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Samstag, 28. Januar 2017

Malala appelliert an Trump

Trump executive order leaves Malala ‘heartbroken’

Colin Campbell
Jan. 28, 2017  

Pakistani Nobel Peace Prize laureate Malala Yousafzai addresses delegates at a London conference on Syria in 2016. (Photo)

Malala Yousafzai, the youngest recipient of the Nobel Peace Prize, on Friday condemned President Trump’s executive order establishing new vetting measures for immigrants.
“I am heartbroken that today President Trump is closing the door on children, mothers and fathers fleeing violence and war,” Yousafzai said. “I am heartbroken that America is turning its back on a proud history of welcoming refugees and immigrants — the people who helped build your country, ready to work hard in exchange for a fair chance at a new life.”
Yousafzai, 19, issued the statement at about the same time that Trump announced his latest executive orders, including one that reportedly will suspend the U.S. refugee program for 120 days. The text of the order was not immediately available.
According to CNN, drafts of the order also bar “all persons from Iraq, Syria, Iran, Sudan, Libya, Somalia or Yemen from entering the United States for 30 days.” ...

https://www.yahoo.com/news/trump-executive-order-leaves-malala-heartbroken-224304286.html#comments


Erster Kommentar dazu
Helpful Dan 12 hours ago
If they want sharia law it should be an automatic ticket home.

 

Dafür gab es innerhalb von 12 Stunden 1527 Likes
Die zahlreichen anderen Kommentare gehen ganz überwiegend in die gleiche Richtung.
 
Den meisten Lesern, zumindest den Kommentatoren, scheint gar nicht klar zu sein, wer Malala ist, und sie halten sich auch nicht damit auf, dies im Artikel nachzulesen. Sie halten Malala, die als Schülerin in Pakistan ein gegen sie gerichtetes Taliban-Attentat überlebte, für eine Vertreterin von Sharia-Gesetzen, Taliban-Herrschaft und Terrorismus. Mit ihrer Kritik an Trumps Initiative, die Einreise von Personen aus Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung pauschal nicht zuzulassen, wollen sie sich nicht auseinander setzen.
 
Ein vielsagendes und besorgniserregendes Stimmungsbild aus Trumps Amerika.


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Malala condemns Donald Trump call for Muslim ban in US

  • 16 December 2015
Malala Yousafzai has condemned a call by US presidential hopeful Donald Trump to ban Muslims from entering the US.
The Nobel Prize winner said his comments were "full of hatred" and blaming Muslims for terrorism would only "radicalise more terrorists".

http://www.bbc.com/news/world-asia-35109350



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Mit ständigem Widerspruch konfrontiert, resignieren wir erschöpft – und offensichtlich Falsches schleicht sich zunächst in den Bereich des Denkbaren und dann in den Bereich des Faktischen. Ist dieser Mechanismus erst einmal etabliert, fällt es leicht, auch bei größeren Themen zu lügen. Zum Beispiel: "Alle Muslime sind kriminell" – und plötzlich fangen wir an, uns über Kriminalitätsstatistiken zu streiten, anstatt die Errungenschaft zu verteidigen, dass Verdacht aufgrund von Geburt oder Religion keinen Platz in einer Demokratie hat. ...

Wenn ich Ihnen sage: "Der Himmel ist grün", dann ist es gar nicht so sehr mein Ziel, dass Sie mir auf Anhieb glauben. Mein Ziel ist es vielmehr, so häufig zu behaupten, der Himmel sei grün, bis Ihre Ressourcen, den Widerspruch auszuhalten, erschöpft sind und Sie einlenken und sagen: "Das ist Ihre Meinung. Ich denke, der Himmel ist blau. Es gibt wohl keine Möglichkeit, die Farbe des Himmels objektiv festzustellen." ...

Die neuen rechten Regierungen und Parteien zwingen demokratische Gesellschaften derzeit dazu, den Kampf um bereits ausgefochtene Werte noch einmal zu führen. Diesen Kampf zu verlieren wäre schlicht fatal.

Aus
"Alternative Fakten": Keine Macht der Lüge
Die Methoden der neuen US-Regierung ähneln jenen aus der UdSSR. Wir dürfen uns nicht auf sie einlassen.
 

Dienstag, 6. Oktober 2015

Israel und "Pro-Israel"

Die "Pro-Israel" Bewegung steht ebenso wenig für Israel, wie die deutsche Pro-Bewegung für Deutschland steht. Aber sie wird oft mit Israel verwechselt.

Warum spielt das eine Rolle?
Weil fremdenfeindliche, besonders Muslim-feindliche Hassblogs im Internet und von ihnen inspirierte Bewegungen sich seit einigen Jahren des Öfteren als "Pro-Israel" stilisieren, und ihre Botschaften zunehmend Eingang in die Leitmedien finden. Dazu trägt bei, dass die "Pro-Israel" Bewegung bei vielen fälschlicherweise den Eindruck erweckt, Israel, "die" Juden oder das Judentum zu vertreten.

 
Einige Kommentare
zur Kolumne von Tuvia Tenenbom auf ZEIT ONLINE


      
#33
     
   

... ging es um die Frage nach Tenenboms Distanz oder Nähe zu der auch im eigenen Land umstrittenen israelischen Politikerin Ayelet Shaked von der Siedler-Partei.

Mittlerweile gibt es dazu eine aktuellere Quelle. In englischer Sprache (und keineswegs von deutschen Israel-Fehler-Suchern, die Tenenbom allerorten am Werke sieht) schreibt Raphael Magarik in einem Review des Tenenbom-Buches „Catch the Jew":

Nichts als freundliche Fragen und Lob hätte Tenenbom für Shaked. Einen Pfad der Zustimmung bereite er auch für Moshe Feiglin, der notorisch einen Totalen Krieg gegen die Einwohner Gazas gefordert habe. ("He has nothing but friendly questions and praise for Knesset member Ayelet Shaked ... He is similarly content to provide an approving conduit for Moshe Feiglin, who notoriously called for total war on Gaza ...) - Siehe http://forward.com/cultur...

Nein, Tenenbom vertritt nicht Israel, oder “die” Juden oder das Judentum. Er mag eine „Pro-Israel“ Bewegung vertreten, aber diese steht ebenso wenig für Israel, wie die deutsche Pro-Bewegung für Deutschland steht.
 
     
#33.1
     
     
Ein demokratischer Diskurs ist es nicht gerade, der mit Tenenboms Polemik gefördert wird. Die Auseinandersetzung mit politischer Opposition gegen die Siedlungspolitik der israelischen Regierung nimmt zuweilen Züge von Hetze an. Politisch Andersdenkende im Land u. in der jüdischen Diaspora weltweit werden des „Selbsthasses“ u. der subversiven Agententätigkeit bezichtigt. Tenenbom schürt diese Art von Paranoia kräftig mit.

Ein Beispiel:
“Stop foreign subversion of the Jewish state!” auf http://abuyehuda.com/2015...

Eigene Übersetzung eines Abschnitts:
„Ach ja, diese jüdischen Linksextremisten. Tenenbom interviewt viele von ihnen, einige bekannte wie Gideon Levy und Arik Aschermann und andere, von denen Sie noch nie gehört haben, wie Reiseleiter Itamar Shapira, dessen Job es ist, Europäer mitzunehmen, damit sie sehen, wie Juden „palästinensisches Land gestohlen haben“, und wie sie die neuen Nazis sind. Tenenbom nennt sie manchmal "Selbsthasser" und manchmal "Narzissten" …
… ich sehe nicht, wie "Demokratie" sich darauf erstreckt, feindliche ausländische Elemente dazu einzuladen, in unserem Land zu operieren, und heimische Verräter dafür zu bezahlen, es zu untergraben.
Israels neue Justizministerin, Ayelet Shaked, hat die Kontrolle über ausländisches Geld zu einer ihrer höchsten Prioritäten gemacht …“
S. auch Stichw. "Selbsthass" auf
http://www.zeit.de/zeit-m...


#33.2
     
     
Haaretz ist es schon länger aufgefallen (s. Artikel von Michael Sfard, 19.3.2015):
Erstaunlicherweise konnte Tenenbom bei der Recherche für sein Buch 'Catch the Jew!' keinen einzigen Opponenten der Besetzung finden, der nicht antisemitisch ist, oder der nicht seine eigene Nation hasst.
(Astonishingly, in researching his book, Tuvia Tenebom couldn’t find one opponent of the occupation who isn’t anti-Semitic or doesn’t loathe his nation.)

Er entdeckte, dass eine weltweite Verschwörung zwischen Europäern, Arabern und linken selbsthassenden Juden kurz davor ist, eine Katastrophe über den Staat des jüdischen Volkes zu bringen.
(He discovered that a worldwide conspiracy among Europeans, Arabs and left-wing self-hating Jews is about to bring catastrophe on the Jewish people’s state.)

„Ohne Erklärung behauptet Tenenbom, dass Angehörige von Ärzte ohne Grenzen … Krankheiten erfinden und Israel für ihre Verbreitung verantwortlich machen würden.“
(With no explanation, Tenenbom claims that members of Doctors Without Borders whom he met while they were taking testimony from Bedouin in the Jordan Rift Valley were inventing diseases and blaming Israel for their spread.”)
http://www.haaretz.com/li...


#28.1        

Tenenbom insinuiert eine Verbindung zwischen antisemitischen Legenden über rituelle Kindermorde einerseits und Fragen zum Inkaufnehmen des Todes palästinensischer Kinder andererseits. Das ist pure Propaganda.

Zum Töten palästinensischer Zivilisten, einschließlich Kinder, bei israelischen Militäraktionen in Gaza gibt es starke Kritik von oppositionellen Israelis und Juden in aller Welt.
Eine dieser Stimmen ist z.B. die der Journalistin Mira Bar Hillel, die im Juli 2014 sogar überlegte, ihren israelischen Pass zurück zu geben. Auslöser waren hasserfüllte, den Tod von Kindern scheinbar in Kauf nehmende Aufrufe zum Kampf gegen die Palästinenser, die in sozialen Medien verbreitet wurden. Hillel zitierte insbesondere einen (mittlerweile entfernten) Facebook-Post der Knesset Abgeordneten Ayelet Shaked von der Siedler-Partei (jetzt Justizministerin). Hillel und anderen hebräisch-sprachigen Lesern zufolge hatte Shaked gepostet, das Blut palästinensischer Terroristen solle über deren Mütter kommen, und die Wohnungen der Mütter sollten auch zerstört werden, damit dort keine weiteren „kleinen Schlangen“ herangezogen würden. (“… Otherwise, more little snakes will be raised there.”)
http://www.independent.co...

Nur Lob hatte Tenenbom für Shaked, schrieb ein Reviewer seines Buches „Catch the Jew" in Haaretz (#33 auf http://www.zeit.de/sport/...).

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Tenenbom diskreditiert jüdische Bürger Israels und anderer Länder, die israelische Besatzungspolitik hinterfragen, kategorisch als ferngesteuerte „Selbsthasser“; wie z.B. auch aus einem Interview für die „islamkritische“ Webseite Lizas Welt hervorgeht (http://lizaswelt.net/2015... http://www.stefan-frank-t...)

„Lizas Welt“ gehört zu einer Handvoll Blogs, die auf http://haolam.de/ unter der Kategorie „haOlam.de Blogs“ verlinkt sind. haOlam wirbt für Positionen des auch in Israel umstrittenen Regierungsmitglieds Ayelet Shaked von der Siedlerpartei: “ Israels Justizministerin Ayelet Shaked (Bayit Yehudi) hat in einer Erklärung Vergleiche zwischen der Reaktion von Juden im Deutschland der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und den Reaktionen auf linken Antisemitismus […] gezogen […]“ (http://haolam.de/artikel_...).



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Sonnendurchflutet #3.10  —  22.10.2015       
... Dass Juden jedenfalls nach einhundert Jahren des Terrors und der Vernichtungskriege gegen sich bzw. gegen ihr Land Araber/Palästinenser pauschal hassen, ist menschlich.
 
Antwort auf #3 von Gaylord Focker



BloggerMagga #3.13  —  24.10.2015      


... Pauschal zu hassen mag "menschlich" sein in dem Sinne, dass Menschen zu allem fähig sein können, wenn sie ihren Impulsen freien Lauf lassen. Der Lynchmord an dem fälschlich für einen Terroristen gehaltenen Juden eritreischer Herkunft erinnert daran, dass niemand vor Hass- und Mordimpulsen gefeit ist; auch Jude zu sein schützt nicht davor.

Seien wir dankbar für Stimmen gegen den Hass, wie die von
נשים עושות שלום - نساء يعملن السلام - Women Wage Peace.

 Siehe #41 auf http://www.zeit.de/politi...
Wie sollte Israel ein Zufluchtstätte für Juden sein, wenn dort das Hassen "normal" würde? Wer wollte an einem solchen Ort noch leben ?
 

 

 

Montag, 13. Juli 2015

Vorläufiges Fazit


Thilo Sarrazin ist ein Zeitzeuge und Mitwirkender des Wiederbelebens der Eugenik, die in Deutschland "Rassenhygiene" hieß. Sarrazins moderne Vordenker kommen zu einem bedeutenden Teil aus dem Umfeld des "Pioneer Fund", der 1937 in den USA zum Zweck der Förderung der Eugenik gegründet wurde und immer noch aktiv ist. Der Gründer des Pioneer Fund, Wicliffe, Draper hatte 1935 an dem Internationalen Bevölkerungskongress in Berlin teilgenommen, bei dem die unterschiedliche Wertigkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen propagiert wurde, und das Nazi-Regime in Deutschland als fortschrittlich und wegweisend dargestellt wurde. 

In der Tradition der Eugenik-Ideologie führt Sarrazin eine Vielfalt von Problemen - wie Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialleistungen, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, Missstände an den Schulen und eine als zunehmend wahrgenommene Kriminalität - auf drei Grundprobleme zurück:
  1. Schrumpfende Bevölkerungszahl und damit einhergende Vergreisung der "autochthonen Deutschen" (des Teils der Bevölkerung, den er als deutsch anerkennt),
  2. Überproportionale Fortpflanzung der Unterschicht und damit der Untüchtigen, und unterproportionale Fortpflanzung der Tüchtigen, Intelligenten,
  3. Zuwanderung aus den falschen Ländern; d.h. Ländern mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil; geographisch aus dem "nahen und mittleren Osten sowie aus Afrika" (dass dies nicht deckungsgleich ist, lässt er außer Acht - bis auf die Ausnahme, die er für Juden macht).
Diese Einteilung entspricht klar nachvollziehbar der Einteilung des NS Aktionsprogramms für "Volksgesundheit", das von NS Ärzteführer Wagner auf dem Nürnberger Reichsparteitag 1934 präsentiert wurde.Sie entspricht aber auch der Einteilung, die eine Generation zuvor der britische Labour-Politiker Sidney Webb (1859 -1947), ein Anhänger der von Francis Galton begründeten Eugenik-Ideologie, vorgenommen hatte.  


Die Bedeutung internationaler ideologischer Strömungen für die Entstehung des NS Regimes in Deutschland wird in der herkömmlichen und aktuellen Geschichtsforschung noch immer drastisch unterbelichtet. Fatale Folgen hatte insbesondere die Verbindung des antisemitischen Antibolschewismus, der die Gleichsetzung von Judentum, Kommunismus und Neigung zu bolschewistischen Gräueltaten beinhaltete, mit der Eugenik-Lehre des Darwin-Vetters Francis Galton. Letztere wurde in Deutschland und anderswo auch unter der Bezeichnung „Rassenhygiene“ verbreitet.

Die nach dem 2. Weltkrieg entstandene, bis heute einflussreiche These vom „deutschen Sonderweg“ bot eine handliche Erklärung für das Abgleiten in die „deutsche Katastrophe“ und das Möglichwerden der unvorstellbaren Verbrechen des Holocaust. Diese These beruht allerdings weitgehend auf dem Mangel an vergleichenden Untersuchungen zu den länderübergreifenden Ideologien, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Für deren radikale Umsetzung bot Deutschland nach dem 1. Weltkrieg ein weit offenes Experimentierfeld; eine Spielwiese auch für Ideologen, die sich endlich in einem real existierenden „Kantsaywhere“ austoben wollten. Kantsaywhere nannte der Eugenik-Begründer Galton, dessen Biograf und Apostel Karl Pearson in Deutschland begeisterte Anhänger für die sich schnell ausbreitende Eugenik-Bewegung fand,  den imaginären Ort der Umsetzung für seine wissenschaftliche Religion.

Die Interpretation von Geschichte bestimmt, welche Lehren aus der Geschichte gezogen werden. Daher hat die fehlende Berücksichtigung der internationalen Strömungen, die in Deutschland im Nationalsozialismus kulminierten, weitreichende Folgen. Eine dieser Folgen betrifft die Außen- und Sicherheitspolitik: Erhebliche Überschätzung der Möglichkeiten, mit militärischen Mitteln Terror und Gewalt zu verhüten und zu unterbinden, und gleichzeitig erhebliche Unterschätzung dessen, was der frühere Bundeskanzler Schröder die „geistig politische Auseinandersetzung“ nannte. Schröder gebrauchte diesen Begriff bezogen auf die Bekämpfung des Terrorismus; allerdings ohne weitere Konkretisierung. Eine weitere Folge betrifft die Innenpolitik, insbesondere den Umgang mit Migration, mit demografischen Veränderungen und mit Veränderungen der Wirtschafts- und Beschäftigungssituation: Hilflosigkeit gegenüber einem als Heilbringer auftretenden Rechtspopulismus, der sich nicht explizit auf die NS Vergangenheit beruft, sondern an weiter zurück reichende, international verbreitete Traditionslinien anknüpft – an Denktraditionen, deren Einfluss auf den Nationalsozialismus weniger bekannt ist, bzw. auch herunter gespielt wurde und wird.

Zu nennen sind zum einen die pseudo-wissenschaftlichen Ideologien der Eugenik und des Sozialdarwinismus, zum anderen das Feindbild vom Fremdkörper in der Gesellschaft und die Vorstellung von einer erzwungenen Gleichheit aller Menschen („Kulturmarxismus“, ein Schlagwort, das auch der Norwegen-Attentäter Breivik gebrauchte). In Bezug auf das Feindbild vom Fremdkörper in der Gesellschaft wurde in den letzten Jahren der Begriff „Feindbildverschiebung“ geprägt: Verschoben hat sich das Haupt-Feindbild vom Juden zum Muslim, wobei der traditionelle Antisemitismus und der neuere Hass auf Muslime, z.T. sogar noch mit dem selbstverliehenen Etikett „pro-israelisch“, im Rechtsextremismus dieser Tage nebeneinander bestehen. Eingeschlossen in dem Feindbild sind sowohl im traditionellen als auch im neuen Rechtsextremismus diejenigen, die sich für Chancen und Rechte von Menschen unabhängig von Herkunft und Abstammung einsetzen.

Ein nie gekanntes Ausmaß an Zugang zu Originalquellen im Internet und über Internet-Antiquariate erschüttert die Exklusivität des Quellen-Zugangs für ausgewiesene Historiker und deren Deutungshoheit. Dies mag für die Historiker-Zunft zunächst irritierend wirken, schafft aber einen Anreiz, aus Grabenkämpfen heraus zu kommen und sich mit der Fülle der elektronisch zu findenden und zu durchsuchenden Originalquellen – und seien es auch nur Bücher und andere veröffentlichte Schriften aus den untersuchten Zeiträumen – zu einem erweiterten Verständnis durchzuringen. 

Ständig treffen wir Entscheidungen aufgrund von Erfahrungen der Geschichte. Es kommt darauf an, aus der umfassenden Analyse der Vergangenheit die richtigen Lektionen für den Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart zu gewinnen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Sonntag, 26. Januar 2014

Alles halb und schwankend



Ein beliebtes Hitler-Zitat bei Neonazis ist diese Stelle aus “Mein Kampf”:

All diese Verfallserscheinungen sind im letzten Grunde nur Folge des Mangels einer bestimmten, gleichmäßig anerkannten Weltanschauung sowie der daraus sich ergebenen allgemeinen Unsicherheit in der Beurteilung und Stellungnahme zu den einzelnen großen Fragen dieser Zeit. Daher ist auch, angefangen bei der Erziehung, alles halb und schwankend, scheut die Verantwortung und endet so in feiger Dummheit selbst bei erkannter Schäden. Das Humanitätsgedusel ist Mode […]
- Siehe z.B. http://guttmensch.blogspot.com/2011/05/feindbild-gutmensch-co-ein-klassiker.html

Daran wurde ich erinnert, als ich in “Psychologie Heute” (Heft 35, 2013) einen Artikel las, der sich mit der Frage beschäftigt, welche Fähigkeiten wir für den Umgang mit Veränderung und Ungewissheit brauchen. Dem “Halben und Schwankenden” zu entkommen, in einer unsicheren, sich rapide verändernden Welt über hundertprozentige “Sicherheit in der Beurteilung und Stellungnahme zu den einzelnen grossen Fragen dieser Zeit” zu verfügen – das entspricht einem tiefen menschlichen Bedürfnis.

In dem Artikel “Risikokompetenz – Mit Unsicherheit sicher leben können – legt Ursula Nuber dar, wie wichtig es ist, mit einem gewissen Mass an Unsicherheit umgehen zu lernen. Stichwort ”Ambiguitätstoleranz”. Sie konzentriert sich dabei auf das (Nicht-) Aushaltenkönnen von Unsicherheiten im Alltagsleben, gibt aber auch Beispiele aus der grossen Politik.  Sie geht nicht speziell auf die Anziehungskraft geschlossener Weltbilder und Heilsversprechungen politischer und religiöser Demagogen ein, aber der Artikel vermittelt eine Vorstellung vom Thema ”Ambiguitätstoleranz” und weckt Interesse daran.
Siehe auch Stichwort “Demagoge” auf diesem Blog; z.B. http://guttmensch.blogspot.com/2012/09/zum-verhaltnis-von-wahrheit-und.html

Welche Anforderungen an ”Ambiguitätstoleranz” das Leben in der heutigen Zeit stellt, davon vermittelt z,B. das Buch “Arrival City” von Doug Saunders eine Vorstellung; siehe auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2012/08/arrival-city-zum-beispiel-berlin.html

Einige Zitate aus dem Artikel in Psychologie Heute möchte ich hier noch einstellen; im Moment komme ich nicht dazu. Für diejenigen, die schon jetzt mehr dazu lesen möchten, empfehle ich, das im Zeitschriftenhandel leicht erhältliche Heft zu besorgen (7,50 EUR), oder dem Stichwort “Ambiguitätstoleranz” mit einer Internet-Suche nachzugehen.

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Im gleichen Heft

"Skeptisches Denken - Zweifeln ist fruchtbar" von Andreas Urs Sommer:

"Zweifeln ist laestig, wir haben es gerne eindeutig. Wer unsicher ist oder zoegert, bekommt Probleme, den kritisches Innehalten ist nicht erwuenscht, wo Entschlossenheit als Tugend gilt. Fuer den Philosophiehistoriker Andreas Urs Sommer ist eine gesunde Portion Skepsis jedoch wichtig fuer die persoenliche und gesellschaftliche Entwicklung."


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Geschäftemacherei mit Hitler

Ein Brite will den Deutschen Auszüge aus Hitlers Werk angedeihen lassen. Mit Nazi-Werbung hat das wenig zu tun, eher mit Geschäftstüchtigkeit.

taz.de 17. 01. 2012

Hitler geht immer. Peter McGee kennt sich da aus. Der britische Verleger hat schon diverse Schmuddeltexte wie Faksimiles des Völkischen Beobachters oder der NS-Zeitung Der Angriff, jeweils editiert von renommierten, aber offenbar geldgeilen Historikern, unters deutsche Volk gebracht. Nun also Adolf höchstpersönlich.         
Kommentierte Auszüge seines Bestsellers "Mein Kampf" sollen noch in diesem Monat an den Kiosken zum Verkauf angeboten werden. Ist das nicht furchtbar? Steht zu befürchten, dass nun Neonazis und solche, die es werden wollen, mit neuen Argumenten und Phrasen munitioniert werden, auf dass ihre ekelhafte Bewegung weiter wächst und gedeiht? [...]        
Tatsächlich entbehrt der zweibändige Hitler-Wälzer nicht nur jeder Logik, er ist auch grauenhaft schlecht geschrieben: "Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blut schändet und damit seinem, des Mädchens, Volke raubt", heißt es da etwa. Gehts noch primitiver? 
Dass das Buch eine hohe Auflage erreichte und Hitler zum Millionär machte, ist vor allem der Tatsache zu schulden, dass es bei der Heirat dem jungen Glück im NS-Staat kostenfrei von den Standesämtern überreicht wurde. Dass heute jemand wegen solcher Sätze zum Antisemiten wird, kann man wohl ausschließen - es sei denn, er war vorher schon einer.         
Die Rechte an "Mein Kampf" liegen seit 1948 beim Freistaat Bayern. Das Bundesland hat bisher alle Versuche, das Buch in Deutschland erneut aufzulegen, erfolgreich verhindert. Eine Veröffentlichung der Schrift gilt als Wiederverbreitung nationalsozialistischer Propaganda. Das war in den Nachkriegsjahren durchaus verständlich. Doch 2015, nach der 70-jährigen Schutzfrist, laufen diese Rechte ab. Gegen Peter McGee prüft das bayerische Finanzministerium derzeit juristische Schritte.       

http://www.taz.de/!85832/
        

Samstag, 25. Januar 2014

Neues Sarrazin-Buch: Gutmenschen sind Terroristen (Tugendterroristen)


Umzingelt von Gutmenschen und Tugendterroristen 
 
“Im Juni 2002 referierte Volksanwalt Ewald Stadler im Rahmen einer Sonnwendfeier, „dass die gnadenlosen Gutmenschen und Tugendterroristen, die heute Wehrmachtsausstellungen gestalten“, behaupten, „Österreich sei 1945 befreit worden“. „1945 – und das ist zur Staatsideologie geworden – sind wir angeblich vom Faschismus und von der Tyrannei befreit worden.“ Zu dieser Feier hatte die niederösterreichische Landtagsabgeordnete Barbara Rosenkranz und ihr Gatte Horst eingeladen, der sich Anfang der 90er Jahre in der rechtsextremen Szene bewegte.”  

Quelle:
Richard Meisel unter Mitarbeit von Kai Themel: Rechtsextremismus
In der Reihe “Politik und Zeitgeschehen”;  Inhaltliche Koordination: Peter Autengruber
© 2011 by Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes GmbH, Wien
Gefunden über
www.voegb.at


Endlich Widerstand gegen den Tugendterror /
Begeisterung bei "Politically Incorrect":


Professor Irenäus Eibl-Eibesfeldt:

Die Leute, die so demonstrativ ihren Heiligenschein polieren, tun das ja nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie dadurch hohes Ansehen, hohe Rangpositionen, also auch Macht, gewinnen können – früher als Held, heute als Tugendheld.

Sarrazin ist für mich einer der wenigen echten Helden, die Deutschland momentan hat!"

Höchste Zeit, dass dieses Thema in dieser Gesinnungsdemokratie auf dem Tisch kommt!!!




Anlass des Jubels ist diese Pressemeldung:

"Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat ein neues Buch
geschrieben. Das Werk mit dem Titel „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ soll Ende Februar kommenden Jahres erscheinen, teilte die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) am Montag mit. Auf rund 350 Seiten analysiere Sarrazin den Meinungskonformismus in der Bundesrepublik und setze sich mit den „14 vorherrschenden Denk- und Redeverboten unserer Zeit“ auseinander… "



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Das Wort "Tugendterror" ist natürlich schon längst von der Werbebranche entdeckt worden. Da hinkt Sarrazin vor allem den Agenturen, die z.B. für die Zigarettenindustrie kreativ tätig sind, um ein paar Jahre hinterher.

Nun, mit einem anderen seiner Lieblingsworte, "Gutmensch", war es nicht viel anders; siehe auf diesem Blog:

"Nicht zu unterschätzen im rhetorischen Kampf gegen "Gutmenschen & Co." ist
übrigens ein Einfluss von einer Seite, die zunächst unpolitisch erscheinen mag:
von Teilen der Industrie und Werbewirtschaft. Der negativ aufgeladene Begriff
"Gutmensch" ist geradezu ein "gefundenes Fessen" für die Image-Hebung von
ungesunden Nahrungsmitteln, Alkohol, Waffen, Porno, gewaltverherrlichenden
Videospielen, Zigaretten, etc. So findet man diesen Begriff auch häufig auf
gesponserten Internet-Foren, die z.B. "Rauchen und Genuss" propagieren. Eine
Google-Suche nach dem Wort "Gutmensch" ergibt 378.000 Treffer, davon enthalten
allein 198.000, also mehr als die Hälfte, auch das Wort "rauchen" "
http://guttmensch.blogspot.com/2011/05/feindbild-gutmensch-co-ein-klassiker_29.html

Bei "Tugendterror" enthält knapp ein Drittel der Google-Suchergebnisse für dieses Wort auch das Wort "rauchen", nämlich derzeit 6.090 von 20.800.
Googelt man allerdings "Tugendterror" ohne "Sarrazin" ("-Sarrazin" eingeben) kommt man nur auf 10.700 Einträge, und von diesen enthalten immerhin 4.380 das Wort "rauchen". Der Einfluss der Tabakindustrie/ Werbebranche auf die Popularisierung dieses Wortes ist deutlich. Thilo Sarrazin ist offenbar auf dem besten Weg, die Popularität des Wortes noch um ein Vielfaches zu steigern.
Da stehen wieder einmal Preise und Auszeichnungen an!
Zum Einfluss der Werbebranche auf die Popularisierung von Denkmustern - weit über die unmittelbare Produktwerbung hinaus - siehe auch
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/neue-dogmen-im-namen-des-anti.html

Wenn ich noch weiter zurück denke, erinnere ich mich, wie in den siebziger Jahren in manchen, fortschrittlich sein wollenden Milieus die "Tabuisierung" pädophiler Praktiken gerügt wurde; auch in dem Zusammenhang fielen Worte wie "Tugendterror".


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Ueberhaupt, Demokratie - an und für sich schon ein Terror!

(Siehe Zitat oben; "Gesinnungsdemokratie") 



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Norbert Bolz, Verfasser des "Konsumistischen Manifest" (siehe auch Post "Neue Dogmen im Namen des Antidogmatismus", Link oben), hat zum Thema "Tugendterror" schon mal vorgedacht.

Der Untergang der Meinungsfreiheit | FreieWelt.net
von Dr. Alexander Ulfig
13. Oktober 2010
http://www.freiewelt.net/der-untergang-der-meinungsfreiheit-2399/


Der Philosoph Norbert Bolz über den Tugendterror der Systemmedien und die
Aufgabe des Liberalismus


Der Philosoph Norbert Bolz hat im Focus Magazin einen bemerkenswerten Artikel über den Zustand der Meinungsfreiheit in Deutschland geschrieben. In „Die neuen Jakobiner“ reflektiert er auch über die Bestimmung und die Aufgabe des Liberalismus.
Der Tugendterror der Systemmedien stellt jeden liberal Denkenden in seiner
Existenz in Frage. Unmissverständlich stellt Bolz fest, dass die Meinungsfreiheit das Wertvollste für einen guten Europäer ist. Der Sinn der Meinungs- und Redefreiheit besteht darin, abweichende Meinungen in den Mittelpunkt zu stellen, ihnen einen besonderen Wert zuzusprechen.

Die meinungsbildenden Eliten der Bundesrepublik haben sich von der so
verstandenen Idee der Meinungsfreiheit weit entfernt. Abweichende Meinungen
werden gegenwärtig härter sanktioniert als abweichendes Verhalten. Diese
Sanktionen laufen meist über Ausschlussmechanismen: Menschen, die abweichende Meinungen äußern, werden verfemt, ausgegrenzt und aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen. Kaum jemand bringt den Mut zum Widerspruch auf. Der Druck ist so groß, dass gesetzliche Strafen überflüssig sind. [...]

Kein Wunder, wenn Andersdenkenden mediale Schauprozesse gemacht werden. Die Folge davon ist, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen schweigt. Elisabeth Noelle-Naumann spricht in diesem Zusammenhang von der „Schweigespirale“, die sich die Systemmedien zunutze gemacht haben. Die mainstreammediale Meinung ist eine von Minderheiten konstruierte Meinung.
Sie wird aber als die Meinung der Mehrheit ausgegeben. Dabei geht es den
Systemjournalisten nicht darum, eine abweichende Meinung argumentativ als falsch zu erweisen, sondern die Abweichler als unmoralisch zu verurteilen. Bolz: “Man kritisiert abweichende Meinungen nicht mehr, sondern hasst sie einfach. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.“ Die Menschen werden in Deutschland zum „willenlosen Opfer eines Tugendterrors“, der überall herrscht: an den Universitäten, in den Medien, im Recht und in der Politik.

Bolz betont abschließend, dass es eine Schicksalsfrage für jeden Liberalen ist,
in den Wächtern des Systemjournalismus, in den neuen Jakobinern, seine
natürlichen Feinde zu sehen. Von der heutigen FDP kann man da nicht viel
erwarten. Liberale wie Westerwelle haben vor der Macht des Tugendterrors
kapituliert. [...]



Tja, wie der arme Thilo Sarrazin aber auch zum Schweigen gebracht wurde ...
wie da die Massenmedien eine Schweigespirale inszenierten, wie sie ihn gnadenlos totschwiegen ...



Prost! 
Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V. (BSI)
pflegt die philosophische und politische Landschaft


Professor Bolz macht sich gegen den Tugendterror stark -
hier für die Spirituosen-Industrie.

 “Abschließend analysierte Prof. Dr. Norbert Bolz, Professor für Medienwissenschaft, Technische Universität Berlin, Fakultät I – Geisteswissenschaften, Institut für Sprache und Kommunikation, Fachgebiet Medienwissenschaft, Berlin, das Thema „Verantwortung in den Medien“. Prof. Dr. Norbert Bolz sieht Chancen dafür, dass die durch Sensations- und Skandalorientierung verzerrte Wirklichkeitsdarstellung in den Massenmedien durch die Konkurrenz der internetbasierten sozialen Medien korrigiert werden kann.”
Aus der Pressemitteilung des BSI zum 12. Spirituosenforum
BSI AKTUELL - Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V.
Nr. 11/2013, 14. November 2013

Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a. D., Professor für Philosophie, war übrigens ebenfalls dabei. Passt gut zum Thema Medien; in den Koalitionsverhandlungen war er in der Arbeitsgruppe “Kultur und Medien”.

http://guttmensch.blogspot.com/2013/11/koalitionsverhandlungen.html


Siehe auch BSI und das "Bürgermeistercasting von Husum"; Stichwort Husum in Kommentaren zu dem Post
http://guttmensch.blogspot.com/2011/05/feindbild-gutmensch-co-ein-klassiker_29.html


"Die Sklaven sind glücklich, weil sie von der Freiheit entlastet sind. …Demokratie verträgt sich sehr gut mit autoritären Herrschaftsformen“  - Norbert Bolz, Philosoph, Lobbyist für den Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V. (BSI) , 2011
Aus: Norbert Bolz, „Die Ankündigung der Freiheit - Plädoyer für einen neuen Liberalismus“.
SWR2 (Radio), Sendung: 28.02.2011 
zitiert auf  http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/neue-dogmen-im-namen-des-anti.html




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"Gutmensch" ist nicht genug - denn da fragen sich doch so manche, was fuer eine Gesellschaft das sein soll, in der das Interesse am Gemeinwohl zum Inbegriff des Negativen wird. Um ein Haar waere das Gutmensch-Wort zum "Unwort des Jahres" gekuert worden.
Also muss ein neuer Begriff her: Der Gutmensch wird zum Terroristen - zum Tugendterroristen.


Die vermeintlich bestehende oder drohende "Herrschaft der Minderwertigen" abzuwehren, ist das Kernanliegen der "Konservativen Revolution".
Siehe auch Stichwort "Herrschaft der Minderwertigen" auf
http://guttmensch.blogspot.com/2012/03/mehr-zum-thema-nostalgie.html
http://guttmensch.blogspot.com/2013/06/drei-generationen-sarrazin-zeitzeugen.html


24.02.2014

Thilo Sarrazin: "Es regiert die Gleichheitsideologie"
von Henning Krumrey
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/thilo-sarrazin-es-regiert-die-gleichheitsideologie-seite-all/9527174-all.html


... Von "Gleichheitswahn" ist auch die Rede.
Erinnert an "Bildungswahn"; siehe Stichwort auf diesem Blog.

An anderer Stelle mokierte sich Sarrazin ueber "Bildungsoptimismus";
http://guttmensch.blogspot.com/2011/12/anbiederungen.html

Vordenker: Hartnacke
; Freund und Foerderer von Hans F.K. Guenther, dem "Rasse-Guenther" der Nazi-Zeit

“Wir hassen das Schlagwort von der Gleichheit.
Der Kampf ist der Vater aller Dinge, Gleichheit ist der Tod.”

Rudolf vom Sebottendorf,
Gründer der Thule-Gesellschaft, 1918

http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/eugenisches-denken-demokratie-als.html





Wappen der Thule-Gesellschaft
Abbildung gefunden auf
 http://wakeupfromyourslumber.com/blog/joeblow/
nazi-party-thule-society-occult-and-freemasonry
 


Es duerfte nicht verwundern, wenn Thilo Sarrazin bei einer Neu-Auflage der Thule-Gesellschaft Anklang findet; siehe die folgende Webseite, gefunden mit Google (Suchwortkombination Sebottendorf Sarrazin)

  Willkommen bei der Thule Gesellschaft
  ww.w.thule-gesellschaft.org/.../730-holocaust-suehne‎

  Eine der wichtigsten Aufgaben der Thule Gesellschaft ist die Erhaltung ...
  Thilo Sarrazin provoziert wieder: "Europa braucht den Euro nicht", meint er
  und legt ...
http://ww.w.thule-gesellschaft.org/index.php/94-archiv/730-holocaust-suehne
  
feindliche Zitate - Willkommen bei der Thule Gesellschaftww.w.thule-gesellschaft.org/.../610-feindliche-zitate‎ „Das Problem ist nicht Sarrazin selbst als Person sondern der gleich gesinnte ... Cem Özdemir, Bündnis90/Die Grünen, Quelle (Sarrazin hat bis zu 90% ...http://ww.w.thule-gesellschaft.org/index.php/startseite-der-tg/94-archiv/610-feindliche-zitate

(Nur „Happen“ im Google-Cache, da man registriert sei muss, um Zugriff auf die „Thule“-Webseite zu haben)

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"Tugendterror"- Rezension von Klaus Bade

http://www.migazin.de/2014/02/24/thilo-sarrazin-der-neue-tugendterror-rezension-klaus-bade-welt-ungerecht/


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"Verharmloser und Schönfärber"' - das sind für Thilo Sarrazin die neuen "Tugendterroristen". Ansätze ihrer Denkweise glaubt er bereits im Frühchristentum und bei Vertretern der Französischen Revolution auszumachen oder sogar in den dereinst neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika. Heute spürt er die Denkweise hauptsächlich bei Zeitgenossen auf, die mit der Sprache Unterschiede eliminieren wollen. Also bei jenen, die nicht mehr "Negerkuss" sagen und auch nicht "Zigeuner", die nicht mehr von" Hilfsschülern" reden und Wörter vermeiden, von denen sich andere Menschen stigmatisiert fühlen könnten. Thilo Sarrazin nennt sie die Apologeten der political correctness und hält sie für besessen vom Gleichheitswahn.

Aus
Das Buch eines gekränkten Mannes
Rezension "Der neue Tugendterror"
Von Dorothea Jung
Andruck - Das Magazin für Politische Literatur / Beitrag vom 24.02.2014
http://www.deutschlandfunk.de/rezension-der-neue-tugendterror-das-buch-eines-gekraenkten.1310.de.html?dram:article_id=278416


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Gefunden mit Google-Suche „Gleichheitswahn“ und „Sebottendorf“ (s.o.):
Webseite von “Dee Ex”, auf der auch ein Michael Sebottendorf schreibt

"Motto: Deutsch sein ist kein Verbrechen - unsere Weltanschauung hat gesiegt@
“Der Gegenpol zu Gleichheit, Gleichschaltung, Enteignung und Meinungsterror kann nur die Freiheit sein: Gedankenfreiheit und wirtschaftliche Freiheit, individuelle und nationale Freiheit.” Wer etwas anderes behauptet oder sogar gewaltsam (mit der Nazikeule) propagiert, ist und bleibt ein Feind unseres Landes, der Demokratie und eines jeden freien Menschen.

https://nohoearmy.wordpress.com/tag/national/


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Eine der ersten, wenn nicht überhaupt die erste, die die Phrase „Gutmenschen sind Terroristen“ (Liberals are terrorists) gebrauchte, ist die Kolumnistin Ann Coulter; der folgenden Quellenangabe zufolge am 11. Januar 2001 in ihrer „Townhall“ Kolumne.

What's Wrong with the Christian Right | By Jan G. Linn
What's Wrong with the Christian Right - Page 42 - Google Books Result
https://books.google.com/books?isbn=1581124244
Jan G. Linn - 2004 - ‎Political Science

Writer Brenden Nyhan of Spinsanity.com, an online journal that promotes integrity and accuracy in public discourse, assesses Coulter's Townhall columns in this way:

Coulter’s world is cartoonish. Liberals are "terrorists" (1 / 11/01) and a "cult" (2/22/01) who "can never just make a principled argument" (3/22/01). Their arguments are portrayed as hysterical, (2/9/01, 4/5/01, 6/15/01), screaming (1/18/01, 6/21/01) or starting political World War III (2/9/01, 3/8/01).

 
Zur Einordnung von Ann Coulter: Sie hatte in ihrer Kolumne auch schon einmal die versehentliche Bombardierung der französischen Botschaft in Tripoli durch US Airforce 1986 mit einem „puckischen Sinn für Humor“ der Piloten erklärt.

Ann Coulter: Attack France! | WorldNetDaily | 12/19/2001

… Quaking in the face of this show of manly force, France denied America the use of its airspace. As a consequence, American pilots were required to begin their missions from airbases in Britain. When the pilots finally made it to Tripoli, tired from the long flights and showing a puckish sense of humor, they bombed the French embassy by mistake. POW! So sorry, our mistake. …http://www.freerepublic.com/focus/news/593954/posts?page=94

Dienstag, 25. Juni 2013

Vom Gutmenschentum gründlich befreit. - Heimerziehung nach Haasenburg Art

"Wir haben uns vom Gutmenschentum befreit und nutzen normale betriebswirtschaftliche Prozesse",
sagte der Hamburger Sozialunternehmer Andreas Heinecke im April 2011 einer beeindruckten SPIEGEL-Redakteurin.
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Heineckes eigene Unternehmen, die offenbar zu Recht sehr gelobt werden, haben nichts mit den Vorwürfen zu tun, die gegen einen Betreiber von Heimen für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche, die Haasenburg GmbH, erhoben wurden und derzeit geprüft werden.
Aber der "Zeitgeist", der aus seinen Worten spricht, ist bezeichnend:
Als müsse erst das "Gutmenschentum" überwunden werden, bevor betriebswirtschaftliche Kompetenz in das Management subventionierter, gemeinnütziger Maßnahmen einziehen kann.

Nicht wirklich neu: Das "Outsourcen" von Heimerziehung an
private Unternehmer - und Probleme mangelnder
Rechenschaftspflicht . Illustration aus "Oliver Twist" von
Charles Dickens: Oliver tanzt aus der Reihe und bittet
um einen Nachschlag. Alle sind starr vor Entsetzen.
Die Heimleitung spart an Ausgaben für die Kinder und
verkauft dies als nötige Disziplinierung der aus desolaten
Verhältnissen stammenden jungen Menschen. - Bildquelle:
http://www.empireonline.com/news/story.asp?NID=36482

Zur betriebswirtschaftlichen Kompetenz gehört aber auch die Qualitätssicherung der, im Falle von Sozialunternehmern, oft vom Staat bezahlten oder subventionierten Leistungen. Wer bestimmt die Standards von Qualität, wer sorgt dafür, dass sie eingehalten werden?









Der Stadtstaat Hamburg - und andere Bundesländer - müssen sich nun mit der Frage auseinander setzen, ob sie sich bei der Vergabe von Verträgen für die geschlossene Heimunterbringung schwer erziehbarer Jugendlicher an einen privaten Sozialunternehmer, die Haasenburg GmbH in Brandenburg, genügend um Standards und deren Einhaltung gekümmert haben. Es scheint, als ob letztlich doch auch eine gewisse Dosis "Gutmenschentum" erforderlich ist, um in Verhandlungen zwischen öffentlichen Auftraggebern und privaten Sozialunternehmern Interessenkonflikte zu vermeiden und das öffentliche Interesse wahrzunehmen.


Das Stichwort "Haasenburg" erscheint auf diesem Blog bisher nur in der Kommentarfunktion, und zwar auf

http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/vermehrung-der-minderwertigen-eine.html
Ausgangsfrage: Wie werden sich Erzieher - und "Sozialunternehmer" als Betreiber von Kinderheimen - Kindern gegenüber verhalten, wenn sie meinen, es mit "Minderwertigen" zu tun zu haben, deren Schicksal "mit der Geburt besiegelt" ist?
Interessant auch der Hinweis auf die Webseite www.daarwin.de (Software für Qualitätsmanagement in Sozialeinrichtungen; gegenseitige Referenz Haasenburg GmbH und daarwin(R) Beratungsgesellschaft MBH

http://guttmensch.blogspot.com/2013/02/stoff-aus-den-fuehrerschulen.html
Ausgangsfrage:
Welche Werte vertritt der "Internationale Bund" (IB), eine sehr etablierte Organisation im Bereich der Jugend-und Sozialhilfe, die als Kooperationspartner und Reputationshelfer der Haasenburg GmbH auftritt?
Die Suche führte auch zur Gründungsgeschichte des IB und zur Biographie des IB Initiators und ehemaligen HJ-Funktionärs Heinrich Hartmann. (Bitte selber googeln, sonst heißt es wieder, immer diese Nazi-Geschichten, kann damit nicht endlich mal Schluss sein? - Der IB macht, soweit man aufgrund einer kurzen Internet-Recherche sagen kann, nicht den Eindruck, Erbe aus der Zeit mit sich herum zu schleppen.)


In die Schlagzeilen geriet die Haasenburg u.a. wegen ihres umstrittenen, wie aus einem anderen Zeitalter anmutenden "Erziehungs"-Konzepts und wegen von ehemaligen Insassen erhobenen Missbrauchs-Vorwürfen. Jedes "Privileg", z.B. auch ein Anruf bei der Mutter, muss, so wird berichtet, mit Chips bezahlt werden, die mit Wohlverhalten im Sinne der Heimregeln zu erwerben sind.

Aber nicht nur über brutale Disziplinierung wurde berichtet, sondern auch über besondere Privilegien; z.B. das Anschauen von Horror-Videos.  ...

Lausitzer Rundschau, 25. April 2012
Die Haasenburg – ein ungewöhnliches Geschäftsmodell
  Cottbus. Wie viel Gewinn darf ein privates Kinderheim machen? Regelungen
gibt es nicht, obwohl der Steuerzahler für die Kosten aufkommt. Die

Haasenburg im Unterspreewald hat rund drei Millionen Euro Gewinn in

Krediten angelegt.

Die Haasenburg in Neuendorf (Dahme-Spreewald) ist ein ganz besonderes
Heim für Kinder und Jugendliche. Hier werden seit 2002 extrem schwierige
Fälle aus ganz Deutschland aufgenommen und intensivpädagogisch betreut.
Durch viel Personal kann auch eine de facto geschlossene Unterbringung
angeboten werden. Die Einrichtung mit Häusern im Unterspreewald, am
Schwielochsee und östlich von Berlin hat insgesamt 114 Plätze und ist
die einzige mit einem solchen Angebot in Brandenburg.
Dafür bezahlen Jugendämter aus ganz Deutschland sehr viel Geld. Ein
Platz kann bis zu 10 000 Euro pro Monat kosten. Die mit der intensiven
Betreuung begründeten hohen Preise sind jedoch nicht die einzige
Besonderheit der Haasenburg.
Für die Vereinbarung, was ein Platz in der Haasenburg kosten darf, ist
das Jugendamt Dahme-Spreewald zuständig. Die seit 2005 als GmbH geführte
Privatfirma hat dort ihren Hauptsitz. "Die Verhandlungen mit uns werden
fast ausschließlich durch eine renommierte Fachanwaltskanzlei geführt",
sagt Jugendamtsleiter Hubert Lautenbach. ...
Im Januar wurde nach zweijähriger Verhandlung die jüngste
Einigung erzielt. Zwei Mal schon musste eine Schiedsstelle bemüht
werden. "Mit anderen Trägern ist das nicht so", sagt Lautenbach.
Er bestätigt, dass für Plätze in der Haasenburg mehr als 300 Euro pro
Tag bezahlt werden. Die mit dem Landkreis vereinbarten Preise gelten
bundesweit für alle Jugendämter, die Klienten in den Unterspreewald
schicken. Das scheint sich wirtschaftlich zu lohnen. ...
Eigentümerin der Haasenburg GmbH ist die JCD-Beteiligungs GmbH, die dem
Haasenburg-Gründer Christian Dietz und seiner Frau gehört. Die Bilanzen
der Haasenburg weisen seit Jahren Gewinne aus, die inzwischen insgesamt
auf rund drei Millionen Euro angewachsen sind.
Geschäftsführer Mario Bavar steht für Auskünfte über die Entwicklung des
Therapiezentrums und die Gewinnverwendung nicht zur Verfügung. Anfragen
beantwortet schriftlich als Beauftragter Hinrich Bernzen. Der bezeichnet
Kosten und Umsatz der Haasenburg GmbH als "den Aufwendungen
entsprechend". Zahlen nennt er nicht.
Die bisherigen Gewinne seien nicht ausgeschüttet, sondern zur Bildung
von Rücklagen eingesetzt worden, um weiter zu investieren, so Bernzen.
Das Geld sei sicher und zinsbringend angelegt "durch Vergabe von
Krediten an Partner". Wer die Partner sind, könne er zur Zeit nicht
sagen. Geschäftsführer Mario Bavar sei im Urlaub.
Zweifel, dass die sehr kostenintensive Betreuung in der Haasenburg immer
hält, was sie verspricht, kamen erstmals 2008 durch einen Prozess am
Cottbuser Landgericht auf. Ein damals 19-Jähriger musste sich wegen
versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten. Ein Jahr
vorher hatte er als Bewohner der Haasenburg versucht, einer Betreuerin
in den Hals zu beißen. Auf einen Mitarbeiter ging er mit einer Schere
los. Er wurde dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen.
Trotz mehrfach geäußerter abnormer Sexual- und Kannibalismusfantasien
habe der zwei Meter große junge Mann in der Haasenburg Kraftsport
treiben und Horrorvideos anschauen dürfen, kritisierte das Gericht in
der Urteilsbegründung. Auch Zweifel an der Ausstattung mit Fachpersonal
wurden aktenkundig. Das Landesjugendamt Brandenburg bescheinigte dem
Heim jedoch später "keine schwerwiegenden Fehler" gemacht zu haben. ...
Dass Anspruch und Wirklichkeit in der Haasenburg nicht identisch seien,
behaupten Insider, die anonym bleiben wollen. "Da werden schöne Berichte
für die Jugendämter geschrieben, aber mit zu wenig Fachkräften und zu
viel unerfahrenen Kollegen gearbeitet", behauptet einer. Das Heim sei
eine "Gelddruckmaschine".
Übereinstimmend schildern mehrere Insider eine hohe Fluktuation, einen
rüden Umgang mit Mitarbeitern und schlechte Bezahlung. Es sei schwer,
hinter die Kulissen einer solchen Einrichtung wie der Haasenburg zu
schauen. Viele Jugendämter hätten daran auch nicht zu viel Interesse.
Die seien froh, ihre Probleme vom Tisch zu haben. ...


Simone Wendler

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Die-Haasenburg-ein-ungewoehnliches-Geschaeftsmodell;art1065,3770486


Aus
Kinderheim in Brandenburg: Der Horror am Waldrand - taz.de
15.06.2013
  Während die Kinder anfangs nicht einmal eigene Kleidung tragen dürfen, können
nach dem Punktesystem Annehmlichkeiten mit verdienten Chips erkauft werden:

„Rasieren (nur im Intimbereich)“: 7 Chips, also mindestens 7 Tage, an denen

gegen keine Regel verstoßen werden darf. Woanders heißt es: „bei Chipsverlust

kein Kuscheltier im Bett“.
http://www.taz.de/!118139/


Rasieren im Intimbereich gegen Chips für 1 Woche ohne Regelverstoß - darauf muss
man erst einmal kommen. Was für eine Art von "Erziehern" braucht man, um sich
soche Regeln auszudenken und ihre Einhaltung zu kontrollieren?
   
    Dazu neuer Post (7.7.2013)  http://guttmensch.blogspot.com/2013/07/intimrasur-gegen-chips-fur.html



Aus
Heimskandal in Brandenburg: Tod im Kinderheim - taz.de
Von Kaija Kutter, Kai Schlieter
27.06.2013
  ... Für Lena* muss die Zeit in der Haasenburg GmbH die Hölle gewesen sein.
So wie für jedes Kind galt auch für sie eine Liste mit Geboten und Verboten.

Auf ihrer „Was darf ich?“-Liste ist mit Datum vom 18. 6. 2007 notiert: „tagsüber

Helm, Knie- und Armschoner tragen“.

Unter Lenas „Was darf ich nicht?“-Liste steht: „nachts ohne Helm schlafen“;
ebenso: „eigenmächtig und selbständig handeln“; oder: „mit anderen Jugendlichen
Kontakt aufnehmen, wenn kein Erzieher dabei ist“ und: „selbständig Helm, Knie-
sowie Armschoner abnehmen, ohne vorher Erzieher zu fragen“. Endgültig los wurde
das Mädchen die stigmatisierenden Schützer mit dem Tod. ...
Lena starb, weil sie aus einem oberen Stockwerk der Haasenburg GmbH in Jessern
aus dem Fenster stürzte. ...
Unerbittlich musste das Mädchen den Helm tragen. Laut einer Gesprächsnotiz
bittet Lena die Erzieherin T., den Helm ablegen zu dürfen. Die Mitarbeiterin T.
entgegnet, der Helm müsse getragen werden, „solange wir es für nötig halten“.
Frau T. ist die Erzieherin, die Lena die Schützer am Todestag abnahm. Laut
internen Protokollen wird der Helm auch unter Zwang aufgesetzt.
Am 11. November 2006 wird Lena in den Anti-Aggressions-Raum gebracht. Um 9.45
Uhr wird ihr laut Protokoll erklärt, sie müsse „den Schutzhelm tragen, um sich
nicht selbst zu gefährden“. Schließlich: „Schutzhelm wird Lena aufgesetzt, soll
in der Mitte des Raumes stehen.“ Um 9.48 Uhr: „wirft Helm gegen die Tür […] wird
im Stehen begrenzt.“
9.50 Uhr: „Schutzhelm wird erneut aufgesetzt.“ 9.55 Uhr: „wirft Helm erneut
gegen Tür und tritt mehrmals dagegen […] (der Helm zerbricht) […] Sie steht
gemeinsam mit EZ im Festhaltegriff auf und bekommt Helm aufgesetzt.“ 10.05 Uhr:
„es wird neuer Helm geholt und ihr aufgesetzt, Konsequenz, wenn sie den Helm
nicht aufbehält und weiter eigengefährdendes Verhalten zeigt, wird sie auf dem
Bett begrenzt.“  ...
Auch an diesem Tag ist in den Dokumenten als Auslöser keine Selbstverletzung
vermerkt. „Auslösende Situation: Lena verweigert sich, mit einem Bleistift ihr
Tagesziel zu schreiben, wirft Bleistift aus Zimmer, tritt gegen Tür und hält
diese zu.“
Glücklicherweise hatte Lena im Heim Sandra*, ihre Freundin. Sie sagt der taz:
„Es tut mir leid, dass sie ihr Leben nicht mehr leben kann.“ In der Haasenburg
GmbH sei es für beide unerträglich gewesen. „Ich hätte an ihrer Stelle sein
können.“ Lena habe zwar gegen die Wände ihres Zimmers geschlagen, „aber das war
nicht gefährlich. Das war Trotz und Protest.“
Werner Thole von der Uni Kassel ist empört. Der Helm sei ein Eingriff in die
„körperliche Integrität von Heranwachsenden“, und diese Art Eingriffe seien „im
Rahmen erzieherischer Hilfen völlig unangebracht.“ Dies widerspreche den
„Grundsätzen einer humanen Kinder- und Jugendhilfe“.
Wenn der Helm wirklich nur dem Schutz des Kindes gedient haben sollte, macht ein
Dokument stutzig: So wird in einem Protokoll einer anderen Jugendlichen im
November 2008 vermerkt: „Schutzbekleidung als negative Konsequenz“. ...
Bei Lena kam es laut Protokoll am 24. Februar 2006 zu einer „Präventionsmaßnahme“.
Ihr Vergehen: „Sie versuchte mit dem Erzieher zu diskutieren und sich auf diese
Weise einen Vorteil zu verschaffen.“ Konsequenz: „Frau F. fordert Lena mehrmals
auf, sich umzudrehen und über die Situation zu reden. Doch auch diesen
Aufforderungen kam Lena nicht nach.“
Es erfolgt die pädagogische Intervention nach Art der Haasenburg GmbH: „Ansage,
dass, sollte sie sich weiter weigern, sie 10 Kniebeugen zu machen hätte.“ Die
Pubertierende weigert sich. „Daraufhin betrat ein weiterer Erzieher den Raum, um
Frau F. zu unterstützen.“ Weiter heißt es im Protokoll: „Es wurde versucht, Lena
bei den Kniebeugen zu helfen.
Lena verweigerte sich immer mehr und fing damit an, Frau F. anzugreifen.
Daraufhin wurde sie von den beiden Erziehern zu Boden gedrückt.“ Das
Landesjugendamt ist über die Behandlung von Lena informiert gewesen. Der taz
liegen mehrere „Meldungen einer Anti-Aggressionsmaßnahme“ vor, die immer an
dieselbe Zuständige im Landesjugendamt adressiert sind.
Am 2. Dezember 2006 bekommt die Sachbearbeiterin wieder eine solche Meldung über
eine dreistündige „Anti-Aggressionsmaßnahme“: „Die Jugendliche forderte sich auf
unangemessene Art und Weise ihre Handlungsalternativen ein.“ Weiter heißt es
rechtfertigend, dass sie mit „oppositionellem Trotzverhalten und
eigengefährdendem Verhalten reagierte“. Über Helm, Knie- und Armschoner ist
nichts vermerkt.

http://www.taz.de/!118837/

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In jedem steckt ein Folterknecht | Soundcheck | Juni 2004 | NZZ Folio
Das Stanford-Prison-Experiment machte 1971 aus friedliebenden Studenten grausame
Gefängniswärter.
Von Reto U. Schneider
  ... «Das menschliche Verhalten hängt viel stärker von äusseren Umständen ab, als wir wahrhaben wollen», schrieb [Philip] Zimbardo in einem Kommentar über den Folterskandal [vom Gefängnis Abu Ghraib in Bagdhad] im «Boston Globe».

[Der Psychologe von der Universität Stanford ...] muss es wissen. Er hatte vor dreissig Jahren selbst ein Gefängnis geschaffen, in dem gefoltert wurde.

Im Frühling 1971 gab Zimbardo in der «Palo Alto Times» eine Annonce auf:
«Männliche Studenten gesucht für psychologische Untersuchung des Gefängnislebens. $ 15 pro Tag für 1–2 Wochen.» Aus den Bewerbern teilte er 21 ganz normale Studenten, die in Persönlichkeitstests als ehrlich, zuverlässig und beständig auffielen, per Münzwurf zwei Gruppen zu. Elf sollten die Gefangenen
spielen, zehn die Wärter.

Die Gefangenen wurden in das Gefängnis gebracht, das Zimbardo im Kellergeschoss
des Psychologiegebäudes hatte einrichten lassen. Drei kleine Zellen, ein enger Kasten als Isolationszelle, ein neun Meter langer Korridor, der als Hof für Inspektionen gebraucht und von einer Videokamera überwacht wurde.

Die Wärter bekamen Uniformen, eine Trillerpfeife, eine reflektierende Sonnenbrille und einen Gummiknüppel. Sie arbeiteten in Achtstunden-schichten und erhielten die Anweisung, «die für den effizienten Betrieb des Gefängnisses nötige Ordnung aufrechtzuerhalten».

Die Gefangenen mussten Gefängniskleider anziehen: eine Art weisse Schürze mit
Nummern vorne und hinten, unter der sie keine Unterwäsche tragen durften,
Plasticsandalen und einen Nylonstrumpf als Kappe.

Zimbardo versuchte während der kurzen Zeit der Simulation in seinen Gefangenen
die gleichen Gefühle zu wecken, die richtige Häftlinge nach längerer Zeit haben:
Abhängigkeit, Machtlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Die Kleider hatten das
Ziel, die Gefangenen zu erniedrigen und ihnen ihre Individualität zu rauben.

Interessanterweise hatte Zimbardo keine eigentliche Hypothese, was in einer solchen Situation geschehen würde. Das etwas diffus formulierte Ziel des Experiments war es, herauszufinden, «welche psychischen Auswirkungen es hat, wenn man Gefangener oder Strafvollzugsbeamter ist». Er wollte verstehen, wie die Gefangenen ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Privatsphäre verlieren, während die
Wärter an Macht gewinnen, indem sie das Leben der Gefangenen kontrollieren.

Frühere Experimente hatten gezeigt, wie leicht sich normale Leute zu üblen Taten
hinreissen liessen, wenn sie in einer Gruppe nicht mehr als Individuen  wahrgenommen wurden oder wenn man sie in eine Situation brachte, in der sie andere Menschen als Feinde oder Objekte sahen.

Die Wärter stellten schon bald absurde Regeln auf, disziplinierten die Gefangenen willkürlich und gaben ihnen sinnlose Aufgaben: Kisten von einem Raum in den anderen tragen und wieder zurück, die Toilette mit blossen Händen putzen, stundenlang Dornen aus ihren Decken entfernen (die Wärter hatten die Decken zuvor durch Dornbüsche geschleift). Und es wurde ihnen befohlen, Mitgefangene zu
verhöhnen oder sexuelle Handlungen mit ihnen zu simulieren.

Nach weniger als 36 Stunden musste Zimbardo den Gefangenen 8612 wegen extremer
Depressionen, unkontrollierter Weinkrämpfe und Wutausbrüche entlassen. Er zögerte zuerst damit, weil er glaubte, der Student gebe bloss vor, am Ende zu sein. Für Zimbardo war es unvorstellbar, dass ein Versuchsteilnehmer in einem simulierten Gefängnis nach so kurzer Zeit derart extreme Reaktionen zeigte.

Sowohl für die Gefangenen als auch für die Wärter verwischten sich die Grenzen zwischen Experiment und Realität. Je länger das Experiment dauerte, desto häufiger mussten die Bewacher daran erinnert werden, dass keine körperliche Gewalt erlaubt war. Die Macht, die ihnen das Experiment gab, machte aus pazifistisch eingestellten Studenten sadistische Gefängniswärter. Selbst
Zimbardo verhielt sich sonderbar. Eines Tages glaubte eine der Wachen, die
Gefangenen bei der Planung eines Massenausbruchs belauscht zu haben. Zimbardo
ging zur Polizei von Palo Alto und wollte die Gefangenen in das alte
Stadtgefängnis transferieren. Als die Polizei ablehnte, wurde er wütend und
beklagte den Mangel an Kooperation zwischen den Gefängnissen. Zimbardo selbst
war Gefängnisdirektor geworden.

Am vierten Tag stellte Zimbardo aus Doktoranden und Abteilungssekretärinnen des Instituts einen Bewährungsausschuss zusammen, dem die Gefangenen einen Antrag  auf vorzeitige Entlassung stellen konnten. Fast alle waren bereit, auf die 15 Dollar pro Tag zu verzichten, wenn sie rauskämen. Der Bewährungsausschuss schickte sie in die Zellen zurück, während er über die Anträge beriet.

Erstaunlicherweise gehorchten alle Gefangenen, obwohl sie ihre Teilnahme am Experiment einfach hätten beenden können, wenn sie ohnehin auf das Geld verzichteten. Doch dazu hatten sie nicht die Kraft. «Ihr Realitätssinn hatte sich verschoben», schrieb Zimbardo, «sie nahmen ihre Gefangenschaft nicht mehr als ein Experiment wahr. In dem psychologischen Gefängnis, das wir kreiert
hatten, hatte nur das Strafvollzugspersonal die Macht, vorzeitige Entlassungen zu bewilligen.»

Inzwischen tauchte ein Anwalt auf, den die Eltern eines Studenten kontaktiert hatten, um ihren Sohn herauszuholen. Er besprach mit dem Gefangenen, wie sich die Kaution auftreiben liesse, und versprach nach dem Wochenende wiederzukommen – obwohl auch er wusste, dass es hier um ein Experiment ging und die Frage nach einer Kaution absurd war. Zu diesem Zeitpunkt war für alle Beteiligten völlig
unklar, wo ihre Rolle aufhörte und wo ihre eigene Identität begann.

Fünf Tage nach Beginn des Experiments, am Donnerstagabend, besuchte Zimbardos Freundin und spätere Frau Christina Maslach das Gefängnis. Sie war Psychologin und hatte sich bereit erklärt, die Gefangenen am nächsten Tag zu interviewen. Es war nicht besonders viel los, und Maslach las im Kontrollraum einen Artikel.

Etwa um 23 Uhr klopfte Zimbardo ihr auf die Schulter und zeigte auf den Bildschirm. «Schnell, schnell – schau dir das an.» Maslach schaute auf, und es wurde ihr sofort übel. Die Wärter schrien auf eine Reihe an den Füssen aneinandergeketteter Gefangener ein, deren Köpfe in Papiersäcken steckten. Es war der Gang zur Toilette vor dem Schlafengehen. In der Nacht mussten die
Gefangenen ihre Notdurft in der Zelle in einen Eimer verrichten, dessen Leerung
die Wärter willkürlich verweigerten. «Siehst du das? Komm schon, schau es dir an
– das ist wirklich erstaunlich.» Doch Maslach hatte keine Lust.

Als Zimbardo sie beim Verlassen des Gefängnisses fragte, was sie vom Experiment
halte, schrie sie ihn an. «Es ist entsetzlich, was du diesen jungen Leuten antust!» Es kam zu einem hitzigen Streit, in dessen Verlauf Zimbardo merkte, dass alle am Experiment beteiligten Personen die zerstörerischen Werte des Gefängnislebens verinnerlicht hatten. Schliesslich entschied er sich, den
Versuch am nächsten Morgen zu stoppen.

Der Verlauf des Experiments zeigt erstaunliche Parallelen zur Situation in Bagdad: Nicht dazu ausgebildete Soldaten fanden sich plötzlich in der Rolle mächtiger Gefängniswachen. Die Vorgesetzten hatten keine Erfahrung und griffen nicht ein. Hinzu kamen die militärische Geheimhaltung und widerstreitende Interessen von Wachen und Verhörspezialisten.

«Jede Tat, die je ein Mensch begangen hat, wie schrecklich auch immer, kann jeder von uns begehen – unter dem richtigen oder falschen Druck einer bestimmten Situation», schrieb Zimbardo nach dem Experiment. «Dieses Wissen entschuldigt das Böse nicht, es demokratisiert es eher, teilt die Schuld unter normalen Leuten auf, anstatt sie zu verteufeln.» ...
Aus einer Bilderserie vom
"Stanford Prison Experiment".


Unter www.prisonexp.org gibt es Bilder, Filme und weitere Informationen zum Stanford-Prison-Experiment.
Der deutsche Spielfilm <Das Experiment> (2001) basiert auf den Ereignissen in Stanford. Philip Zimbardo hält ihn für eine reisserische Vereinfachung.
http://folio.nzz.ch/2004/juni/jedem-steckt-ein-folterknecht



Muss man sich wundern, wenn derzeitige Insassen der "Haasenburg" die mittlerweile eingerichtete Hotline nicht nutzen?
(Wie viele Chips würden sie wohl brauchen, um das zu dürfen?)
Ehemalige Insassen haben sich allerdings gemeldet, und eine Untersuchungskommission
wurde vor einigen Tagen eingesetzt.


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Sowas nennt man wohl Pressearbeit
Ein Blick in das Archiv der Berliner Zeitung: Lobhudelei für die Haasenburg und ein Streiflicht auf die Pressearbeit der Berliner Polizei in der Ära DWDS („Dieter Will Das So“)


"Platz gibt es genug" und "Die Kinder erhalten sogar Schulunterricht" - Begeisterung, fast Schleichwerbung für private Anbieter geschlossener Heimunterbringung (in der BZ, 2007)

Polizeipräsident möchte kriminelle Kinder in Heimen unterbringen. Platz dafür gibt es genug, doch niemanden, der es bezahlen möchte: Ab in die Hasenburg | Archiv - Berliner Zeitung
Von Andreas Kopietz
12.06.2007

Was tun mit Kindern, die immer wieder klauen, prügeln und rauben?
Einige haben schon 40 Straftaten auf dem Gewissen. Doch die Polizei muss sie immer wieder laufen lassen, weil sie noch nicht 14 und strafmündig sind. ...
Weil ein 13-Jähriger, der auf der Straße einen Raub begeht, juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, bleibt dem Jugendamt oft nur Eines: die Unterbringung des Kindes in einem Heim, wo es mehrere Monate oder Jahre nach strengen Regeln lebt und Werte vermittelt bekommt und ein Leben ohne Straftaten überhaupt erst lernt. Diese Chancen lässt Berlin zum großen Teil ungenutzt. "Nur ein Kind ist derzeit in einem Heim untergebracht", sagte eine Sprecherin der
Senatsjugendverwaltung gestern. Nach Angaben der Sprecherin stehen Berlin mindestens 26 Plätze in Brandenburger Einrichtungen zur Verfügung. Bei Bedarf könnten Bezirksämter weitere Verträge mit Einrichtungen in anderen Bundesländern schließen.
Zuständig für die Heimunterbringung ist das jeweilige Jugendamt. Die Entscheidung erfolgt entweder im Einvernehmen mit der Familie oder auf Beschluss des Familiengerichts. Ein Betreuer und zwei Kinder Bei den Einrichtungen mit Namen wie "Hasenburg", "Weidenhof" oder "Insel" handelt es sich unter anderem um abgelegene Bauernhöfe, die von freien Trägern betrieben werden. Sie liegen an abgelegenen Orten, die Abhauen unattraktiv machen. Der Tagesablauf ist streng geregelt, die Bewohner werden "verbindlich betreut". Die Kinder erhalten sogar Schulunterricht, der Betreuerschlüssel liegt in der Regel bei 1:2 - ein Betreuer ist für zwei Kinder verantwortlich. Polizeipräsident Dieter Glietsch wundert sich, dass die Jugendämter nicht stärker das Angebot nutzen. Er befürwortet ein Konzept "Menschen statt Mauern", bei dem sich Sozialarbeiter um straffällige Jugendliche kümmern. Eigentlich rennt er damit in den Bezirksämtern offene Türen ein.
"Kriminelle Kinder oder Jugendliche aus ihrem Milieu raus zu nehmen und weit weg in die Wallachei zu schicken, ist sehr sinnvoll", sagt etwa Peter Schulz, zuständiger Fachbereichsleiter in Mitte. "Dies sollte aber sehr gezielt geschehen. Es geht nicht darum, die Kinder einfach wegzuschließen, sondern ihnen einen pädagogischen Bezug zu geben." …



Der Ort für jugendliche Straftäter und Schulschwänzer: Noch 2010 wurde die "Haasenburg" verniedlichend ("Keine Drogen, früh aufstehen und höflich sein") propagiert als Gegenmodell zu anderen Häusern, in denen angeblich Zigaretten, Alkohol und Joints kreisen würden. Selbst wenn - und gerade wenn - an der Beschreibung "anderer Häuser" etwas dran sein sollte, stellt sich die Frage: Wer kümmert sich eigentlich wirklich um die Überwachung geschlossener Jugendeinrichtungen?


MINDERJÄHRIGE STRAFTÄTER - Der elfjährige Drogenhändler tanzt Polizei und
Sozialarbeitern auf der Nase herum. In Neuendorf am See lernen Jugendliche den Alltag
Archiv - Berliner Zeitung

Keine Drogen, früh aufstehen und höflich sein
Von Mechthild Henneke  24.07.2010

... eine Idylle, nur rund 60 Kilometer südöstlich von Berlin, doch ganze Welten entfernt von der Hauptstadt. Bei ihrer Fahrt wird kaum ein Besucher das Heim Haasenburg entdecken. ...
Ein ehemaliges Ferienheim des DDR-Gewerkschaftsbunds FDGB beherbergt seit zehn Jahren Kinder und Jugendliche, denen der Absturz droht. ...
Es sind Mädchen, die sich prostituieren, Jugendliche, die Drogen nehmen, Schulschwänzer und Schläger, die in den Spreewald geschickt werden, um ihr Leben irgendwie wieder in den Griff zu
kriegen. Sie sind zwischen elf und 18 Jahren alt, insgesamt 45 Jungen und Mädchen  ...
Auf dem weitläufigen Gelände gibt es einen Fußball- und einen Volleyballplatz, Paddelboote, einen
Kletterturm, Fahrräder und ein Feuerwehrauto, das vor sich hinrostet. "Zwischen einem und drei Jahren bleiben die Jugendlichen im Durchschnitt bei uns", sagt Mario Bavar, der 43-Jährige Geschäftsführer der Jugendhilfe-Einrichtung. Er will sie "in die Mitte der Gesellschaft" zurückführen, sagt Bavar. Seine Strategie ist die der kleinen Schritte und die von Regeln und Gesetzen: früh aufstehen, Schule, Freizeitaktivitäten - alles nach einem Plan, der Regelmäßigkeit
schafft - nicht nur im Sinne von Wiederholung, sondern auch von dem Jugendschutz entsprechendem Verhalten: Rauchen verboten, Alkohol verboten, andere Drogen sowieso. Das sei nicht selbstverständlich, sagt Bavar. In Häusern anderer Betreiber ließen Erzieher bei Gesprächen mit Jugendlichen auch mal einen Joint kreisen, um Gemeinschaft herzustellen und so die Gesprächsbereitschaft zu fördern. Bavar lehnt das ab, seine Einrichtung gilt in der Szene als streng...." ...
Schritt für Schritt soll den Jugendlichen ihre Entscheidungsgewalt zurückgegeben werden. Wo früher Sucht oder Zwang standen, soll die Freiheit treten, Nein zu sagen. ...
Foto: Letzte Rettung Haasenburg ...


Von der gleichen Webseite der BZ aus kann man auch aktuelle Artikel zu den Missbrauchsvorwürfen und den eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft anklicken, z.B.:
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Heime
Sind in Brandenburger Heimen tatsächlich Kinder und Jugendliche drangsaliert
worden? In die Vorwürfe soll Klarheit kommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt,
ein Landtags-Sonderausschuss kommt zusammen, eine Kommission... mehr...
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Pressearbeit und grüner Füller: Polizeipräsident Dieter Glietsch
Morgen wird Polizeipräsident Dieter Glietsch in den Ruhestand verabschiedet.
Nicht alle sind traurig: Der Mann mit den zwei Gesichtern | Archiv - Berliner Zeitung
26.05.2011
Der Mann mit den zwei Gesichtern
Von Andreas Kopietz
 
Das Kürzel DWDS kennt fast jeder in der Berliner Polizei. Es steht für "Dieter will das so" und bezeichnet recht treffend den Führungsstil von Polizeipräsident Dieter Glietsch. Er wird morgen von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) in den Ruhestand verabschiedet. Wenn man so will, ist der heute 64-Jährige, der im Mai 2002 zum Polizeichef ernannt wurde, ein Mann mit zwei Gesichtern. Da wäre jener Dieter Glietsch, der aus der Behörde eine moderne Hauptstadtpolizei gemacht hat. Er ist ein Mann, der von seinen Mitarbeitern maximalen Einsatz fordert, der einen messerscharfen Verstand hat - und, wenn man genau zuhört, einen feinen Humor. Und da wäre jener Dieter Glietsch, der als Kontrollfreak gilt und von dem, wie Mitarbeiter sagen, eine Eiseskälte ausgeht.
Er gehört in der Behörde sowohl zu den meistgeachteten wie auch zu den meistgefürchteten Leuten. ...
Und handelte sich den Vorwurf der Opposition ein, politischen Vorgaben unwidersprochen zu folgen und nur ein Vollzugsorgan des Senats zu sein. Dazu zählt auch, dass Glietsch einen rigorosen Personalabbau durchsetzte, sodass die Behörde heute nur noch 21000 Mitarbeiter hat, von denen 16150 Vollzugsbeamte sind, also Polizisten, die Verbrecher jagen. ...
"Der Name Glietsch steht einerseits für eine völlige Neuordnung der Polizei", sagt Bodo Pfalzgraf, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Andererseits steht er für beinharte Auseinandersetzungen mit den Personalvertretungen. Und für einen eigenwilligen Arbeitsstil. Alles, was diese Behörde jemals schriftlich verlassen hat, ging über seinen Tisch." Tatsächlich war Glietschs wichtigstes Arbeitsmittel ein grüner Füller, mit dem er seine Anmerkungen schrieb, auf
Entwürfe für Dienstanweisungen oder Antworten auf Pressefragen. Sein Bedürfnis, auch über Kleinigkeiten Bescheid zu wissen, führte dazu, dass ihm sämtliche wichtige Presseanfragen vorgelegt wurden. Im Laufe der Jahre kanalisierte er die Herausgabe von Informationen so stark, dass alles nur noch über die Pressestelle läuft. Niemand wagte es mehr - auch nicht Direktionsleiter, die ihren Enddienstgrad erreicht haben - ohne Genehmigung mit den Medien zu reden. Und wenn, dann nur inkognito. "Ein leitender Beamter" ist dann in den Zeitungen zu lesen. Oder ein "ranghoher Beamter". Das nennt Glietsch, der früher selbst einmal Journalist werden wollte, moderne Pressearbeit. Entsprechend steif erscheint die Polizei dann in der öffentlichen Wahrnehmung - obwohl sie es eigentlich nicht ist. Doch der Gedanke, dass die Berliner Polizei mehr Gesichter als nur die des Polizeipräsidenten und der Pressesprecher hat, ist für Glietsch unerträglich. Und so verschwanden populäre Beamte, die etwa Experten bei der Aufklärung von Mordfällen oder Kindesmissbrauch waren, von der öffentlichen Bildfläche. Sie wurden in andere Abteilungen versetzt.
Überhaupt führte Glietsch ein Rotationsprinzip für Beamte ein, wie schon in NRW. Die Beamten sollten auch andere Bereiche der Behörde kennenlernen. ... Beamte, die sich hervorragend mit jugendlichen Gewalttätern auskannten, fuhren nun Funkwagen. Ein Spezialist für arabische Großfamilien, der arabisch spricht, wurde ebenso versetzt wie ein Dezernatsleiter, der in der
Rockerszene genau Bescheid wusste und dann Drogenhändler in der U-Bahn jagte.
Lauten Widerspruch aus den eigenen Reihen habe er nur selten bekommen, sagt ein Glietsch-Vertrauter. Das sagt auch etwas über die Mentalität in der Truppe, in der dann eben hinter der Hand gelästert wird: "DWDS". Dieter will das so. ...
http://www.berliner-zeitung.de/archiv/morgen-wird-polizeipraesident-dieter-glietsch-in-den-ruhestand-verabschiedet--nicht-alle-sind-traurig-der-mann-mit-den-zwei-gesichtern,10810590,10789072.html



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Ergänzung 08. Januar 2014


Qualitätsmanagement
mit Daarwin



Die Betriebserlaubnis der Haasenburg Heime wurde aufgrund der Ergebnisse des Untersuchungsausschusses nicht verlängert (siehe
http://guttmensch.blogspot.com/2013/07/intimrasur-gegen-chips-fur.html).

Über das Qualitätsmanagement in den Haasenburg-Einrichtungen mit dem patentierten System QM-Center®, einer Software für Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen, sind kaum Informationen zu finden. Aber auf der Webseite der Firma Daarwin (Anbieter von QM-Center®) findet sich weiterhin das Kundenprofil der Haasenburg; Stand 20.09.2011.
Link:
http://www.daarwin.de/news-archiv/items/260.html

Auszug:
“Haasenburg GmbH
Mehr Effizienz bei Dokumentation und Verwaltung durch QM-Center®
Die Haasenburg GmbH ist ein Anbieter der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Ihr Leistungsangebot umfasst intensivpädagogisch-, heil- und sozialtherapeutische Betreuung für Kinder  und Jugendliche in vielfältigen Betreuungssettings.
An vier Standorten, in Brandenburg und Sachsen, werden die Kinder und Jugendlichen durch multiprofessionelle Teams betreut. Es findet eine psychologische und altersgerechte Betreuung statt. Angeboten werden zudem vielfältige Sportbetätigungen, Computertraining und eine umfangreiche Freizeitgestaltung.
Es bestehen Kooperationsverträge mit dem Institut für Verhaltenstherapie, der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Lübben.
QM-Center® wird an allen Standorten und in allen Bereichen der Verwaltung, Pädagogik und Leitung eingesetzt.
Tim Berndt, Verwaltungsleiter der Haasenburg GmbH zu QM-Center®:
„Wir gehen davon aus, dass wir mit Hilfe von QM-Center unsere Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben effizienter bearbeiten können. Zudem vereinfacht das durchdachte System die Anwendung einheitlicher Standards.“
Wir bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Haasenburg GmbH.”



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Weitere Ergänzung 08. Januar 2014

Aus der Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie (DGKFP) zur Schließung der Jugendhilfeeinrichtungen der "Haasenburg GmbH";
eingestellt auf der Webseite der DGKJP am 03. Dezember 2013

http://www.dgkjp.de/aktuelles/stellungnahmen/183-stellungnahme-der-dgkjp-zur-schliessung-der-jugendhilfeeinrichtungen-der-haasenburg-gmbh

[...] Der uns vorliegende Abschlussbericht der eingesetzten Expertenkommission lässt
außer einer Schließung der Einrichtung aus unserer fachlichen Sicht keine andere
Konsequenz zu. [...]

Besonders betroffen macht uns, dass in dieser Einrichtung unter dem Deckmantel
von „Therapie“ Freiheitsentzug und Freiheitseinschränkungen durchgeführt worden
sind, die keiner externen Kontrolle unterlegen haben und die in ihrer
Durchführung Menschenrechte verletzt haben. Auch die Behauptung, es handele sich
bei entwürdigenden pädagogischen Maßnahmen um „Verhaltenstherapie“ ist
inakzeptabel. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sieht sich dazu
verpflichtet, dies eindeutig klarzustellen, da insbesondere die so genannten
körperlichen „Begrenzungen“ und „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ unter explizitem
Hinweis auf eine angebliche kinder- und jugendpsychiatrische Fundierung des
Vorgehens in der Einrichtung durchgeführt worden sind. 

Wir möchten betonen, dass die Verbindung der Einrichtungen der „Haasenburg GmbH“
zu Kliniken und Niedergelassenen in unserem Fachgebiet keinesfalls so eng war
wie in der Konzeption der Einrichtung behauptet. Dies wurde von der
Untersuchungskommission auch so festgestellt. Bis auf die Vorstellung einzelner
Jugendlicher zur Medikations­überprüfung waren Kinder- und Jugendpsychiater in
das Geschehen in der Einrichtung nicht einbezogen. Berichtete Methoden von
Zwangsausübung einschließlich zwangsweiser Verabreichung von Medikation sind von
keinem Kinder- und Jugendpsychiater in dieser Weise ärztlich verantwortet,
geschweige denn verordnet worden. Die drei Fachverbände der Kinder- und
Jugendpsychiatrie haben sich seit langer Zeit eindeutig zu den ethischen
Rahmenbedingungen von Zwangsanwendung in der Krankenbehandlung von Kindern und
Jugendlichen positioniert: Bei einer nicht ärztlich angeordneten
Zwangsmedikation ohne rechtliche Grundlage handelt es sich zweifelsfrei um eine
Form der Körperverletzung.

Dieser Präzedenzfall unterstreicht noch einmal die Empfehlungen des Runden
Tisches „sexueller Kindesmissbrauch“ in Bezug auf ein adäquates internes und
externes Beschwerdeverfahren für institutionell betreute Kinder und Jugendliche.
So genannte „geschlossene Heime“ bedürfen hier einer besonderen Aufmerksamkeit
und Kontrolle. [...]
Aus den bisherigen Monitoringangaben des Unabhängigen Beauftragten für Fragen
des sexuellen Missbrauchs, Herrn Rörig, geht nicht hervor, ob Einrichtungen, die in

der Jugendhilfe geschlossen geführt werden, entsprechende Risikoanalysen
vorgenommen und Schutzpläne und Beschwerdesysteme etabliert haben. Dies sollte bundesweit überprüft werden.
Gegen Machtmissbrauch hilft Transparenz. Selbstverständlich sollten die
anordnenden Gerichte, welche Beschlüsse nach § 1631 b BGB im pädagogischen
Kontext oft für längere Zeit (mehrere Monate bis ein Jahr) erlassen, sich
persönlich von der adäquaten Umsetzung ihrer Beschlüsse überzeugen. Schließlich
handelt es sich hierbei um weitgehende Eingriffe in Grundrechte, die nur zu
legitimieren sind, wenn tatsächlich das pädagogische Ziel erreicht werden kann. [...]


Der DGKJP-Vorstand im Dezember 2013
(Für den Vorstand: Prof. Jörg Fegert, Prof. Renate Schepker, Prof. Kerstin
Konrad, Prof. Hans-Henning Flechtner)