“Der Rollerfahrer, was der an Steuergelder verschossen hat ...“
Aus einem Kommentar auf PI zu einem Beitrag mit dem Titel
“Auch Schäuble will, dass Sarrazin gefeuert wird”
Wenn im Zusammenhang mit der neuen Eugenik und mit dem sogenannten "Counter-Dschihad" von Meinungsfreiheit die Rede ist, ist oft die Forderung nach Aufhebung von Gesetzen und Regeln gegen "Hassrede" (hate speech) gemeint.
Beispiel: "Wir müssen die “hate speech”-Gesetze loswerden. Europa braucht Redefreiheit mehr denn je zuvor. …“ (Blogger "Fjordman", 2006; https://fjordman.wordpress.com/2006/10/04/losungsvorschlage-ein-vorlaufiger-entwurf/) ; siehe auch auf diesem Blog "Lesestoff von Fjordman" (http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/weihnachtslekture-vom-fordman.html).
Selbstpromotion von Hassgruppen im Namen der Redefreiheit und des Kampfes gegen die "politische Korrektheit" - vorgemacht hat das z.B. der Ku Klux Klan.
Politische Korrektheit bedroht die Redefreiheit - der KKK rettet sie. Sagt der KKK. Von der Webseite des Ku Klux Klan in den US (http://kukluxklan.bz/):
“Freedom of Speech ... Even today when a Klansman speaks, he is exercising the Constitution, keeping strong and immutable the peoples right to speak and publish their ideas. … When the populace is silenced by fear and political correctness, the Klan steps forward and demands to speak, what could be more relevant?”
Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hate_Speech
"Der Begriff Hate Speech (engl. Hasssprache, Hassrede) bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen, die zur Ausgrenzung oder Benachteiligung von bestimmten Personen oder Personengruppen, oder sogar zur Gewalt gegen diese, anreizen sollen.
Vor allem in den Vereinigten Staaten wird der Begriff Hate Speech in juristischen, politischen und soziologischen Diskursen verwandt. Im deutschsprachigen Raum fallen Ausdrucksweisen, die zum Hass aufstacheln, unter die Gesetzgebung zur Volksverhetzung (Deutschland) bzw. Verhetzung (Österreich).
Der deutsche Begriff Hassrede stellt eine Form der Hate Speech dar. Zur Hate Speech zählt auch die Benutzung von Ethnophaulismen.
In der juristischen Bewertung gibt es zwischen den Staaten wesentliche Unterschiede. In den Vereinigten Staaten werden freie Meinungsäußerungen geschützt, die nicht tatsächlich einen Aufruf zu Gewalt darstellen. Die Kriterien sind dabei streng ausgelegt: Selbst eine Rede, die Gewalt rechtfertigt oder rassistische Beleidigungen enthält, wird weitgehend geschützt, wenn nicht beweisbar ist, dass es zu „unmittelbarer Gewaltausübung“ kommen wird. Allerdings haben viele private amerikanische Institutionen, insbesondere Universitäten, eigene, strengere Richtlinien gegen "Hate Speech" in ihrem Bereich erlassen.
Vorschriften öffentlicher Universitäten, welche entsprechende Verhaltensweisen verbieten sollten, wurden jedoch durch amerikanische Gerichte immer wieder eingeschränkt.
Eine konsequente Einschränkung dagegen ist die Entwicklung einer spezifischen Regelung für die Leugnung des Holocaust oder anderer Genozide. Unterschiede gibt es insbesondere innerhalb der Europäischen Union, in der Frankreich und Deutschland hohe Hindernisse gegen Hate Speech errichtet haben, während in Großbritannien und Ungarn viele Formen des Hate Speech geschützt sind."
Ethnophaulismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnophaulismus
"Ethnophaulismus, von griech. ἔθνος, ethnos, „Volk“ und φαῦλος, phaulos, „gering; wertlos; böse“ ...ist ein 1944 von Abraham Aron Roback geprägter ... (Begriff), der für die abwertende Bezeichnung für eine Ethnie stehen soll. ...Im Angloamerikanischen existiert der Ausdruck Derogatory Ethnic Label, Abk.: DEL, (deutsch: „herabwürdigende ethnische Bezeichnung“), der den Begriff Herabwürdigung als Fachausdruck der Antidiskriminierung einführt. Der Begriff Ethnophaulism konnte sich im Amerikanischen nicht durchsetzen, statt dessen wird heute der Begriff ethnic slur gebraucht.
Auf die Deutschen (bzw. Deutschsprachigen) bezogen gibt es Ausdrücke wie im Amerikanischen Kraut, im Britischen/Amerikanischen Fritz, im Englischen Hun („Hunnen“) ...
Nach einer Untersuchung Irving L. Allens von 1982 ergäben sich in den Vereinigten Staaten abwertende Namensgebungen vor allem im Zusammenhang mit „Immigration, Siedlungsverhalten, Stadtzuzug, Berufsspezialisierung und innergesellschaftlichen Wanderungen spezifischer Volksgruppen.“ ...
Ethnophaulismen dienten nach Allen dazu, Minderheiten sozial unterzuordnen, ihnen den sozialen Aufstieg zu verweigern und sie von Machtmitteln und Einfluss auszuschließen. Vergangene und gegenwärtige Ungerechtigkeiten sollten mit diesen „Wort-Waffen“ im Sinne eines Weißsein legitimiert werden. Es handele sich dabei um einen ideologischen
Prozess."
Anmerkungen:
Der Begriff "Kopftuchschlampe" aus der rechtsextremen Szene, als "Kopftuchmädchen" von Thilo Sarrazin gesellschaftsfähig gemacht, wird als Ethnopaulismus für Frauen muslimischer Abstammung gebraucht. - Über diesen Begriff siehe auch auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/kopftuchmadchen-kopftuchschlampe.html
Im deutschsprachigen Raum ist die Verknüpfung des Verständnisses von "Volksverhetzung" mit dem des Antisemitismus so eng, dass Blogs, die Hassrede pflegen, (z.B. "Politically Incorrect", "As der Schwerter") sich gern als pro-israelisch bezeichnen, um dem Vorwurf der Volksverhetzung vorzubeugen.
Einen ähnlichen Kunstgriff verwendet Thilo Sarrazin (der die Ergebnisse fragwürdiger Intelligenztests oder vielmehr -hochrechnungen als Beleg für seine eugenischen Thesen anführt) mit der Behauptung, die Nazis hätten von Intelligenztests nichts wissen wollen, da sie diese für eine jüdische Erfindung hielten. Das Gegenteil ist richtig: Nazi-Wissenschaftler interpretierten z.B. die Ergebnisse von Intelligenztest an amerikanischen Rekruten als Beweis für die Überlegenheit der „nordischen Rasse“, setzten sie auch selbst für die „erbbiologische Bestandsaufnahme“ in deutschen Regionen ein und ließen sich von den amerikanischen Intelligenzforschern Terman und Cox zu der Einrichtung von „Führerschulen“ inspirieren. Dennoch kursiert die auf Sarrazin und seinen Ideengeber Volkmar Weiss zurückgehende Behauptung von der Intelligenztest-Aversion der Nazis munter als Internet-Legende.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/wie-sich-internet-legenden-verbreiten.html
Vorausschauend sagte der CDU-Abgeordnete Franz Böhm 1960: "Wir können ... gar nicht wissen, gegen was sich der Haß einer künftigen radikalen Bewegung bei uns richtet. Diese Bewegung wird eventuell sagen: Wir werden unseren Haß gegen irgend etwas richten, das nicht im Paragraphen 130' (dem geplanten Gesetz gegen Volksverhetzung) 'steht... Dann sitzen wir wieder da.' "
Aus: DER SPIEGEL 8/ 1960, "Gotteserkennnis (L)"; siehe auf diesem Blog http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/gegen-den-kulturmarxismus-glaubte-der.htmlUnerreicht in der Kunst, sich auf angebliche „jüdische Vermächtnisse“ zu berufen, um Fragwürdiges zu übertünchen und unbequemen Fragen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist natürlich der frühere hessische CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der mit dieser Legende die Herkunft „schwarzer Kassen“ zur Parteifinanzierung erklären wollte und damit ein geflügeltes Wort geschaffen hat.
Von diesem Niveau ebenfalls nicht allzu weit entfernt: Henryk M. Broders Selbststilisierung als Vertreter des „Stammes“ (?) der Juden in der Reaktion auf Fragen und Kritik, die eigentlich nur persönliche Äußerungen seinerseits betreffen. Beispiel: Ein Interview mit dem STERN, erschienen in der Online-Ausgabe vom 29. Juli 2011. Frage: „Herr Broder, seit bekannt wurde, dass der Attentäter von Oslo in seinem wirren Manifest auch Sie zitiert hat, werden Sie in vielen Medien attackiert und als "geistiger Brandstifter" bezeichnet. ...“. Antwort: „.... Nachdem ich zu einem Stamm gehörte, der das Christentum, den Marxismus und die Psychoanalyse erfunden hat, bin ich gerne bereit, auch die Verantwortung dafür zu übernehmen. .“ http://www.stern.de/panorama/broder-und-das-breivik-manifest-man-braucht-einen-suendenbock-1710964.html
Vorausschauend sagte der CDU-Abgeordnete Franz Böhm 1960: "Wir können ... gar nicht wissen, gegen was sich der Haß einer künftigen radikalen Bewegung bei uns richtet. Diese Bewegung wird eventuell sagen: Wir werden unseren Haß gegen irgend etwas richten, das nicht im Paragraphen 130' (dem geplanten Gesetz gegen Volksverhetzung) 'steht... Dann sitzen wir wieder da.' "
Joel Schalit ueber die Austauschbarkeit der Vorurteile (gegen Juden und gegen Muslime): Germany’s ‘Judaeo-Muslim Threat’ (03.09.2010)
http://observers.france24.com/content/20100903-germany-sarrazin-racism-jews-muslims-observers-opinion-joel-schalit
http://observers.france24.com/content/20100903-germany-sarrazin-racism-jews-muslims-observers-opinion-joel-schalit
Kritisches ueber hasserfuellte “Islamkritik” (englisch; aus Zeitgruenden zunaechst ohne Uebersetzung); u.a.:
Warum Reporter Richard Peppiatt beim Daily Star kuendigte
Halal
Essensangebote in Schulkantinen: Keine
goesseren Sorgen in Frankreich? - Nicholas Sarkozy und seine Anbiederungen an
die “Islamkritiker” der Hass-Fraktion
- "I have decided to stick with love. Hate is too great a burden to bear."Martin Luther King, Jr.http://www.iamnotafricanamerican.com/
Ergänzung 03.01.2012
„Klartext“ als Etikett für Hass-Publikationen:
Dietrich Eckart, Lord Alfred Douglas und ihre antisemitischen Zeitschriften
„Auf gut Deutsch“ und „Plain English“
Dietrich Eckart (1868 bis 1923) ist vor allem dadurch bekannt, dass Adolf Hitler ihn als seinen Mentor ansah und dies durch eine Widmung in „Mein Kampf“ dokumentierte. Nach der „Machtergreifung“ 1933 soll Hitler geäußert haben: „Was würde mein guter Freund Dietrich Eckart sagen, wenn er uns jetzt sehen könnte … !“ Die heutige „Waldbühne“ in Berlin-Spandau wurde zu den Olympischen Spielen 1936 als „Dietrich-Eckart-Bühne“ eingeweiht.
Eckart, geboren in Neumarkt in der Nähe von Nürnberg, studierte Medizin in München, brach sein Studium aber 1881 ab und arbeitete fortan als Dichter, Bühnenschriftsteller und Journalist. Von seinem Vater, einem königlichen Notar, hatte Eckart ein ansehnliches Vermögen geerbt, das er aber schnell aufgebraucht hatte. 1899 zog Eckart nach Berlin. Dort wurde er der Schützling des Theater-Direktors Graf Georg von Hülsen-Haeseler. Sein größter Erfolg war eine deutschsprachige Adaptation von Ibsens „Peer Gynt“. Mit der Figur des "Peer Gynt" soll er sich Zeit seines Lebens stark identifiziert haben. Sein Stück „Heinrich der Hohenstaufe“ (über den Staufenkaiser Heinrich VI., dem der König von England dem Stück zufolge Treue schwur) wurde 1915 am Königlichen Schauspielhaus in Berlin aufgeführt. Eckart soll es auf Bestellung von Kaiser Wilhelm geschrieben haben, aus Anlass der Hochzeit der Kaisertochter Viktoria Luise mit dem Herzog von Braunschweig. Die Hochzeit fand 1913 statt, aber nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war Englandfreundlichkeit nicht mehr angesagt; das Stück wurde nur wenige Male aufgeführt.
Noch während des Weltkriegs, ebenfalls 1915, gründete Eckart den Hoheneichen-Verlag, dessen Firmensitz in Wolfratshausen bei München sowie in München-Schwabing lag. Er kehrte nach Bayern zurück, lebte in München und Berchtesgaden. Zwischen 1918 und 1920 gab Eckart im Hoheneichen-Verlag die antisemitische Zeitschrift „Auf gut Deutsch“ heraus, die er mit der Hilfe von Alfred Rosenberg und Gottfried Feder in einer Auflage von 20.000 Kopien publizierte. Den Vertrag von Versailles betrachtete er als Verrat und propagierte in seiner Zeitschrift die Dolchstoßlegende, wonach die Juden und die Sozialdemokraten, von ihm auch als „Marxisten“ bezeichnet, für Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich waren. (Ob seine ca. siebenjährige, 1921 geschiedene Ehe mit der vermögenden Witwe Rosa Marx zu seinem Hass gegen alle, die er als „Marxisten“ bezeichnete, beitrug, ist nicht bekannt.) Die Juden – das „internationale Judentum“ - machte er auch dafür verantwortlich, dass die Völker überhaupt in den Weltkrieg gestürzt worden wären. Juden bezeichnete er als „die Krummen“; das „Weltjudentum“ als „den großen Krummen“ (für ihn symbolisiert durch das Reich der Trolle, die seine frei nach Ibsen gestaltete Bühnenfigur Peer Gynt mit Gaukeleien und verführerischer, aber rassisch unreiner Erotik umfingen). Auch Kritiker seiner Werke, Juden oder nicht, waren für ihn „die Krummen“. Verhasst waren ihm auch Nicht-Juden, die sich gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung von Juden einsetzten; er bezeichnete sie mit dem altertümlichen Begriff „Judentzer“.
In dem von Francis Galtons Eugenik-Lehre („Hereditary Genius“) beeinflussten Geist seiner Zeit entwickelte Eckart eine Ideologie von einem „genialen höheren Menschen“. Dabei griff er besonders auf Schriften von Lanz von Liebenfels zurück, des Gründers der antisemitischen und rassistischen para-religiösen Zeitschrift „Ostara“ (siehe auch Stichworte „Liebenfels“, „Ostara“ auf diesem Blog). Wie andere frühe Förderer der Nazi-Ideologie war Eckart mit der esoterischen „Thule-Gesellschaft“ verbunden.
Nach dem Ersten Weltkrieg war Eckart einer der Gründer der „Deutschen Arbeiterpartei“, aus der unter Hitlers Einfluss die NSDAP hervorging. Später war Eckart an der Übernahme der Zeitschrift „Völkischer Beobachter“ durch den partei-eigenen Eher-Verlag beteiligt. Hitler und der Nazi-Bewegung verschaffte er ein „offenes Ohr“ bei Industriellen und ihren Vereinigungen, z.B. über seinen Freund Dr. Emil Gansser, dessen Bruder „Deutschland Erwache“ vertont hatte.
Eckart starb Ende 1923 - mit 55 Jahren - in Berchtesgaden an einem Herzinfarkt. Sein schlechter Gesundheitszustand wird zum einen mit einer lebenslangen Morphin-Abhängigkeit, zum anderen mit den Folgen eines Gefängnisaufenhalts (wegen Verleumdung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert) in Zusammenhang gebracht; Letzteres trug dazu bei, dass er für seine Anhänger in die Nähe eines „Märtyrers“ gerückt wurde.
Prägende Begriffe und Schlagworte der Nazi-Zeit, darunter „Das Dritte Reich“ und „Deutschland Erwache“ gingen auf seine Propaganda zurück. Antisemitismus verstand er als Kampf gegen den "Antichristen": „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt". Er soll der Erste gewesen sein, der Adolf Hitler (1921) als „Führer“ bezeichnet hat. Der von ihm gegründete Hoheneichen-Verlag wurde während des Zweiten Weltkriegs offiziell als „Verlag der Hohen Schule“ bezeichnet.
Heute ist Dietrich Eckart eine der Kultfiguren der Neonazi-Szene. Er wird z.B. auf Metapedia, einem rechtsextremen Gegenentwurf zu Wikipedia, als Kronzeuge für die Warnung vor „charakterlicher Überfremdung“ angeführt.
Publikationen aus dem Hoheneichen-Verlag wirken bis heute auch in die gesellschaft-liche Mitte hinein, so z.B. das 1939 in der 1. Auflage erschienene Buch „Politik, Technik und Geist“ des seinerzeit leitenden Wirtschaftsredakteurs des „Völkischen Beobachter“, Fritz Nonnenbruch. Nonnenbruch verstand Technik als Ausdruck von „rassebedingter Genialität“ und propagierte ein „völkisches Schöpfertum“. (Vergleiche die Sorge von heute, nur Menschen einer bestimmten Abstammung könnten aktuell gemeldete und künftige Lücken bei den MINT – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – Berufen füllen.)
Lord Alfred Douglas (1870 – 1945) war ein Autor, Dichter und Übersetzer. Er stammte aus altem britischen Adel, war der dritte Sohn des schottischen Edelmanns John Sholto Douglas, 9th Marquess of Queensberry, und seiner Frau Sybil, geb. Montgomery. Sein wohl bekanntestes Gedicht ist „Two Loves“ mit der Schlusszeile von der „Liebe, die ihren Namen nicht aussprechen darf“ („I am the Love that dare not speak its name“).
In seinen Jugendjahren war Douglas Weggefährte und Liebhaber des damals schon prominenten Schriftstellers und Dramatikers Oscar Wilde. Er blieb ihm bis zu dessen Tod über Spannungen und Trennungen hinweg emotional verbunden. Douglas soll an Wildes Seite gewesen sein, als dieser 1900 in einer Pariser Pension starb. Er war jedenfalls bei seiner Beerdigung - zusammen, wenn auch wohl nicht ganz einträchtig, mit Robert Baldwin Ross, dem anderen wichtigen Lebensgefährten Wildes, der zu dessen Nachlassverwalter wurde.
Der Marquess of Queensberry konnte sich mit der Homosexualität des Sohnes nicht abfinden und ließ ihn immer wieder seine Verachtung spüren. Auf sein Betreiben geht zurück, dass Oscar Wilde wegen „grob unsittlichen Verhaltens“ vor Gericht kam, eine Gefängnisstrafe absolvieren musste, seine Reputation verlor und nach Frankreich ins Exil ging. Der Vater war Atheist und zeitweise Präsident der Atheistenvereinigung „British Secular Union“. Der Sohn, Lord Alfred Douglas, wandte sich später (dokumentiert ab 1911) dem Katholizismus zu. Wohl nicht zuletzt über eine Form des klerikalen Faschismus kam er zum Antisemitismus.
Von 1907 bis 1910 gab Douglas, mit Hilfe von T. W. H. (Thomas William Hodgson) Crosland eine Zeitschrift namens „The Academy“ heraus. Im Zeitraum 1920 – 1921 ließ Douglas „The Academy“ wieder aufleben, jetzt unter dem Namen „Plain English“. Was mit dem Anspruch des Titels, „klares Englisch“, verbunden war, stellte sich bald heraus: Antisemitismus der damals neuen Art, nämlich Verschmelzung von Antisemitismus, Anti-Bolschewismus und rückwirkende Erklärung geschichtlicher Ereignisse als Teil der vermeintlichen Verschwörung des Weltjudentums (z.B. eine Neu-Interpretation der Rolle Oliver Cromwells in diesem Sinne). „Plain English“ lobte den englischen Faschistenführer Mosley („British Union of Fascists“), propagierte die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ als Beweis für die angebliche jüdischen Weltverschwörung und brachte Auszüge von Texten des russischen „Grafen“ Cherep Spiridovich, dessen antisemitische Ergüsse („The Hidden Hand“) in den USA im gleichen Verlag erschienen wie das Pamphlet „Gravediggers of Russia“ mit den ins Englische übertragenen Versen von Dietrich Eckart.
1923 verbrachte Douglas wegen einer antisemitischen Verleumdung gegen Winston Churchill (dieser habe etwas mit dem Tod von Lord Kitchener zu tun) mehrere Monate im Gefängnis. Spätere schlechte Gesundheit führte er auf den Gefängnisaufenthalt zurück. In den 1930er Jahren und bis zu seinem Tod korrespondierte er lebhaft mit einigen bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit, darunter mit George Bernard Shaw und mit der als Frauenrechtlerin geltenden Eugenik-Anhängerin Marie Stopes (derselben, die Hitler einen Band der von ihr verfassten Liebesgedichte geschickt hatte; siehe Stichwort „Stopes“ auf diesem Blog). 1941 fiel er noch einmal damit auf, dass er ein Sonnett zum Lobpreis von Churchill verfasste. Er starb 1945 an Herzversagen.
Von 1902 bis1913 war Douglas verheiratet mit Olive Eleanor Custance, einer wohlhabenden Erbin und Dichterin; die Ehe endete in Scheidung. Der einzige Sohn, Raymond, verbrachte einen großen Teil seines Lebens in psychiatrischen Anstalten; er starb1965.
Durch die Zusammenarbeit von Douglas' früherem „Rivalen“ Robert Ross mit dem Wilde-Übersetzer Max Meyerfeld wurden die Theaterstücke Oscar Wildes zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland sehr populär. In den frühen Jahren der Nazi-Zeit verschwanden Wildes Stücke keineswegs von der Bühne – aber statt der Übersetzungen des Dr. Meyerfeld, der nach den Nürnberger Gesetzen Jude war, kamen jetzt die frei gestalteten, der Nazi-Ideologie angepassen Bearbeitungen des „völkischen“ Bühnenschriftstellers Karl Lerbs zur Aufführung. Erleichtert wurde dies dadurch, dass Ross, der als Wilde's Nachlassverwalter Einwände hätte erheben können, 1918 gestorben war. Ob Douglas in diesem Zusammenhang in Erscheinung trat, ist nicht bekannt.
Nicht ohne Weiteres feststellbar ist auch, ob Douglas mit Dietrich Eckart oder seinem unmittelbaren Umfeld Kontakt hatte, etwa über die Theaterszene oder über antisemitisch-esoterische Verbindungen, wie sie die Thule-Gesellschaft, der Eckart nahe stand, zeitweise auch in England gepflegt haben soll (Stichwort "Golden Dawn"). Dass es zumindest ideologische Bezüge gab, legen die sehr verwandten Inhalte ihrer Zeitschriften nahe; ebenso deren Nähe zu der von Cherep Spiridovich verbreiteten Propaganda - und nicht zuletzt die sehr ähnlichen Titel mit dem „Klartext“-Gestus auf „gut Deutsch“ und in „plain English“.
Quellen zur Biographie Dietrich Eckart:
Wikipedia, Einträge (deutsch) „Dietrich Eckart“ und „Hoheneichen-Verlag“
Dietrich Eckart - An Introduction For the English-Speaking Student, by William Gillespie, 1975. (In Auszügen im Internet eingestellt am 23 August 2004 von einem Käufer, der das Buch antiquarisch erworben hatte)
Buchbeschreibung von “suum cuique” (einem Antiquariat in Berlin) zu Eckarts Drama “Lorenzaccio” mit biographischen Anmerkungen und dem Dietrich-Zitat “Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast…”
http://www.abebooks.com/servlet/SearchResults?kn=%22christ+zu+gast%22&sts=t&x=34&y=11
Zum Beleg der Rezeption Eckarts in der Neonazi-Szene: Metapedia, Eintrag „Dietrich Eckart“http://de.metapedia.org/wiki/Eckart,_Dietrich
http://www.abebooks.com/servlet/SearchResults?kn=%22christ+zu+gast%22&sts=t&x=34&y=11
Zum Beleg der Rezeption Eckarts in der Neonazi-Szene: Metapedia, Eintrag „Dietrich Eckart“http://de.metapedia.org/wiki/Eckart,_Dietrich
Quellen zur Biographie Lord Alfred Douglas:
Wikipedia-Einträge „Alfred Douglas“ und „Robert Baldwin Ross“ (jeweils in Deutsch und Englisch; die englischen Versionen sind ausführlicher)
Biographie Lord Alfred Douglas auf „poemhunter“
Lobende Erwähnung des Lord Alfred Douglas in der Verlagswerbung für Cherep Spiridovichs "Hidden Hand": Siehe auf diesem Blog http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/bolschewisten-gesichter-das.html
Beschreibung des Antiquariats “Maggs Bros. Ltd" (London)” zu “Kingdom Come. The Magazine of War-Time Oxford, WALLER (John) and HARRIS (Kenneth), editors; 1939-1943”. Sammlung kriegs-patriotischer Beiträge britischer Literaten und Personen des öffentlichen Lebens (einschl. Marie Stopes, Lord Alfred Douglas). Enthält die Anfangszeile von Douglas’ Sonnett an Churchill ("Winston Churchill - Not that of old I loved you over-much …") http://www.abebooks.com/servlet/BookDetailsPL?bi=758207253&searchurl=kn%3D%2522alfred%2Bdouglas%2522%2Bplain%26sts%3Dt%26x%3D52%26y%3D17
Außerdem berücksichtigt
Rainer Kohlmayer (Universität Mainz/ Germersheim): Übersetzung als ideologische Anpassung: Oscar Wildes Gesellschaftskomödien mit nationalsozialistischer Botschaft. Ohne Datum (um 1995)
English: Oscar Wilde's Society Comedies With a National Socialist Message
http://www.rainer-kohlmayer.de/downloads/files/comedies_message.pdf
______________
______________
“By 1939, no less than 750 fascist organizations had been formed in the United States, and were flooding the country with pro-Axis, anti-Semitic and anti-Soviet bulletins, magazines, newsletters and newspapers. In the name of saving America from Communism, these organizations and publications called for the overthrow of the Government of the United States, the establishment of an American fascist regime, and an alliance with the Axis against Soviet Russia.
On November 18, 1936, William Dudley Pelley, chief of the Nazi-inspired Silver Shirts, declared: - Let us understand thoroughly that if a second civil war comes to this country, it will not be a war to overthrow the American government, but to overthrow the Jew-Communist usurpers who have seized the American government and bethought themselves to make it a branch office of Moscow...
After the Nazi invasion of Soviet Russia, Father Charles E Coughlin, leader of the pro-Nazi Christian Front, declared in the July 7, 1941, issue of his propaganda organ Social Justice. - Germany's war on Russia is a battle for Christianity... We remember that atheistic Communism was conceived and brought to birth in Russia chiefly through the instrumentality of godless Jews. …
… Harry Augustus Jung … was like the Dietrich Eckart of the Nazi anti-Communist Philosophy. Both Walter Steele and Major John B. Trevor were classic Wickliffe Draper Nazi sympathizers or even worse … (Major) John B. Trevor, Sr., OSJ who was head of the American Coalition of Patriotic Societies, started by Wickliffe Draper of The Pioneer Fund, an organization which in 1942 was listed by a Department of Justice indictment as an agency which had been used in a conspiracy to undermine the morale of the United States armed forces. Trevor was intimately associated with anti Soviet White Russians, and his organization constantly spread anti-Soviet propaganda. He and his son were also on the Board of The Pioneer Fund. …
Representative Hamilton Fish, II of New York, visited Soviet Russia in 1923… In the early 1930's, as chairman of a Congressional committee to investigate "American communism," Fish was the chief spokesman of the White Russian anti-Soviet emigres in the United States … Among the "experts" who supplied Fish's committee with material were the former Okhrana agent, Boris Brasol, and the German propagandist, George Sylvester Viereck. After Hitler came to power in Germany, Fish hailed the Nazi leader as the man who had saved Germany from Communism. … In February 1942 it was disclosed at the trial of the Nazi agent Viereck that Fish's Washington office had been used as the headquarters of a Nazi propaganda ring …”
Aus “Nut Country”,
On November 18, 1936, William Dudley Pelley, chief of the Nazi-inspired Silver Shirts, declared: - Let us understand thoroughly that if a second civil war comes to this country, it will not be a war to overthrow the American government, but to overthrow the Jew-Communist usurpers who have seized the American government and bethought themselves to make it a branch office of Moscow...
After the Nazi invasion of Soviet Russia, Father Charles E Coughlin, leader of the pro-Nazi Christian Front, declared in the July 7, 1941, issue of his propaganda organ Social Justice. - Germany's war on Russia is a battle for Christianity... We remember that atheistic Communism was conceived and brought to birth in Russia chiefly through the instrumentality of godless Jews. …
… Harry Augustus Jung … was like the Dietrich Eckart of the Nazi anti-Communist Philosophy. Both Walter Steele and Major John B. Trevor were classic Wickliffe Draper Nazi sympathizers or even worse … (Major) John B. Trevor, Sr., OSJ who was head of the American Coalition of Patriotic Societies, started by Wickliffe Draper of The Pioneer Fund, an organization which in 1942 was listed by a Department of Justice indictment as an agency which had been used in a conspiracy to undermine the morale of the United States armed forces. Trevor was intimately associated with anti Soviet White Russians, and his organization constantly spread anti-Soviet propaganda. He and his son were also on the Board of The Pioneer Fund. …
Representative Hamilton Fish, II of New York, visited Soviet Russia in 1923… In the early 1930's, as chairman of a Congressional committee to investigate "American communism," Fish was the chief spokesman of the White Russian anti-Soviet emigres in the United States … Among the "experts" who supplied Fish's committee with material were the former Okhrana agent, Boris Brasol, and the German propagandist, George Sylvester Viereck. After Hitler came to power in Germany, Fish hailed the Nazi leader as the man who had saved Germany from Communism. … In February 1942 it was disclosed at the trial of the Nazi agent Viereck that Fish's Washington office had been used as the headquarters of a Nazi propaganda ring …”
Aus “Nut Country”,
https://deeppoliticsforum.com/forums/showthread.php?2774-Nut-Country-by-Dr.-Jerry-Rose-(and-The-Jung-Hotel-Meeting): Last edited by John Bevilaqua; 12-13-2009
Anmerkungen:
· Interessant, dass Protagonisten des Pioneer-Fund, der sich der pseudo-wissenschaftlichen Untermauerung und Verbreitung der Eugenik gewidmet hat (siehe Stichwort “Pioneer Fund” auf diesem Blog), auch waehrend des Krieges als Nazi-Sympathisierer in Erscheinung getreten sind.
· George Sylvester Viereck, der in diesem Text als Teil des anti-bolschewistischen Netzwerks von Nazi-Sympathisierern genannt wird, fuehrte 1923 ein Interview mit Adolf Hitler, in dem dieser sich gegenueber der internationalen Oeffentlichkeit als Bekaempfer des Marxismus/ Bolschewismus stilisierte (siehe z.B. http://www.guardian.co.uk/theguardian/2007/sep/17/greatinterviews1). Viereck hatte viele Korrespondenz-Partner, darunter auch Lord Alfred Douglas. Er schrieb sogar die Einleitung zu einem von dessen Buechern (The City of Soul, 1925). Es ist nicht weit hergeholt, anzunehmen, dass Viereck eine Verbindung zwischen Douglas und Hitlers Mentor Dietrich Eckart hergestellt haben koennte, und dass die Aehnlichkeit der in den fruehen 1920er Jahren erschienenen antisemitischen Zeitschriften im “Klartext”-Gestus, “Auf gut Deutsch” (herausgegeben von Dietrich Eckart) und “Plain English” (herausgegeben von Lord Alfred Douglas) kein Zufall ist.
_______________
Freedom of Speech:
"Kill Baby, Kill"
http://www.youtube.com/watch?v=ASpXr5XRXL0

_______________
Freedom of Speech:
"Kill Baby, Kill"
http://www.youtube.com/watch?v=ASpXr5XRXL0



