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Montag, 3. September 2012

Über Gleichheit und Ungleichheit


"Ich habe noch nie zwei Leute gefunden, die völlig gleichwertig sind:
Einer wird immer wertvoller sein als der andere.
Und viele Leute, das ist nun mal Tatsache, haben einfach keinen Wert."
 



“I could never find two people who are perfectly equal:
one will always be more valuable than the other.
And many people, as a matter of fact, simply have no value.” 

 Pentti Linkola, finnischer Polemiker

 
  
Alle Menschen sollen unabhängig von ihrer Herkunft die gleiche Chance haben, ihre Potenziale positiv zu entfalten. Diese Auffassung entspricht der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.


Andererseits gewinnen Stimmen an Einfluss, die nahelegen, bestehende Ungleichheit sei in allererster Linie das Ergebnis unterschiedlich wertvoller Begabungen und Leistungen, und das Streben nach Verminderung von Ungleichheit sei linksextremes Teufelszeug. Interessanterweise geschieht dies gerade in einer Zeit zunehmender Ungleichheit. Wie in den USA und zahlreichen anderen Ländern ist auch in Deutschland das Ausmaß der Ungleichheit seit den 1990er Jahren deutlich gestiegen. Betrug zum Beispiel der Anteil der reichsten 30 Prozent am Vermögen 1999 „nur“ 81 %,  so lag dieser Anteil 2007 bereits bei 91 % (Quelle: Focus Magazin Nr. 35, 27. August 2012, Grafik aus „Die ganze Wahrheit über uns Deutsche“.). - Siehe auch Ergänzung unten (Armutsbericht).


Beispiele für Stimmen, die Streben nach Verminderung von Ungleichheit als Charakterfehler und/ oder Linksextremismus verorten:

„Darum ist dort, wo von Armut und Ungleichheit geredet wird, der Neid niemals fern.“
Thilo Sarrazin in „Deutschland schafft sich ab“

“Der Totalitätsanspruch der Gleichheitsideologie … Schreiben Randexistenzen und Arbeitslose die deutschsprachige Wikipedia?”
Volkmar Weiss, Vordenker Thilo Sarrazins

"Dabei eint die linksextremistischen Strömungen die Idee eines von der Gleichheit aller Menschen durchdrungenen Gemeinwesens …"
Aus dem Verfassungsschutzbericht 2011 des Landes Brandenburg

Aktuelle Trends, die Wahrnehmung und Analyse von Ungleichheit als Neiddebatte von Minderbemittelten und Linksextremen abzutun, reichen weit in die Mitte der Gesellschaft hinein.


Umso mehr ist anzuerkennen, dass gleich eine ganze Ausgabe der ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), herausgegeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung als Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, dem Thema „Ungleichheit, Ungleichwertigkeit“ gewidmet ist (ApuZ, 62. Jahrgang, 16. April 2012).
http://www.bpb.de/apuz/126588/ungleichheit-ungleichwertigkeit
 
Hier einige Auszüge aus Beiträgen zu dieser Ausgabe.

 
Krassimir Stojanov (Katholische Universität Eichstätt)
Anmerkungen zur Geschichte der Ungleichheit
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 3-6, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“, herausgegeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung

Auszüge

„Eine der wichtigsten Errungenschaften der Moderne ist die Zurückweisung der Vorstellung, wonach die Stellung des einzelnen Menschen in der Gesellschaft bereits im Moment seiner Geburt und durch seine Herkunft vordefiniert ist. Herrschte noch bis zum 18. Jahrhundert die breite Akzeptanz von „naturgegebenen“ Ungleichheiten zwischen den Angehörigen des Adels oder der Aristokratie einerseits und der „einfachen“ Bevölkerung andererseits – Ungleichheiten, die man als Abbildungen einer von Gott geschaffenen Weltordnung verstand – so wird diese Akzeptanz im Zuge der Französischen Revolution und der Aufklärung hinfällig. Nach und nach setzte sich die Idee durch, dass das Menschsein die Befähigung zur Freiheit und zur Selbstbestimmung umfasse. Mit anderen Worten: Allen Menschen ist die Grundfähigkeit zuzusprechen, sich der determinierenden Kraft ihrer Herkunft sowie sonstigen externen Positionierungen zu entziehen.

Der Aufklärer Immanuel Kant stellt die Behauptung auf, dass die Keime der Vernunft in allen gleichermaßen vorhanden sind. Demnach ist jeder Mensch zur Mündigkeit und Autonomie fähig, und jeder kann sich bei richtiger Erziehung zu einem Weltbürger entwickeln, der allen anderen gleichgestellt ist. Nach Kant können sämtliche Menschen dieses Potenzial nur wegen ihrer Faulheit und Feigheit nicht realisieren. Von nun an werden Ungleichheiten zwischen Menschen legitimationsbedürftig. … Lediglich diejenigen Ungleichheiten werden als hinnehmbar betrachtet, die als selbstverschuldet oder selbstverdient erscheinen.

Dies ist die Geburtsstunde der Meritokratie als übergreifendes Ordnungs- und Moralprinzip moderner Gesellschaften. Nach diesem Prinzip soll allein die Leistung eines Menschen über seine Stellung in der Gesellschaft entscheiden – und nicht seine Herkunft, seine Verwandtschaftsverflechtungen, seine Beziehungen oder sein Aussehen. Kantisch ausgedrückt soll die gesellschaftliche über- oder untergeordnete Position des Einzelnen ausschließlich davon abhängen, inwiefern sie ihre Faulheit und Feigheit überwunden und ihre Vernunftfähigkeit verwirklicht haben. ….

(Die Verwirklichung des Prinzips der egalitären Autonomieermöglichung) erfordert … die Existenz einer Lebensform, in der jeder Mensch als uneingeschränkt bildungsfähig, als uneingeschränkt entwicklungsfähig in seinem Autonomiepotenzial anerkannt wird … Diese Lebensform wird von der Maxime geprägt, dass alle Menschen gleich sind, weil sie gleichermaßen über diese uneingeschränkte Bildungs- und Entwicklungsfähigkeit verfügen. …

Das meritokratische Prinzip enthält insofern eine substanzielle Dimension von Gleichheit, als hier grundsätzlich allen Menschen Eigenverantwortung für ihr Schicksal zugeschrieben wird. Dabei scheint Eigenverantwortung zunächst verwandt zu sein mit der aufklärerischen Vorstellung, dass alle Menschen gleichermaßen zur vernünftigen Autonomie und Selbstbestimmung fähig sind – eine Vorstellung, die ihren rechtlich-politischen Ausdruck unter anderem in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte findet.

Bei näherem Hinsehen stellt sich allerdings heraus, dass eine Verabsolutierung und Übertragung des meritokratischen Prinzips auf nicht-ökonomische Bereiche (wie etwa das Bildungssystem) das Gebot der Gleichheit untergraben kann. Denn hier führt eine ausschließliche Orientierung an diesem Prinzip zur Stigmatisierung von vielen heranwachsenden Individuen, die mehrheitlich bereits herkunftbenachteiligt sind, als „begrenzt leistungsfähig“ oder „wenig begabt“: eine Stigmatisierung, die das Bildungs- und das Autonomiepotenzial der Betroffenen untergräbt. Daher erfordert die Verwirklichung des Gebots der Gleichheit eine über das meritokratische Prinzip und über die Gewährung von Grundrechten hinausgehende institutionalisierte Anerkennung der grundsätzlich uneingeschränkten Bildungs- und Autonomieentwicklungsfähigkeit bei jedem Menschen.“


 
Anne Broden (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen)
Anmerkungen zur Aktualität der Ungleichheit
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 7-10

Auszüge

„Nach und nach entwickelte sich Ende des 15. Jahrhunderts aus einem christlichen Antijudaismus ein rassistischer Antijudaismus. … Das „Argument“, das nun gefunden wurde, gibt den Blick frei auf die rassistische Konnotation des Antisemitismus: Es liege im jüdischen „Blut“, dass sie so habgierig seien, und ihr Aufstreben richte sich gegen die, die „reinen Blutes“ seien. Die Ideologie der „limpieza de sangre“, der „Blutsreinheit“, ist die erste rassistisch argumentierende Ideologie – wenn auch (noch) nicht wissenschaftlich „fundiert“.

Die nationalstaatliche Einigung ging mit der Vertreibung von „Nicht-Dazugehörigen“,“fremden“ Menschen einher. … Diese Dichotomisierung der Gesellschaft in das Eigene und das Fremde, das „Wir“ und das „Sie“, und die damit einhergehende positive beziehungsweise negative Bewertung führten zu einer gesellschaftlichen und strukturellen Legitimation von Diskriminierung, Ausbeutung und Ausrottung des Anderen. Das ist Rassismus.

Die gewaltvolle Nationalstaatenbildung Spaniens ist ein besonders drastisches Beispiel der mit diesem Prozess einhergehenden Inklusion des Eigenen und Exklusion des Fremden, die sich nicht zwangsläufig derartig brutal gestalten muss. Prozesse der Nationalstaatenbildung verlaufen sehr unterschiedlich, aber ein gemeinsames Moment liegt in der beschriebenen Dichtomisierung. …

Am Ende des Mittelalters, zur Zeit der Eroberung Lateinamerikas und der nationalstaatlichen Einigung Spanniens, gibt es noch keine „Rassentheorie“. Erst ab dem 18. Jahrhundert werden systematisch und angeblich wissenschaftlich untermauerte Theorien über die vermeintlich verschiedenen „Menschenrassen“ entwickelt und damit Ausgrenzung, Diskriminierung und Mord legitimiert. …

Der Nationalssozialismus erhebt die „Rassenideologie“ zur Staatsdoktrin und führt diese in allen ihren Konsequenzen aus. Seine Einzigartigkeit besteht nicht nur in der Anzahl seiner Opfer, sondern auch in der technokratischen und technologischen Perfektion sowie in der Systematik, die kaum ein Entkommen ermöglichte. …

Das Phantasma der (biologischen und kulturellen) Homogenität der Volksgemeinschaft ist durch den Nationalsozialismus diskreditiert und wird durch Globalisierungsprozesse und Migrationsphänomene ad absurdum geführt.

Dennoch bleibt die Imagination von Homogenität und Normalität eine scharfe Waffe zur Diskreditierung der jeweils nicht Genehmen ...

Im Jahre 2010 erreichte der gesellschaftliche Diskurs um Migration und Integration eine neue Qualität. Nicht nur, dass jetzt wieder die längst überwunden geglaubten biologistischen Argumente ins Feld geführt wurden … rhetorische Ausbürgerung wurde auch mit wirtschaftspolitischen Kriterien der Nichtverwertbarkeit verbunden. Damit wurde deutlich: Die öffentlichkeitswirksame rassistische Rede ist in Deutschland wieder eine mögliche Rede. …

Seit Jahren belegt der Bielefelder Professor für Pädagogik Wilhelm Heitmeyer mit seinem Team: „Wer eine ökonomistische Sichtweise teilt – d.h. Menschen nach ihrem Nutzen beurteilt -, neigt deutlich eher zur Abwertung schwacher Gruppen. Der Zusammenhang ist bei denen besonders hoch, die sich selbst 'oben' verorten.“

 

Eva Groß, Andreas Zick, Daniela Krause (Mitwirkende an einem Projekt der Universität Bielefeld, unter Leitung von Wilhelm Heitmeyer, gefördert von der Volkwagen-Stiftung)
Von der Ungleichwertigkeit zur Ungleichheit: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 11-18

Auszüge:

„Wir haben in dem Bielefelder Projekt „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (GMF) in Deutschland über viele Jahre hinweg in jährlichen repräsentativen Umfragen beobachtet, wie beispielsweise eine zunehmende Ökonomisierung von sozialen Beziehungen oder wirtschaftliche Krisen negative Vorurteile gegen Gruppen und Diskriminierungsabsichten beförderte. ...

Menschenfeindlichkeit markiert und legitimiert die Ungleichwertigkeit von Individuen und Gruppen, sodass deren Diskriminierung wahrscheinlicher wird. … Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst Stereotype, Vorurteile und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu schwachen Gruppen in unserer Gesellschaft; kurz: die Abwertung von Gruppen. …

Neben Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und der Abwertung von Menschen, die Asyl suchen oder Sinti und Roma angehören, umfasst das Konzept auch die Abwertung von Menschen mit religiösen Überzeugungen wie das Judentum und den Islam, also Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Einbezogen ist auch die Herabsetzung von Menschen mit anderem Geschlecht oder einer anderen sexuellen Orientierung sowie von Menschen, die obdachlos oder arbeitslos sind. Daneben umfasst das Konzept auch ganz allgemein die Abwertung von allen, die neu hinzugekommen sind, also Etabliertenvorrechte als Prototyp des Vorurteils. …

Die Abwertungen, die wir als Elemente des GMF-Syndroms verstehen, hängen untereinander zusammen und haben einen gemeinsamen Kern, der durch die generelle Ideologie, dass Ungleichwertigkeit von Gruppen die Gesellschaft bestimmt und dies auch gut sei, beschrieben ist. Das bedeutet, dass eine Person, sofern sie Zustimmung zur Abwertung einer Gruppe äußert, mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit dazu neigt, auch andere schwache Gruppen abzuwerten und zu diskriminieren. …

Die Ideologie der Ungleichwertigkeit stellt den gemeinsamen Kern aller Abwertungen von Gruppen dar. …

Einerseits wird Ungleichheit durch soziökonomische Traditionen und Entwicklungen verstärkt oder abgeschwächt. Andererseits bedarf die Ungleichheit einer Ungleichwertigkeitsideologie, die sie stabilisiert und legitimiert. …

Neben die soziale Erniedrigung tritt das Urteil der moralischen Unterlegenheit mit der ideologischen Funktion, Hierarchien, Überlegenheit und Machtpositionen zu sichern. Soziale Ungleichheit kann in Ungleichwertigkeit transformiert werden und anders herum. ….

Die Konjunktur der Menschenfeindlichkeit unterliegt sozialen Prozessen der Integration und Desintegration von Gruppen, die immer wieder durch historische Ereignisse zur Disposition gestellt werden. …

Islamfeindlichkeit stieg nach dem 11. September 2001 (bis 2006) leicht, aber kontinuierlich an. Der 11. September stellt eine Art Signalereignis dar …

Im Kontext der jüngsten Integrationsdebatten und der ökonomischen Krise seit 2008, die ebenfalls ein Signalereignis darstellt, stiegen Islamfeindlichkeit und die Zustimmung zu Etabliertenvorrechten erneut an …

Wir bezeichnen den gesellschaftlichen Prozess, der mit subjektiven Einstellungen wie ökonomischen Orientierungen einhergeht, als Ökonomisierung des Sozialen. (Nach Lemke, Krasmann, Bröckling in „Gouvernementalität, Neoliberalismus und Selbsttechnologie, 2000) … sei der Markt in der gegenwärtigen Konstellation … eine Art „ständiges ökonomisches Tribunal“, vor dem sich alles Handeln zu verantworten habe, beziehungsweise (nach Heitmeyer, Autoritärer Kapitalismus, Demokratieentleerung und Rechtspopulismus, 2001) eine Kontrollverschiebung weg von der Politik und hin zum Kapital.

Die Ökonomisierung des Sozialen trägt dazu bei, insbesondere Langzeitarbeitslose, als Konkurrenten und „Sozialschmarotzer“ empfundene Ausländer, Muslime und Obdachlose über die entsprechenden Vorurteile auf ihre statusniedrige Position zu verweisen. Diese fundamentale gesellschaftliche Entwicklung festigt und formt so indirekt und vermittelt über Menschenfeindlichkeit eine aktuelle Form der sozialen Ungleichheit. …

Empirische Studien zeigen, dass dichotomes, also kategoriales Denken im Gegensatz zu graduell empfundenen Statusunterschieden, an Konjunktur gewinnt. Die Erfahrung zunehmender sozialer Spaltung in „die da oben“ und „die da unten“, „Leistungsträger“ und „Minderleister“, „Gewinner“ und „Verlierer“, „Nützliche“ und „Nutzlose“ oder die Wahrnehmung, selbst zu den „nutzlosen Verlierern“ zu gehören, bestärken dieses Denken, das letztlich einen zivilisatorischen Rückschritt darstellt.“



Matthias Quent
(Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Rechtsextremismus – ein ostdeutsches Phänomen?
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 38-42

Auszüge:

„Rechtsextremismus geht von der Ungleichwertigkeit der Menschen aus. (Nach Decker/ Brähler, Vom Rand zur Mitte, 2010, ist Rechtsextremismus 'ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen …'). 

Tatsächlich ist rechtsextreme Gewalt in Ostdeuschland stärker virulent als in Westdeutschland: Übergriffe auf Ausländer und Ausländerinnen kommen etwa dreimal häufiger vor als im Westen. Bezogen auf die Bevölkerungszahl ist die Zahl gewalttätiger rechtsextremer Jugendlicher, Skinheads und Neonazis ebenfalls dreimal so hoch.  …. Personen aus Regionen mit hohem Ausländeranteil sind signifikant weniger ausländerfeindlich als jene aus Gegenden mit einer entsprechend geringeren Quote. …

Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland und innerhalb der Landesteile hat sich die soziale Ungleichheit zwischen 1993 und 2004 deutlich verschärft (vgl. Heitmeyer, Deutsch-deutsche Zustände, Folge 8, 2009). Trotz der gleichgerichteten Trends ist die soziökonomische Lage in Ostdeutschland weiterhin schlechter als im Westen und wird entsprechend bewertet: Die messbaren Differenzen im Nettogeldvermögen drücken sich in der Wahrnehmung misslungener Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit … aus. Auch das Vertrauen in die Demokratie fällt in Ostdeutschland geringer aus als in Westdeutschland. Damit nimmt die Anfälligkeit gegenüber rechtspopulistischen Einstellungen zu. …

Latent rechtsextreme Einstellungen sind nicht nur das Resultat versagter Anerkennung und geringer Bildung, sondern auch direkte Folge ungleicher Verteilungen wirtschaftlichen Wohlstands. …

Jugendkulturen bieten adoleszenten Heranwachsenden einen Halt in ihrer Suche nach Anerkennung, Sinn, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit. (Vgl. Hafeneger/ Becker, Rechte Jugendcliquen, 2007). Dazu zählt auch der Rechtsextremismus mit seinem spezifischen, martialisch-übermaskulinen Habitus, klaren Vorstelungen von Hierarchien sowie dem „Wert“ und „Unwert“ von Ethnien und Menschen, Normen und Kulturen. Dabei geht der Rechtsextremismus über normale (jugend-) kulturelle Distinktion in Verhalten, Sprache, Kleidung oder Musik hinaus und überdehnt diese zu einer ideologisch-sozialdarwinistischen Vorstellung über die Un(gleich)wertigkeit von Lebensentwürfen, die von den eigenen abweichen. …

Durch kommunale Sparstrategien in Bildungs-, Kultur- und Sozialbereichen verschärfen sich die desintegrativen Tendenzen, die den Rechtsextremismus als attraktive Alternative erscheinen lassen. …

Rechtsextreme Einstellungen existierend bundesweit in beunruhigend hohem Maße. Dabei sind mikroregionale Effekte und Unterschiede zu beobachten, die allgemeine Pauschalisierungen über „den Osten“ und „den Westen“ disqualifizieren. … Zeitgemäß wäre es, die Diskussion über sozioökonomisch abdriftende und aufstrebende Regionen, räumlich-spezifizierte Gegenmaßnahmen und die demokratische Rückeroberung sozialer Interaktionsräume zu führen.“ 

(Anmerkung Blogger: Martialische Sprache als Ausdruck „wehrhafter Demokratie“? -  „Rückgewinnung“ wäre wohl eher zielführend als „Rückeroberung“.)

 

 
Götz Nordbruch (Mitarbeiter am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Mitarbeiter des Berliner Vereins „ufuq.de“)
Ethnozentrische Gemeinschaftsvorstellungen bei Jugendlichen mit Migrationhintergrund
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 42-46

Auszüge

„ 'Die Transformation der eigenen Ungleichheit in die Abwertung anderer (…) ist ein Instrument der Ungleichheit' (Zitat Heitmeyer, die Ideologie der Ungleichheit, 2008). …

Auf die Bedeutung von Diskriminierungserfahrungen im Alltag und Berufsleben wurde in verschiedenen Studien hingewiesen. Diese Erfahrungen werden auch in jugendkulturellen Trends verarbeitet. … Für (den deutsch-türkischen Designer Melih Kesmen – Modelabel „Style Islam“) ist das selbstbewusste Bekenntnis zum Islam … eine Reaktion auf Anfeindungen, die er infolge der Auseinandersetzungen um die Mohammed-Karikaturen im Jahre 2006 erlebte.

Der rassistische Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini in einem Gerichtssaal in Dresden 2009 stellte für viele Muslime eine ähnliche Zäsur dar wie die Anschläge von Mölln und Solingen. … Gerade von islamistichen Initiativen wurden die Empörung und die Sorge um zunehmenden Rassismus instrumentalisiert. Mit Warnungen vor einem drohenden „Holocaust an den Muslimen“ warben salafistische Initiativen um junge Muslime, denen sie in der eingeschworenen Gemeinschaft der Umma, der Gemeinschaft der Muslime, Schutz und Zugehörigkeit versprachen. …

Mit über 200 Vereinen und 10 000 Mitgliedern bilden die Grauen Wölfe die größte Organisation unter Migranten, die eine rechtsextrem-nationalistische Orientierung vertritt. …

Die Verbindung von kämpferischem Appell und Einschwören auf die nationale Gemeinschaft findet allerdings nicht nur unter deutsch-türkischen Jugendlichen Zuspruch. Ressentiments und Aufforderungen zum Kampf gegen Angehörige „fremder“ Nationen finden sich auch in Beiträgen, die von Jugendlichen mit libanesischem, kroatischem oder serbischem Familienhintergrund im Internet veröffentlicht werden. … Ein Beispiel dafür ist der deutsch-albanische Rapper Bözemann, der sich in seinen Musikvideos mit Titeln wie „Der Totale Krieg“ als albanischer Nationalist im Kampf gegen seine Umwelt inszeniert. In Internetforen wie dem „balkanforum.info“ werden diese Auseinandersetzungen ausgetragen. …

Die Musik des rechtsextremen kroatischen Sängers Marko Perkovic (alias Thompson), der sich offen auf die faschistische Bewegung der Ustasha bezieht, dient  … unter Jugendlichen mit kroatischem Familienhintergrund der identitären Selbstfindung. …. 

Der Rückzug in die „eigene“ Gemeinschaft ist auch für islamistische Strömungen charakteristisch...

In Deutschland ist es vor allem die Islamistische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), unter deren, insbesondere älteren Anhängern sich islamistische Strömungen ausmachen lassen …

Deutlicher noch als in traditionellen islamischen Vereinen äußert sich in der Ideologie der salafistischen Strömung ein chauvinistisches Gemeinschaftsdenken.  Seit 2005 entstanden in Deutschland zahlreiche Initiativen, die sich in Anlehnung an salafistische Vordenker aus arabischen Ländern zu einem wortgetreuen Islamverständnis bekennen. Etwa 5000 Personen werden diesem Spektrum mittlerweile in Deutschland zugerechnet. Reale oder vermeintliche Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung werden hier als historische Parallele zur Frühzeit des Islam gedeutet. … Diese Sichtweise verbindet sich mit dem Appell, „stolz zu sein, fremd zu sein“. …

Dabei nimmt das Werben für den Islam, wie er von Vertretern dieser Strömung verstanden wird, vielfach gerade im Internet aggressive Formen an. So gehören die Warnung vor der Strafe Gottes und die bildhafte Beschreibung der Höllenqualen, welche die „Ungläubigen“ (Kuffar) nach dem jüngsten Gericht durchmachen werden, zu den immer  wiederkehrenden Motiven, die von salafistischen Predigern wie Pierre Vogel und Ibrahim Abu Nagie aufgegriffen werden. … Aufrufe zum „Kuffarwatch“ … bedienen sich einer Rhetorik, die kaum mehr von offenen Aufrufen zur Gewalt zu unterscheiden sind. …

Der Wunsch nach Anerkennung von Religiosität und Migrationserfahrungen spiegelt sich in jugendkulturellen Ausdrucksformen junger Migranten und Muslime. In den Islam- und Integrationsdebatten der vergangenen Jahre wurden die Vorbehalte deutlich, mit denen große Teile der Mehrheitsgesellschaft einer solchen Anerkennung gegenüberstehen. Am Beispiel dieser Debatte lässt sich die Wechselbeziehung von Selbst- und Fremdwahrnehmungen dokumentieren, wie sie in einer jüngst vom Bundesministerium des Innern veröffentlichten Studie deutlich wird (Frindte et al., Lebenwelten junger Muslime in Deutschland, 2011). ...

Der selbstverständliche Umgang mit Pluralität und Diversität ist … eine Möglichkeit, um auch Jugendliche mit Migrationshintergrund als „normalen“ Teil der deutschen Gesellschaft anzusprechen. Schließlich ist das Versprechen von „Normalität“ und „Selbstverständlichkeit“ ein Faktor, der ethnozentrische Gemeinschaftsvorstellungen attraktiv macht.“


 
Yasemin Shooman (Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin)
Das Zusammenspiel von Kultur, Religion Ethnizität und Geschlecht im antimuslimischen Rassismus
In: ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), 62. Jahrgang, 16. April 2012, S. 53-57

Auszüge

„Am 7. Februar 2012 kam es zu einem Tumult in der französischen Nationalversammlung. Parlamentarier der Regierungspartei UMP verließen aus Protest den Saal, während der schwarze Abgeordnete Serge Letchimy aus Martinique den Innenminister Claude Guéant scharf angriff: „Sie, Monsieur Guéant, (…) bringen uns Tag um Tag zurück zu jenen europäischen Ideologien, welche die Konzentrationslager hervorbrachten am Ende einer langen Kette der Sklaverei und des Kolonialismus.“ Zuvor hatte der Innenminister erklärt, dass … Frankreich seine Kultur vor „minderwertigen“ Kulturen schützen müsse. Guéant verwies dabei auf französische Muslime, die aus Platzmangel in Moscheen auf der Straße gebetet hatten, was die französische Regierung im September 2011 verboten hatte. …

Biologische Rassentheorien, die von der Existenz von „Menschenrassen“ ausgehen, sind zwar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa offiziell diskreditiert. Doch verschwanden keinesfalls rassistische Denk- und Handelsweisen, die Menschen kategorisieren und diese Kategorien mit unterschiedlichen Wertungen versehen. Im Alltagsrassismus wie auch auf der strukturellen Ebene spielen Ausgrenzungsmechanismen aufgrund der Hautfarbe weiterhin eine zentrale Rolle. Das soziale und politische Konstrukt der „Rasse“ wirkt implizit fort und ist mittlerweile untrennbar mit kulturellen und religigösen Zuschreibungen verbunden. Zugleich wird seit mindestens zwei Jahrzehnten unter dem Schlagwort vom „Rassismus ohne Rassen“ (Etienne Balibar/ Stuart Hall9 eine zunehmende Verschiebung vom biologistisch argumentierenden Rassismus zu einem Neo- beziehungsweise Kulturrassismus diskutiert. Dieser lässt sich als eine Modernisierungsstrategie verstehen, mit deren Hilfe die Inhalte des biologistischen Rassismus weitertransportiert werden können, ohne den „Rasse“-Begriff zu bemühen. ….

Konstitutive für den antimuslimischen Rassismus … ist eine dichotome Konstruktion von „westlicher“ („christlich-abendländischer“) und „islamischer“ Kultur, die einander als statische Entitäten gegenüberstehen und als unvereinbar angesehen werden. …

Da die populistische Rechte auf die Anschlussfähigkeit ihres Feindbilds Islam in der breiten Bevölkerung setyt, dient die religiös aufgeladene antimuslimische Rhetorik als Modernisierungsstrategie und hat die alte Parole „Ausländer raus“ vielfach abgelöst. … Isngesamt stimmten bei einer 2011 veröffentlichen Untersuchung in acht EU-Mitgliedsstaaten über 44 prozent der Befragen der Aussage zu, in ihrem Land lebten zu viele Musliminnen und Muslime. In solchen Ländern, in denen der Anteil der muslimischen Bevölkerung unter einem prozent liegt, wie in Polen oder Ungang, lagen die Werte sogar noch höher, was zeigt, dass antimuslimische Ressentiments nicht an die reale Präsenz ihrer Objekte (und damit auch nicht an reale Erfahrungen) gebunden sind. …

Es findet … eine Amalgamierung von kulturell-relgiösen und somatischen (körperlichen) Faktoren statt, die als Hinweis auf eine „fremde Herkunft“ gelesen werden. …

Häufig werden antimuslimische Positionen mit dem Eintreten für Menschen-, insbesondere Frauenrechte legitimiert. Der Sexismus wird im antimuslimischen Rassismus zu einem kulturellen Wesenszug des Islams erklärt, dem als Musliminnen und Muslime markeirte Menschen nicht entrinnen können. …

Entsprechend geht die Dämonisierung der Muslime als sexistisches Kollektiv oftmals mit einer Idealisierung der deutschen Mehrheitsgesellschaft einher, in der das Projekt der Geschlechtergleichheit realisiert zu sein scheint. …

In antimuslimischen Diskursen stellt die Gebärfähigkeit der Muslimin eine „Waffe“ dar. Mit dem Fokus auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit wird der Figur der „unterdrückten Muslimin“ die Figur der „gefährlichen Muslimin“ zur Seite gestellt und in die Tradition biologistisch-rassistischer Argumentationsweisen eingebettet. ...

Islamfeindliche Diskurse, die auf ein geschlossenes Weltbild rekurrieren, reichern den antimuslimischen Rassismus mit Verschwörungstheorien an … Die muslimische Fertilitätsrate wird hierbei als planvolle Vermehrung im Sinne eines „Geburtenjihads“ - eines religiös motivierten Kriegs – skandalisiert und in Zusammenhang mit einer vermeintlichen Unterwanderung des Abendlandes gestellt. …

Auf … (dem)Bundesparteitag (der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ ) in Frankfurt am Main am 10. Dezember 2011 wurde die „drohende Islamisierung Deutschlands“ debattiert. Der bayrische Landesvorsitzende Michael Stürzenberger warnte: „Es ist ja verrückt, es sind fünf Prozent der Bevölkerung und sie fordern, fordern, fordern. ...“ …

Abgesehen vom Verschwörungsdenken und dem existenziellen Bedrohungsszenario … ist diese Rede noch in anderer Hinsicht aufschlussreich, offenbart sie doch, dass es die Partizipation und der gesellschaftliche Aufstieg von Musliminnen und Muslimen sind, die hier Abwehr hervorrufen. … In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass es nicht die Hinterhofmoscheen sind, die Skepsis und Ablehnung hervorrufen, sondern repräsentative Gotteshäuser, die Musliminnen und Muslime als im Stadtbild sichtbare Mitglieder der Gemeinschaft ausweisen.“



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Armutsbericht Deutschlands Reiche werden auch in der Krise reicher
Der Wohlstand steigt – doch nur die Reichen profitieren. Ihnen gehören laut Armutsbericht 53 Prozent des Vermögens, der unteren Bevölkerungshälfte bleibt ein Prozent.
© Jens Kalaene/dpa
http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-09/armuts-und-reichtumsbericht-2012

Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Der private Reichtum in Deutschland wird insgesamt immer größer. Davon profitieren in erster Linie die Reichen. Sie werden immer reicher und besitzen 53 Prozent des Gesamtvermögens. Das geht aus dem vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Analyse wird vom Arbeitsministerium alle vier Jahre vorgelegt.
Demnach hat der Wohlstand in Deutschland vor allem in den letzten Jahren kräftig zugenommen. Zugrunde liegt der Analyse das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören. Das Nettovermögen der Privathaushalte habe sich in den letzten 20 Jahren von 4,6 auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt. Allein in den letzten fünf Jahren zeigt sich ein Anstieg von 1,4 Billionen. Der Reichtum ist jedoch überaus ungleich verteilt: So besitzen "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens". Ihr Anteil sei in den Jahren immer weiter gestiegen. Allein von 1998 bis 2008 ist ein Anstieg von acht Prozent festzustellen. Anders bei der unteren Bevölkerungshälfte: Sie besitzt nur ein Prozent des gesamten Nettovermögens. ...

Bei der Lohnentwicklung zeigt sich ein ähnliches Bild: Im oberen Bereich der Bevölkerung sei sie positiv steigend, die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", heißt es in dem Bericht.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland hat sich dabei verringert. Westdeutsche Haushalte hatten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen sind es nur 55.000 Euro. ...
Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zulasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen, heißt es in dem Bericht. Das Arbeitsministerium fügt aber hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

Das Nettovermögen des Staates ist im Vergleich zwischen 1998 und 2008 um über 800 Milliarden Euro zurückgegangen. Dies sei bereits seit zwei Jahrzehnten zu beobachten. Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Rettungsmaßnahmen des Staates sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar".



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Die zunehmende Ungleichheit weltweit: Ein Thema nicht nur fuer "Linke"



The Economist Oct 13th 2012  http://econ.st/QNGakg 

“…..Although inequality has been on the rise for three decades, its political prominence is newer. During the go-go years before the financial crisis, growing disparities were hardly at the top of politicians’ to-do list. One reason was that asset bubbles and cheap credit eased life for everyone. Financiers were growing fabulously wealthy in the early 2000s, but others could also borrow ever more against the value of their home. 

That changed after the crash. The bank rescues shone a spotlight on the unfairness of a system in which affluent bankers were bailed out whereas ordinary folk lost their houses and jobs. And in today’s sluggish economies, more inequality often means that people at the bottom and even in the middle of the income distribution are falling behind not just in relative but also in absolute terms. 

The Occupy Wall Street campaign proved incoherent and ephemeral, but inequality and fairness have moved right up the political agenda…” 



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"Der frisierte Armutsbericht"
Satirisch in Heute-Show vom 08.03.13
ca. ab Min. 03:00

http://www.youtube.com/watch?v=2t6RcDIMbXk

 

Kommentare:

  1. "Die zumindest teilweise Erblichkeit von Intelligenz und anderen Persönlichkeitsmerkmalen hat zusammen mit der wachsenden Durchlässigkeit der Gesellschaft zur Folge, dass der Anteil derer sinkt, die aufgrund ihrer persönlichen Fähigkeiten aus unteren Schichten aufsteigen können. Darum ist es sachlich folgerichtig und keineswegs Ausdruck fehlender Gerechtigkeit, wenn sich das Führungspersonal mehrheitlich aus den oberen Schichten rekrutiert."

    Thilo Sarrazin, DSSA

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  2. Aus
    Philosoph: „Gleichheit ist nicht besser als Ungleichheit“
    04.05.2012 | (Die Presse)

    Der liberale Philosoph Anthony de Jasay stemmt sich gegen den Mythos, wonach Ungleichheit automatisch negativ sei. „Dieser beruht auf der unaufhörlichen Wiederholung der Unwahrheit“, so de Jasay.

    Wien/Jil. Manchmal braucht es einen alten Philosophen, um dem Zeitgeist etwas entgegenzusetzen. Anthony de Jasay, 89 Jahre alt, fast blind und praktisch taub, übernimmt diese Rolle nur zu gern. Er tritt einer Binsenweisheit entgegen, die heute quasi als Faktum durchgeht: dass Gleichheit innerhalb einer Gesellschaft der Ungleichheit überlegen ist und es die Aufgabe des Staates sein muss, umzuverteilen. ...

    „Die Behauptung, Gleichheit sei besser als Ungleichheit, ist aber vollkommen willkürlich“, sagt de Jasay, der in Ungarn geboren wurde, vor dem Kommunismus flüchten musste und seit vielen Jahren in Frankreich lebt, kürzlich bei einem Vortrag auf Einladung des Hayek-Instituts in Wien.

    „Der Begriff der ,sozialen Gerechtigkeit‘ ist nur eine leere – aber hübsche – Hülle.“ Tatsächlich müsse man den Lebensstandard der Armen verbessern, um die Probleme der Gesellschaften zu lösen. Aber dies müsse nicht notwendigerweise durch Umverteilung geschehen, denn die Probleme entstünden durch absoluten Mangel, nicht durch relative Armut. ...

    Die falsche Grundidee von der „bösen Ungleichheit“ und der „guten Gleichheit“ sei schon sehr tief in die kollektive Psyche eingedrungen. „Das geschieht durch die unaufhörliche Wiederholung der Unwahrheit“, sagt de Jasay. „Und alle linksgerichteten Menschen wiederholen es immer wieder, ohne es zu hinterfragen.“

    ("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/755009/Philosoph_Gleichheit-ist-nicht-besser-als-Ungleichheit

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    1. De Jasay ist mit dem neoliberalen Think Tank Cato Institute verbunden, der 1974 als Charles Koch Foundation gegruendet wurde.
      http://en.wikipedia.org/wiki/Cato_Institute

      Vgl. Hinweis auf die Brueder Koch im Post "Sie meinen die Last der Welt zu tragen" (Mitt Romney, Ayn Rand, ...).

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  3. Frank Markus Barwasser / “Erwin Pelzig”
    Prof. Peter Bofinger

    http://blog.todamax.net/page/27/

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  4. „Rechtsextremismus geht von der Ungleichwertigkeit der Menschen aus."

    "Dabei eint die linksextremistischen Strömungen die Idee eines von der Gleichheit aller Menschen durchdrungenen Gemeinwesens …"

    Quellen: s. Post

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  5. “Die Juden” propagieren die ...Gleichheit der Menschen...(Hitler 1943, 479) und negieren
    damit ...das aristokratische Prinzip der Natur... (Hitler 1943, 69), d.h., das Überleben des Stärkeren; Hitler überträgt auch in diesem Zusammenhang Beispiele aus der Tierwelt auf die menschliche Gesellschaft (Hitler 1943, 311 ff.). Kommt es zu einer “Vermischung” unterschiedlicher Rassen, führt dies zur Niedersenkung des
    Niveaus der höheren Rasse... (Hitler 1943, 314); bezogen auf Arier und Juden bedeutet dies, jene büßen nicht nur allmählich ihre kulturbildenden Fähigkeiten ein, sondern gehen langsam zugrunde (s.a. Hans Günther u. Houston Stewart Chamberlain).
    Dies ist angeblich das Ziel “jüdischer Machenschaften”, denn ...der unerbittliche
    Weltjude kämpft für seine Herrschaft über die Völker (Hitler 1943, 738); dazu erhält [er] seinen männlichen Stamm grundsätzlich immer rein. Er vergiftet das Blut der anderen, wahrt aber sein eigenes. Der Jude heiratet fast nie eine Christin, sondern der Christ die Jüdin. Die Bastarde aber schlagen dennoch nach der jüdischen Seite aus (Hitler 1943, 346). Das Ziel ist letztlich die Vernichtung der arischen Rasse.
    Dagegen richtet sich Hitlers Kampf, dessen Ziel die Erhaltung der arischen Rasse und der Untergang des Judentums ist. Dabei kommt Deutschland die Rolle des
    Weltretters zu: Die Bolschewisierung Deutschlands, d.h. die Ausrottung der nationalen völkischen deutschen Intelligenz und die dadurch ermöglichte Auspressung der deutschen Arbeitskraft im Joche der jüdischen Weltfinanz, ist nur als Vorspiel gedacht für die Weiterverbreitung dieser jüdischen Welteroberungstendenz (Hitler 1943, 703). Mit Deutschlands Schicksal ist das Schicksal der Welt verbunden: Wird Deutschland ...das Opfer dieser blut-und geldgierigen jüdischen Völkertyrannen, so sinkt die ganze Erde in die Umstrickung dieses Polypen... (Hitler 1943, 703); gewinnt Deutschland aber den Kampf gegen das Judentum, so ist die Gefahr für die Welt gebannt.

    http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/BreilAngelika/diss.pdf

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    1. Seit Ende 1922 jedoch begann der extreme Antimarxismus - nun oftmals ohne ausdrückliche Verknüpfung mit den Juden - zum vorherrschenden
      Thema seiner Reden zu werden (Kershaw 2002, 280).

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    2. Der Übernahme bestimmter kultureller Strömungen aus dem vergangenen Jahrhundert in Verbindung mit absoluter technischer Modernität entspricht eine Sprachverwendung,
      die ebenfalls ihre Geschichte hat. Die antidemokratische Radikalisierung
      des deutschen Nationalismus wurde - außer von Regierungsseite im Bismarckreich -
      vor allem durch eine Bewegung gefördert, die zwar erst um 1927 ‘Konservative Revolution’
      oder ‘revolutionärer Konservatismus’ genannt wurde, aber ihre Wurzeln in der wilhelminischen Zeit hatte.. (v. Polenz 1999, 539). Mit Berechtigung darf man darin eine Vorstufe der Sprache des Nationalsozialismus sehen, die u.a. auf einer
      Pejoration liberaler Begriffe auf Grund der Schriften bestimmter Autoren basiert:
      Paul de Lagarde (1891), Arthur Moeller van den Bruck (1918), Oswald Spengler
      (1918-22) u.a.
      Durch Moeller van den Brucks Buch “Das dritte Reich”, das Goebbels 1925 mit
      großer Begeisterung gelesen hat, wurde der Ausdruck “Drittes Reich” berühmt; daher
      sind einige seiner Gedanken im Folgenden exemplarisch aufgeführt. Der Autor tritt für die damals populäre Verbindung von Sozialismus und Nationalismus (s.a.
      2.4.7 ff.) ein und verleiht der nicht nur in rechten Kreisen vorhandenen Führersehnsucht
      Ausdruck: Der Führergedanke ist keine Angelegenheit des Stimmzettels, sondern
      der Zustimmung, die auf Vertrauen beruht. Und diesen Führergedanken hat
      auch die Revolution nicht töten können. Im Gegenteile, sie hat ihn erzeugt und geboren.
      Die Enttäuschung durch den Parteigedanken bedeutet Bereitschaft für den
      Führergedanken. Und die Jugend hat sich diesem Führergedanken ganz unterstellt.
      (Moeller van den Bruck 1923, 228).
      Goebbels kommentiert die Lektüre in seinem Tagebuch; er [Moeller van den Bruck]
      schreibe all das, ...was wir Jungen längst mit Gefühl und Instinkt wußten. (TB 1925,
      212) Dazu gehört auch das Wissen um die hervorragende Stellung und die besondere
      Aufgabe der Deutschen in der Welt: Wir haben Wächter zu sein an der Schwelle der
      Werte (Moeller van den Bruck 1923, 350).
      Die oben genannten Autoren vertreten insgesamt die Auffassung, ...Begriffe wie Aufklärung,
      Individuum und Humanität hätten die Deutschen sich selbst entfremdet,
      seien undeutsch, hätten Europa zersetzt, entartet, widersprächen dem Gesetz der
      Volksgemeinschaft, der Auslese der Besten. Gegen Westler und Bourgeoisie wurde
      Germanentum gesetzt, Blut gegen Geist, Instinkt gegen Vernunft, Kultur gegen Zivilisation,
      Gemeinschaft gegen Gesellschaft (v. Polenz 1999, 539).
      Zu dieser Ideologie ...gehört auch die Verherrlichung des Krieges als Stahlbad der
      Nation und seelisches Erleben der Volksgemeinschaft seit 1914 und in der Weimarer Zeit..., ebenso die Verwendung des Wortes Intellektueller seit 1903 als beliebig orientierbares vages Diffamierungswort

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    3. Der SPD Politiker Schumacher war von 1930-33 Mitglied des Reichstages und seit 1933 bis zum Kriegsende im KZ.
      Die Konzentrationslager werden als rechtmäßiges und notwendiges Mittel der „Umerziehung“ und Bestrafung betrachtet. Der sozialdemokratische und kommunistische Gesellschaftsentwurf habe zwangsläufig zu - leider erst sehr spät ergriffenen - Gegenmaßnahmen des starken Staates führen müssen. Die Umerziehungsmaßnahmen bedürfen für ihr Gelingen der Unterstützung des
      Volkes, ruft das Stuttgarter Blatt seinen Lesern zu:
      „Das Denken des Volkes kreist heute viel um die großen Konzentrationslager, in denen Tausende von Schutzhäftlingen untergebracht
      sind. Nicht immer ist dies Denken so, wie es sein sollte. Oft ist es von hämischer Schadenfreude oder rachsüchtiger Gesinnung oder schnodderiger Leichtfertigkeit getränkt. Oft wird über die im Konzentrationslager gewitzelt.
      Das ist eine unrichtige Haltung! Gewiss, man soll nicht in eine weichliche Gefühlsduselei verfallen und von Mitleid überströmen. Denn viele von denen, die im Konzentrationslager sind, hatten nichts Gutes vor. Wehe, wenn sie die Macht gewonnen hätten.45 Aber auf der anderen Seite: Dass da Tausende von deutschen Menschen hinter den Stacheldraht gebracht und von ihren eigenen Volksgenossen bewacht werden müssen, darin wird eine tiefe Not sichtbar.46 Eine Not, die man nicht belächeln kann, denn diese Not geht auch uns an. Sie wird zu einer Anklage: „Warum duldeten wir diese Verführung und Verhetzung, die dann zwangsläufig zur Errichtung von Konzentrationslagern führte?“ In diesen Lagern steckt viel Schuld und ein
      gerüttelt Maß von Schuld fällt auch auf uns. Hüten wir uns vor jedem Pharisäertum! Aus solchem Geist wird der Riss nie überwunden, der mit der Tatsache des Konzentrationslagers so schmerzhaft deutlich geworden ist.
      Wir freuen uns, dass die Häftlinge menschlich behandelt werden und dass
      man in ihnen nicht Verbrecher, sondern Verführte sieht. Und wir freuen uns
      auch, dass nicht Strafe, sondern Erziehung und Gesinnungswandel der Sinn der Konzentrationslager sein soll. Hier muss eine große Arbeit getan werden.
      Und sie sollte vom ganzen Volk, vor allem aber von der Kirche innerlich mitgetragen werden.

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  6. "Negation der Menschenwürde und Gleichheit der Individuen oder das Ende der Juden" - ein V-Mann produziert Material für versuchtes NPD-Verbot

    Wolfgang Frenz:
    langjähriger NPD-Vize-Vorsitzender in NRW und von 1962 bis 1995 V-Mann für die Landesbehörde für Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Bundesregierung zitiert in ihrem Antrag zum
    Verbot der NPD (Kapitel «Verfassungswidrige Ziele in programmatischen Äußerungen der NPD») unter der Überschrift » aus der Publikation «Der Verlust der Väterlichkeit «Negation der Menschenwürde und Gleichheit der Individuen oder Das Ende der Juden» von Wolfgang Frenz. Dieser publizierte das Buch wohl im Auftrag der Behörden um Material für künftige Verbotsanträge zu liefern. Zitate des VS-Mitarbeiters Frentz:
    «Der Einzelmensch, der innerhalb seiner Rassengemeinschaft lebt, kann die Spannungen, die der Lebenskampf erzeugt, ertragen. Wird aber sein
    Lebensraum mit fremdrassigen Menschen durchsetzt, wird er sicher, trotz materieller Überlebensmöglichkeiten, vereinsamen. So ist der
    Satz ‚Alle Menschen sind gleich’ ein Verbrechen an den Menschen.»
    «Der Antisemitismus der Zwischenkriegszeit entstand, weil bereits in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts der jüdische Einfluss in alle Lebensbereiche eindrang und einen Generalangriff auf die deutsche
    Volksseele vornahm.»
    «Hitler mit seinem Antisemitismus war genau gesehen ein Glücksfall für die Juden. Aus diesem hitlerischen Antisemitismus entstand die euphorisch stimmende semitische Massenhysterie, die zur Gründung des Staates Israel führte, dessen nationalistischer Größenwahn bisher die
    Welt in Atem hält. So war nach Verständnis vieler Juden der letzte Weltkrieg ein Religions- und Rassenkrieg. Es ging darum, die arisch-nordische Rasse zu vernichten, die noch über die Kraft
    verfügte, sich gegen eine Weltherrschaft durch Juden zu wehren. Andere Völker ließ man weiterleben, wenn sie sich der jüdischen Heilswelt beugten...»
    «Auschwitz ist für die Juden der ganzen Welt ein religiöser und politischer Angelpunkt geworden. ... Wenn es Auschwitz nicht gegeben hätte, müsste es für die Juden von heute erfunden werden. Denn Auschwitz ist die Machtergreifung durch das vernetzte Judentum.»

    https://groups.google.com/forum/#!topic/de.soc.politik.misc/R7uAMAXcw6E

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  7. ... Gerade wird der ökonomische Aufschwung beschworen, der mehr Menschen in Arbeit gebracht hätte, in Zeitarbeit1, im Niedriglohnbereich, in Minijobs selten in feste neue Dauerarbeitsplätze.

    … Der Statistikfetischist Thilo Sarrazin schwimmt, unter Beifall der bürgerlichen Leitmedien wie der FAZ, Cicero oder Merkur und den üblichen Verdächtigen wie Henryk M. Broder, Arnulf Baring, Hans Olaf Henkel, Ralph Giordano auf dieser Welle populistisch mit.

    … Höchst gekonnt werden dabei die Medienmechanismen bedient und unter dem Ruf des scheinbar herrschenden Klimas der Unfreiheit wird kräftig Propaganda betrieben und Geld, Ansehen und Preise verdient. Der Boden für die Akzeptanz für ein höheres Maß an Ungleichheit wird mit Erfolg bereitet und die von Abstiegsängsten gepeinigte Mittelschicht klatscht vehement Beifall.

    Brigitte Pieck

    http://www.magazin-auswege.de/2010/10/sozialdarwinismus/

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