. Januar 2014


Qualitätsmanagement
mit Daarwin



Die Betriebserlaubnis der Haasenburg Heime wurde aufgrund der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses nicht verlängert (siehe
http://guttmensch.blogspot.com/2013/07/intimrasur-gegen-chips-fur.html).

Über das Qualitätsmanagement in den Haasenburg-Einrichtungen mit dem patentierten System QM-Center®, einer Software für Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen, sind kaum Informationen zu finden. Aber auf der Webseite der Firma Daarwin (Anbieter von QM-Center®) findet sich weiterhin das Kundenprofil der Haasenburg; Stand 20.09.2011.
Link:
http://www.daarwin.de/news-archiv/items/260.html

Auszug:
“Haasenburg GmbH
Mehr Effizienz bei Dokumentation und Verwaltung durch QM-Center®
Die Haasenburg GmbH ist ein Anbieter der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Ihr Leistungsangebot umfasst intensivpädagogisch-, heil- und sozialtherapeutische Betreuung für Kinder  und Jugendliche in vielfältigen Betreuungssettings.
An vier Standorten, in Brandenburg und Sachsen, werden die Kinder und Jugendlichen durch multiprofessionelle Teams betreut. Es findet eine psychologische und altersgerechte Betreuung statt. Angeboten werden zudem vielfältige Sportbetätigungen, Computertraining und eine umfangreiche Freizeitgestaltung.
Es bestehen Kooperationsverträge mit dem Institut für Verhaltenstherapie, der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Lübben.
QM-Center® wird an allen Standorten und in allen Bereichen der Verwaltung, Pädagogik und Leitung eingesetzt.
Tim Berndt, Verwaltungsleiter der Haasenburg GmbH zu QM-Center®:
„Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe von QM-Center unsere Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben effizienter bearbeiten können. Zudem vereinfacht das durchdachte System die Anwendung einheitlicher Standards.“
Wir bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Haasenburg GmbH.”



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Weitere Ergänzung 08. Januar 2014

Aus der Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie (DGKFP) zur Schließung der Jugendhilfeeinrichtungen der "Haasenburg GmbH";
eingestellt auf der Webseite der DGKJP am 03. Dezember 2013

http://www.dgkjp.de/aktuelles/stellungnahmen/183-stellungnahme-der-dgkjp-zur-schliessung-der-jugendhilfeeinrichtungen-der-haasenburg-gmbh

[...] Der uns vorliegende Abschlussbericht der eingesetzten Expertenkommission lässt
außer einer Schließung der Einrichtung aus unserer fachlichen Sicht keine andere
Konsequenz zu. [...]

Besonders betroffen macht uns, dass in dieser Einrichtung unter dem Deckmantel
von „Therapie“ Freiheitsentzug und Freiheitseinschränkungen durchgeführt worden
sind, die keiner externen Kontrolle unterlegen haben und die in ihrer
Durchführung Menschenrechte verletzt haben. Auch die Behauptung, es handele sich
bei entwürdigenden pädagogischen Maßnahmen um „Verhaltenstherapie“ ist
inakzeptabel. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sieht sich dazu
verpflichtet, dies eindeutig klarzustellen, da insbesondere die so genannten
körperlichen „Begrenzungen“ und „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ unter explizitem
Hinweis auf eine angebliche kinder- und jugendpsychiatrische Fundierung des
Vorgehens in der Einrichtung durchgeführt worden sind. 

Wir möchten betonen, dass die Verbindung der Einrichtungen der „Haasenburg GmbH“
zu Kliniken und Niedergelassenen in unserem Fachgebiet keinesfalls so eng war
wie in der Konzeption der Einrichtung behauptet. Dies wurde von der
Untersuchungskommission auch so festgestellt. Bis auf die Vorstellung einzelner
Jugendlicher zur Medikations­überprüfung waren Kinder- und Jugendpsychiater in
das Geschehen in der Einrichtung nicht einbezogen. Berichtete Methoden von
Zwangsausübung einschließlich zwangsweiser Verabreichung von Medikation sind von
keinem Kinder- und Jugendpsychiater in dieser Weise ärztlich verantwortet,
geschweige denn verordnet worden. Die drei Fachverbände der Kinder- und
Jugendpsychiatrie haben sich seit langer Zeit eindeutig zu den ethischen
Rahmenbedingungen von Zwangsanwendung in der Krankenbehandlung von Kindern und
Jugendlichen positioniert: Bei einer nicht ärztlich angeordneten
Zwangsmedikation ohne rechtliche Grundlage handelt es sich zweifelsfrei um eine
Form der Körperverletzung.

Dieser Präzedenzfall unterstreicht noch einmal die Empfehlungen des Runden
Tisches „sexueller Kindesmissbrauch“ in Bezug auf ein adäquates internes und
externes Beschwerdeverfahren für institutionell betreute Kinder und Jugendliche.
So genannte „geschlossene Heime“ bedürfen hier einer besonderen Aufmerksamkeit
und Kontrolle. [...]
Aus den bisherigen Monitoringangaben des Unabhängigen Beauftragten für Fragen
des sexuellen Missbrauchs, Herrn Rörig, geht nicht hervor, ob Einrichtungen, die in

der Jugendhilfe geschlossen geführt werden, entsprechende Risikoanalysen
vorgenommen und Schutzpläne und Beschwerdesysteme etabliert haben. Dies sollte bundesweit überprüft werden.
Gegen Machtmissbrauch hilft Transparenz. Selbstverständlich sollten die
anordnenden Gerichte, welche Beschlüsse nach § 1631 b BGB im pädagogischen
Kontext oft für längere Zeit (mehrere Monate bis ein Jahr) erlassen, sich
persönlich von der adäquaten Umsetzung ihrer Beschlüsse überzeugen. Schließlich
handelt es sich hierbei um weitgehende Eingriffe in Grundrechte, die nur zu
legitimieren sind, wenn tatsächlich das pädagogische Ziel erreicht werden kann. [...]


Der DGKJP-Vorstand im Dezember 2013
(Für den Vorstand: Prof. Jörg Fegert, Prof. Renate Schepker, Prof. Kerstin
Konrad, Prof. Hans-Henning Flechtner)

Samstag, 4. Mai 2013

Südstaaten-Blues

Über rassistische Traditionen an der University of Texas at Austin, einer Hochburg von professoralen Zuwendungsempfängern des Pioneer Fund (zur Förderung der Eugenik) siehe den Abschnitt Ku Klux Klan in akademischer Robe auf dem Post http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/vermehrung-der-minderwertigen-eine.html  (englischer Text, noch ohne Übersetzung).
Auf Quellen dazu kam ich dadurch, dass sich Thilo Sarrazin in DSSA auf eine ganze Reihe von Autoren aus dem Umfeld des Pioneer Fund bezieht, darunter John C. Loehlin. Loehlin war Direktor der American Eugenics Society (1968 - 1974) und Professor an besagter Universit
ät.

Hämischer Cartoon einer Studentin der University of Texas at Austin über die Rolle der Medien in der Berichterstattung über den getöteten Trayvon Martin:Dem naiven Publikum würde ein Märchen erzählt von einem bösen weißen Mann als Killer und einem süßen farbigen Jungen als unschuldiges Opfer.


“Märchenstunde”-Cartoon von Stephanie Eisner
E
rschien auf der Universitäts-Webseite “The Daily Texan”, dort mittlerweile entfernt
http://dailytexanonline.com/blog/matter-opinion/2012/03/27/trayvon-martin-and-case-yellow-journalism
 
 
Zum Hintergrund des Falls

Er ereignete sich in Florida – man kann nicht sagen “Das gibt es nur in Texas”.
Aus Texas wurde die rassistische Verunglimpfung des Opfers auf der Uni-Webseite bekannt:
Mit der höhnischen Rede vom “handsome sweet innocent colored boy” (gutaussehenden, süßen unschuldigen farbigen Jungen; s. abgebildeter Cartoon) wird unterstellt, die Tatsache, dass Trayvon Martin unbewaffnet war und von George Zimmerman im Auto und zu Fuß verfolgt wurde, spiele keine Rolle – irgend etwas würde der erschossene Jugendliche schon auf dem Kerbholz haben, das  Zimmermans Tat rechtfertige. Die Ironie ist hier ähnlich wie bei dem Begriff “Kulturbereicherer” eingesetzt.


Trayvon Martin – Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Trayvon_Martin#Stand-your-ground-Gesetz

Trayvon Martin (* 5. Februar 1995; † 26. Februar 2012 in Sanford, Florida) war
ein afroamerikanischer Jugendlicher, der in Sanford im US-Bundesstaat Florida
von dem 28-jährigen Latino George Zimmerman erschossen wurde. Sein
Todesfall hat in den USA eine landesweite Rassismusdebatte ausgelöst.

George Zimmerman, Mitglied einer Nachbarschaftswache in einer Gated Community
von Sanford, sah Trayvon Martin, als dieser auf dem Weg von einer Tankstelle, wo
er sich eine Packung Skittles und eine Dose Eistee gekauft hatte, zum Haus der
Freundin seines Vaters war. Zimmerman rief die Polizei an und berichtete über
verdächtiges Verhalten des Jugendlichen: This guy looks like he is up to no
good. He is on drugs or something. („Dieser Junge führt nicht Gutes im Schilde.
Er ist auf Drogen oder so etwas.“) Die Polizei wies ihn daraufhin an,
zunächst nichts weiter zu unternehmen. Kurz darauf gab Zimmerman der Polizei
durch, dass der Verdächtige zu laufen angefangen habe, und er ihn verfolge. Die
Polizei wies ihn daraufhin an, dies zu lassen: We don’t need you to do that
(„Das ist nicht notwendig“), worauf dieser mit „OK“ antwortete. In einem
Telefonat mit seiner Freundin beklagte sich Trayvon Martin darüber, dass ihn ein
ihm unbekannter Mann verfolge,wenig später erschoss Zimmerman den
unbewaffneten Jugendlichen.

Die Umstände des Todes von Martin Trayvon wurden zunächst von der lokalen
Polizei (Sanford Police Department) untersucht, dabei wurde George Zimmerman
festgenommen und auf die örtliche Polizeidienststelle gebracht. Eine sonst bei
Tötungsfällen übliche Alkohol- oder Drogenkontrolle wurde bei Zimmerman nicht
durchgeführt. Bei der Vernehmung durch den leitenden Untersuchungsbeamten Chris
Serino gab Zimmerman an, dem Jugendlichen gefolgt zu sein, ihn dann aber aus den
Augen verloren zu haben. Als er zu seinem Wagen zurückgekehrt sei, habe Martin
ihn von hinten angegriffen, niedergeschlagen und habe, nachdem er bereits am
Boden lag, seinen Kopf noch mehrfach auf den Boden geschlagen. Aus Angst um sein
Leben habe er zur Waffe gegriffen und Martin in die Brust geschossen. Er habe in
Notwehr („self-defence“) gehandelt. Er berief sich auf das in Florida besonders
weitreichende Selbstverteidigungsrecht („Stand-your-ground law“ –
„Weiche-nicht-zurück“-Gesetz). Zimmermans Erklärungen erschienen Chris
Serino jedoch nicht schlüssig. Am Ende des Verhörs schrieb er in einem Affidavit
(eidesstattliche Erklärung), dass er von Zimmermans Darstellung der Ereignisse
nicht überzeugt sei und forderte die Ausstellung eines Haftbefehls für Zimmerman
wegen Totschlags bzw. fahrlässiger Tötung von Trayvon Martin
(„homicide/negligent manslaughter“). [...] [Der zuständige Staatsanwalt
Norman R. Wolfinger[ [...] weigerte sich jedoch, einen Haftbefehl zu beantragen,
weil nach seiner Auffassung die (bis dahin) vorliegenden Fakten nicht ausreichten,
um beweisen zu können, dass Zimmerman außerhalb des umstrittenen
„Stand-your-ground-law“ gehandelt habe. Folglich wurde George Zimmerman bereits
wenige Stunden nach seiner Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt.

In Folge verteidigte der Polizeichef von Sanford, Bill Lee Jr., diese
Entscheidung gegenüber Medien und Öffentlichkeit: 

“When the Sanford Police Department arrived at the scene of the incident, Mr.
Zimmerman provided a statement claiming he acted in self-defense which at the
time was supported by physical evidence and testimony.”
„Als die Polizei von Sanford am Tatort eintraf, erklärte Herr Zimmerman, dass er
in Notwehr gehandelt habe, was zu diesem Zeitpunkt auch von den sichtbaren
Spuren und den Zeugenaussagen bestätigt wurde.“
Und:
“By Florida Statute, law enforcement was PROHIBITED from making an arrest based
of the facts and circumstances they had at the time.”
„Nach den Gesetzen Floridas war es der Polizei auf der Grundlage der Fakten und
Kenntnissen der Umstände, die sie zu diesem Zeitpunkt hatten, [auch] VERBOTEN
eine Verhaftung vorzunehmen.“

Infolge dieser und weiterer Äußerungen gerieten Sanford Polizeichef Bill Lee Jr.
sowie (Bezirks-)Staatsanwalt Norman R. Wolfinger zunehmend in die Kritik.[..]
Als Kritik und Druck von traditionellen Medien und Demonstranten an Art und
Weise der Ermittlungen immer stärker wurden, zog Rick Scott, Gouverneur von
Florida, Wolfinger am 22. März 2012 von diesem Fall ab und übertrug der
Staatsanwältin Angela B. Corey [...] die Leitung der Untersuchung [...] Corey
erklärte, dass keine Grand Jury (wie [zuletzt] von ihrem Vorgänger Wolfinger
avisiert), sondern sie allein über eine Anklage gegen George Zimmerman entscheiden
werde. Dies ließ werkennen, dass Zimmerman in erster Instanz nicht wegen Mordes
angeklagt wird. Bei Mordfällen wäre in Florida ein Geschworenengericht
obligatorisch.[...]

Das Video der Überwachungskamera auf der Polizeistation, das kurz nach der Tat
aufgenommen wurde, wurde am 28. März 2012 der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht. Es zeigt keine Verletzungen und keine Blutspuren an Zimmermans Nase,
Hinterkopf oder Kleidung.[...]

Das Notruftelefonat des Täters wurde von der Polizei aufgenommen. Die Polizei
weigerte sich zunächst, diese Aufnahme zu veröffentlichen. Es wurde vermutet,
dass der Notruf eine halblaut gemurmelte rassistische Äußerung enthalte. Dies
konnte bisher nicht mit Sicherheit bestätigt werden.[...]

Der Fall löste eine Diskussion über die Voraussetzungen und Grenzen der Notwehr
aus, insbesondere im Bundesstaat Florida. Die Polizeibeamten hatten geltend
gemacht, sie hätten aufgrund des seit 2005 in Florida geltenden sogenannten
„Stand-your-ground law“, das unter dem republikanischen Gouverneur Jeb Bush
Gesetzeskraft erlangt hatte, keine Handhabe gegen Zimmerman. Der Waffengebrauch
sei bei Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit zur Notwehr zulässig, und sie
hätten keinen Anlass, an der Darstellung des Geschehens durch Zimmerman zu
zweifeln.

Die Republikaner Durell Peaden und Dennis K. Baxley, die das Gesetz in den
Gesetzgebungsprozess eingebracht hatten, erklärten, es besage lediglich, dass
gesetzestreue Menschen nicht dazu verpflichtet sind, vor einem Angreifer
zurückzuweichen, sondern das Recht hätten, Gewalt mit Gewalt zu begegnen. An
keiner Stelle des Gesetzes stehe aber, dass eine Person das Recht habe, die
Konfrontation mit einer anderen Person provokativ herbeizuführen. Die
Notruf-Telefonaufzeichnungen würden die Vermutung nahelegen, dass Zimmerman
seine Grenzen überschritten habe, als er der Polizei durchgab, er werde Trayvon
Martin folgen, und dann die Aufforderung der Polizei, dies nicht zu tun, einfach
ignorierte. „In diesem Augenblick verlor er sein Recht auf Selbstverteidigung“,
erklärte Peaden. „Als er sagte ‚Ich folge ihm’, verlor er sein Recht auf
Selbstverteidigung.“[...]

Michael Bloomberg, der Bürgermeister von New York City, kritisierte, dass die
2005 in Florida als erstem Bundesstaat eingeführte „Stand your-ground“-Regel
2012 - sieben Jahre später - bereits in weiteren 25 Bundesstaaten eingeführt
war. Wurden bis 2005 in Florida noch 34 Tötungsfälle unter der Rubrik Notwehr
verbucht, so waren es nach Inkrafttreten der neuen Regel mehr als 100
Tötungsfälle. Bloomberg sagte:
„Man kann einfach keine zivilisierte Gesellschaft haben, wenn jeder eine Waffe
besitzt und selbst darüber entscheiden darf, ob ihn jemand bedroht oder
nicht.“[...]

In den USA kam es zwei Wochen nach dem Tod Trayvon Martins zu bundesweiten
Demonstrationen gegen Rassendiskriminierung und Polizeiwillkür.In diesem
Zusammenhang nahm das FBI Ermittlungen auf, die sich gegen den Täter richten und
auch das Verhalten der Polizeibeamten vor Ort untersuchen sollen. Von
entscheidender Bedeutung ist dabei, ob die Tat einen rassistischen Hintergrund
hat, da für die Verfolgung eines sogenannten hate crime Bundesbehörden zuständig
wären. Von Zimmermans Freunden, darunter auch Afroamerikanern, wurde
bestritten, dass dieser ein Rassist sei und darauf hingewiesen, dass Zimmerman
selbst ein Latino sei. Am 24. März 2012 protestierten erneut Tausende
Demonstranten in Washington, New York, Chicago und Tampa gegen rassistische
Tendenzen in den USA. Viele Demonstranten traten dabei ostentativ in
Kapuzenjacken (hooded sweatshirts, „hoodies“) auf, wie sie gerne von
afroamerikanischen Jugendlichen getragen werden.

An der Spitze der Demonstrationszüge marschierte und marschiert Al Sharpton, ein
wortgewaltiger Prediger aus New York. Viel zitiert wird sein Satz
“We can put a black man in the White House but we cannot walk a black child
through a gated neighbourhood.”
„etwa: Wir können einen schwarzen Mann im Weißen Haus haben, aber wir können ein
schwarzes Kind nicht durch eine geschützte Wohnsiedlung laufen lassen.“[...]

Am 11. April 2012, mehr als sechs Wochen nach dem Tod von Trayvon Martin, wurde
der Todesschütze George Zimmerman wegen Mordes angeklagt. Zimmerman müsse sich
wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz (second degree murder – oder auch „Murder
two“) verantworten, erklärte die Sonderermittlerin der Staatsanwaltschaft,
Angela Corey, auf einer Pressekonferenz. Sie betonte, dass die Staatsanwaltschaft nicht
aufgrund öffentlichen Drucks handle, sondern wie in jedem anderen Fall auf der Grundlage
von Fakten und der Gesetze Floridas. [...]

[...] die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage unter anderem auf folgende Punkte:
Zimmerman näherte sich Trayvon Martin (confronted) in feindlicher Absicht. Martin
telefonierte mit seiner Freundin, die ihm riet, nach Hause (das heißt, zum Haus der
Verlobten seines Vaters) zurückzulaufen. In Folge versuchte Martin dieses Haus zu
erreichen. Zimmerman wollte ihn aber nicht entkommen lassen, bevor die Polizei eintraf.
Daher stieg er aus seinem Wagen und folgte Martin. Er teilte das dem Beamten der
Notrufzentrale der Polizei (911-Call-Center) mit. Als dieser ihn daraufhin
aufforderte, dies nicht zu tun und stattdessen das Eintreffen der Polizeibeamten, die
sich bereits in der Nähe befanden, abzuwarten, schlug Zimmerman die Weisung des
Polizeibeamten in den Wind und folgte Trayvon Martin weiter. Als Zimmerman Martin
erreichte, kam es zunächst zu einem lautstarken Wortwechsel, dann zu einem Kampf.
In Folge riefen zahlreiche Zeugen der Vorgänge die Notrufzentrale der Polizei
(911-Call-Center) an. Sie berichteten von dem lauten Wortwechsel, dann von einem
Kampf und verzweifelten Hilferufen. Diese Stimme, die um Hilfe schrie, war auf den

Aufzeichnungen der Notrufzentrale der Polizei deutlich zu vernehmen. Von Trayvon
Martins Mutter, Sybrina Fulton, wurde diese Stimme als die Stimme ihres Sohnes
identifiziert. [...]

Am 23. April 2012 wurde George Zimmerman auf Kaution und den o.g. Auflagen aus
der Untersuchungshaft entlassen. Von den 150.000 US-Dollar (rd. 114.000 Euro),
die vom Gericht festgelegt wurden, musste Zimmerman 10 Prozent (i.e. 15.000
US-Dollar) sofort aufbringen. [...]
Am 1. Juni 2012 widerrief ein Richter in Sanford Zimmermans Freilassung auf
Kaution. Die Staatsanwaltschaft warf ihm und seiner Ehefrau Shellie vor, die
Justiz über seine tatsächliche finanzielle Situation getäuscht zu haben.
Zimmerman hatte sich und seine Familie als mittellos dargestellt. Laut
Staatsanwaltschaft hatte Zimmerman aber zu dem Zeitpunkt, als vom Gericht über
die Höhe der Kaution entschieden wurde, über eine Website 135.000 Dollar für
seine Verteidigung gesammelt. Dieses Geld erwähnten er und seine Frau bei der
ersten Kautionsanhörung nicht. "Der Angeklagte hat versucht, das System zu
manipulieren" - so Richter Kenneth Lester.
Trotz dieser Beurteilung wurde Zimmerman Anfang Juli 2012 neuerlich Kaution
gewährt und auf freien Fuß gesetzt, da er nach Einschätzung des Gerichts keine
Gefahr für die Öffentlichkeit darstellte. Die Kaution wurde diesmal auf 1
Million Dollar (ca. 800.000 Euro) festgesetzt. Zehn Prozent dieser Summe
(100.000 Dollar) musste Zimmerman hinterlegen. [...]
Im Oktober 2012 wurde der Gerichtstermin auf den 10. Juni 2013 festgelegt.

Weblinks [Bearbeiten]
Obama zum getöteten US-Teenager: "Wenn ich einen Sohn hätte, er sähe aus wie
Trayvon", Spiegel Online, 23. März 2012 [...]
 



Gefunden auf
http://im41.com/archives/4
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Obamas Kommentar war Wasser auf die Mühlen von Hassbloggern, die es sowieso unerträglich finden, dass die Weltmacht USA einen “farbigen” Präsidenten hat. Sie gruben ein Foto von Trayvon Martin aus, auf dem dieser mit schlappiger Hose im “Rapper Look” zu sehen ist und mit den Fingern “V” (“Victory”) Zeichen formt. Auf zahleichen Blogs wurde dieses Foto verbreitet, um Bildern, auf denen er vermeintlich zu gut, zu süß und zu unschuldig aussieht, etwas entgegen zu setzen. Natürlich blieb auch nicht aus, dass dieses Foto neben ein Foto von Obama gestellt wurde, auf dem dieser eine angeblich ähnliche Geste macht. “Ich sehe die 
Ähnlichkeit” besagt die Unterzeile.







(Was im Hinblick auf die Geste ziemlich weit hergeholt erscheint; das bekannte Bild von Josef Ackermann als Angeklagter im Mannesmann-Prozess hätte besser gepasst, aber da hätte natürlich die Hautfarbe nicht gestimmt)

 
 




Dazu auch: Tweets vom Bruder
http://edition.cnn.com/2013/03/27/us/florida-zimmerman-brother-tweets
Robert Zimmerman Jr., the brother of the man who shot and killed 17-year-old
Trayvon Martin, apologized for his controversial and offensive tweets.
In one, Zimmerman juxtaposed a photograph of Martin with one of 17-year-old
De'Marquise Elkins, one of two teenagers charged with killing a baby in Georgia.
Both Elkins and Martin appear to be flipping off the camera.
"A picture speaks a thousand words. Any questions?" the tweet reads.
In another tweet, Zimmerman writes: "Lib media shld ask if what these2 black
teens did 2 a woman&baby is the reason ppl think blacks mightB risky."



"Krieg gegen Weihnachten":
Wo von Texas aus gesehen "links" ist

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, war einer der Bewerber um die Kandidatur der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im November 2012.
Perry bezeichnete Präsident Obama als "a member of the left", ein "Mitglied der Linken". Er fand, Obama hätte im Weißen Haus zu wenig Christbäume aufgestellt, er führe einen Krieg gegen religiöse Traditionen. Über diesen Vorwurf berichtete CNN mit der Überschrift "War on Christmas", Krieg gegen Weihnachten.

http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/am-fittesten-sind-die-millionare.html



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ALEC

Die Lobby-Gruppe ALEC (American Legislative Exchange Council) sponserte das “Stand-Your-Ground” Gesetz, wonach es zunaechst kein Gerichtsverfahren zur Aufklaerung der Toetung von Trayvon Martin geben sollte.
http://www.thenation.com/article/167014/exposed-corporations-behind-law-may-let-trayvon-martins-killer-go-free#

Exposed: The Corporations Behind the Law That May Let Trayvon Martin's Killer Go Free
Here's what we know about the groups that help fund ALEC, the organization that drafted the law that keeps Trayvon Martin’s killer free.Suzanne Merkelson, March 23, 2012 It’s been widely reported today that the American Legislative Exchange Council (ALEC), the shadowy corporate front group that unites state lawmakers with corporations to pass state laws favorable to corporate interests, helped pass the law that might allow Trayvon Martin’s killer, George Zimmerman, to escape prosecution. Florida’s “Stand Your Ground” […] is just one of many state laws that is nearly identical to ALEC’s model Castle Doctrine Act. The Florida senator who introduced the law, Durell Peadon, was also a member of ALEC. The law passed in 2005.According to the Center for Media and Democracy, 98 percent of ALEC’s revenues come from corporations, corporate trade groups, and corporate foundations. Each member pays annual fees of between $7,000 and $25,000. ALEC is also supplemented by direct grants. We don’t know all the details about all of ALEC’s funders and members. Here’s a partial list of what we do know about the corporations and foundations who helped fund the group that drafted the law that keeps Trayvon Martin’s killer free — and put more guns on our streets:ALEC received $1.4 million in grants from ExxonMobil from 1998-2009.It has also received grants from two Koch family-backed foundations: Charles G. Koch Foundation, the Claude R. Lambe Foundation.ALEC has received grant money from the billionaire conservative and American Spectator publisher Richard Mellon Scaife‘s Allegheny Foundation and the Coors family’s Castle Rock Foundation.ALEC’s Private Enterprise Board members include executives from Bayer Corp., GlaxoSmithKline, Centerpoint360, Reynolds American, Wal-Mart Stores, Johnson & Johnson, PhRMA, American Bail Coalition, Kraft Foods, Inc., Pfizer Inc., DIAGEO, AT&T, Reed Elsevier, Inc., Peabody Energy, UPS, Koch Companies Public Sector, LLC, Altria Client Services, ExxonMobil, Salt River Project, and State Farm Insurance Co. Coca Cola also recently had an executive on ALEC’s board.According to reporting by my colleague, Lee Fang, ALEC’s 38th Annual Meeting was funded by corporations including BP, Takeda Pharmaceutical, Allergan, Altria, Bayer, Chevron, Peabody, Shell, UnitedHealthcare, Visa, FedEx, Louisiana Seafood, UPS, Amazon.com, Chesapeake Energy, ConocoPhillips, Dow, Gulf States Toyota, International Paper, TimeWarner, Wellpoint, HP, Lilly, Merck, USAA, and Walgreens (the full list available here).The first item in ALEC’s mission statement is:… to advance the Jeffersonian principles of free markets, limited government, federalism, and individual liberty, through a nonpartisan public-private partnership of America’s state legislators, members of the private sector, the federal government, and general public.Individual liberty is one thing when it comes to protecting your home or your children. It’s quite another when it means gunning down a teenager armed only with Skittles in his father’s neighborhood. ALEC is the same group behind laws that harm workers, health, and safety, and behind the “Voter ID” law that makes it harder for low-income people, communities of color, the disabled and elderly, and others to vote. Now we know ALEC wrote the law that might let Trayvon Martin’s killer walk free. How much longer will the large corporations behind ALEC harm the communities in which they do business by funding the group’s reckless agenda?

March 23, 2012 curiousbutwithvalues 1 comment
Thanks for an insightful article.
I lived in one of those nice but pretentious gated communities in Florida. I had a crazy racist neighbor show up with a gun at my door late one night because our pool filter was making too much noise. I warned some solicitors that they should be careful how they approached some of the houses...as they could be shot and killed before questions are asked. They did not believe me. Now I hope they do! […] 


Koch-Brüder: Siehe auch
http://guttmensch.blogspot.com/2012/08/romney-und-ryan.html



Deutschsprachiger Bericht ueber ALEC
(gefunden 14.05.2013)

Lobbyismus: Mit Gesetzen gegen das linke Amerika | ZEIT ONLINE | 09.09.2011
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-09/usa-lobby-alec

Eine Vereinigung konservativer Volksvertreter entwirft erfolgreich
Gesetzesvorlagen für die US-Bundesstaaten – unter fleißiger Mithilfe von
Großkonzernen. [...]


Wenig bekannt, aber wirkungsmächtig, ist Alec mit 2.000 konservativen
Volksvertretern aus allen 50 US-Bundesstaaten die nach eigenen Angaben "größte
Vereinigung bundesstaatlicher Abgeordneter in den USA". Und wären nicht vor

Kurzem bislang geheim gehaltene Alec-Akten an die Öffentlichkeit gelangt, wüsste
man auch nicht viel mehr über diese Organisation.
Man trifft sich bei Alec bereits seit 1973. Selbsternannter Zweck dieser
Abgeordnetenrunde ist der inhaltliche Austausch zwischen Gesetzgebern. Der
Council präsentiert sich dabei als fleißige Organisation, jedes Jahr würde man
"an die tausend Gesetzesvorlagen", sogenannte model-bills, formulieren, die dann
über die Volksvertreter in den Parlamenten der Bundesstaaten zur Abstimmung
gestellt werden.

Jedoch blieben Details über diese Vorgänge bisher stets im Dunkeln. Alec
konferiert vorzugsweise hinter verschlossenen Türen, nur Mitglieder kennen die
Gesetze, die auf Alec-Entwürfen basieren. Ebenso unbekannt war, wer sich
eigentlich hinter den "Mitgliedern aus der Privatwirtschaft" verbarg, mit denen
der Rat nach eigenen Angaben in einer "dynamischen Partnerschaft"
zusammenarbeitet. Doch inzwischen ist Licht ins Dunkel gekommen. Ein anonymes
Mitglied der Organisation hat Hunderte geheimer Dokumente an das US-Magazin The
Nation und das Center für Media and Democracy weitergegeben. Die Unterlagen, die
auf alecexposed.org einsehbar sind, offenbaren das dunkle Szenario eines
Systems, dessen Methoden die Prinzipien der Demokratie zu unterwandern drohen.[...]


Die Gruppe konservativer Politiker, die Alec vor fast vier Jahrzehnten in Chicago
ins Leben rief, hatte sich zum Ziel gesetzt, ein neoliberales Gegengewicht zum
progressiven Schub aufzubauen, den das Land seit Franklin D. Roosevelts New Deal
aus Wirtschafts- und Sozialreformen durchfuhr.

"Wir sind Radikale, die die Machtstrukturen des Landes umstürzen wollen,“ sagte
Paul Weyrich, Gründungsmitglied und Galionsfigur der neuen Rechten Jahre später.
Und als zentralen Bestandteil für den Erfolg eines neoliberalen Umschwungs sah
man die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. [...]

Das ganze Ausmaß dieser Partnerschaft zeigen die nun öffentlich gewordenen
Mitgliederlisten. Insgesamt 300 Großkonzerne gehören Alec demnach an, darunter
Schwergewichte wie ExxonMobil, Wal-Mart, Amazon, Philip Morris, Bayer und der
Finanzier der Tea-Party-Bewegung, Koch Industries. Die Mitgliedergebühren der
Firmen von jährlich bis zu 25.000 US-Dollar sowie hoch dotierte Spenden machen
98 Prozent des Council-Budgets aus. Die Beträge der Politiker betragen gerade
einmal die restlichen zwei Prozent des Haushalts.

Im Gegenzug für ihre Investitionen erhalten die Unternehmen Einfluss und
Abstimmungsrecht, beim Formulieren und Abstimmen der Gesetzesvorlagen, zitiert
Lisa Graves, Direktorin des Center for Media and Democracy, Passagen aus einem
internen PR-Dokument des Councils. Entsprechend eindeutig ist die Sprache der
geleakten Gesetzesentwürfe: wirtschaftliche Deregulierung, Steuererleichterung
für Konzerne, das Aufheben von Umweltbeschlüssen, Privatisierung öffentlicher
Schulen und Gefängnisse, Maßnahmen gegen den Einfluss von Gewerkschaften.



Siehe auch

ALEC Exposed
http://alecexposed.org/wiki/ALEC_Exposed
ALEC ROCK
http://www.youtube.com/watch?v=NXUPDAMc_6o&feature=player_embedded
"25 states use identical language in "stand your ground law" 
http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&v=JtKnnCOIpvY&NR=1
ALEC Pulls Back Support for “Stand Your Ground” Laws
http://www.youtube.com/watch?v=d66tz44E34A
A Reporter's Guide to the "State Policy Network"
http://theglobalrealm.com/2013/04/11/a-reporters-guide-to-the-state-policy-network/

UNITED STATES OF ALEC
http://www.youtube.com/watch?v=Q0CaOhS7wJg


________


Mark Traina, Schulpsychologe in Louisiana – wesentlich beteiligt an Entscheidungen, welche Kinder in Sonderschulen kommen sollten – sendete Twitter-Botschaften wie diese (am 14. Januar 2012):

Young Black Thugs who won’t follow the law need be put down not incarcerated. Put down like the Dogs they are!
(Junge schwarze Streuner, die sich nicht an das Gesetz halten wollen, gehören umgelegt, nicht eingesperrt. Umgelegt wie die Hunde, die sie sind!)

http://hinterlandgazette.com/2012/05/louisiana-school-psychologist-mark-traina-fire-racist-tweets-black-thugs-follow-law-put.html ;
http://thinkprogress.org/justice/2012/05/22/488506/black-thugs-traina-splc/?mobile=nc ;


Was solche Gefuehle schuert, sind auch Internet-Legenden wie der “Erfahrungsbericht” eines nicht weiter identizierbaren Lehrers mit dem Allerweltsnamen Christopher Jackson, in die Welt gesetzt von American Renaissance. (Das ist ein dem Pioneer Fund nahestehendes Propagandaforum fuer Eugenik und gegen “Rassenvermischung”, erwaehnt z.B. auf dem Post “Foerderung und Finanzierung eugenischer Publikationen”; http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/forderung-und-finanzierung-der-eugenik.html).

What it's really like to  teach black students” kursiert seit 2009 durch zahlreiche Internet-Foren, seit 2011 auch in deutscher Uebersetzung, “Was es heißt schwarze Schüler zu unterrichten”. Zum Beispiel: Englisch auf (na, klar) “Stormfront”; Deutsch auf “As der Schwerter” (mit dem Zusatz “Ein weißer Lehrer spricht Klartext”).

http://schwertasblog.wordpress.com/2011/08/10/ein-weiser-lehrer-spricht-klartext/#more-10344 ;
http://www.stormfront.org/forum/blogs/u64037-e3298/


Zweimal “Stormfront”:
Zufallsfund bei der Suche zum Wiederfinden des o.g. Artikels (im englischsprachigen Original) auf der bekannten rechtsextremistischen Webseite “Stormfront”: Eine Webseite aus Grossbritannien ebenfalls mit dem Namen “Stormfront”:
Apple Solution Expert in Education
With locations nationwide, we’re your local Apple Expert.
http://www.stormfront.co.uk/education/
Was die Kinder da wohl lernen, abgesehen von Apple-Anwendungen?


Es handelt sich um ein Propagandastueck mit nicht ueberpruefbarem Wahrheitsgehalt. Die Methode scheint zu sein, dass reale oder realitaets-aehnliche Episoden (wenn auch nicht unbedingt alle vom Schreiber selbst erlebt) gemischt wurden mit verschaerfenden, verdichtenden und frei erfundenen Elementen. Dadurch wird ein Bezugsrahmen gesetzt, in den frustrierende Alltagserfahrungen so eingeordnet werden koennen, dass sich, wer dafuer anfaellig ist, schnell in eine Stimmung von “Weiss-gegen-Schwarz” bringen laesst.
Unterricht fuer Kinder “abgehaengter” Bevoelkerungsgruppen ist eine grosse Herausforderung fuer Lehrer; das hat (in Deutschland) z.B. auch Philip Oprong Spenner erfahren. Aber er ist darueber offenbar nicht zum Rassisten geworden – sondern traegt dazu bei, Kindern eine Chance zu geben. (http://guttmensch.blogspot.com/2012/07/sarrazins-alte-leier-und-mal-eine.html)


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ALEC-Gruender Paul Weyrich war mit William S. Lind auch ein Propagandist der Idee vom Kampf gegen den "Kulturmarxismus", gegen den der Norwegen-Attentaeter Anders Behring Breivik zu kaempfen meinte. (Moeglicherweise erfand er den Begriff.)

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.html


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“Kriminalbiologie” in den Koepfen

Es scheint, dass Vorstellungen von “Kriminalbiologie”, wie sie 1938 zu Zeiten des Gruendungskongresses der “Internationalen Akademie fuer gerichtliche und soziale Medizin” in Bonn 1938 (*) als internationaler Standard galten,  auch und gerade in den USA in vielen Koepfen noch gegenwaertig sind.


Den Argumenten der Verteidigung Zimmermans und vieler Kommentaren in Internet-Foren nach koennte man meinen, es ginge darum, ob Trayvon Martin, der zweifellos unbewaffnet war und von Zimmerman mit dem Gewehr verfolgt wurde (bevor er angeblich in Notwehr getoetet wurde), vom Typ her doch ein Mensch mit irgendwie kriminellen Eigenschaften sei, die Zimmerman ihm habe ansehen koennen. Nicht erst fuer das kommende Gerichtsverfahren, sondern schon bei der Frage, ob es rechtens gewesen sei, gegen Zimmerman ueberhaupt Anklage zu erheben, spielte diese Art von Argumentation eine wesentliche Rolle. Dahinter steht nur knapp verhuellt der Grundgedanke, dass unabhaengig davon, ob der Getoetete in dem Moment nun gerade eine Gefahr dargestellt habe oder nicht, die Toetung in “Notwehr” berechtigt sei, wenn es sich bei ihm um ein schaedliches oder unnuetzes Element gehandelt haette. Es koennte sein, dass das Verfahren zumindest unterschwellig in die Richtung gehen wird, ob Trayvon Martin nun ein guter Junge gewesen sei, oder ob er es “verdient” habe, erschossen zu werden.

Haeufig liest man, die telefonische Anweisung der Polizei an Zimmerman, “We don’t need you to do that” (wir brauchen es nicht, dass Sie die Person verfolgen) sei gegenstandslos. Da haette einem die Polizei nichts vorzuschreiben, ist das Argument, man wuerde ja schliesslich in einem freien Land leben (und koennte daher mit dem Gewehr verfolgen wen man wolle). Dabei wird voellig ausgelassen, dass es ja gar nicht darum geht, ob die Anweisung ein “Befehl” war und die Polizei einem freien Buerger etwas befehlen kann, sondern darum, ob die Begruendung “Notwehr” stichhaltig ist.

Auch bemerkenswert: Die Tatsache, dass auf Martins Mobiltelefon ein Bild von einer Smith & Wesson gefunden wurde, wird mit anzunehmenden kriminellen Neigungen in Verbindung gebracht – waehrend Waffenbegeisterung doch von der einflussreichen National Rifle Association (NRA) und Supermaerkten wie Wal-mart, die rosafarbene Gewehre der Marke My First Rifle fuer kleine Maedchen vertreiben, geradezu als Teil des amerikanischen Selbstverstaendnisses gepflegt wird.

Ein Kommentator fragte, ob nicht Zimmerman ebenfalls als “Black” anzusehen sei, da er wohl einen Urgrossvater habe, der “Black” sei. Ein anderer musste ihn erst darauf aufmerksam machen, dass das “one drop” thing (“Eintropfending”; gemeint ist die “ Eintropfenregel”, one drop rule, wonach jeder, der auch nur einen Tropfen “Negerblut” in sich habe, ein “Neger” sei) schon eine ganze Weile abgeschafft ist. (**)

**Zur “Eintropfenregel” auf diesem Blog”: Siehe Abschnitt zu Earnest Sevier Cox auf dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/scientific-racism-wissenschaftlicher.html

Internet-Forum mit “typischem” Schlagabtausch zum Fall Martin/ Zimmerman” (Stand 25.05.2013):
http://usnews.nbcnews.com/_news/2013/05/25/18496890-zimmermans-lawyers-say-trayvon-martin-argued-with-friend-was-angry-on-night-of-shooting