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Montag, 13. Juli 2015

Vorläufiges Fazit


Die Bedeutung internationaler ideologischer Strömungen für die Entstehung des NS Regimes in Deutschland wird in der herkömmlichen und aktuellen Geschichtsforschung noch immer drastisch unterbelichtet.

Fatale Folgen hatte insbesondere die Verbindung des antisemitischen Antibolschewismus, der die Gleichsetzung von Judentum, Kommunismus und Neigung zu bolschewistischen Gräueltaten beinhaltete, mit der Eugenik-Lehre des Darwin-Vetters Francis Galton. Letztere wurde in Deutschland und anderswo auch unter der Bezeichnung „Rassenhygiene“ verbreitet.

Die nach dem 2. Weltkrieg entstandene, bis heute einflussreiche These vom „deutschen Sonderweg“ bot eine handliche Erklärung für das Abgleiten in die „deutsche Katastrophe“ und das Möglichwerden der unvorstellbaren Verbrechen des Holocaust. Diese These beruht allerdings weitgehend auf dem Mangel an vergleichenden Untersuchungen zu den länderübergreifenden Ideologien, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Für deren radikale Umsetzung bot Deutschland nach dem 1. Weltkrieg ein weit offenes Experimentierfeld; eine Spielwiese auch für Ideologen, die sich endlich in einem real existierenden „Kantsaywhere“ austoben wollten. Kantsaywhere nannte der Eugenik-Begründer Galton, dessen Biograf und Apostel Karl Pearson in Deutschland begeisterte Anhänger für die sich schnell ausbreitende Eugenik-Bewegung fand,  den imaginären Ort der Umsetzung für seine wissenschaftliche Religion.

Die Interpretation von Geschichte bestimmt, welche Lehren aus der Geschichte gezogen werden. Daher hat die fehlende Berücksichtigung der internationalen Strömungen, die in Deutschland im Nationalsozialismus kulminierten, weitreichende Folgen.

Eine dieser Folgen betrifft die Außen- und Sicherheitspolitik: Erhebliche Überschätzung der Möglichkeiten, mit militärischen Mitteln Terror und Gewalt zu verhüten und zu unterbinden, und gleichzeitig erhebliche Unterschätzung dessen, was der frühere Bundeskanzler Schröder die „geistig politische Auseinandersetzung“ nannte. Schröder gebrauchte diesen Begriff bezogen auf die Bekämpfung des Terrorismus; allerdings ohne weitere Konkretisierung. 

Eine weitere Folge betrifft die Innenpolitik, insbesondere den Umgang mit Migration, mit demografischen Veränderungen und mit Veränderungen der Wirtschafts- und Beschäftigungssituation: Hilflosigkeit gegenüber einem als Heilbringer auftretenden Rechtspopulismus, der sich nicht explizit auf die NS Vergangenheit beruft, sondern an weiter zurück reichende, international verbreitete Traditionslinien anknüpft – an Denktraditionen, deren Einfluss auf den Nationalsozialismus weniger bekannt ist, bzw. auch herunter gespielt wurde und wird.

Zu nennen sind zum einen die pseudo-wissenschaftlichen Ideologien der Eugenik und des Sozialdarwinismus, zum anderen das Feindbild vom Fremdkörper in der Gesellschaft und die Vorstellung von einer erzwungenen Gleichheit aller Menschen („Kulturmarxismus“, ein Schlagwort, das auch der Norwegen-Attentäter Breivik gebrauchte). In Bezug auf das Feindbild vom Fremdkörper in der Gesellschaft wurde in den letzten Jahren der Begriff „Feindbildverschiebung“ geprägt: Verschoben hat sich das Haupt-Feindbild vom Juden zum Muslim, wobei der traditionelle Antisemitismus und der neuere Hass auf Muslime, z.T. sogar noch mit dem selbstverliehenen Etikett „pro-israelisch“, im Rechtsextremismus dieser Tage nebeneinander bestehen. Eingeschlossen in dem Feindbild sind sowohl im traditionellen als auch im neuen Rechtsextremismus diejenigen, die sich für Chancen und Rechte von Menschen unabhängig von Herkunft und Abstammung einsetzen.

Ein nie gekanntes Ausmaß an Zugang zu Originalquellen im Internet und über Internet-Antiquariate erschüttert die Exklusivität des Quellen-Zugangs für ausgewiesene Historiker und deren Deutungshoheit. Dies mag für die Historiker-Zunft zunächst irritierend wirken, schafft aber einen Anreiz, aus Grabenkämpfen heraus zu kommen und sich mit der Fülle der elektronisch zu findenden und zu durchsuchenden Originalquellen – und seien es auch nur Bücher und andere veröffentlichte Schriften aus den untersuchten Zeiträumen – zu einem erweiterten Verständnis durchzuringen. 

Ständig treffen wir Entscheidungen aufgrund von Erfahrungen der Geschichte. Es kommt darauf an, aus der umfassenden Analyse der Vergangenheit die richtigen Lektionen für den Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart zu gewinnen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Samstag, 11. Juli 2015

Hommage an Blog-Besucher aus Norwegen

Da mein Blog in letzter Zeit wieder öfter mal aus Norwegen angeklickt wurde, kommt hier eine – zugegeben, etwas ungewöhnliche – Hommage an Blog-Besucher aus Norwegen. Ich bin zuversichtlich, sie verstehen es nicht als Beleidigung, sondern als Würdigung ihres Interesses. Ich habe ein paar Sachen zusammen gestellt, die ich mit Suchwort „Norwegen“ auf meinem Blog und in meinen Notizen gefunden habe.  

Die meisten Textauszüge sind in deutscher oder englischer Sprache geschrieben. Aus Zeitgründen und wegen mangelnder Beherrschung der norwegischen Sprache muss ich es leider dabei belassen.

Mit den Suchworten „Breivik“ und "Fjordman" ist auf dem Blog noch erheblich mehr zu finden; in dieser Zusammenstellung erwähne ich Breivik und moderne Ideengeber für sein Pamphlet nur im Zusammenhang mit möglichen ideengeschichtlichen Kontinuitäten. Auch zum Thema „Lebensborn“ (und Norwegen) gibt es auf dem Blog mehr Hinweise und Quellenangaben, als in dieser Zusammenstellung erscheinen.
 
 
Jon Alfred Mjøen - wichtiges Bindeglied zwischen internationalen und deutschen (NS) Rassenideologen

Alfred Rosenberg, John Alfred Mjöen, Alexander Jason u.a.: Der Bolschewismus als Aktion einer fremden Rasse; Rassenhygiene in den nordischen Ländern; Weltanschauung im Film u.a. -Nationalsozialistische Monatshefte Heft 67 / 1935
Antiquarisches Buchangebot, gefunden über Amazon

Dieser Fund ist ein interessanter Hinweis auf die ideologische Nähe zwischen Alfred Rosenberg und dem norwegischen Rassenideologen Jon Alfred Mjøen (in übersetzten Publikationen z.t. mit anderer Schreibweise, John Alfred Mjöen oder Mjoen).  Mjøen publizierte auch im “Journal of Heredity” (s. Stichworte “Reinöhl”, “Pioneer Fund” auf diesem Blog).

Der spätere NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg (1946 als einer der Hauptkriegsverbrecher hingerichtet) hatte einflussreiche Publikationen verfasst, in denen er Bolschewismus mit Judentum gleichsetzte. Eine davon,  das Hass-Pamphlet "Die Totengräber Rußlands“,  erschien 1921 im Hoheneichen-Verlag, den der Hitler-Mentor Dietrich Eckart gegründet hatte. Zusammen mit Rosenberg und dem Karikaturisten Otto von Kursell war Dietrich auch Mitautor des besagten Pamphlets. Eine US-Ausgabe erschien um 1923 in Hollywood unter dem Titel "The Grave diggers of Russia".
Ein Exemplar der Hollywood-Ausgabe habe ich antiquarisch erworben. Die Rückseite des Pamphlets ist bedruckt mit Werbung für ein weiteres, ähnliches Pamphlet (THE SECRET WORLD GOVERNMENT OR "THE HIDDEN HAND" by Maj .-Gen., Count Cherep-Spiridovich).
Zu diesem antiquarischen Fund und weiteren Recherchen dazu siehe  http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html
Rosenberg war während der NS-Zeit Schirmherr der „Nordischen Gesellschaft“.
Dietrich Eckart (1868-1923) war Bühnenautor, bevor er Verleger wurde. Sein großer Erfolg, der ihm als solcher den Durchbruch brachte, war eine völkische Nachdichtung von Henrik Ibsens „Peer Gynt“, uraufgeführt in Berlin 1914.

Siehe auch Suchworte „Rosenberg“ und “Eckart“ sowie Label „Nordischer Gedanke“ auf diesem Blog.

 
Erste Informationen zu Mjøen fand ich in:
A brief history of the European and American eugenics movements of the 1930s: Excerpts from "A History of the American Eugenics Movement," University of Illinois,
Ph.D. Thesis, 1988 by Barry Mehler)

The American Eugenics Society was initially organized as the Eugenics Committee of the United States by the Executive Committee of the Second International Congress of Eugenics. The energy, momentum, and emotional tone of the Congress were instrumental in the creation of the Society, and the Society's original orientation and program reflected the concerns expressed by the international leaders at the conference. Two men epitomized this leadership. Georges Vacher de Lapouge (1854-1936) and Jon Alfred Mjoen (1860-1939). Mjoen introduced the resolution which called for the formation of the Eugenics Committee (later to become the AES) …
Like Lapouge, Mjoen was much more highly regarded in America than he was in his native Norway. Osborn introduced him as "the leader in the vigorous movement of race hygience in Scandinavia." This, despite the fact that no Norwegian geneticists worked with Mjoen or contributed to his journal Den Nordiske Rase. Mjoen did find important supporters in Sweden and Denmark, however, including the internationally renowned geneticists Hermann Nilsson-Ehle and Wilhelm Johannsen.
Mjoen was particularly concerned with the pernicious consequences of the race mixing.
At the Conference he gave a lecture entitled "Harmonic and Disharmonic Racecrossings." The lecture dealt with the pernicious effects of crossing the Norwegians with Lapps. The Americans were facinated to learn that Norwegian/Lapp mixes produced the same kinds of disharmonies found in American mulattoes. In America Mjoen's polemic against miscegenation seemed especially objective and scientific.
Mjoen's interest in eugenics had been stimulated in Germany where, in 1897, he met and became acquainted with Alfred Ploetz, the father of German eugenics. Like Galton, Mjoen was a man of substantial means, and in 1906, he established the Vinderen Biological Laboratory, a private research institution for the study of eugenics. He was especially interested in mental properties, and his studies in musical ability were quoted in Erwin Bauer's classic text, Menschliche Erblichkeitslehre.
In 1908 Mjoen gave a talk before the Norwegian Medica Society at the University of Oslo in which he sketched the "Norwegian Program for Race Hygiene," later incorporated into the AES agenda. According to Mjoen, modern industrial life and social welfare legislation endangered the welfare of the race. Modern social policy aimed at improving conditions for the poor, neglected biological heredity. The natural "cleansing processes" had been upset by social intervention. "The present social services may increase the health of the individual, but as a rule it lowers that of the race - the nation."
While Mjoen was not opposed to social welfare legislation, he believed that it must have a eugenic rather than a dysgenic thrust.
From 1915 on a group of Norwegian biologists led by Otto Mohr denounced Mjoen for his scientific incompetence. Nevertheless, Mjoen, an active member of the governing Liberal Party, found considerable support for his eugenic ideas among government officials. By 1915, the party platform included a call for the study of practical methods for treating folk-disease - "fokesykdommer." Mjoen was also able to convince the Parliament to create the Institute for Genetics at the University of Oslo in 1916. Ragnar Vogt, founder of Norwegian psychiatry, was placed in charge of it. Vogt's work was considered more scientific than Mjoen's and his outlook more conservative. Still, he opposed miscegination as well as the franchise for "lower races."

 
Alf Amble - "Vår kamp"

Ich sehe gerade, wir haben auf dieser Seite schon zwei Buch- bzw. Zeitschriftentitel mit "Kampf" - kurz bevor Hitler kam mit "Mein Kampf":
"Vår kamp" - "Unser Kampf" von dem norwegischen Antisemiten Alf Amble und "Im Kampf gegen den Bolschewismus" von einem gewissen "Prinz Pavel Awaloff-Bermondt", auch Avalov geschrieben. Awaloff-Bermondt war 1919 Kommandant einer anti-bolschewistischen Koalition von (para-)militärischen Einheiten im Baltikum, an der deutsche Freikorps wesentlich beteiligt waren.

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html

 
Quisling – „entdeckt“ von Thilo von Trotha, Mitarbeiter Alfred Rosenbergs

That summer, the head of the northern section of Rosenberg's foreign policy office, the romantic poet Thilo von Trotha, had made a trip to Norway and later reported at length on the NS and its Forer. Quisling, he told Rosenberg, was a man of great ability who, given the right circumstances, could one day become the Man in Norway

Quisling: A Study in Treachery, Hans Fredrik Dahl - Page 112 - Google Books Result
https://books.google.com/books?isbn=0521496977

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html

 
Rosenberg - von Mende - Espeseth - Quisling

von Mende was an enthusiastic Nazi, who was Alfred Rosenberg's specialist on minorities in the Soviet Union. ... von Mende married Karo Espeseth, a Norwegian author ... ("Quisling: a study in treachery", Hans Fredrik Dahl)

 
Cherep-Spiridovich  -„A man shall come from the North to save civilization“

Die Befürchtung, dass es zu einem Zweiten Weltkrieg kommen werde, war in den 1920er Jahren bereits greifbar. „Count“ Cherep-Spiridovich [in seinem 1926 erschienenen Buch THE SECRET WORLD GOVERNMENT OR "THE HIDDEN HAND"] machte eine jüdische Weltverschwörung für den Ersten und im Vorgriff auch gleich für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich - und lieferte damit "Rechtfertigungen" für Krieg und Völkermord, angezettelt im Wahn einer Verschwörungstheorie.
Auch hier wieder der „nordische Gedanke“, Berufung auf die eugenischen Ideen von Madison Grant und Lothrop Stoddard (in einer anderen Quelle las ich, dass Stoddard noch 1940 Nazi-Deutschland besuchte) und auf die Mythologie, dass alles Gute aus dem Norden kommt. Cherep-Spiridovich wird als ein Mann mit prophetischen, geradezu magischen Fähigkeiten vorgestellt – und als ein Mann aus dem Norden, mit Wurzeln in Norwegen. Ist er der ersehnte Retter der Zivilisation? Der Verfasser der Vorworts, Herjulf Vikingsom, zitiert Tolstoi: „A man shall come from the North to save civilization“. …
Google erkennt keinen "Herjulf Vikingsom", außer im Zusammenhang mit der von Cherep-Spiridovich verbreiteten antisemitischen Verschwörungstheorie. Gut möglich, dass es sich um ein Pseudonym gehandelt hat. In der Liste der "aufrechten Persönlichkeiten", die am Schluss des Buches gewürdigt werden, wird neben Henry Ford, "Dr. H. Kraeger", "Th. Frisch" und einer langen Reihe weiterer Namen auch "M. Sylten" von der "Nationalt Tidsskrift", Oslo, aufgeführt.

http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html

 
Mikal Sylten, Swastika-Symbol und “Who's Who in the Jewish World",

Der norwegische Hass-Schreiber Mikal Sylten verwendete das Swastika-Symbol bereits 1917, drei Jahre vor Hitler.

"... Nationalt Tidsskrift ... was staunchly anti-semitic, and Sylten took up the swastika as a symbol in 1917, three years before Adolf Hitler chose to do so... He also published a pamphlet called Hvem er hvem i jødeverdenen, "Who's Who in the Jewish World", in 1925... Because of his interest in Jewish affairs, Sylten was used as a consultant for the national socialist authorities during the German occupation of Norway... He had some contact with other anti-Semitic publishers, such as Alf Amble who ran the periodical Vår kamp." - http://en.wikipedia.org/wiki/Nationalt_Tidsskrift

[Anm.: Noch vor Mikael Sylten – ab 1912 - hatte bereits Baden Powell, der Gruender der Pfadfinder-Bewegung, der dem NS-Regime in Deutschland anfangs keineswegs abgeneigt war, das Swastika-Symbol verwendet]

 
Maggen Blom, Quisling-Verehrerin, Ehefrau von „Rassenpapst“ Hans F.K. Guenther

Beim Herstellen von Verbindungen zu norwegischen NS-Sympathisierern um Vidkun Quisling halfen Rosenbergs Mitarbeiter Thilo von Trotha und der deutsche „Rasse-Papst“ Hans F. K. Günther mit seiner norwegischen Ehefrau Maggen Blom.


Hans Fredrik Dahl - 1999 - Biography & Autobiography
Maggen Blom, the sister of Cecilie, had been corresponding with Quisling ever since ... Thanks to these two couples, then, Quisling and von Trotha came to meet ...

Mybookshop.com
Hans Friedrich Karl Gunther, who was also known as the Race Gunther or Race Pope for his believe in the superiority of the German race […]
His 1904 book "The Principles of Human Heredity of Race Hygiene" used US sources as references to depict the African children as both mentally and physically inferior stock than Germans. Along with various revisions and reprints, this book was gaining popularity … By … the spring of 1923, [he moved] to Skien in Telemark, Norway, where he married Maggen Blom that summer. […] Back in 1922, Uppsala University at Uppsala, Sweden, had founded the Race Biology Institute under heredity and race director Hermann Lundborg (1868 - 1943) who invited Hans to give lectures on race here in the spring of 1924, where he would move with his family by the autumn of 1925. In a year, Hans moved his family to Lidingo in Stockholm, Sweden, where his "Ethnology of Europe" (1926) was a popular book. And why not? This book claimed, without any scientific data, that unlike Norwegians, the Swedes had the purest Nordic race, especially around Lake Vattern in central Sweden and several other related places where the people were 80% Nordic.[…] Had he said that all Scandinavians were pure Nordic, the book may have proved popular enough, but because he didn't, he had to bring his family that included daughter Ingrid born in 1926 back to Germany by the summer of 1928 while he commuted back and forth between the two countries.

(Anm.: Guenther publizierte auch nach 1945 munter weiter und erfreute sich weiterhin eines gewissen „wissenschaftlichen“ Ansehens; seine Werke werden z.T. noch von Schreibern sowohl der traditionell-rechtsextremen NPD als auch der „Neuen Rechten“ ehrfurchtsvoll zitiert.)

 
Peder Jensen („Fjordman“) und Ole Anfindsen – ihre Schreibereien inspirierten “Norwegen-Attentäter” Anders Breivik

"Fjordman", im bürgerlichen Leben Peder Are Nøstvold Jensen, hat seine Identität preisgegeben. Er hat schon einen Eintrag bei Wikipedia (englisch). Nach meinem Eindruck ist dieser zumindest zu einem beträchtlichen Teil (z.B. Abschnitt "Views") von seiner Fangemeinde verfasst mit selektiver, diskret werbender Wiedergabe der von ihm vertretenen Auffassungen.- http://en.wikipedia.org/wiki/Fjordman#cite_ref-14

Interessant die bei Wikipedia erwähnte zeitweise Zusammenarbeit mit Ole Jørgen Anfindsen, Autor des 2010, einige Monate vor "Deutschland schafft sich ab", erschienenen Buches "Selvmordsparadigmet" (Selbstmordparadigma).

"Der Gründer der einwanderungskritischen Internetplattform „Honest Thinking“, Ole Jørgen Anfindsen, kündigte ... an, er werde seine Worte künftig sorgfältiger abwägen und alle bisher veröffentlichten Beiträge daraufhin untersuchen, ob sie als Aufforderung zur Gewaltanwendung verstanden werden könnten. Anfindsen hatte die Einwanderung aus muslimischen Ländern als „äußerst reale Gefahr für Norwegens Kultur“ bezeichnet."
Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Online-Ausgabe, 28. Juli 2011

Anfindsen ist Herausgeber und - zusammen u.a. mit dem Blogger "Fjordman", aus dessen Texten sich der Attentäter von Norwegen in seinem Bekenner-Manifest ausgiebig bediente  - Mitautor des 2010 erschienenen Buches "Selvsmordparadigmet" (Selbstmordparadigma). "Selvsmordparadigmet" kann wohl mit einiger Berechtigung als norwegisches Äquivalent zu Sarrazins "Deutschland schafft sich ab" betrachtet werden.


Anders Breivik - „Zuchtprojekte mit Norwegern in Reservaten“, Denkeinfluesse des NS „Rassenpapstes“ Günther

Wenn man der Ideengeschichte der Vorstellungen nachgeht, die der Norwegen-Attentäter Anders Behring Breivik in seinem Bekenner-Pamphlet und in Gesprächen mit psychiatrischen Gutachtern preisgab, stößt man – trotz Breiviks Verehrung für Winston Churchill, die im Gegensatz zu (NPD-)Riegers Hitler-Verehrung steht - auch hier auf den Nazi-“Rassenpapst“ Hans F. K. Günther mit seiner „nordischen Bewegung“ und der Idee von den rassisch-genetisch korrekten „bäuerlichen Freisassen“. Breivik verstand sich als ein Aktivist des Widerstands gegen „Kulturmarxismus“, „Multikulturalismus“ und „brainwashed liberals“ („hirngewaschene Gutmenschen“) und schwadronierte von „Zuchtprojekten mit Norwegern in Reservaten“.
 
http://guttmensch.blogspot.com/2011/12/zuchtprojekte-mit-norwegern-in.html

 
„Rasse-Günther“, Wiking-Jugend, Tietjen/ Tietgen (Lebensborn Norwegen)

[Jürgen] Rieger vertrat Rassenkunde in der Tradition von Hans F. K. Günther, war Vorsitzender der völkisch-neuheidnischen Artgemeinschaft und als Hauptorganisator des Rudolf-Heß-Gedenkmarsches bekannt.
Rieger verfügte über ein beträchtliches Vermögen, das er aus Erbschaften von verstorbenen Gesinnungsgenossen und aus Aktien- und Immobiliengeschäften gewinnen konnte. So war er Testamentsvollstrecker des verstorbenen Wilhelm Tietjen (geschätztes Vermögen: mehr als eine Million Euro) .... Den Nachlass verstorbener "Kameraden" verwaltete Rieger unter dem Deckmantel der Briefkastenfirma Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation. ...
1969 hielt Rieger auf dem Jahrestreffen der Northern League im englischen Brighton eine Ansprache in der er sich auf die rassenkundliche Tradition Hans F. K. Günthers berief. Auch im Folgejahr nahm er an der Tagung teil und forderte ein "Teutonische Föderation" aufgrund gemeinsamen "Erbes" und "Rassenursprungs". ...
1970 war er Mitbegründer eines CSU-Freundeskreises (außerhalb Bayerns). 1972 wurde er Vorstandsmitglied im Nordischen Ring, Vorsitzender der Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (bis 1972: Deutsche Gesellschaft für Erbgesundheitspflege) ... und - bis zu seinem Tod - Herausgeber deren Zeitschrift Neue Anthropologie. ...
Des Weiteren übernahm Rieger Funktionen in der NPD, der seit 1994 verbotenen Organisation Wiking-Jugend und der 1995 verbotenen FAP. 1989 stieg er zum Hauptfunktionär und Vorsitzenden der völkisch-neuheidnischen „Artgemeinschaft“ und Schriftleiter von deren Organ, der Nordischen Zeitung, auf. Ferner war er verantwortlich für die Mitteilungen des „Deutschen Rechtsschutzkreises/Deutsche Rechtsschutzkasse“ (DRSK) sowie führendes Mitglied im Norddeutschen Ring und der Northern League. …
Rieger stützte wiederholt die NPD mit Darlehen und Krediten, bedachte die NPD allerdings nicht direkt in seinem Testament. Stattdessen tritt die Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV), ein rechtsextremer eingetragener Verein mit Sitz in Ellerau, das Erbe Jürgen Riegers und der Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation an. …
Seit 1992 war er Mitglied des bestehenden und von der Hamburger Anwältin Gisela Pahl geleiteten Deutschen Rechtsbüros, einer Vernetzung rechtsextremer Anwälte. …
Rieger erwarb in der Vergangenheit immer wieder Immobilien, die als Tagungs- und Versammlungszentren für Treffen der Rechtsextremisten und Neonazis dienen sollten. Die Herkunft der Gelder ist nicht geklärt. Er selbst sprach in einem Interview 2005 von „Grundstücksspekulationen“, ein anderer Teil des Kapitals stamme aus Hinterlassenschaften von Altnazis, die wollten, „dass ihr Vermögen der Bewegung“ zugute komme...
1995 erwarb er in der Nähe von Mariestad in Südschweden für etwa 1,6 Millionen Euro das Anwesen „Sveneby Säteri“, ein burgähnliches Herrenhaus mit 650 Hektar Land. Angeblich sind wegen der dort angesiedelten ökologischen Schweinezucht, die Rieger mit übernommen hatte, trotz Protesten der schwedischen und deutschen Regierung, EU-Gelder in Höhe von jährlich 300.000 Mark an ihn geflossen. Mit Anzeigen versuchte Rieger, „reinrassige“ Deutsche zur Umsiedlung dorthin zu bewegen, die fernab von vermeintlich schädlichen Einflüssen „germanische Nachkommen“ großziehen sollten. Dieses Projekt ist bislang nicht erfolgreich ... Stattdessen wurde im Herbst 2003 bekannt, dass sich schwedische Neonazis in der Gegend des Anwesens konzentrierten, nachdem der führende schwedische Rechtsextremist Klas Lund ein weiteres Gelände von 650 Hektar in unmittelbarer Nähe des Gutes Sveneby erworben hatte. Bis November 2003 waren mindestens vier Personen aus dem Führungskreis der „Schwedischen Widerstandsbewegung“ (SMR) dort eingezogen, einer Nachfolgeorganisation der antisemitischen Gruppe Weißer Arischer Widerstand, eines schwedischen Ablegers der amerikanischen Vereinigung White Aryan Resistance ...
(aus Wikipedia)

Eine Google-Suche aus Norwegen mit der Suchwortkombination sturmbannfuhrer tietgen oslo hatte auf eine Seite meines Blogs geführt: http://guttmensch.blogspot.com/2011_03_01_archive.html.
Die Suchmaschine hat “j” für “g” gelten lassen und fand “Tietjen” auf der gefundenen Seite in der Wortfolge “Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation” (der Name des Stifters Wilhelm Tietjen kommt auch auf dieser Seite vor; s.o.). Die anderen Stichworte kamen in anderen Posts auf der gleichen Seite vor. Der einzige andere Treffer mit dieser Suchwort-kombination, den Google heute bieten konnte, ist eine norwegische Webseite über die Geschichte des “Lebensborn” in Norwegen:
"Lebensbornsjef I Norge var først SS-Sturmbannführer Tietgen som senere ble avløst av SS-Sturmbannführer Ragaller."  http://www.norgesdokumentasjon.no/rapporter/7-LEBEN_A.PDF
Demnach war, wenn ich den norwegischen Textausschnitt richtig verstehe, während der deutschen Besatzung zuerst SS-Sturmbannführer Tietgen für den Aufbau des “Lebensborn” in Norwegen zuständig; er wurde später abgelöst durch Sturmbannführer Ragaller. - Es erscheint nicht abwegig, dass die Suchmaschine “Recht” haben könnte – wenn der Name nach Gehör aufgeschrieben wurde, könnte der “Tietgen” genannte Offizier auch “Tietjen” geheißen haben. Dann wäre die Verbindung zwischen der “Lebensborn” Initiative der Nazi-Zeit und der “Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation” möglicherweise nicht nur ideeller Art. Ist es tatsächlich möglich, dass Tietjen der "Tietgen" vom Lebensborn Norwegen war, und das wäre bis heute nicht bekannt gewesen?
Einiges aus Tietjens Biografie ist bekannt (NSDAP-Mitgliedschaft, Luftwaffe; siehe z.B. Wikipedia) - es würde passen, nur dass die Station "Norwegen" oder eine Tätigkeit für den "Lebensborn" nicht erwähnt wird
Er habe zeitlebens von einem neuen "Lebensborn" geträumt, sagte dieser Quelle zufolge eine Nichte des Stifters:
Strategien der extremen Rechten: Hintergründe-Analysen-Antworten, von Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hg.) (http://books.google.com/books?id=gTYRWkZ_-r0C&pg=PA248&lpg=PA248&dq=%22wilhelm+tietjen%22+lebensborn&source=bl&ots=xFKkKuMfh5&sig=_8oqE7dbkiHd_LV3ykVU6CgJMow&hl=en&sa=X&ei=ScvwTofnKoTjrAf-grDUDw&redir_esc=y#v=onepage&q=%22wilhelm%20tietjen%22%20lebensborn&f=false)

Tatsächlich: "Tietgen" (vom "Lebensborn" in Norwegen) war SS-Obersturmbannführer und hieß mit Vornamen Wilhelm. - Quelle: "Dem Führer ein Kind schenken": die SS-Organisation Lebensborn e.V., von Volker Koop. Böhlau Verlag Köln Weimar, 2007; Seite 193 (http://books.google.com/books?id=LAmWGTvcLt0C&pg=PA193&lpg=PA193&dq=ragaller+norwegen&source=bl&ots=7UMvv3DDNB&sig=gVWN8Qfa7Ffq5gIt7J_JnXiZvuo&hl=de&sa=X&ei=WFnxTqDUIpDOrQfC1eD4Dw&redir_esc=y#v=onepage&q=ragaller%20norwegen&f=false)
 
Ich denke, man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass "Wilhem Tietgen" und "Wilhelm Tietjen" ein und dieselbe Person sind.

http://guttmensch.blogspot.com/2011/11/zwickau.html


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Mehr über den norwegischen “Rassenhygieniker” Jon Alfred Mjøen (engl.)

More about Mjøen

 

From:
Moving the Social . 48 (2012) S. 133–156
Social Movements in the Nordic Countries since 1900
David Redvaldsen
Eugenics as a Science and as a Social Movement
The Cases of Denmark and Norway 1900–1950
Abstract


The article compares Danish and Norwegian eugenics in the first half of the twentieth century. It especially investigates sterilisation and racism, both of which are associated with the doctrine. […] Similarities between the Danish and Norwegian versions outweighed differences. But in Denmark there was a greater focus on the pernicious societal effects of “feeblemindedness” than in Norway. Conversely, Norwegian eugenics was more racist than Danish. […]


From its inception, the system of thought known as eugenics had a dual nature: it was both a field of scientific endeavour and an ideology. Francis Galton (1822–1911), its British originator, advocated eugenics being brought into the national consciousness as a new religion. He also conducted careful statistical investigations underpinning racial improvement as a science. The doctrine was global in its reach, as exemplified by the 1912 International Congress of Eugenics held in London and its follow-up in 1921 in New York. […]


Norway had no popular eugenics organisation either, only the Consultative Committee on Eugenics, which was set up after 1913. The founder was Jon Alfred Mjøen, who acted as its secretary, and its other early members were Professor Nordal Wille, a biologist, Dr Alfred Eriksen, a clergyman and former Labour parliamentarian, Professor Marius Hægstad, a philologist, Haakon Haakon Løken, Governor of Oslo, and Dr Wilhelm Keilhau, an economist and historian. These organisations were cabals of influential people more than they were actual societies. The officers of these clubs [in Denmark and Norway], Dr Hansen and Dr Mjøen, were among the institutors of eugenics in Scandinavia. Søren Hansen (1857–1946) [...] wrote a number of anthropological books, which would also have advanced “racial hygiene”. Jon Alfred Mjøen (1866–1939) shared many of the attributes of Hansen. Because he belonged to the Eugenics Education Society in Britain, he had a higher profile in English-speaking countries and is the more well-known of the two. Mjøen studied pharmaceutics in Norway and chemistry in Germany. Like Hansen, he received several state scholarships, but did not attain an academic career. Instead, in 1906, he founded the private Vinderen Laboratory, located at his home. […]


In Norway the eugenic infrastructure also consisted of the Institute of Heredity at the University of Oslo, set up in 1916 with partial funding from the Rockefeller Trust. Its chair was held by the cytologist Kristine Bonnevie, the first Norwegian woman to be a professor. Bonnevie was scathing about Mjøen’s popularisation attempt […] Mjøen considered that he had launched eugenics in his home country through a paper he gave to the Medical Society (Medicinerforeningen) in 1908. This organisation was a possible outlet for scientists interested in eugenics, as were the Hereditarian Society (Arvelighetsforeningen) after 1919 and the Norwegian  Medical Association (Den norske lægeforening). […] The Danish case did not entirely match the Norwegian. Its Institute of Heredity was not founded at the University of Copenhagen until 1938, but again with Rockefeller money. […]


Mjøen portrayed his Vinderen Laboratory as a private institution which the government had commissioned to investigate various scientific matters. It is true that Mjøen had been appointed to carry out work into the classification of alcoholic beverages. He probably sought a similar standing for his eugenic projects as the Anthropological Committee enjoyed in Denmark. His Consultative Committee has been described as little more than headed notepaper, but it did belong to the International Federation of Eugenic Societies. […]


Mjøen represented a popularising strand to Norwegian eugenics. In 1914 and 1915 he tried to convince the Liberals, of which he was a member, to adopt policies aiming at race improvement. These were taken from his Norwegian Programme for Racial Hygiene, presented in May 1908. It was divided into negative, positive, and prophylactic eugenics (combating racial poisons). […] In 1914 he also published a book called Racehygiene, which was intended for the general reader. […]


the [Danish] Institute [of Heredity] gained prestige after the Second World War when it took over the Bureau of Human Heredity, a records office of scientific data, from the Galton Laboratory at University College London. […]


One of the stated aims of the Eugenics Education Society in Britain was to create a eugenic consciousness. Ultimately, however, it is through legislation that an ideology influences society. As mentioned, the British eugenists failed to get sterilisation onto the statute book, while the Danes and Norwegians succeeded. […]


Not only was sterilisation in Norway influenced by developments in Denmark, but its actual implementation followed parallel lines. In 1927 a Penal Commission had recommended sterilisation but not castration. It had been set up in response to demands for better protection against sexual offenders. One of its members was the female physician Ingeborg Aas, who, in an appendix to its report, not only argued forcefully for sterilisation but also for the castration of sexual offenders. Under the auspices of the National Council of Norwegian Women (Norske Kvinners Nasjonalråd), Aas published a book in 1931 entitled “How can society protect itself against the feebleminded and sexual transgressors?” This linkage was damning to the mentally deficient, as few would be interested in protecting their rights if it were imagined that they were potentially dangerous to women and children. Aas argued on eugenic grounds, making rudimentary calculations about how much the public purse could save by these medical interventions. The presentation was hardly fair, but it was effective. A unanimous resolution of the National Council, meeting in Bergen in January 1932, urged Parliament to implement the report’s suggestion. […]


 Mjøen’s Consultative Committee on Eugenics wrote to the Ministry of Justice in August 1931 detailing the principles it thought should be incorporated in such a bill. It later wrote a draft bill (including castration). In January 1932 the socialist physician Johan Scharffenberg gave proposals for a eugenic law on sterilisation in Arbeiderbladet, the main Labour daily. His suggestions included a greater degree of coercion. […]


 The Norwegian sterilisation law of 1934 allowed voluntary sterilisation of men and women over the age of 21 who could give a valid reason for wishing the procedure to be undertaken. There were also provisions for the sterilisation of people of unsound mind, mental defectives, or individuals below the age of 21. These additionally required written consent from the individual’s doctor or warden. Lastly, persons regarded as permanently insane or of very severe mental retardation could be sterilised with the approval of their warden or guardian, the initial application coming from them, the police or institutional authorities. It was not revised until 1977, but in 1942 the Quisling government decreed a new law for the protection of the national race. This law allowed any person in authority to initiate sterilisation on a subject who lived locally. Such sterilisation would be compulsory, and there were even guidelines on the use of physical force. It remained valid until the end of the war. […]

The eugenics of the Nordic countries in general had a very strong racial component to it. At the International Congress of Eugenics in New York in 1921, Mjøen made his name with a warning against miscegenation, and he succeeded in having a committee set up to look specifically at immigration. All the eugenists who served on it were Scandinavians, except the American Charles Davenport. In 1928 the International Federation of Eugenic Societies established a committee to examine miscegenation. Half the members were Scandinavians. Mjøen was an arch-racist of such proportions that he may rightly be labelled as a proto-Nazi. He ended his popular book on eugenics with a eulogy of Northern Europeans:

The Germanic people stand today without doubt at the helm of the modern Aryan ship of culture. No new and uncounted Aryan races of culture stand ready to take over if the power of the Germanic people should fail. […] No, the race which has the best, the victorious potential in its germ plasm, is the ‘immortal’ one, which has the future in its grasp. It is the race which in England fostered a Shakespeare, a Darwin, which in Germany made Goethe, Kant, Lessing, Nietzsche and Wagner. It is the race, which corporal display of power and mental production in philosophy, music and especially science, the history of the world has not witnessed equal.

Much of his work consisted of investigations purporting to show that race mixture was harmful. He tried to prove this in rabbits by referring to the way their ears hung down or stood up when different breeds were mated. He referenced but ignored the work of the anthropologist Eugen Fischer, who had studied intermarriage between white colonisers and so-called Hottentots in South-West Africa. […]

His studies of intermarriage between Norwegians and the Sami people of Northern Norway became increasingly hysterical. Initially, he merely voiced his scepticism about “the purifying effects of blood mixture”. Then he began to postulate that tuberculosis, other diseases and crime were often caused by race-mixture. Later, he wrote that he was becoming more and more convinced that the inmates of asylums and prisons were to a large extent recruited from this mixed population. In the Eugenics Review in 1931 he reviewed the book Die Rassenmischung beim Menschen (Race Mixture in Humans) by Herman Lundborg, Director of the Institute of Race Biology at Uppsala University in Sweden. It concluded: “Herman Lundborg has in this and other works given his countrymen a warning. We […] are in great debt to him for his courageous campaign to preserve the Nordic race from race-mixing and destruction”. […]

Bartels and Brun came to the conclusion that Roma were not a threat to the Danish race. […]
The contrast is striking also to Scharffenberg, supposedly a reform eugenist, who wrote that Roma were a lower race who could not be assimilated to the Norwegian population. There were too many imbeciles, schizophrenics, dipsomaniacs, work-shy, criminal vagrants and beggars among them. In his proposed sterilisation law, travellers were singled out as a special category for the operation.90 His was not an isolated opinion. Ingeborg Aas was in favour of the sterilisation of travellers. She wrote that a large percentage of them were defective and feebleminded. She thought that there would not be great resistance to ending this “plague of the nation”. Ragnar Vogt, a psychiatrist, was another leader of eugenic opinion in Norway. He was a clear racist too: in his introduction to the theme, he wrote about “worthy” and “unworthy” races, opining that the suffrage should not be conceded to “the lower races” […]

There were racist opinions also in some of the Danish eugenic literature, such as the popular works of Jonathan Leunbach and Knud Hansen of 1925 and 1929 respectively. Both wrote about the inferiority of coloured people and threats to the white race’s supremacy. Søren Hansen criticised the first book in a letter written to the periodical of the Danish Medical Association. The difference is that Leunbach and Knud Hansen had nothing like the stature in Danish eugenics which Mjøen, Scharffenberg, Aas and Vogt had on the Norwegian scene. Hansen was an unknown figure. Leunbach was a Jewish communist who was sentenced to three months’ imprisonment in 1936 for carrying out illegal abortions. Mjøen may not have been universally appreciated, but he was a Norwegian delegate to the International Congress of Eugenics in 1921. He was the most well-known of Norwegian eugenists abroad. Aas, a deputy delegate to the League of Nations, served on the committee which considered sterilisation, as did Vogt. The latter has been described as “the founder of modern psychiatry in Norway”. Scharffenberg was a leading writer on a wide range of matters, as well as one of Norway’s most famous doctors. He was consistent in his belief in eugenics, only willing to eliminate certain ethnic minority groups, based on a family history of criminality or social problems. Thus he called for Norway to accept 5,000 Jewish refugees from Germany, as they were an exemplary race, an attitude for which he was strongly condemned by a letter writer in Fritt Folk, the newspaper of Quisling’s party. […]


Immigration was a highly contentious issue in Norway during the interwar period. As in the United States, eugenics found a rich field of application here. In 1927 the police and the central passport authorities were given wide powers to deport immigrants. Those migrants had to have a residence permit before they were allowed to enter the country. Roma and other travellers were prohibited in toto. In 1932 deportation was made even easier and the residence permit was only granted subject to passing a physical examination. Especially the Agrarian Party was hostile to immigration. In 1920, in its founding programme, there was a declaration that it wanted to defend “Norwegian family life and the character of the people” from “less desirable elements”. Hence there could be no immigration. At this stage, the justification given was purely emotional, but when eugenists supported the party line, the Agrarians were delighted. Halfdan Bryn, a Trondheim-based physician and eugenist, gave “scientific” credence to what the party was claiming in a speech in 1931. Bryn was of a similar cast of mind to Mjøen, and worked on the Scandinavian Committee on Racial Matters. […]

It is conspicuous how influential eugenics was on debates relating to immigration. Writing a general history of early twentieth-century Norway, Knut Kjeldstadli quotes from contemporary opinion. Immigrants were regarded as “scum” and “trash”, whose “bad heredity” risked diluting the desirable Nordic race.

To be sure, Danish bourgeois opinion also worried about “Jewish and leftist” agitators who came to the country as immigrants. The economist and eugenist Knud Asbjørn Wieth Knudsen gave a speech in Copenhagen in 1937 about Germany, in which he said criticism of that country for persecuting Jews was “misguided”. He also stated that Russia would regain its stature as soon as it was run by “Russians and not a Jewish clique”. […]

No research has yet shown that Denmark sterilised anyone on the basis of ethnicity, but in Norway there were strong tendencies for the “Romany” people to be singled out for this measure. Estimates of the number of “Romany” sterilised range from 128 to at least 500, in the entire period when the sterilisation law was in force (1934–1977). […]

Mjøen studied the Sami people of Northern Norway, and he either came to it or went away from it with grave prejudices against this group. He was especially worried about those who were mixed Norwegian and Sami, starting from a boyhood memory of being driven in a reindeer sledge by one such individual. One of his contributions to eugenics was the argument that healthy individuals of good stock could nevertheless produce disharmonious children if they mated with someone of a different race. Søren Hansen […] [described] the Inuits of Greenland […] as being of “the lowest stage of the entire species”. But crucially perhaps, he thought the offspring of Danes and Inuits were an intermediate race, superior to the unmixed Inuits. […] In the period which this article covers, there was accordingly a significant difference in racial attitudes between Mjøen and Hansen. Because the former had a profound influence on Norwegian eugenics, the doctrine as understood in that country was liable to be racist too. Then there is the existence of the Agrarians. They were the only mainstream Norwegian party to focus on immigration in their manifestos, but it resonated with a part of the population, including politicians of other parties. There was even a connection with Mjøen, as the Agrarian movement (Norges Bondelag) appointed a genealogical committee in 1937 and named him as a consultant to it. […]

Sterilisation and questions of race are the most obvious topics within Scandinavian eugenics, given that it was known as “racial hygiene”. Especially the first has been investigated at some length, while the recent acceptance of multiculturalism in those countries creates a demand to examine the past with reference to racial attitudes. A conclusion of this article is that Norwegian eugenics had a greater racial component to it than Danish. […]

The sources do not leave in doubt that Mjøen was an arch-racist, while they and secondary literature indicate strongly that these attitudes were shared, to a lesser extent, by other Norwegian eugenists. The scientific racism inherent in the Norwegian version might have been the basis for a popularisation of eugenics. That it came to nothing was probably by reason of a still relatively homogeneous population. The areas where ethnic minorities had a visible presence (especially Northern Norway) were sparsely populated, limiting the opportunities for communication. On the other hand, it is clear that Danish eugenics was more deeply engrossed in the international discourse about the menace of the feebleminded. […]

If, as seems likely, Norwegian eugenics was more racist and Danish eugenics was more hostile to the “feebleminded” than the other, what can be learned from that? It shows who was considered “the enemy” in each national context. Retaining the purity of the race is probably about not sharing opportunities and resources with outsiders. […]




 

Mittwoch, 12. November 2014

Pause


Wegen zahlreicher anderer Verpflichtungen komme ich derzeit nicht zum Bloggen.

Ich freue mich aber weiterhin ueber Zuschriften und Kommentare.

Mittwoch, 17. September 2014

Roland Freislers "Beiträge zur Rechtserneuerung"

"Gesundes Volksempfinden" - so hieß es damals.
Roland Freisler
Bild: http://www.pinterest.com/
hansatingsuwan/wwii-hitler-nazi-era/
Manches klingt beklemmend "modern".




Aus 

Beiträge zur Rechtserneuerung
Gemeinschaftsarbeiten aus der deutschen Rechtspflege
Ergänzende Schriftreihe zur Deutschen Justiz
Herausgegeben von Dr. Roland Freisler und Prof. Dr. Dr. Schlegelberger
Heft 7
Dringende Fragen der Sicherungsverwahrung
Gemeinschaftsarbeit aus der Praxis für die PraxisR.V. Decker’s Verlag, G. Schenck, Berlin W 9, Berlin 1938

 S.3
Geleitwort Dr. Roland Freisler (Staatssekretär im Reichsjustizministerium)

… Wir sorgten uns, der Zweck, den die nationalsozialistische Volksführung mit dem Gewohnheitsverbrechergesetz verfolgte, könne infolge Hemmungen bei seiner Durchführung teilweise unerreicht bleiben.
Wir wollten das Unsrige dazu beitragen, daß der Kampf gegen das Gewohnheitsverbrechertum zu einem vollen Dauersieg wird.

Viele rechtliche und tatsächliche Schwierigkeiten stellen sich der kraftvollen, erfolgreichen Durchführung des Gewohnheitsverbrechergesetzes entgegen. … Hier tut Besinnung zur Einfachheit und Natürlichkeit des rechtlichen Denkens not!
Manche Schwierigkeiten beruhen in der seelischen Einstellung. Hier tut Besinnung darauf not, daß gerechte Härte gegenüber dem Volksschädling Liebe zum Volke ist. …


S. 7

I.      Ein Querschnitt durch die Fragen der Sicherungsverwahrung
Von Staatssekretär Dr. Roland Freisler, Berlin

Die Sicherheitsverwahrung führte die nationalsozialistische Regierung ein, um ein schneidiges Schwert im Kampfe gegen das Berufs-, Gewohnheits- und Veranlagungsverbrechertum zu besitzen. …
Hierfür stehen im Wesentlichen zwei Mittel zur Verfügung:

1.      bevölkerungspolitische Maßnahmen verhindern, daß entartete Wesen zur Welt kommen; und Volkserziehungsmassnahmen verhindern, daß Volksgenossen verkommen. Jeden dieser beiden Wege begeht der nationalsozialistische Staat mit einer Zielstrebigkeit, die jedenfalls von keinem anderen Staat der Erde übertroffen wird
2.      man trifft Sicherungsmassnahmen, die entartete und verkommene Personen hindern, ihren entarteten Trieben oder ihrer Hemmungslosigkeit gegenüber Versuchungen zu frönen. Die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen, die das nationalsozialistische Reich einführte, sind die Entmannung und die Sicherheitsverwahrung.
Alles in allem ist zweifellos die gesetzliche Regelung der Sicherungsverfahrung eine geeignete Grundlage für erfolgreiche Verbrechensbekämpfung.

Sie kann sich aber nur auswirken, wenn die Praxis von der gesetzlich gegebenen Möglichkeit einen festen, zielsicheren, nicht von falscher Sentimentalität geschwächten Gebrauch macht.

S. 68 -82
III Die Entlassung aus der Sicherheitsverwahrung
Von Generalstaatsanwalt Dr. Wurmstich, Jena


S. 72
Der Richter, der über die Entlassung entscheiden will, wird sich zunächst einmal möglichst mit der Person des Verwahrten vertraut machen und versuchen müssen, ein möglichst lückenloses Bild seiner Herkunft und seines Lebenslaufes zu gewinnen. Er wird darin wesentlich durch die kriminalbiologischen Untersuchungen unterstützt werden, denen seit 1933 jeder in den besonderen Vollzugsanstalten des Oberlandesgerichtsbezirks Jena untergebrachte Gefangene unterzogen wird. Sie sind seit dem 1. 1. 1938 durch den vom Herrn Reichsminister der Justiz eingerichteten kriminalbiologischen Dienst ersetzt worden und werden in meinem Bezirk beim Strafgefängnis Ichtershausen und bei der Sicherungsanstalt Graefentoenna durchgeführt. Wenn die Untersuchung aller Verwahrten auch Jahr und Tag dauern wird, so habe ich doch Vorkehr getroffen, dass kein Verwahrter zur Entlassung vorgeschlagen wird, der nicht kriminalbiologisch untersucht ist. Diese Untersuchungen werden ergänzt durch die Ermittlungsberichte der Thüringischen Gefaengnisgesellschaft, an deren Stelle in Zukunft die Berichte der Ermittlungshilfe treten werden. Sie geben zusammen Aufschluss über Abstammung, Erbanlagen, Charaktereigenschaften, Lebenslauf usw. des Untersuchten. … Ein zum Verbrechen Geborener ist natürlich vorsichtiger zu beurteilen als ein erst nach und nach zum Verbrecher Gewordener.


VI Sicherheitsverwahrung im Ausland
Von Dr. Adolf Schoenke, Professor an der Universität Freiburg i. B.
S. 114 – 139

… In der Vorkriegszeit hat – abgesehen von der Relegation des französischen Rechts – nur das Britische Reich die Verwahrung eingeführt. In den Nachkriegsjahren haben dann immer mehr Länder die Sicherungsverwahrung übernommen. Dies ist dem in allen Ländern zu beobachtenden Bestreben zu erklären, “die Gesellschaft nicht nur gegen die Tat, sondern auch und in erster Linie gegen den Täter zu schützen”.
(Fussnote: Radulesco, Des differentes especes de mesures de surete, in II. Internationale Konferenz zur Vereinheitlichung des Strafrechts, Actes des la Conference (1931), S. 30. …


Verstärkt wurde diese Bewegung auf Einführung der Sicherungsverwahrung … durch den 1930 in Prag abgehaltenen X. Internationalen Strafrechts- und Gefaengniskongress. … Die Rechte der amerikanischen Einzelstaaten sehen eine Rückfallverschaerfung gegenüber Gewohnheitsverbrechern vor. … Für New York hatte die sogenannte Baumes-law von 1926 für den vierten Rückfall zwingend die lebenslängliche Zuchthausstrafe gedroht; durch eine Novelle von 1932 ist jetzt für den vierten Rückfall wieder die unbestimmte Verurteilung mit einem Minimum von fünfzehn Jahren Zuchthaus eingeführt worden. Alle diese Gesetze zählen aber nur die Taten, ohne daneben eine Prüfung der Täterpersönlichkeit zu erfordern. … Der Kampf um die Sicherheitsverwahrung ist im ausländischen Recht noch nicht ausgeschlossen …
Die Sicherungsverwahrung wird in England in Stufen vollzogen; es gibt drei Stufen und eine Strafstufe… Auch gegenüber den Sicherungsverwahrten ist unter Umstünden eine körperliche Züchtigung zulässig. … 


2
Die Anordnung der Sicherheitsverwahrung

Von Ministerialrat Rietzsch, Berlin

S. 37-38
Das Eingreifen des Nationalsozialismus

So hinterließ der Parlamentarismus wie auf so vielen Gebieten so auch hier einen für den Schutz der Volksgemeinschaft völlig unzureichenden Rechtszustand und unzureichende Reformvorschlaege. … Was drei Jahrzehnte beratender Arbeit in Kommissionen und Parlamenten nicht hatten vollbringen können, wurde jetzt nach wenigen Monaten intensivster Vorbereitung mit größter Tatkraft n die Wirklichkeit umgesetzt.


S. 47
Gewohnheitsverbrecher ist dem Wortsinn nach ein Mensch, der zur Gewohnheit hat, Straftaten zu begehen. … (Die Taten) … müssen vor allem auf der Persönlichkeit des Täters beruhen … Damit knüpft das Gesetz unmittelbar an die Ergebnisse der modernen Kriminalbiologie an. (Fußnote: Vgl zum folgenden Stumpfl., Erbanlage und Verbrechen, Berlin 1935, und die Ursprünge des Verbrechens, dargestellt am Lebenslauf von Zwillingen, Leipzig 1936, ….) …
Durch Auswertung der Lehren und Erfahrungen der Kriminalbiologie kann die Erfassung des Begriffs des Gewohnheitsverbrechers hiernach wesentlich erleichtert und vertieft werden. … Das Reichsjustizministerium hat zur Erleichterung einer zutreffenden Würdigung der Täterpersönlichkeit den kriminalbiologischen Dienst … geschaffen.

 S. 53
… Die nationalsozialistische Strafrechtserneuerung betrachtet es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Kräfte der Ethik in den Dienst des Strafrechts zu stellen. …. Die Schaffung eines neuen Unrechtsbegriffs …, der an dem gesunden Volksempfinden ausgerichtet ist, legt hiervon gewichtiges Zeugnis ab. 

(Es) … ist … nicht zu prüfen, ob der Täter unverbesserlich ist; dies würde den Kreis der Anwärter auf die Sicherungsverwahrung zu eng ziehen. Zu fragen ist vielmehr einzig und allein, ob der Schutz der Volksgemeinschaft die Sicherungsverwahrung erfordert.  ...


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 Lesenswert:

Der Nationalsozialismus, die zweite Geschichte: Überwindung, Deutung, Erinnerung

Peter Reichel, Harald Schmid, Peter Steinbach - Collective memory - 2009