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Sonntag, 10. Juli 2011

Neue Dogmen im Namen des Anti-Dogmatismus

Neue Dogmen im Namen des Anti-Dogmatismus - Beispiele: Konsumismus und Betverbot

Erhabenheit durch Konsum

"Den Geburtstag eines Erwachsenen kann man nicht mit Multivitaminsaft feiern..."
"..gerade ihre Schädlichkeit ist (es), die die Zigaretten erhaben macht."
Philosoph Robert Phaller, der Diktatur der Gutmenschen trotzend, bestimmt kategorisch, dass man ohne Alkohol nicht richtig feiern kann, und dass Zigaretten Erhabenheit ins Leben bringen.
http://www.spiegel.de/kultur/kulturspiegel/0,1518,766210,00.html

Sein Philosophen-Kollege Norbert Bolz hat gleich ein Manifest geschrieben, in dem er den "Konsumismus" als Antidot gegen islamistischen Fundamentalismus (und überhaupt Fundamentalismus) preist: "Das konsumistische Manifest".
http://www.buecher.de/shop/islam/das-konsumistische-manifest/bolz-norbert/products_products/detail/prod_id/10946888/

Keine Energie sparen, nicht den Müll trennen, nicht solidarisch sein, rauchen - mit diesen Beispielen erläutert Bolz, philosophisch angereichert, was unter Freiheit zu verstehen sei, und wie sich sich von Sklaverei unterscheidet:
"Die Sklaven sind glücklich, weil sie von der Freiheit entlastet sind. …Demokratie verträgt sich sehr gut mit autoritären Herrschaftsformen. Nur dass man heute nicht mehr den Führer anbetet, sondern das Totem des Sozialen. Man könnte von einem sozialdemokratischen Despotismus sprechen – und der behagt offenbar den meisten Menschen. … Wir sollen Energie sparen, den Müll trennen, solidarisch sein und nicht rauchen. So schützt uns der vorsorgende Sozialstaat vor der Freiheit zum Schlechten – und verkauft das als Befreiung. … Aber es gibt Zeichen der Hoffnung,  es gibt Anzeichen für eine Götterdämmerung der Achtundsechziger. So darf man den Fall Sarrazin durchaus als eine Art Geschichtszeichen verstehen. … (In) allen Zweifelsfällen des Lebens darf der Liberale … Partei ergreifen für … Selbstverantwortung und gegen Betreuung; für Freiheit und gegen Sozialismus."
Aus: Norbert Bolz, „Die Ankündigung der Freiheit - Plädoyer für einen neuen Liberalismus“.
SWR2 (Radio), Sendung: 28.02.2011   

Sklaven auf der einen, wirklich Freie auf der anderen Seite; Götterdämmerung … Ähnliches fiel mir auch schon bei anderen Anti-Gutmenschen-Polemiken auf. Gibt es ein Nietzsche Revival? (Zu Nietzsche, "Sklavenmoral" und "Herrenmoral" siehe auch auf diesem Blog http://guttmensch.blogspot.com/2011/02/bayreuther-klungel.html).

Nebenbei stellt sich die Frage, warum das Rauchen als Inbegriff von Freiheit und Abenteuer bei deutschsprachigen Philosophen so einen hohen Stellenwert zu haben scheint; stellenweise gerade so, als würden ganze philosophische Gebäude um Werbeslogans gebaut. Phaller und Bolz sind sich einig in ihrer Begeisterung für die Erhabenheit des Schädlichen; ein weiterer renommierter Philosoph, Rüdiger Safranski, erhielt gar den „Ehrenpreis der deutschen Tabakindustrie“ (http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_Safranski). Welchen Charme haben von Lobbygruppen gestiftete Ehrenpreise, Forschungspreise und sonstige Anreize? 
 
  • Dazu passt:

    "Der Genozid der Nichtraucherfaschisten [...] Mit der Kraft von Bildern und Parolen werden Tabakkonsumenten zersetzende Botschaften in das Unterbewußtsein gesetzt, deren Wirkung wohl weitaus schlimmer sein dürfte als der Tabakkonsum selbst."
    http://forum.die-fremden-welten.de/viewtopic.php?f=204&t=951

Weiterer Lesestoff zu
"Konsumismus":
Konsumismus als Ersatzreligion?
http://detektor.fm/kultur/ist-konsum-die-religion-des-21-jahrhunderts/

Ist Multivitaminsaft feierlich? (Karin Koller, Kommentare) 
http://karinkoller.wordpress.com/2011/07/24/ist-multivitaminsaft-feierlich/



Betverbot und Darwin-Gedenktag

"Beten verboten"
steht, so ein SPIEGEL-Artikel vom 26.05.2007, auf der Haustür des Millionärs Herbert Steffen, der die von ihm gegründete Giordano Bruno Stiftung (GBS) als eine Vertretung der deutschen Atheisten propagieren lässt.
Sein Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon fordert, laut SPIEGEL,
"jeden dritten christlichen Feiertag zu streichen und durch einen anderen Gedenktag zu ersetzen, einen Charles-Darwin-Gedenktag beispielsweise."
2009 wurde die Feiertags-Forderung der GBS konkretisiert: "Evolutionstag" statt Christi Himmelfahrt.
www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,609680,00.html

Über die Giordano-Bruno-Stiftung und Gedankengut des von ihr vertretenen "evolutionären Humanismus" siehe auch auf diesem Blog
(ab "Weitere Info zu Peter Singer....)
 
Biologismus als Ersatzreligion?
"Den Biologismus, der seit der Jahrhunderwende aufblühte, nannte Richard Töllner eine 'Ersatzreligion der kritischen Intelligenz' jener Zeit. ... der Sozialdarwinismus (hat) mit der Eugenik bei Binding-Hoche.. die Rechtswissenschaft berührt und ist unter den Nationalsozialisten in der Gesetzgebung zur 'Verhütung erbkranken Nachwuchses' auch schreckliche Praxis geworden." 
Stefan Chr. Saar/ Andreas Roth (Hg.): Heinz Holzhauer. Beiträge zur Rechtsgeschichte. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2000
 
Siehe auch Posts zu Selbstbezeichnungen als "Ketzer" und Bezeichung Andersdenkender als "doktrinär" in eugenischer Rhetorik vor und während der Nazi-Zeit: Der Nazi-Arzt und Eugeniker Erwin Liek bezeichnete sich als "Ketzer", der erst dank des Nationalsozialismus Gehör fand; http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/ein-arzt-der-nazizeit-erlautert-die.html. Der Nazi-Theologe und Eugeniker Arthur Neuberg bezeichnete die Idee der Menschenrechte und die Vorstellung von einem "Allgemeinbegriff 'Menschheit' als "doktrinär"; http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/anstelle-eine-doktrinaren.html."Beten verboten"



THANK YOU FOR SMOKING
https://www.youtube.com/watch?v=Rz8MczqdSOE


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Ergänzung Sept. 2015

Aus dem Kommentarbereich von ZEIT ONLINE

Aus
Micha_R3 #31  —  18.09.2015           
    

Freitag, 8. Juli 2011

Verbreitung einer Internet-Legende: Die angebliche Unterdrückung der Intelligenzforschung durch die Nazis

Heute habe ich eine andere Google-Suche, die auf meinen Blog geführt hatte, zum Nachvollziehen ausgewählt, weil die Suchworte mich neugierig machten auf die anderen Funde, die sie ergeben. Gestern war die ausgewählte Suchwortkombination Scientific Racism Übersetzung (dazu mehr auf dem vorigen Post (http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/scientific-racism-wissenschaftlicher.html). Heute war es Intelligenztest Hitler. Dazu fand Google immerhin 140.000 Links.

Nicht schlecht gestaunt habe ich darüber, wie häufig das von Volkmar Weiss (Ideengeber Sarrazins) aufgebrachte, in der Sache nachweislich unzutreffende Credo wiederholt wurde, die Nazis seien gegen Intelligenztests gewesen. Immer wieder findet man in der einen oder anderen Variation, mit Originalzitat oder sinngemäß "nachgebetet": "Hitler war gegen Intelligenztests, die er nur als "jüdische Tests" bezeichnete, weil die Juden dabei stets so gut abschnitten."

Deshalb würde es Weiss - der den Türken eine im Vergleich zu den Deutschen erblich bedingt niedrigere Intelligenz nachsagte - kalt lassen, wenn ihn jemand in die Nähe der Nazi-Ideologie rücke, schrieb der Autor eines Artikels in der "Welt" vom 23.07.2005, deutlich beeindruckt.(www.welt.de/wissenschaft/article2107370/Der_Intelligenzquotient_der_Tuerken.html).

Sogar ein Hochschulpräsident (Dieter Lenzen, seinerzeit FU Berlin) machte sich, wie aus dem Artikel hervorgeht, seinerzeit zum Sprecher von Weiss' These von den erblich festgelegten Intelligenzunterschieden nach geografischen Herkunft. Dabei ist die "wissenschaftliche" Untermauerung dieser These von ähnlicher, bröckliger Substanz wie die Interpretation von "Begabungsprüfungen" an amerikanischen Rekruten in den 1920er Jahren, die Intelligenzforscher in Nazi-Deutschland dazu veranlasste, ihre Überzeugungen von der Überlegenheit der "nordischen Rasse" bestätigt zu sehen (siehe auf diesem Blog
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/nazi-wissenschaftler.html).


Und nicht nur das: Nach Aussage eines maßgeblichen "Begabungsforschers" der Nazis (Reinöhl, Quelle s. Link unten) ging sogar die Einrichtung von "Führerschulen" auf Empfehlungen eines amerikanischen Intelligenzforschers, Lewis M. Terman, zurück.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/nazi-wissenschaftler.html


Lewis Terman, um 1915
Gefunden auf
http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_race_and_intelligence_controversy


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Wenn die Informationen aus dem folgenden Artikel zutreffen, wurde Volkmar Weiss "manipulatives Verhalten" bei Wikipedia vorgeworfen, was dort sogar eine Sperre zur Folge hatte (allerdings wird darin auf die Legende von den Anti-Intelligenztest-Nazis nicht Bezug genommen):
www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/wissenschaftlicher-rassismus-und-reputabilitaet

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Die Legende von der "Unterdrückung der Intelligenzforschung" durch die Nazis findet sich - ohne Quellenangabe - auf zahlreichen Webseiten, so auch auf einer Webseite mit dem Titel "Evo-Magazin - Die Website zur Erforschung der Menschen";
http://www.darwin-jahr.de/evo-magazin/unterdrueckung-intelligenzforschung?page=0,2.
Diese Webseite nennt im Impressum (V.i.S.d.P.) die Giordano-Bruno-Stiftung, eine "Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung" (Selbstbezeichnung);
http://www.giordano-bruno-stiftung.de/

Über die Giordano-Bruno-Stiftung und Bezüge zur Ideologie der Eugenik siehe auch die Kontroverse um die Preisverleihung an Peter Singer, z.B.Webseite des Verbandes Sonderpädagogik e.V., "Offener Brief von Prof. Dr. em. Georg Feuser";
http://www.verband-sonderpaedagogik.de/aktuell/feuser-reaktion-singer.html
und auf der Webseite der Stiftung selbst
http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/giordano-bruno-stiftung-fordert-ruecktritt-des-behinderten-beauftragten-bundesregierung
Aber tut nichts: Die Legende von den Anti-Intelligenztest-Nazis trägt weiterhin dazu bei, die tatsächlichen Ursprünge der These von der Begabungs-Hierarchie der Rassen zu vernebeln.


Weitere Info zu Peter Singer und Gedankengut des "evolutionären Humanismus", wie es die Giordano-Bruno-Stiftung vertritt
Dadurch angeregt (über das Thema dieses Posts hinausgehend; ggf. bei Gelegenheit Stoff für einen eigenen Post):(Nachtrag: Dazu auch neue Posts http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/neue-dogmen-im-namen-des-anti.html und http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/vielleicht-doch-nicht-ganz-so-neu-neuer.html)


„Das Wintersemester 1989/90 an der Uni -GH- Duisburg begann in wilder Aufregung. Ursache hierfür war ein Seminar für Studienanfänger im Bereich Philosophie, das unter der Leitung von Professor Dr. Hartmut Kliemt mit dem harmlosen Titel "Praktische Ethik" angekündigt wurde. Alleinige Arbeitsgrundlage für dieses Seminar ist Peter Singers Buch "Praktische Ethik". … Unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaftlichkeit unterscheidet Singer in seiner Theorie Menschenleben nach dem Nützlichkeitsprinzip in wertvoll (= Personen) und menschliche Wesen. Alle Menschen sind menschliche Wesen, aber nicht alle Personen. … Wertlose Menschenleben sind nach Peter Singer schwer geistig oder körperlich Behinderte; Menschen, die durch Unfall, Alter oder Krankheit nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind und schließlich auch noch die Bluter. Singer plädiert dafür, diese "wertlosen Menschenleben" für die Euthanasie (Sterbehilfe), ob mit oder ohne dem Einverständnis der Betroffenen freizugeben, um so Leid zu vermindern und das Volksglück zu heben.
Zitate aus dem Buch: "… Wir können die Euthanasie nicht verdammen, weil die Nazis sie durchgeführt haben, ebensowenig wie wir den Bau von neuen Straßen aus diesem Grunde verdammen können." (Seite 210). … "Mißgebildete Säuglinge haben diese Eigenschaften (Rationalität, Autonomie und Selbstbewußtsein) nicht. Sie zu töten kann daher nicht gleichgesetzt werden mit dem Töten normaler menschlicher Wesen." (Seite 179). … "Das Problem besteht darin, daß wir vor den Abtreibungen nicht wissen können, welches die normalen (Föten) sind. Dieses Problem ließe sich beseitigen, wenn die Frau bis nach der Geburt warten könnte, bevor sie die Entscheidung für oder gegen das Leben ihres Kindes trifft." (Seite 187).
Von Stadtpanorama befragt, meinte Professor Dr. H. Kliemt: "Das Buch von Peter Singer ist ein sehr gutes Buch. Seine Positionen sind ernstzunehmende Positionen, die man nicht mundtot machen sollte. …."
Aus: Stadt-Panorama, Duisburg (18.10.1989), Praktische Ethik an der Uni: "Nicht abtreiben, sondern erst nach der Geburt töten". Enthalten in einer Zusammenstellung von Dokumenten durch Christoph Anstötz, Rainer Hegselmann und Hartmut Kliemt: Peter Singer in Deutschland. Zur Gefährdung der Diskussionsfreiheit in der Wissenschaft. Eine kommentierte Dokumentation. Mit einer Bibliographie von Björn Haferkamp. Download von: www.frankfurt-school.de/content/de/research/dept_legal_ethics/staff/Kliemt/kliemt_sonstiges/philosophy.html.
Die Seitenangaben zu Singers Buch in dem o.g. Artikel beziehen sich auf die 1984 erschienene deutsche Ausgabe „Praktische Ethik“ (Original „Practical Ethics, 1979)
Bemerkenswert an der Dokumentation ist, dass die Sorge ihrer Herausgeber vor allem der vermeintlichen Gefährdung der Diskussionsfreiheit galt (aus Anlass von Protesten gegen die Einrichtung eines Philosophie-Seminars zur Propagierung von Singers Thesen). Es findet sich auch schon der aus der Sarrazin-Debatte sattsam bekannte Vorwurf,  wenn Thesen von der Minderwertigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht durch angesehene Foren aufgewertet würden, hieße das, ein Vertreter ernstzunehmender Positionen solle mundtot gemacht werden.

Ist Professor Dr. Hartmut Kliemt der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) verbunden, auch über ein gemeinsames Interesse an Peter Singers Werken hinaus? Zumindest soweit, dass er eine Schrift zum 85. Geburtstag von Hans Albert verfasste (2006); aufgeführt in einer Publikationsliste auf der Webseite der „Frankfurt School of Finance and Mangement – zu einem Festakt, den die GBS für ihren Stiftungsbeirat Prof. Dr. Dr. Hans Albert organisiert hatte.

Im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung wirkte zeitweise auch die von Sarrazin gern zitierte Necla Kelek mit, deren Kritik an islamischem Chauvinismus in vielen Teilen nur zu berechtigt ist, deren Bereitschaft, sich mit eugenisch-sozialdarwinistischen Thesen in Verbindung bringen zu lassen, aber auch einige ihrer Unterstützer immer wieder erstaunte. Ihre Assoziation mit der GBS könnte auf Einflüsse dieser Denkfabrik hinweisen.

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Siehe auch auf diesem Blog; Intelligenzprüfung als Teil der "erbbiologischen Bestandsaufnahme" , Beispiel Rhön-Region (http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/volkischer-nationalismus-und-die-idee.html)

Weitere Beispiele für die Anwendung von Intelligenztests in Deutschland während der Nazi-Zeit findet man z.B. mit Google-Suche "Intelligenzprüfung"

Donnerstag, 7. Juli 2011

Scientific Racism - Wissenschaftlicher Rassismus

Als Blogger kann ich in meiner Statistik sehen, welche Stichworte über Google-Suche auf meinen Blog geführt haben (natürlich nicht, woher eine bestimmte Suche kam). Ich nehme das immer mal wieder zum Anlass, bestehende Posts gezielter, "nachfrageorientiert" zu ergänzen. Heute möchte ich eine der Suchwortkombinationen, die in meiner Blog-Statistik auftauchten, als Anregung für einen neuen Post nehmen.

Wer in Google die Suchworte Scientific Racism Übersetzung suchte, fand auf diesem Blog den Post über Förderung und Finanzierung eugenischer Publikationen (http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/forderung-und-finanzierung-der-eugenik.html). Dabei geht es auch um Publikationen etlicher Autoren, die Thilo Sarrazin als Referenz gedient haben, und die sämtlich Mittel aus einer Stiftung mit stramm ideologischer Zielsetzung, dem "Pioneer Fund", erhalten haben. Als eine wichtige Informationsquelle zur Finanzierung von Veröffentlichungen, die die öffentliche Meinung im Sinne der Eugenik beeinflussen sollen, hatte ich u. a. das 2007 erschienene Buch von William H. Tucker, "The Funding of Scientific Racism", genannt. Dieses Buch ist, soweit ich bisher feststellen konnte, nicht in deutscher Übersetzung erschienen.

Durch besagte Suche angeregt, habe ich weiter nach Veröffentlichungen in deutscher Sprache mit der wörtlichen Übersetzung des Begriffs "Scientific Racism, "wissenschaftlicher Rassismus" gesucht. Eines der Suchergebnisse erscheint mir besonders erwähnenswert - ein Buch, das man, so denke ich, durchaus als ein deutschsprachiges Standardwerk zum Thema "wissenschaftlicher Rassismus" betrachten kann:

Heidrun Kaupen-Haas, Christian Saller (Hg.), Wissenschaftlicher Rassismus: Analysen einer Kontinuität in den Human- und Naturwissenschaften.
Campus Verlag, 1999 
Zum Blättern: http://books.google.de/books?id=j4RhRIag6KMC&printsec=frontcover#v=onepage&q&f=false

Zitat (S. 96):
„Armut, so das eugenische Credo, dem auch eingefleischte Sozialdarwinisten zustimmen konnten, war biologisch vererbt. … G. Stanley Hall fasste die Koalition von Eugenikern und Sozialdarwinisten zusammen, als er Sterilisation und Rassentrennung als die einzig akzeptablen Mittel der ‚Sozialreform‘ vorschlug.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/gutachten-zu-thilo-sarrazin-rassistisch-elitaer-und-herabwuerdigend-1.58130-2

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Weitere Hinweise (soll  nach und nach ergänzt werden):

http://guttmensch.blogspot.com/2011/03/die-gar-nicht-unpolitische-wissenschaft.html
http://guttmensch.blogspot.com/2011/03/eugenik-sozialdarwinismus-biopolitik.html
Darüber hinaus kann man natürlich auch die oben eingefügte Suchzeile für die Blog-interne Suche nutzen (hier z. B. mit Stichwörtern "Wissenschaftler", "Wissenschaft", "Rassismus"; auch: "akademische Elite").

Gutachten zu Thilo Sarrazin: Wissenschaftlicher Rassismus-Check
http://www.sueddeutsche.de/politik/gutachten-zu-thilo-sarrazin-rassistisch-elitaer-und-herabwuerdigend-1.58130-2


Sehenswert::
Illustrierter Überblick "Francis Galton, Father of Eugenics", von Epiphany Productions, URL:
http://www.youtube.com/watch?v=ufqOe0_pres&feature=player_embedded#at=29
Zitat: "Eugenics is not a true science although it is dressed up in mathematics to give it legitimacy"


Aus einer Besprechung von Tuckers BuchThe Funding of Scientific Racism - Wickliffe Draper and the Pioneer Fund :
"Tucker's well-researched discussions show the intensity of the ideological struggles to prove racial differences in ability and IQ, and they contextualize recent books, such as Charles Murray and Richard Herrnstein's The Bell Curve, that continue this scientific racism."--J. R. Feagin, Choice
http://www.press.uillinois.edu/books/catalog/65rwe7dm9780252074639.html


Aus einem Artikel ueber eine stille Spende Drapers an eine medizinische Fakultaet und andere Spenden, mit denen er Wissenschaftler und Politiker bedachte:

"Scholars taking hard looks at Draper say that his visit to a Nazi eugenics conference, his bankrolling of the racist tract 'White America' and support for sending black Americans back to Africa are part of a pattern - the money promoted the now-discredited eugenics movement and radical racial politics. 'Draper wished to use science as a way to stop the civil-rights movement,' said William Tucker, a professor of psychology at Rutgers University and author of The Funding of Scientific Racism: Wickliffe Draper and the Pioneer Fund, published this year. ...
In 1935 Draper attended the Nazi's International Congress for the Scientific Investigation of Population Problems in Berlin, Lombardo said. The Honorary Chairman of the meeting, Wilhelm Frick, was later convicted during the Nuremberg war-crimes tribunal and hanged in 1946. Draper's companion at the conference, Dr. Clarence C. Campbell, gave a speech that resounded across the Atlantic. "The difference between the Jew and the Aryan is as unsurmountable (sic) as that between black and white," and closed with a rousing "To that great leader, Adolf Hitler!" Time magazine noted.
The next year Draper chose Campbell as a judge for an essay contest he funded, and in 1937 Draper and eugenicists Harry Laughlin and Frederick Osborn launched the Pioneer Fund as a vehicle for distributing grants. Tucker notes that a proposed Pioneer budget for 1937 mentions "two German films referred to by Colonel Draper have been received," and that one, The Hereditary Defective, was shown at 28 U.S. high schools through Laughlin's efforts. Draper continued to work with Laughlin to find ways to use his money to further science that focused on racial issues. Lombardo said there is conclusive evidence that Draper funded a special printing of Earnest Sevier Cox's racist tract 'White America' that was sent to every member of Congress in 1937.
Tucker has shown that Draper gave $215,000 to the Mississippi Sovereignty Commission in the 1960s, a group that used the money for a failed effort to stop the passage of the 1964 Civil Rights Act.
In the late 1950s ... Harry Weyher became the president of the Pioneer Fund ... Through Weyher, Draper gave $500 to Wesley Critz George, a staunch advocate of segregation and a professor at the University of North Carolina, to help distribute a 1961 anti-integration pamphlet. Draper sent George $1,000 Christmas checks every year until 1972, Tucker notes."
http://extras.journalnow.com/againsttheirwill/parts/two/story3.html



Zwei der amerikanischen Rassen- und Intelligenz-“Forscher”, die in Nazi-Deutschland gern gesehen waren, trugen den gleichen Familiennamen, Cox: Earnest Sevier Cox (1880-1966) und Catherine Cox (1890-1984), siehe auch http://guttmensch.blogspot.com/2011/04/nazi-wissenschaftler.html. Ob eine familiaere Verbindung bestand, konnte ich mit einer schnellen Suche nicht feststellen. - Earnest Sevier Cox trug massgeblich zur Einfuehrung von Gesetzen ueber die Rassentrennung in den USA bei und wirkte an der Formulierung der “Eintropfenregel” mit, wonach “ein Tropfen Negerblut” dazu fuehrt, dass ein Mensch nicht als “Weisser”, d.h. nicht als vollwertiger Buerger behandelt wird. Diese Vorstellung von der “rassischen Verunreinigung” spiegelte sich in Nazi-Deutschland in der Einfuehrung der gegen Behinderte und “Andersrassige”, vor allem Juden, gerichteten “Nuernberger Gesetze” wider.
Der von Hitler verehrte Eugeniker Laughlin, Gruendungsmitglied des von Draper gestifteten “Pioneer Fund”, erwaehnte beide Cox’ in einem Bericht ueber den Eugenik-Kongress in New York 1932: “A decade of progress in eugenics; scientific papers of the third International congress of eugenics, held at American museum of natural history, New York, August 21-23, 1932 ... Committee on publication, Harry F. Perkins, chairman ... Harry H. Laughlin, secretary” :
“Earnest Sevier Cox, in his book, "White America," summarizes the result of his researches in all of the continents and amongst all races, and gives his conclusion in one sentence, that, 'To solve the problem, the races concerned must be separated or amalgamated.' …
While many have been studying the problem, the State of Virginia took the initiative in actually enacting in 1924 what is known as the "Racial Integrity" law. This law for the first time definitely defines a white person as one with no ascertainable degree of negro blood, and with equal clearness in 1930 states that a colored person is one with any ascertainable degree of negro blood, other non-white races being included in the same class, except that a person with fifteen-sixteenths or more of white blood, the rest American Indian, without negro admixture, may be classed as white. …
Tested by Mendel's Laws of Heredity, the gradings of intellect in the Leicestershire families have a reliability of 99.8 per cent. … Dr. Catherine … Cox's remarkable work in estimating the I.Q.'s of 300 geniuses from the evidence of their Juvenilia, leads one to hope that she may be persuaded to attempt to grade their intellects on the evidence of their achievements in adult life. … The great value of a battery of standardised mental tests for estimating the I.Q.'s of juveniles and adolescents is beyond all doubt, and for the benefit of posterity such standardised tests should be made compulsory in all schools, so that in course of time the I.Q.'s of all the adults in future populations would be approximately known.”
Auffallende Parallelen zu Aussagen von Mormonen-Fuehrern:
(gefunden auf der Webseite “Mormonismus online” von Holger Rudolph
Brigham Young - Schwarze haben Mangel an Intelligenz


„Ihr seht einige Klassen der menschlichen Familie, die schwarz, ungehobelt, ungepflegt, unstimmig und niedrig in ihren Gewohnheiten sind, wild und offensichtlich mit Mangel an all den Segnungen der Intelligenz behaftet sind, die großzügig auf die Menschheit verteilt wurde....und der Herr setzte auf ihn (Kain) ein Zeichen, die schwarze Hautfarbe und die flache Nase. Verfolgt die Entwicklung der Menschheit von der Flut bis heute und Ihr werdet sehen, dass ein weiterer Fluch auf diese Rasse ausgesprochen wurde - dass sie die 'Diener aller Diener' sein sollen...."
Mormonen Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Vol. 7, S. 290, 1859

Oliver Cowdery - Indianer haben keine Intelligenz


„..Das Land wurde dem Roten Mann überlassen, der ohne Intelligenz war... Das Land wurde wieder bevölkert, in einem Maß, durch ein unverschämtes, wildes, rachsüchtiges, kriegerisches und barbarisches Volk - so sind unsere Indianer."
Oliver Cowdery, LDS Messenger and Advocate, Vol. 1, July, 1835, S. 158

Brigham Young - Bei Vermischung der Rassen kommt der Tod auf die Weißen


„Soll ich euch das Gesetz Gottes in Bezug auf die afrikanische Rasse sagen. Wenn der weiße Mann, der zum auserwählten Geschlecht gehört, sein Blut mit dem Kains vermischt, ist die Strafe, die darauf folgt, der sofortige Tod. Dies wird immer so sein."
Mormonen Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Vol. 10, S.110, 1863

Mark E. Peterson - Nicht ein Tropfen schwarzes Blut


„Wenn sich nur ein Tropfen Negerblut in meinen Kindern befindet, so wie ich es euch vorgelesen habe, werden sie den Fluch empfangen."
Mormonen Apostel Mark E. Peterson, "Race Problems - As They Affect The Church", S.7

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Das oben erwaehnte Produkt der Unterstuetzung durch den Pioneer Fund, "The Bell Curve" von Murray und Herrnstein, gehoert zu den wesentlichen Quellen fuer Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab".
Auf die USA bezogen empfehlen Murray und Herrnstein das Modell eines “custodial state”; einer Art Reservat nach dem Vorbild von Indianerreservaten, in dem vermeintlich Dumme, Untuechtige und zur Kriminalitaet Neigende und ihre Nachkommen isoliert werden sollen, waehrend der Rest der Bevoelkerung, von diesen unerwuenschten Elementen ungestoert, ihren Geschaeften nachgeht.


("In short, by custodial state, we have in mind a high–tech and more lavish version of the Indian reservation for some substantial minority of the nation's population, while the rest of America tries to go about its business.")

Siehe z.B. die Buchbesprechung von John C. Culbertson, University of Kansas;

Siehe auch auf diesem Blog Stichwort "Unterschicht"; z.B.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/neue-unterschicht-alte-erklarungsmuster.html

und Stichwort "Glockenkurve"; z.B.
http://guttmensch.blogspot.com/2011/06/der-genie-und-fuhrerkult-aus-dem-geist.html



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http://www.mybitforchange.org/2012/secular-extremism/

Mittwoch, 6. Juli 2011

Dürfen Ältere im Supermarkt die gleichen Rechte beanspruchen wie Junge? Mit Klartext gegen die Oma

Bei der Suche nach Quellen zu dem Begriff „Klartext-Attitüde“ (den ich so nicht gefunden, aber im vorigen Post trotzdem verwendet habe) stieß ich auf einen interessanten Artikel in der Online-Version der Frauenzeitschrift „Brigitte“.

Auszüge:
„Es gab Zeiten, da habe ich wenig gesprochen. Ich habe meine Kommunikation
auf SMS und E-mails verlegt, um meine Nerven zu schonen. Sinnloses Gerede verbraucht unnötige Energie. Diese Phase ist vorbei, ich spreche wieder. Und zwar Klartext. Das kostet zwar auch Energie, aber die ist äußerst gut und zielorientiert angelegt.“
„Ich sage einer drängelnden Oma an der Supermarktkasse, dass ich finde, Rentner müssten nicht zwingend um 19 Uhr einkaufen. Sie lässt mich vor.“
„Läuft ganz gut mit der Wahrheit. Ich verstehe nicht, warum die meisten Menschen ihre Kernaussage in einem Wust von Worthülsen verstecken.“
Aus: „Die Lieblingssünde“ von Nikola Haaks, 12.06.2009, ein Artikel aus der BRIGITTE BALANCE 02/09; URL: http://www.brigitte.de/liebe-sex/persoenlichkeit/ehrlich-1023721/

Interessant finde ich an dem Artikel, dass er ganz beiläufig und selbstverständlich zwei Zeitgeist-Phänomene widerzuspiegeln scheint:
·         Zum einen die Forderung nach mehr Recht auf persönliche und kollektive Egozentrik, die in dem Modewort „Klartext“ – und der Art und Weise, wie es angewendet wird - zum Ausdruck kommt (siehe Stichwort „Klartext“ auf diesem Blog)
·         Zum anderen eine polemisch geführte Demografie-Debatte mit Schlagworten wie „Schrumpfvergreisung“ und der Vorstellung feststehender Rollenverteilungen, auch zwischen Jung und Alt, von „Leistungsträgern“ und „Transferempfängern“ (siehe Stichworte „Vergreisung“ und „Schrumpfvergreisung“ auf diesem Blog)

Henry Fords Polemik gegen „Toleranzduselei“

Der Serie „Gutmensch & Co.“

 

 
möchte ich noch einen weiteren Fund hinzufügen: „Toleranzduselei“. Auch dieser Begriff kommt also aus der Kiste „Humanitäts-, Gefühls- und andere -duseleien“ (Vorläufer des Klischees vom „Gutmenschentum“).

 
Der Autokönig Henry Ford bzw. sein deutscher Übersetzer Paul Lehmann verwendete ihn in dem antisemitischen Klassiker „Der Internationale Jude“ (Dreiunddreißigste Auflage, Hammer-Verlag, Leipzig 1937) – nachzusehen unter http://www.archive.org/stream/DerInternationaleJude/FordHenry-DerInternationaleJude1937553S._djvu.txt .
Zitat:
„Es ist eine Art Schlüsselwort für den Geisteszustand, wie ihn die Nicht-Juden aufweisen sollen, ein Zustand verschwommener Toleranzduselei voller sinnloser Phrasen von ‚Freiheit‘…“ (Hervorhebung im Fettdruck von mir, ebenso in dem Zitat unten.)
  • Die englischsprachige Originalstelle zu dem Begriff "Toleranzduselei" bei Henry Ford habe ich noch nicht gefunden, aber eine andere Stelle, an der das Wort "Toleranz" in einer ähnlichen Verbindung steht: "good-natured tolerance of all races". (Fundstelle: Facing History and Ourselves 2001-2002, Ms. Freeman, Reading: Henry Ford, “Anti-Semitism: Will It Appear in the U.S.?" Mit Quellenangabe "The Dearborn Independent June 19, 1920", URL: http://www.learntoquestion.com/class/discussion/archive/index.php?t-362.html). Mit Stichwortsuche nach "good-natured tolerance of all races" (in den Anführungszeichen) finden sich wiederum zahlreiche Zugänge zu englischsprachigen Ausgaben des Ford-Pamphlets "The International Jew" aus verschiedenen Jahren, teils als Studienmaterial, zu einem großen Teil aber auch als Propaganda-Material rechtsextremer Organisationen. Die von Ford verwendete, negativ gemeinte Wortverbindung "good-natured tolerance" lässt sich mit "Toleranzduselei" übersetzen; neudeutsch entspricht ihr eher "gutmenschelnde Toleranz", "Gutmenschen-Toleranz" oder einfach "Gutmenschentum".
Eines von etlichen im Internet zu findenden Zitaten mit „Toleranzduselei“ aus heutiger Zeit:
„Wir Deutschen haben genügend eigene, teils hausgemachte Probleme, die wir künftig lösen müssen, wenn es auch in 100 Jahren noch ein deutsches Volk geben soll, daß diesen Namen verdient. … Der Deutsche ist mit Sicherheit einer der gastfreundlichsten Menschen der Welt, das Duckmäusertum und die Unterwürfigkeit allem Fremden gegenüber ist der Beweis. Doch spätestens dann, wenn das Gastrecht flächendeckend mißbraucht wird, muß mit falsch verstandener Humanität und Toleranzduselei Schluß sein."
Aus einem Beitrag auf der NPD-Webseite vom 24.11.2009
  • Auch interessant: Ein Beitrag in einem Forum Gleichgesinnter mit der Wortkombination "gutmenschelnde Toleranz" (einer der möglichen neudeutsche Übersetzungen von "good-natured tolerance"), unmittelbar gefolgt von Textzeilen der an anderer Stelle schon genannten Band "Sturmwehr". Als "gutmenschelnde Toleranz" würde es hier gesehen, wenn ein Kamerad es einfach hinnehmen würde, dass der türkische Freund einer Cousine an der Geburtstagsfeier des Vaters teilnimmt, ohne zumindest deutliche Missbilligung um Ausdruck zu bringen. ("forum.thiazi.net, Germanische Weltnetzgemeinschaft", URL: http://174.122.234.116/showthread.php?t=179388&page=4)

Es gibt Hinweise auf weitere Ähnlichkeiten in Argumentation und Stil ("Klartext-Attitüde") zwischen dem antisemitischen Pamphlet von Henry Ford und muslimfeindlicher Agitation aus unserer Zeit von NPD bis Sarrazin. Der Frage nach solchen Ähnlichkeiten möchte ich bei Gelegenheit noch etwas weiter nachgehen und Ergebnisse auf diesem Blog einstellen.
(Inzwischen geschehen, siehe http://guttmensch.blogspot.com/2011/08/henry-ford-uber-die-juden-ein.html)

Zur "Klartext-Attitüde" bei Henry Ford (wobei "Klartext" alles andere als "Wahrheit" bedeutet): Auf 552 Buchseiten kommt (nach meiner Zählung mit Hilfe der Suchfunktion) 75x das Wort "Tatsachen" vor. - Interessant ist auch der Wortlaut von Fords Entschuldigungen bzw. Distanzierungen unter dem Druck drohender Gerichtsverfahren und geschäftlicher Nachteile - er sei gegen antisemitische Agitation und bedaure es, wenn jemand sich durch seine Publikationen angegriffen gefühlt habe.


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Definitionen zu Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit

Knapp und übersichtlich dargestellt z.B. in einer Quelle aus der Schweiz, Glossar der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR:
http://www.ekr.admin.ch/themen/00023/00025/index.html?lang=de; http://www.ekr.admin.ch/themen/00023/00026/index.html?lang=de

Henry Ford und der Nazi-Orden
Links zu Illustrationen und Texten - wie immer ohne Gewähr für Inhalt externer Links.

Die folgenden Links wurden über eine Bildersuche gefunden und in erster Linie aufgrund des Bildmaterials ausgewählt):
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2369/der_diktator_von_detroit.html;
http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/3R/Hitlers-financiers-d/Henry-Ford-adlerorden-44pr.JPG;
http://www.dokus.biz/hitlers-amerikanische-geschaeftsfreunde/;

Über ein paar Umwege gefunden:
http://freemasonry.bcy.ca/anti-masonry/dearborn.html
Enhält Hinweise auf die Rolle des Ku Klux Klan bei der Verbreitung von Fords Texten, nachdem sich dieser schon - zumindest offiziell - von antisemitischer Agitation distanziert hatte.


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Gefunden 2012

Auszug aus "Das Stigma 'Gutmensch' "

Von Astrid Hanisch und Margarete Jäger, erschienen in DISS-Journal 22 (2011)


"... Solche Diskursstrategien sind allerdings überhaupt nicht neu. Anhand eines Artikels von Heinrich von Treitschke aus dem Jahr 1879 arbeitet Volker Weiß interessante Parallelen zur Sarrazin-Debatte 2010 heraus. Der Treitschke-Text enthalte „wohlfeile Angriffe auf Positionen, die heute als ‚gutmenschlich’ bezeichnet werden würden. […] Mit der Geste, über Minderheiten schonungslos zu sagen, was andere aufgrund menschenfreundlicher Konventionen nicht auszusprechen wagen, konnte man also schon im 19. Jahrhundert Furore machen.“ (Weiß 2011: 102)
Auch der Abdruck der Rede von Gerhard Wagner, seinerzeit Leiter des Hauptamtes für Gesundheit, zum Thema Rasse und Volksgesundheit auf dem NSDAP-Parteitag von 1934 enthält eine Passage, in der dem politischem Gegner Gefühlsduselei und Irrationalität unterstellt wird:

„Mit aller Schärfe sei aber auch an dieser Stelle noch einmal der Gedanke zurückgewiesen, daß der Eingriff in die Lebensrechte der erblich Schwachsinnigen, Geisteskranken oder sonst schwer Belasteten aus ethischen und religiösen Gründen abzulehnen sei. Die göttliche Kraft, die die Welt schuf und ihr ihre Gesetze gab, hat selbst die Gesetze der Auslese im Daseinskampf, d.h. die oft brutale Vernichtung des Untauglichen und nicht voll Tüchtigen auch über das Leben und die Menschen gestellt. Und indem wir diesen Gesetzen mit humanen Mitteln nach einer langen Zeit der Verwirrung wieder Geltung verschaffen, dienen wir in Wahrheit dem wirklichen Willen des Schöpfers nach Aufstieg und Gesundheit des Menschengeschlechts, den eine falsche und krankhafte Humanitätsduselei durchkreuzt und verraten hat.“ (Wagner 1934, 271f.)
In heutiger Zeit hätte er auch von „Gutmenschen“ sprechen können."

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21.9.2015

Flüchtlinge: Australien schickt Asylsuchende mit ... - Die Zeit
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Jan 8, 2014 - Da kam sogar schon das schöne Wort "Humanitätsduselei" (Original von Goebbels!) vor - und das auch noch in Hinblick auf die "richtige" ...


Markante Momente: 1931 - Fritz Langs pfeifender Mörder ...
2013 -
Goebbels notierte nach einem Kinobesuch: „Abends mit Magda Film ‚M' von Fritz Lang gesehen. Fabelhaft! Gegen die Humanitätsduselei.